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Gefahren des offenen Weges

Summary

Gefahren des offenen Weges

Wenn der Lauf der Ereignisse in mehr als eine Richtung gehen kann, weiß Gott dann – die gegenwärtigen Bedingungen vorausgesetzt – in welche Richtung er gehen wird? Offene Theisten verneinen, dass Gott Kenntnis solcher „zukünftigen Kontingenzen“ hat. Ein großer Teil von ihnen wird dabei von dem schätzenswerten Anliegen geleitet, die menschliche und göttliche Freiheit zu wahren. Das ist ein Anliegen, das wir teilen. Was wir nicht mit den offenen Theisten teilen, ist ihre Überzeugung, dass göttliches Vorauswissen eingeschränkt sein muss, um die Welt für wahre Handlungsfreiheit sicher zu machen. Wir glauben, dass Gottes Vorauswissen nicht annulliert, was ansonsten ein freies Handeln gewesen wäre, und dass das Verneinen des Vorauswissens vorausgewussten Handlungen nicht eine Freiheit zusichert, die sonst nicht in Gefahr war.

Eine wachsende Zahl von Philosophen scheint das anders zu sehen. Zwei kürzliche Verteidigungen des offenen Theismus in dieser Zeitschrift – eine von Dale Tuggy und die andere von ihm gemeinsam mit Alan Rhoda, Gregory Boyd und Tom Belt verfasst – belegen die wachsende Aufmerksamkeit und Unterstützung, die der offene Theismus in der philosophischen Literatur genießt. [1] Während wir zu einer Reihe von Fragen in Bezug auf göttliche Allwissenheit unterschiedliche Standpunkte vertreten, [2] eint uns die Auffassung, dass der Trend zum offenen Theismus bedauerlich und sogar etwas verwunderlich ist. Auf den folgenden Seiten erklären wir, warum wir glauben, dass die von Tuggy, Rhoda und anderen vorgeschlagenen Argumente niemanden veranlassen sollten, den Weg zum offenen Theismus einzuschlagen.

Drei Wege zum offenen Theismus

Wir beginnen mit Dale Tuggys Artikel, denn er bietet einen nützlichen Grundriss des logischen Territoriums, in welchem er die Positionen ansiedelt, die er zu erörtern wünscht. Dieser Grundriss stellt „drei Wege zum offenen Theismus“ dar. Wir meinen, dass Tuggys Grundriss folgendermaßen am klarsten zu verstehen ist:

Die drei Wege resultieren aus einer Reihe von Gabelungen, wobei die Richtung, die bei jeder Gabelung eingeschlagen wird, durch die Antwort bestimmt wird, die auf eine gewisse Ja-Nein-Frage gegeben wird. Die erste Frage lautet:

Kennt Gott zukünftige Kontingenzen?

Die Antwort auf diese Frage bestimmt, ob man zunächst die Richtung des offenen Theismus einschlägt. Wenn diese Frage mit Ja beantwortet wird, ist der Reisende kein offener Theist; wird sie verneint, ist er ein offener Theist. [3] Tuggys geht es darum, den weiteren Weg desjenigen nachzuzeichnen, der an dieser ersten Gabelung den offenen Theismus wählt. (Der traditionelle Theist, der diese Frage mit einem Ja beantwortet, kann auch einen komplexen Weg vor sich haben, aber diesen zu skizzieren gehört nicht zu Tuggys Projekt in diesem Artikel.)

Doch warum sollte eine mutmaßlich allwissende Gottheit keine zukünftigen Kontingenzen wissen? Es scheint hier hauptsächlich zwei Optionen zu geben: Entweder es gibt keine zukünftig kontingenten Wahrheiten, die Gott wissen könnte, oder es gibt zukünftig kontingente Wahrheiten, doch (aus dem einen oder anderen Grund) weiß Gott sie nicht. Die nächste Frage lautet dann:

Gibt es überhaupt zukünftig kontingente Wahrheiten?

