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Noch einmal zum Trinitätsmonotheismus: Eine Antwort auf Daniel Howard-Snyder

Summary

Eine Antwort auf Howard-Snyders Kritik am sozialen Trinitätsmodell, wie es in Philosophical Foundations for a Christian Worldview dargelegt ist. Ausgehend von Erkenntnissen der Mereologie, biete ich eine mögliche Alternative zu meiner zuvor verteidigten Auffassung, nach welcher die Trinität völlig mit Gott identisch ist, indem ich die Trinität als Gruppenkonzept betrachte und nicht als Namen für eine Substanz.

„Trinity Monotheism Once More: A Response to Daniel Howard-Snyder“, Philosophia Christi 8 (2006): 101-113.

Einleitung

Daniel Howard-Snyder schätzt den Trinitätsmonotheismus nicht. Ich meine, er schätzt den Trinitätsmonotheismus überhaupt nicht! Das zeigt zumindest seine pointierte Kritik an unserem vorgeschlagenen Modell der Trinität in unserem Buch Philosophical Foundations for a Christian Worldview[1] In dieser Antwort hoffe ich, sowohl von seiner Kritik zu profitieren, als auch zu zeigen, dass seine Einwände gegen unseren Vorschlag nicht annähernd so vernichtend sind, wie er anzunehmen scheint. Da ein Punkt-für-Punkt-Kommentar unverhältnismäßig lang wäre, werde ich mich auf seine wichtigsten Einwände konzentrieren, die sich in den entscheidenden Teilen seiner Abhandlung finden, in den Abschnitten 3 und 4.

Die Stärke unseres Vorschlags liegt in der Tatsache, dass er sich nicht mit einem rein formelhaften Verständnis der Trinität zufrieden gibt. Wir versuchen vielmehr ein Modell anzubieten, das tatsächlich zeigt, wie der Vater, der Sohn und der Heilige Geist drei Personen in einer Substanz sein können. Hier ist das Modell: Gott ist eine immaterielle Substanz oder Seele, die mit drei Reihen kognitiver Fähigkeiten ausgestattet ist, von denen jede für Personalität ausreicht, sodass Gott drei Zentren des Ich-Bewusstseins, der Intentionalität und des Willens hat. Eine der Schwachstellen in Howard-Snyders Kritik ist, dass er schrecklich viel Aufhebens um die Analogien und Vorschläge macht, die wir als Sprungbrett anbieten, um zu diesem Modell zu gelangen, während er vergleichsweise wenig über die Kohärenz oder Annehmbarkeit des endgültigen Modells selbst sagt. Ob zum Beispiel die in dem Modell genannten Personen als Teile Gottes charakterisiert werden sollten, ist für den Vorschlag eigentlich nebensächlich und kann der Entscheidung der Mereologen überlassen werden. Die Frage des Teilseins kam nur als Vorschlag auf, um zu erklären, warum die Personen göttlich sind. Aber dass sie in dem endgültigen Modell göttlich sind, scheint offensichtlich, da das Modell einen Gott beschreibt, der tripersonal ist. Die Personen sind die Verstande Gottes.

Das Modell selbst ist entwaffnend einfach und prima facie kohärent. Warum kann eine Seele nicht so reich ausgestattet sein, dass sie drei für Personalität ausreichende Reihen kognitiver Fähigkeiten besitzt, wie unsere Seelen eine solche Reihe besitzen? Ich sehe keinen offenkundigen Grund, weshalb sie es nicht könnte, und auch Howard-Snyder nennt keinen. Es bleibt also die Frage, ob dieser Vorschlag theologisch inakzeptabel ist, wenn er auch kohärent ist. Hier hat Howard-Snyder einige Bedenken, die er in seinem Abschnitt 4 anspricht. Betrachten wir diese also zuerst. Wenn sie nicht zu ernst sind, dann sind die Fragen über Teilsein und Zusammensetzung, die in Abschnitt 3 erörtert werden, zwar philosophisch interessant, aber für den Erfolg des Modells nicht entscheidend.

Theologische Einwände (Abschnitt 4)

In Abschnitt 4.1 kritisiert Howard-Snyder nicht das Modell, sondern die Hauptanalogie, die als Sprungbrett dient, um zu dem Modell zu gelangen, sowie eine Bemerkung gegen Ende unserer Ausführungen. Howard-Snyders erster Einwand gegen unsere Verwendung des mythologischen dreiköpfigen Hundes Kerberos, um zu der Frage hinzuführen, wie drei Personen zusammen ein einziges Wesen sein können, ist, dass Kerberos nicht ein Hund ist, sondern „drei teilweise überlappende Hunde“. [2] Ich finde diese Behauptung erstaunlich. Mehrköpfige Tiere kommen nicht nur in der Mythologie vor, sondern existieren auch in der realen Welt (siehe Abb. 1).

(a) (b)
Abb. 1: Beispiele zweiköpfiger Reptilien

In Abb. 1(a) sehen wir eine zweiköpfige Schildkröte; jedenfalls sieht es so aus. Denn wenn Howard-Snyder Recht hat, sehen wir in Wirklichkeit zwei teilweise überlappende Schildkröten. Vielleicht ist aber auch das, was wir in Abb. 1(a) sehen, nach Howard-Snyders Auffassung gar keine Sache und in jedem Fall keine Schildkröte. Doch dies widerspricht dem gesunden Menschenverstand und der nahezu universalen Auffassung, dass Abb. 1(a) das Foto einer zweiköpfigen Schildkröte ist.

Der Metaphysiker, der uns einreden will, dass das, was wir hier sehen, etwas weitaus Skurrileres und Ausgefalleneres ist als eine mutierte Schildkröte – nämlich zwei Schildkröten, die einander mit Ausnahme ihrer hervorstehenden Köpfe überlappen –, täte gut daran, einige recht überzeugende Argumente zu geben, warum wir dies denken sollten. Doch Howard-Snyder bietet keine Argumente. Er behauptet es einfach.