Die Antwort auf diese Frage, die nach einer verneinenden Antwort auf die Frage folgt, ob Gott zukünftige Kontingenzen weiß, scheint darüber zu entscheiden, ob der Gott des offenen Theismus ein allwissender sein kann, zumindest in einem unmittelbaren Sinn. Aus einer bejahenden Antwort auf diese zweite Frage folgt, dass er nicht allwissend ist, da es dann Wahrheiten geben wird (nämlich alle Wahrheiten über die kontingente Zukunft), die Gott nicht weiß. Tuggy nennt dies den „engen Weg“ zum offenen Theismus, da nur wenige offene Theisten ihn unterstützen. [4]

Hier verzweigt sich der Weg erneut. Wenn es keine zukünftig kontingenten Wahrheiten gibt, kann der Grund dafür entweder sein, (i) dass alle zukünftig kontingenten Aussagen falsch sind, oder (ii) dass sie überhaupt keinen Wahrheitswert haben. Diejenigen, die den engen Weg meiden, müssen deshalb die folgende Frage beantworten:

Sind zukünftig kontingente Aussagen dann falsch?

Eine bejahende Antwort bietet die Möglichkeit, das Prinzip der Bivalenz, nach dem jede Proposition entweder den Wahrheitswert wahr oder den Wahrheitswert falsch hat, zu akzeptieren, das bei einer verneinenden Antwort abgelehnt werden muss. Die bejahende Antwort ist verlockend, weil sie die Schwierigkeit umgeht, das weithin anerkannte Prinzip der Bivalenz in Bezug auf zukünftig kontingente Aussagen in Frage zu stellen. Wer es eilig hat, zum offenen Theismus zu kommen, könnte diese „Abkürzung“ wählen, wie Tuggy sie nennt. Dies ist der Weg, den Rhoda et al. wählten. Die verneinende Antwort, die dazu verpflichtet, Bivalenz in Bezug auf zukünftig kontingente Aussagen abzulehnen, ist Tuggys breiter Weg.

Tuggys Artikel ist eine Verteidigung des breiten Weges, nicht nur gegen andere offene Theisten, die den engen Weg oder die Abkürzung wählen, sondern, was noch wichtiger ist, gegen klassische Theisten, die gar nicht erst auf den Weg zum offenen Theismus gelangt sind, weil sie die Frage „Weiß Gott zukünftige Kontingenzen?“ bejaht haben. Da wir an der internen Debatte unter offenen Theisten nicht beteiligt sind, werden wir Tuggys Kritik an der Abkürzung zum offenen Theismus ignorieren und es Rhoda et al. überlassen, der Kraft seiner Kritiken zu widerstehen, wenn sie es können. [5]

Tuggys primäre Strategie in der Debatte mit klassischen Theisten besteht darin, eine positive Argumentation für den breiten Weg zu präsentieren und dabei Intuitionen über zukünftige Kontingenzen festzustellen, denen er angeblich entspricht, und Bedenken zu beantworten, die dagegen erhoben wurden. Rhoda et al. wählen einen ähnlichen Ansatz im Sinne der „Abkürzung“. In den folgenden Abschnitten dieses Papers werden wir die positiven Argumentationen beider untersuchen. Doch zuerst müssen wir uns selbst in Erinnerung rufen, dass es auch eine negative Argumentation gibt, und diese trägt mehr als jede positive Argumentation dazu bei, die Wendung zum offenen Theismus zu erklären.

Warum sollte ein sonst orthodoxer christlicher Philosoph dahin kommen zu leugnen, dass Gott zukünftige Kontingenzen weiß? Die Antwort ist natürlich, dass es ein berühmtes Argument gibt, demzufolge göttliches Vorauswissen mit zukünftigen Kontingenzen und daher mit robuster Handlungsfreiheit (unter der Annahme, dass dies Kontingenz erfordert) unvereinbar ist; um Handlungsfreiheit zu bewahren, muss also die Annahme eines göttlichen Vorauswissens aufgegeben werden. Bezeichnen wir dieses Argument für die Unvereinbarkeit von Handlungsfreiheit und göttlichem Vorauswissen einfach (und fantasielos) als „Das Argument“. [6] Die Artikel von Tuggy und Rhoda et al. erörtern Das Argument nicht direkt, aber sie setzen seine Stichhaltigkeit voraus; schließlich würde wohl kaum jemand einen der drei Wege zum offenen Theismus einschlagen, wenn Das Argument als nicht stichhaltig betrachtet würde. [7] Auch wir werden eine direkte Beschäftigung mit Dem Argument vermeiden, über das schon so viel geschrieben wurde. Doch die Frage steht im Raum, und diese Tatsache muss anerkannt werden. Wir werden uns auf einige wenige Punkte beschränken.