Er antwortet nicht auf den vernünftigen Einwand, dass in Kerberos‘ Fall ein ungewöhnlicher, dreiköpfiger Hund existiert, der drei verschiedene hundeartige „Personen“ hat. Er antwortet zuerst mit der Behauptung, dass es – da Gehirne Säugetiere individuieren – einen einzelnen Hund, der drei verschiedene, vollständige, individuell funktionierende Gehirne hat, nicht geben kann. Eine bloße Behauptung! So, wie es zweiköpfige Reptilien gibt, gibt es auch mutierte Säugetiere, die zwei Köpfe und somit zwei Gehirne haben (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Ein zweiköpfiges Kalb.

Diese Geschöpfe sind normalerweis dysfunktional, aber es gibt keinen inhärenten Grund, warum dies so sein muss. Wir können uns einen voll funktionsfähigen zweiköpfigen Hund vorstellen. Im Fall von Kerberos können wir annehmen, dass er ein normales Mitglied seiner Spezies ist und, wenn er sich vermehrt, voll funktionsfähige dreiköpfige Sprösslinge zeugt. Drei Köpfe zu haben ist in den Genomen dieser Spezies angelegt, und nur Mutanten wären in der unglücklichen Lage, weniger als drei voll entwickelte Köpfe zu haben. Warum sollten wir Howard-Snyder zustimmen, dass so etwas unmöglich ist?

Seine zweite Antwort macht Gebrauch von den üblichen Zweideutigkeiten in Debatten über personale Identität. Angenommen Rover, Bowser und Spike würden chirurgisch getrennt und durch die fehlenden Körperteile ergänzt, sodass nach Vollendung der Operationen drei getrennte Hunde existierten. Man sollte meinen, dass wir nun drei neue Hunde haben. Doch was ist mit Rover, Bowser und Spike geschehen? Sie existieren immer noch, können aber nicht mit den drei neuen Hunden identisch sein, da keiner von ihnen vor der Operation ein Hund war. Um die damit verbundenen rätselhaften Probleme zu umgehen, denkt Howard-Snyder, dass wir sagen sollten, dass Rover, Bowser und Spike jeder vor und nach der Operation ein Hund sind.

Fälle dieser Art enthalten normalerweise derart widersprüchliche Intuitionen, dass keine Lösung sich als eindeutig korrekt abzeichnet, und diejenigen, die vorgeschlagen werden, scheinen alle der Intuition zu widersprechen. Ich habe wesentlich mehr Gewissheit, dass ich ein zweiköpfiges Tier erkenne, wenn ich eines sehe, als dass ich auf die Wahrheit einer bestimmten Lösung für die Rätsel vertraue, die durch solche Gedankenexperimente aufgeworfen werden. Daher sind Einwände gegen die Existenz eines dreiköpfigen Hundes wie Kerberos, die auf solchen Rätseln basieren, überhaupt keine stichhaltigen Einwände. Tatsächlich wird Howard-Snyder sich mit vergleichbaren Rätseln konfrontiert sehen, wie er sie aufwirft. Denn es gibt eine Vielfalt hundeartiger Spezies. Nehmen wir einmal an, dass Kerberos so aussieht wie ein dreiköpfiger Wolf. Nach Howard-Snyders Auffassung ist Kerberos (wenn es so etwas überhaupt gibt) trotz allen Anscheins kein Wolf, sondern ein Rudel von drei Wölfen. Nehmen wir nun an, dass Bowser von Chirurgen operiert wird, die ihn durch Körperteile eines Collies ergänzen, und dass der arme Spike, einst ein scharfer Wachhund, nach der Operation aufwacht und feststellt, dass sein Gehirn in den Körper eines Chihuahua transplantiert wurde. Man sollte meinen, dass ein neuer Collie und ein neuer Chihuahua angefangen haben zu existieren, oder zumindest neue Collie- und Chihuahua-Hybriden, obwohl Bowser und Spike die Operation überleben. Aber was waren sie dann vor der Operation? War Bowser immer ein Collie und Spike ein Chihuahua? Sicher nicht! Sind sie also jetzt tatsächlich Wölfe, die wie ein Collie und ein Chihuahua aussehen? Damit Howard-Snyder nicht in die Versuchung kommt, in den sauren Apfel zu beißen und ja zu sagen, nehmen wir an, dass der Chirurg nicht die nötigen Hunde-Körperteile hatte, um die Operation zu vollenden, und deshalb das Gehirn von Spike in den Körper einer Katze oder eines Krokodils transplantierte. Ist Spike in seinem Reptilienkörper immer noch ein Hund – ein kaltblütiger, Eier legender Wolf? Das erscheint absurd.

Ich denke, wir sollten besser sagen, dass nach der Operation neue Geschöpfe zu existieren beginnen, mit denen Bowser und Spike nicht identisch sind, obwohl Bowser und Spike die Operationen überleben. Vielleicht sind Rover, Bowser und Spike drei Teile von Kerberos, sagen wir, seine Gehirne, die in neue Tiere eingegliedert wurden. Oder Rover, Bowser und Spike sind vielleicht immaterielle Personen, die irgendwie mit neuen Körpern verbunden wurden. Die Behauptung, dass Rover, Bowser und Spike die Operationen überleben, verpflichtet uns also nicht zu der Annahme, dass sie vor den Operationen drei verschiedene Hunde waren. Nach den Operationen haben wir drei verschiedene Tiere, von denen höchstens eines mit Kerberos identisch ist, während die anderen zwei neue Tiere sind. Rover, Bowser und Spike bleiben als materielle oder immaterielle Teile dieser Tiere bestehen. Somit hat Howard-Snyder nicht bewiesen, dass Kerberos – anders, als es die Geschichte sagt – kein dreiköpfiger Hund war, sondern drei verschiedene, wenn auch überlappende Hunde.

Howard-Snyders zweiter Einwand gegen die Kerberos-Analogie ist, dass sie obskur ist. Er klagt, dass wir nicht die geringste Vorstellung haben, was es bedeutet zu sagen, dass Kerberos Rover, Bowser und Spike „trägt“.

Diese Kritik an der Analogie ist unbegründet, da die fragliche Beziehung nirgendwo in der Analogie oder in unserer Erörterung dazu vorkommt, sondern von Howard-Snyder selbst aus einer späteren Zeile in unserem Kapitel eingeführt wurde. Würde jemand ein beschädigtes Exemplar von Philosophical Foundations vorfinden, in welcher die beanstandete Zeile und alles Weitere verloren wären, hätte er immer noch unsere vollständige Erörterung der Kerberos-Analogie und die Darlegung unseres abschließenden Modells. Ihm würde keine notwendige Voraussetzung fehlen, um die Analogie oder unser vorgeschlagenes Modell der Trinität, das sich daraus ergibt, zu verstehen. Um jede Mehrdeutigkeit auszuschließen: So wie Kerberos ein einziger Hund mit drei Bewusstseinen ist, so ist Gott eine einzige geistliche Substanz oder Seele mit drei Ich-Bewusstseinen.

Nachdem er die Kerberos-Analogie verworfen hat, kritisiert Howard-Snyder des Weiteren unsere zuvor erwähnte zusammenfassende Bemerkung, die nach der Erklärung des Modells folgt: „Gott wäre deshalb ein einziges Wesen, das drei Personen trägt, so wie unsere individuellen Wesen je eine Person tragen.“ Er macht sehr viel Wind um unsere Verwendung des Wortes „trägt“, das nur an dieser einen Stelle in dem ganzen Kapitel vorkommt, als wäre es der Angelpunkt des Modells. Tatsächlich sollte der Satz nur zusammenfassen, was bereits erklärt worden war; er bedeutet nicht mehr und nicht weniger als das, was zuvor gesagt wurde, und kann ohne inhaltlichen Verlust aus dem Kapitel weggelassen werden. Um es noch einmal klar zu sagen: Was ich auszudrücken versuchte, war die Idee, dass die kognitive Ausstattung einer Seele explanatorisch der Zahl der vorhandenen Personen vorausgeht: Der Grund, weshalb drei Personen in der Gottheit sind, ist, dass Gott über drei für Personalität ausreichende Reihen rationaler Fähigkeiten verfügt, so wie es in meinem Fall eine einzige Person gibt, weil meine Seele mit einer einzigen Reihe rationaler Fähigkeiten ausgestattet ist. Wir könnten vielleicht sagen, dass Personalität zu rationalen Fähigkeiten superveniert und in diesem Sinne davon abhängig ist, um welche Art von Seele es sich handelt.

Die Kerberos-Geschichte ist also eine sinnträchtige und hilfreiche Analogie, und die Formulierung „trägt“ ist unwesentlich, um das Modell zu verstehen.

In Abschnitt 4.2 beginnt Howard-Snyder, das Modell selbst zu erörtern. Er stellt richtig fest, dass Gott nach diesem Modell „nicht eine Person ist“, wenn er dies auch tendenziös so wertet, dass es Gott an der kognitiven Ausstattung fehlt, die ausreichend ist, um „ein selbstreflektierender Akteur mit der Fähigkeit der Selbstbestimmung“ [3] zu sein. Das ist sehr irreführend, so als wäre Gott nach unserer Auffassung kein personales Wesen. Doch nach unserer Auffassung hat Gott in Wirklichkeit die für Personalität ausreichende kognitive Ausstattung sogar dreimal und ist daher tripersonal. Somit gibt es an den Schlussfolgerungen unserer Auffassung, dass Gott nicht eine Person ist, nichts, was zu beanstanden wäre. Das ist ein wesentlicher Bestandteil trinitarischer Orthodoxie. Leider zeigt Howard Snyder eine beunruhigende Neigung zum Unitarianismus. So führt die Beobachtung eines anonymen Gutachters, dass „jedes Modell der Trinität sagen muss, dass Gott nicht eine Person ist“, zu dieser überraschenden Erwiderung: „Soweit ich sehen kann, leistet diese Behauptung wenig mehr, als die kurzsichtige Ansicht des Gutachters zu den Optionen auszudrücken, ganz zu schweigen von seiner oder ihrer Missachtung der offenkundigen Bedeutung von Bibel und Tradition.“ [4] Hier, fürchte ich, unterliegt Howard-Snyder einem gravierenden Irrtum. Die Kirche hat die Behauptung von Modalisten und anderen Unitariern, dass Gott eine Person ist, durchgängig verworfen. Nicht einmal anti-soziale Trinitarier würden es wagen zu behaupten, dass Gott eine Person ist. Wir alle bekräftigen, dass Gott personal ist; Trinitarier dagegen lehnen die Behauptung ab, dass Gott eine Person ist.

Howard-Snyder zieht drei Schlussfolgerungen aus der Verneinung, dass Gott eine Person ist, die er beanstandenswert findet. Erstens sei der einleitende Vers der Bibel „Am Anfang schuf Gott…“ falsch. Dieser Einwand ist unsinnig, da die alttestamentlichen Schriften die Personen der Trinität nicht unterscheiden. Wenn sie dann schließlich im Neuen Testament unterschieden werden, sehen wir, dass Gott der Vater normalerweise als der Schöpfer beschrieben wird, mit Christus als seinem Mittler.

Zweitens könnten Menschen nicht in Gottes Ebenbild erschaffen sein, da Gott nicht eine Person ist. Wie schon gesagt, bedeutet die Tatsache, dass Gott nicht eine Person ist, nicht, dass Gott „völlig ohne personale Attribute“ [5] wäre. Wir sind im Ebenbild Gottes erschaffen, weil wir mit rationalen Fähigkeiten ausgestattet sind, die für Personalität ausreichen, wie auch Gott so ausgestattet ist, wobei der einzige Unterschied darin besteht, dass wir jeweils eine Reihe solcher Fähigkeiten haben, während Gott über drei verfügt. Aber wir sind personale Wesen, so wie Gott ein personales Wesen ist.

Drittens setzt die Auffassung eine abgründig geringe Sicht der göttlichen Natur voraus, da die Trinität die göttliche Natur exemplifiziert und dennoch nicht eine Person ist. „Wenn Gott nicht eine Person oder ein Akteur ist, dann weiß Gott überhaupt nichts, dann kann er nicht handeln, dann kann er nicht moralisch gut sein, dann kann er nicht anbetungswürdig sein.“ [6] Der Einwand ist verfehlt. Howard-Snyder geht davon aus, dass Gott solche Eigenschaften nur haben kann, wenn er eine Person ist. Aber mir scheint, dass Gott sie haben kann, wenn Gott eine Seele ist, welche die für Personalität ausreichenden rationalen Fähigkeiten hat. Wenn Gott eine Seele wäre, die mit einer einzigen Reihe rationaler Fähigkeiten versehen ist, dann könnte er alle diese Dinge tun. Wird Gott denn in irgendeiner Weise dadurch beeinträchtigt, dass er eine noch reicher ausgestattete Seele ist? Wie kann die Erhöhung von Gottes kognitiven Fähigkeiten Gott weniger wissend, weniger gut, weniger mächtig, weniger anbetungswürdig machen? Nach unserer Auffassung gehört es zur göttlichen Natur, ein personales Wesen zu sein, und wenn eine Seele so reich mit rationalen Fähigkeiten ausgestattet ist, dann ist sie allenfalls noch majestätischer und anbetungswürdiger als eine weniger reich ausgestattete Seele.

Am Ende seiner Abhandlung, in Abschnitt 4.3, behauptet Howard-Snyder, dass unsere Auffassung nicht monotheistisch ist. Sein Argument ist, dass der Monotheismus nicht so eng definiert werden sollte, dass er die Einordnung von Juden als Monotheisten ausschließt. Juden und Christen stimmen überein, dass es nur eine Instanz der göttlichen Natur gibt. Doch wenn wir die göttliche Natur so definieren, dass sie die Eigenschaft einschließt, dreieinig zu sein, schließen wir Juden (von Muslimen ganz zu schweigen) als Monotheisten aus. Andererseits sind Monotheisten sich in der Überzeugung einig, dass die göttliche Natur die Eigenschaft einschließt, anbetungswürdig zu sein, was voraussetzt, eine Person zu sein. Nach dem Monotheismus kann etwas Gott sein, ohne eine Natur zu exemplifizieren, zu der die Eigenschaft gehört, dreieinig zu sein, und nichts kann ein Gott sein, ohne eine Natur zu exemplifizieren, welche die Eigenschaften beinhaltet, eine Person zu sein. Nach beiden Maßstäben kann unsere Auffassung nicht monotheistisch sein.

Dieser Einwand scheint irrtümlich anzunehmen, dass das Wort „Gott“ im Sinne der generischen göttlichen Natur so definiert werden muss, dass alle Parteien, die als monotheistisch zu bezeichnen sind, sich über die Eigenschaften dieser Natur einig sind. Es kann Wörterbuch-Definitionen des Wortes geben, die für den Alltagsgebrauch ausreichen, ohne alle Eigenschaften aufzuzählen, die zur generischen göttlichen Natur gehören. Monotheisten sind sich also nicht unbedingt einig, dass die generische göttliche Natur nicht dreieinig ist. Aber lassen wir das einmal dahingestellt sein. Angenommen, wir stimmen überein, dass die generische göttliche Natur nicht einschließt, dreieinig zu sein. Dann ist der eigentliche Knackpunkt Howard-Snyders Behauptung, dass alle Monotheisten übereinstimmen, dass Gott eine Person ist. Auch hier verwechselt er Unitarianismus mit Monotheismus. Monotheisten stimmen überein, dass Gott personal ist, nicht dass er eine Person ist. Monotheisten sind sich einig, dass man kein Unitarier sein muss, um Monotheist zu sein. So ist es nach Howard-Snyders Argumentation er selbst, der kein Monotheist ist.

Zusammenfassend ist also festzustellen, dass Howard-Snyders Einwände gegen unser tatsächliches Modell sich als recht schwach erweisen.

Mereologische Einwände (Abschnitt 3)

Wir kommen jetzt zu dem, was Howard-Snyder in seinem Abschnitt 3 als „Problem der verminderten Göttlichkeit“ bezeichnet. Diese Frage stellt sich infolge des Vorwurfs von Leftow, dass die Personen bestenfalls eine Art verminderte Göttlichkeit besitzen, wenn sie Trinität die göttliche Natur nicht instanziieren, aber dennoch als göttlich bezeichnet werden. Wir erwiderten, dass Leftows Einwand voraussetzt, dass es nur eine Art gibt, göttlich zu sein, was die entscheidende Frage gegen den Trinitätsmonotheismus offen lässt. Diese Erwiderung dient dazu, den Einwand zu widerlegen; doch auf der Suche nach einer positiven Erklärung gehen wir der Frage nach: „Was macht die Personen der Trinität göttlich?“ Wir betrachten die Analogie der Katzenartigkeit. Es gibt mehr als eine Art, katzenartig zu sein, denn die DNA oder das Skelett einer Katze ist vollständig und unzweifelhaft felin, obwohl keins von beiden eine Instanz der felinen Natur ist. Nach diesem Maßstab scheint Howard-Snyder zuzustimmen: Es gibt mehr als eine Art, felin zu sein. Es bleiben also zwei Fragen: (1) Warum kann man von dem Skelett oder der DNA einer Katze wahrheitsgemäß sagen, dass sie felin sind? Und (2): Kann die Göttlichkeit der Personen der Trinität analog erklärt werden? Zu beachten ist: Selbst wenn unsere Antworten auf diese Fragen unzutreffend sind, wird dadurch in keiner Weise das endgültige Modell untergraben oder gezeigt, dass es nur eine Art gibt, göttlich zu sein.

Betrachten wir also die erste Frage: Warum ist das Skelett einer Katze richtig als felines Skelett zu bezeichnen? Wir schlugen die Antwort des gesunden Menschenverstandes vor, dass dies so ist, weil das Skelett Teil einer Katze ist. Es ist nichts als Krittelei, wenn Howard-Snyder einwendet, dass transplantierte Organe einer anderen Tiergattung Teil einer Katze sein können, denn wir sprachen offensichtlich von natürlichen Teilen. Und genauso wenig ist es ein ernstes Problem, wenn er einwendet, dass die Atome und Moleküle, die Teile einer Katze sind, nicht felin sind, denn wir können sagen, dass wir von Teilen sprechen, die für die Katzengattung distinktiv sind, Teile, die ein qualifizierter Biologe oder Paläontologe als zu einer Katze gehörend identifizieren könnte, wenn man sie ihm vorlegen würde. Damit soll nur gesagt werden, dass solche Teile nur Katzen zu eigen sind.

Der Haupteinwand von Howard-Snyder gegen unsere Analyse betrifft vielmehr die Bedeutung der Worte: „Es gibt zwei Arten, felin zu sein.“ Er schlägt dann zwei – eigentlich vier, wenn man seine Kommentare in den Fußnoten einschließt – alternative Möglichkeiten vor zu verstehen, was mit diesen Worten gemeint ist. Nun muss man sofort sagen, dass das, was Howard-Snyder vorschlägt, überhaupt nicht die Bedeutung dieser Worte betrifft; es sind vielmehr konkurrierende metaphysische Analysen über Eigenschaften, Exemplifikationen, Prädikate, Wahrmacher, echte und unechte Teile, und so weiter. Es ist keine Pedanterie, wenn ich protestiere, dass nichts davon irgendetwas mit der Bedeutung der fraglichen Worte zu tun hat, die so einfach sind, dass jeder 15-Jährige sie verstehen könnte. Sie bedeuten so viel wie: „Es gibt mehr als eine Art, katzenartig oder katzenähnlich zu sein.“ Die Tatsache, dass Howard-Snyders Analysen nicht die Bedeutung dieser Worte darstellen, zeigt sich daran, dass man unserem Satz rational zustimmen, aber Howard-Snyders Sätzen widersprechen könnte. Das ist wichtig, weil der Trinitätsmonotheist vielleicht keine festen Ansichten zu einer metaphysischen Analyse hat, während er behauptet, dass der Satz sinnvoll und wahr ist und dass er erklären kann, warum er wahr ist. Wenn ich aufgefordert wäre, eine Analyse zu der fraglichen Behauptung zu geben, sollte ich mich metaphysisch zu nicht mehr festlegen als zu sagen:

F. „Felin zu sein“ lässt sich tatsächlich für jede Entität x behaupten, wenn x entweder eine Katze oder ein distinktiver Teil einer Katze ist.

Ich bin einfach nicht bereit, den ganzen metaphysischen Ballast auf mich zu nehmen, den Howard-Snyders Analysen uns auferlegen würden.

Betrachten wir Howard-Snyders Analysen der Argumentation halber, um zu sehen, welche Konsequenzen sie für die zwei Fragen haben, die uns vorliegen. Die erste Analyse handelt davon, dass eine einzelne Eigenschaft der Katzenartigkeit auf zwei verschiedene Arten exemplifiziert wird. Howard-Snyder bestreitet nicht, dass eine solche Analyse eine adäquate Antwort auf Frage (1) liefert, aber er leugnet, dass sie eine zustimmende Antwort auf Frage (2) zulässt. Legen wir diese also für den Augenblick beiseite und betrachten wir seine zweite Analyse. Nach dieser Analyse kann „x ist felin“ verwendet werden, um jede von zwei Eigenschaften zu attribuieren. Ich stelle fest, dass Howard-Snyders Einführung linguistischer Ausdrücke in dieser Analyse unbegründet ist. Solange man Eigenschaften verwendet, warum sollte man nicht sagen, dass x die Eigenschaft hat, felin zu sein, wenn x eine der zwei weiteren Eigenschaften hat? Eine solche Erklärung würde mit unserer Behauptung übereinstimmen, dass es mehr als eine Art gibt, felin zu sein (das heißt, die Eigenschaft zu haben, felin zu sein). Aber Howard-Snyders Analyse teilt Katzenartigkeit selbst in zwei distinktive Eigenschaften auf, was unserer Behauptung zu widersprechen scheint, dass es mehr als eine Art gibt, (völlig) felin (oder göttlich) zu sein. Auf jeden Fall widerspricht Howard-Snyder der Behauptung, dass es eine zweite Eigenschaft der Katzenartigkeit gibt. Denn der Wahrmacher für

3. Das Skelett von Howard-Snyders Katze Sokrates ist Teil einer Katze.

ist auch der Wahrmacher für

2. Das Skelett von Sokrates ist felin.

Doch nach Howard-Snyders zweiter Analyse sollte der Wahrmacher für (2) eine andere, komplexere Tatsache sein. Deshalb bedeutet (2) nicht das, was es nach der zweiten Analyse bedeuten soll.

Dieser Einwand gegen die zweite Analyse setzt ohne Begründung voraus, dass es so etwas wie Wahrmacher gibt. Man wundert sich, wie diese sich unbemerkt in unsere Ontologie einschleichen konnten! Der Trinitätsmonotheist ist nicht verpflichtet, sich zu jener Minderheit von Philosophen zu halten, die an Wahrmacher glauben. Außerdem: Wenn es Wahrmacher gibt, warum sollte man sie dann in diesem Fall für „Tatsachen“ halten? (Es wurde beklagt, dass ein solches Vorgehen Ontologie durch Diebstahl statt durch ehrliche Arbeit ist.) Ich würde sagen, dass der Wahrmacher von (2) und (3) sowie von:

1. Sokrates ist felin.

einfach Sokrates selbst ist, die reale, lebende Katze. Die zweite Analyse verlangt in keiner Weise, dass wir Wahrmacher als Tatsachen identifizieren. Außerdem scheint Howard-Snyder anzunehmen, dass Wahrmachen unter logischer Implikation verschlossen ist, sodass wenn (2) durch (3) impliziert wird, das, was (3) wahr macht, auch (2) wahr macht. Aber diese Annahme ist falsch. „Sokrates hat einziehbare Krallen“ schließt zum Beispiel ein, dass „Gras grün ist“, da beide wahr sind; aber offensichtlich haben sie verschiedene Wahrmacher. Vielleicht denkt er, dass (2) und (3) synonym sind. Aber das ist eindeutig falsch, da etwas felin sein kann, ohne Teil einer Katze zu sein. So kann (2) falsch sein (das Skelett von Sokrates ist keine Katze), obwohl (3) wahr ist. Und selbst wenn der Wahrmacher von (3) dazu dienen würde, (2) wahr zu machen, wäre dies nicht von Belang, da Propositionen multiple Wahrmacher haben können. Deshalb ist der aufwändige Einwand gegen die zweite Analyse (fehlgeleitet, wie er ist) nicht überzeugend.

Die dritte Analyse ist Frances Howard-Snyders erfinderischer Vorschlag, dass etwas die Eigenschaft der Katzenartigkeit exemplifizieren kann, indem es entweder ein echter Teil einer Katze oder ein unechter Teil einer Katze ist. Worauf diese dritte Analyse wirklich hinausläuft (was sie von der ersten unterscheidet), ist die Behauptung, dass es nur eine Art gibt, die Eigenschaft der Katzenartigkeit zu exemplifizieren: indem etwas Teil einer Katze ist. Aber es gibt sowohl echte als auch unechte Teile einer Katze. Wir Ehemänner sollten auf unsere Ehefrauen hören, und in diesem Fall hätte Dan gut daran getan, auf Frances‘ Vorschlag zu hören, denn wenn – wie er sagt – die einzigen Schwierigkeiten, die der Vorschlag aufwirft, diejenigen sind, die mit der zweiten Analyse einhergehen, dann ist der Vorschlag ziemlich einwandfrei und klar ersichtlich. Es ist sogar die einfachste Analyse überhaupt: eine einzige Eigenschaft und eine einzige Art, diese Eigenschaft zu exemplifizieren. Sehr schön!

Wie verhält sich schließlich mit Dale Tuggys vierter Analyse, nach der die einzige Art, felin zu sein, darin besteht, die Natur einer Katze zu exemplifizieren, wohingegen aber „felin“ von Dingen ausgesagt werden kann, die nicht felin sind? Wenn Tuggy mit „aussagbar“ meint, dass etwas „wahrheitsgemäß ausgesagt“ werden kann, dann muss er auf die Gefahr der Inkohärenz hin meinen, dass Teile von Katzen wahrheitsgemäß als felin bezeichnet werden können, ohne dass sie die Natur einer Katze exemplifizieren. [7] Das ist richtig; aber wenn er bereit ist, Eigenschaften wie die einer Katzennatur einzuräumen, ist unklar, warum es seiner Meinung nach keine Eigenschaft gibt, die der Aussage „felin“ entspricht, wenn sie dem Skelett einer Katze zugeschrieben wird. Dennoch ist seine Analyse hilfreich, indem sie uns zu Aussagen statt zu Eigenschaften und damit zu einer metaphysisch ökonomischeren Analyse wie zum Beispiel (F) oben hinführt.

Wenn nun Howard-Snyder bei seinem Versuch gescheitert ist, die Adäquatheit der vorgeschlagenen Analysen zu der Behauptung, dass es zwei Arten gibt, felin zu sein, zu untergraben, wie verhält es sich mit der Anwendbarkeit der ersten Analyse auf das Problem der Trinität? Nach dieser Analyse wird es eine einzige Eigenschaft der Göttlichkeit geben, welche sowohl die Trinität als auch die Personen exemplifizieren. Howard-Snyder stellt richtig fest, dass es dann mindestens vier Größen gibt, die diese Eigenschaften haben. Doch in diesem Fall, so behauptet er, ist die von uns angebotene Begründung für die Annahme, dass es genau einen Gott gibt, zunichte.

Es stimmt: Die Trinität „als Ganzes“ exemplifiziert die Eigenschaft, aus den Personen zusammengesetzt zu sein, während keine Person diese exemplifiziert. Doch … die göttliche Natur kann diese Eigenschaft nicht einschließen, da es eine und nur eine komplexe Eigenschaft gibt, durch die etwas göttlich sein kann, und jede der Personen exemplifiziert diese Eigenschaft, doch jeder von ihnen fehlt die Eigenschaft, aus den Personen zusammengesetzt zu sein. Also … gibt es vier Größen, welche die göttliche Natur exemplifizieren, und somit gibt es vier Götter. Wenn jedoch … die göttliche Natur tatsächlich die Eigenschaft einschließt, aus den Personen zusammengesetzt zu sein, dann ist keine der Personen göttlich, da … es keine andere Natur gibt, durch die etwas göttlich sein kann.[8]

Diese Wiederaufnahme des Einwandes von Leftow lässt die entscheidende Frage genauso offen wie das Original. Sie setzt voraus, dass die einzige Art, göttlich zu sein, darin besteht, die göttliche Natur zu exemplifizieren. Das ist genau das, was der Trinitätsmonotheismus leugnet. Die Eigenschaft, göttlich zu sein, ist wie die Eigenschaft, felin zu sein, eine einzelne Eigenschaft, die eine Sache infolge verschiedener Faktoren haben kann. Ein Grund, weshalb etwas göttlich ist, besteht darin, dass es ein distinktiver Teil Gottes ist. Wenn nun die Personen der Trinität distinktive Teile der Sache sind, die Gottes Natur instanziiert, sind sie göttlich, und die Analogie zwischen Göttlichkeit und Katzenartigkeit ist zutreffend. So können wir also durch die Analogie zu (F) behaupten:

G. „Göttlich sein“ lässt sich wahrheitsgemäß für jede Entität x behaupten, wenn x entweder ein Gott oder ein distinkter Teil eines Gottes ist.

Es bleibt dann die Frage, ob die Personen nach unserem Modell als distinktive Teile Gottes zu betrachten sind.

In Abschnitt 3.2 seiner Abhandlung führt Howard-Snyder seine Kritik weiter, indem er von seiner zweiten Analyse ausgeht, nach der es zwei verschiedene Eigenschaften gibt, die durch das mehrdeutige Prädikat „ist göttlich“ zugeschrieben werden. Da wir diese Analyse zurückweisen, ist dieser Abschnitt seiner Abhandlung für unser Model irrelevant. Doch da in diesem Abschnitt interessante Fragen aufgeworfen werden, wollen wir die Erörterung fortsetzen. Hier stoßen wir auf die sehr schwierige Frage, ob die Personen der Trinität Teile Gottes sind. Ich denke, unser endgültiges Modell lässt diese Frage offen. Unabhängig davon, ob sie nach unserem Modell als Teile zu qualifizieren sind oder nicht, denke ich, dass die Personen nach unserem Modell unbestreitbar göttlich sind, denn sie sind Gottes Personen und sind allmächtig, allwissend, allgegenwärtig, anbetungswürdig und so weiter. Die Frage, ob sie Teile sind, ist auch nicht dafür entscheidend, dass sie nicht drei Götter sind, denn sie sind nach dem Modell eindeutig keine drei getrennten Wesen, sondern es gibt nur eine einzige Seele, die mit drei Reihen kognitiver Fähigkeiten ausgestattet ist. Das Modell ist, was es ist, unabhängig davon, wie wir die mereologische Frage entscheiden.

In seinem hervorragenden Buch Parts katalogisiert Peter Simons die verschiedenen Möglichkeiten der Komposition in der Art und Weise, wie dieser Begriff allgemein verstanden wird (Abb. 3). [9] Er analysiert Zusammensetzungen in Bezug auf Individuen, Massen und Ansammlungen. Ein Individuum ist alles, was Subjekt einer echten singularischen Prädikation sein kann, die weder verdeckt pluralisch noch eine verdeckte Masse ist, wie beispielsweise „ein Mensch“. Ansammlungen sind Pluralitäten, das heißt Objekte, die essentiell nicht eine Sache, sondern mehrere Dinge sind, wie Gruppen und Klassen. Massen sind konkrete Einzelheiten, die weder ein noch viele Individuen sind. Wenn Simons „etwas“ [10] mit einem Massenbegriff verbindet, wie in „etwas Wasser“, schreibt er „sm“, um diese Verwendung von „etwas“ im Sinne von „Teil“ zu unterscheiden, wie in „etwas von dem Wasser“.

Abb. 3: Möglichkeiten der Komposition

Welche dieser Möglichkeiten scheint für die Trinität geeignet zu sein?

Wir können von vornherein sämtliche Komposita ausschließen, die Massen enthalten, da weder die Trinität noch die Personen als Massen konstruiert werden können. Es bleiben die zwei Kandidaten eines Individuums, das aus Individuen zusammengesetzt ist, und einer Ansammlung, die aus Individuen zusammengesetzt ist. Sind diese beiden Möglichkeiten geeignet?

Betrachten wir eine Ansammlung, die aus Individuen besteht. Die Trinität hat offensichtliche Ähnlichkeiten mit einer Gruppe. Die Trinität scheint eine Pluralität zu sein, kein Individuum, welche aus den drei göttlichen Personen besteht. Wir sprechen natürlicherweise von den Personen als von Mitgliedern der Trinität, was die Sprache ist, die mit Gruppen und Klassen in Verbindung gebracht wird. Eine Gruppe ist aus mehreren Individuen zusammengesetzt, die bestimmte Bedingungen der Konstituierung erfüllen. Die Rollen, welche die Personen in der ökonomischen Trinität einnehmen, wären eine solche Bedingung, die für eine Gruppe konstitutiv ist. Die Trinität wäre insofern eine ungewöhnliche Gruppe, als sie ihre Mitglieder essentiell hat, aber es handelt sich offenbar nichtsdestoweniger um eine Gruppe.

Die Trinität als eine Gruppe zu betrachten würde Howard-Snyders Einwand in Abschnitt 3.2, nach dem Teile des Vaters Teile der Trinität wären, weil Teilsein transitiv ist, leicht aufheben, denn Teilsein ist über Arten der Zusammensetzung hinweg nicht transitiv: John ist Teil des Teams, aber Johns Nase ist nicht Teil des Teams. Ähnlich sind die Fähigkeiten des Vaters keine Mitglieder der Trinität. Als Mitglieder der Trinität, die aus göttlichen Personen zusammengesetzt ist, sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in einzigartiger Weise anbetungswürdig. Wenn Howard-Snyder beanstandet, dass die Personen nicht dadurch göttlich sind, dass sie Teil der Trinität sind, sondern dadurch, dass sie die Eigenschaften der Göttlichkeit besitzen, könnte man ihm entweder in diesem Punkt einfach zustimmen oder man könnte insistieren, dass die Gegebenheit, dass sie Mitglieder der Trinität sind, ihrem Besitz solcher Eigenschaften explanatorisch vorausgeht. Schließlich ist die Trinität nicht eine Gruppe, der man sich anschließt, weil man die erforderlichen Eigenschaften hat; vielmehr haben die Mitglieder die Eigenschaften, gerade weil sie Mitglieder der Gottheit sind.

Wenn wir die Trinität als eine Gruppe betrachten, dann muss die Behauptung des Trinitätsmonotheismus, dass die Trinität mit Gott identisch ist, aufgegeben werden. Denn Gott ist eindeutig eine individuelle Substanz und somit ein Individuum. Die Trinität wäre demnach nicht irgendeine Substanz zusätzlich zu Gott; sie ist vielmehr einfach die Ansammlung der göttlichen Personen und nicht selbst ein Individuum oder eine Substanz. Unser endgültiges Modell Gottes als immaterielle Substanz mit drei Zentren des Ich-Bewusstseins bliebe davon unberührt. Man würde nur die Trinität nicht mit dieser Substanz identifizieren, und es würde auch nicht folgen, dass die Personen Teile Gottes sind, indem sie Teile der Trinität sind.

Ein Nachteil dieser Auffassung ist, dass die Trinität dann nicht mehr Einheit einschließt, als Gruppenbegriffe sie einschließen. Die Personen der Trinität sollten nicht einfach eine Triade sein, sondern eine Triade in Einheit, eine Trinität. Man scheint Gefahr zu laufen, in Swinburnes tritheistisches Modell zurückzufallen. Aber man könnte erwidern, dass die Einheit durch unser Model und nicht durch den Gruppenbegriff selbst erhalten bleibt. Es gibt nur einen Gott, weil es nur eine immaterielle Substanz gibt, welche drei, jeweils für Personalität ausreichende Reihen rationaler Fähigkeiten hat. Die Einheit ist im Gottesbegriff des Modells begründet, während die Trinität ein Gruppenbegriff ist, den wir bilden, indem wir die Personen zusammen sammeln. Im Blick auf die Einheit, die durch das Modell gewahrt wird, ist Gott eher wie Kerberos als wie ein Rudel Wölfe. Wir können die Dreiheit der drei hundeartigen „Personen“ Rover, Bowser und Spike als eine Gruppe betrachten, ohne sie als Teile von Kerberos zu identifizieren oder zu denken, dass Kerberos ein Rudel Hunde und nicht ein einzelner Hund ist. Wenn wir diesen Weg einschlagen, dann sollte unsere Auffassung nicht länger als Trinitätsmonotheismus klassifiziert werden; wir haben vielmehr eine andere, von Leftow unberücksichtigte, Auffassung artikuliert, welche einen anderen Namen verdient.

Nehmen wir stattdessen an, dass wir die Trinität nicht als Gruppe betrachten, sondern als ein Individuum, das aus drei Individuen zusammengesetzt ist. Da dieses Individuum natürlicherweise mit Gott zu identifizieren ist, halten wir damit am Trinitätsmonotheismus fest. Die Trinität ist einfach die in unserem Modell beschriebene tripersonale geistliche Substanz. Die Individuen, aus denen dieses Wesen zusammengesetzt ist, sind die drei Personen der Trinität. Auch bei dieser Auffassung scheitert Howard-Snyders Einwand der Transitivität. Erstens setzt man, da die Fähigkeiten des Vaters keine Individuen sind, unzulässigerweise wieder Transitivität über verschiedene Arten der Zusammensetzung hinweg voraus. Der Vater ist kein Individuum, das aus Individuen besteht. Zweitens kann sich der Trinitätsmonotheist in jedem Fall auf eine besondere Art des Teilseins berufen, nach der das Teilsein einschließt, einen direkten funktionalen Beitrag zum Ganzen zu leisten. [11] Teilsein ist in diesem Fall nicht transitiv. Ein Kern ist zum Beispiel Teil einer Zelle, aber kein Teil des aus Zellen zusammengesetzten Körpers (der Körper hat keinen Kern), und eine Klinke ist Teil der Tür eines Hauses, nicht aber ein Teil des Hauses (das Haus hat keine Klinke). Die Trinität hat in diesem Sinne eindeutig nur drei Teile. (Eine solche Art des Teilseins lässt sich auch im Falle von Teilen einer Katze anwenden, die distinktiv felin sind.) Außerdem ist die Frage der Göttlichkeit der Personen nach dieser Auffassung nicht problematischer als bei der Auffassung, nach welcher die Trinität eine Gruppe ist. Howard-Snyders Sorge über das, was die Personen göttlich macht, wird also beiseite gelassen.

Die schwierigere Frage, die bei dieser Auffassung bestehen bleibt, ist die Frage, die Howard-Snyder in Abschnitt 3.3 stellt: Sind die Personen individuelle Substanzen? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, ob man denkt, dass untrennbare Teile einer Substanz selbst Substanzen sind. Das Beispiel der Mauer, die aus Steinen besteht, ist nicht aufschlussreich, denn die Steine waren Substanzen, bevor sie zu der Mauer gemacht wurden, und die Mauer lässt sich in Steine teilen, die dann wieder dieselben Substanzen wären. Was ist mit Teilen, die nie getrennte Substanzen waren, wie etwa die Hände eines Menschen? Sind sie Substanzen? Was ist mit Teilen, die sich nicht von dem Ganzen trennen lassen, ohne eine wesentliche Änderung zu erfahren, wie der Stamm eines Baumes? Sind sie Substanzen? Solche Teile sind Individuen, aber es ist nicht klar, dass sie Substanzen sind. Ihnen scheint die Qualität der „Eigenständigkeit“ zu fehlen, die etwas haben muss, um eine Substanz zu sein. Wenn sie keine Substanzen sind, können sie jedoch trotzdem genug Integrität haben, um Naturen zu haben. Zum Beispiel scheint eine Hand gewisse essentielle Eigenschaften zu haben, wie Zeigefinger zu haben und einen gegenüberstellbaren Daumen zu besitzen. Die Personen der Trinität könnten in ähnlicher Weise eine bestimmte Natur gemeinsam haben, wie es meine Hände tun, ohne eigene Substanzen zu sein. Eine solche Natur würde alle großmachenden Eigenschaften einschließen, welche die Personen der Trinität anbetungswürdig machen. In einem solchen Fall sollten wir drei Teile haben, die eine einzige Substanz bilden, wie in traditionellen trinitarischen Bekenntnissen.

Nehmen wir dagegen einmal an, wir würden sagen, dass untrennbare Teile als eigene Substanzen gelten können. In diesem Fall würden die Personen der Trinität zweifellos als Individuen gelten, die Substanzen sind. Sie würden wiederum die Natur einer göttlichen Person teilen. Aber ganz gleich: Als untrennbare Teile sind sie dennoch drei Personen in einer Substanz. Instanzen der Natur dieser einzigartigen Substanz sind sie genauso wenig, wie meine Hände Instanzen der menschlichen Natur sind. Die Einheit Gottes bleibt also genauso gewahrt wie die Göttlichkeit der Personen. Somit hängt nichts Bedeutendes davon ab, ob wir die untrennbaren Teile einer Substanz als Substanzen betrachten. Die entscheidende Tatsache ist, dass diese Individuen ein einzigartiges, unteilbares Individuum bilden, welches eine Substanz ist.

Abschließende Bemerkung

Zusammenfassend scheint unser trinitarisches Modell der Kritik von Howard-Snyder standzuhalten. Das Modell ist theologisch einwandfrei und offen für verschiedene mereologische Auslegungen, wobei es dem Metaphysiker überlassen bleibt, diejenige Auslegung zu wählen, die seinen Auffassungen am besten entspricht.

(Übers.: Marita Wilczek)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/trinity-monotheism-once-more-a-response-to-daniel-howard-snyder

  • [1]

    William Lane Craig und J. S. Moreland, Philosophical Foundations for a Christian Worldview (Downer’s Grove, Ill.: Inter-Varsity, 2003), S. 575-96.

  • [2]

    Daniel Howard-Snyder, „Trinity Monotheism“, in: Philosophia Christi 5 (2003): 396.

  • [3]

    Ibid., S. 399.

  • [4]

    Ibid., S. 400.

  • [5]

    Ibid.

  • [6]

    Ibid., S. 401.

  • [7]

    Ibid., S. 389.

  • [8]

    Ibid., S. 387-8.

  • [9]

    Peter Simons, Parts (Oxford: Clarendon Press, 1987), S. 232.

  • [10]

    Engl. „some“ – Anm. d. Übers.

  • [11]

    Ibid., S. 107-8.