Erstens ist Das Argument stark kontra-intuitiv. Bloßes Vorauswissen – im Gegensatz, beispielsweise, zum kausalen Determinismus oder einem Sciencefiction-Szenario, bei dem wir durch winzige, in unser Gehirn implantierte Chips von Marsmenschen kontrolliert werden – scheint einfach nichts zu sein, was, wenn es einer Tat hinzugefügt wird, welche ansonsten den eigenen bevorzugten Bedingungen für Handlungsfreiheit genügt, diese Tat wirklich unfrei machen könnte. Aus diesem Grund glauben wir, dass ein unvoreingenommener Fragesteller durchaus das epistemische Recht hätte, Das Argument alsein philosophisches Rätsel zu verstehen, das auf eine Lösung wartet, statt als eine ernsthafte Darstellung der Unvereinbarkeit des göttlichen Vorauswissens mit menschlicher Freiheit. [8]

Zweitens erweist sich Das Argument als recht komplex, sobald alle verborgenen Vorannahmen identifiziert sind. Es gibt viele Punkte, an denen es aus dem Gleis geraten könnte. Wir haben jeweils unsere eigene bevorzugte Art, Das Argument zu widerlegen, und sind uns tatsächlich nicht einig, welche davon am besten ist; aber es gibt hier ein reiches Angebot für Kritiker Des Arguments. [9]Offene Theisten haben versucht, Das Argument mit einer Aura der Unanfechtbarkeit zu umgeben, sodass die einzig mögliche Strategie zur Wahrung der menschlichen Freiheit darin zu bestehen scheint, es schon im Keim zu ersticken, indem das problematische Vorauswissen von vornherein verneint wird. Wenn man an dieses Thema herangeht, ohne mit der umfangreichen Literatur über Das Argument vertraut zu sein, könnte man annehmen, dass es den Konsens der philosophischen Gemeinschaft darstellt, und den Schluss ziehen, dass es die traditionelle Position über das Vorauswissen ist, die im Streit um den offenen Theismus die Beweislast trägt. Wer jedoch mit der Literatur vertraut ist, wird erkennen, dass es sich dabei um ein fundamentales Missverständnis der dialektischen Situation handelt. [10]

Insgesamt ist Das Argument intuitiv zweifelhaft, und es gibt viele Nahtstellen, an denen es in Zweifel gezogen werden kann und wurde. Es ist wichtig, dem Leser in Erinnerung zu rufen, dass es einen „nicht beschrittenen Weg“ gibt, und dieser umgeht alle Schwierigkeiten des Weges (bzw. der Wege) zum offenen Theismus.

Tuggy meint, dass die Rolle Des Arguments übertrieben wird, und zwar aus dem folgenden Grund. Die darin enthaltene Infragestellung des göttlichen Vorauswissens beruht auf einem komplexen Argument, das sich auf einen robust freien Willen beruft. Doch es gibt auch ein einfaches Argument gegen göttliches Vorauswissen, das auf der Verneinung der Bivalenz in Bezug auf zukünftig kontingente Aussagen basiert: Wenn einige zukünftig kontingente Aussagen weder wahr noch falsch sind, wird es entsprechende Lücken in Gottes Vorauswissen geben, welches wiederum weniger als erschöpfend sein muss. Tuggy bevorzugt dieses letztere Argument. (Man ist versucht, dieses als Tuggys eigene „Abkürzung“ zu bezeichnen!) Tuggy behauptet in Bezug auf dieses Argument, dass die Verneinung der Bivalenz in Bezug auf zukünftig kontingente Aussagen „stark im gesunden Menschenverstand verwurzelt“ ist und „der Art und Weise entspricht, wie fast jeder von uns denkt … bevor wir uns irgendeiner Theorie verpflichten.“ [11] Hier sei nicht mehr als unbelesener gesunder Menschenverstand nötig, um den breiten Weg zu motivieren. Diese Behauptung erscheint uns sehr zweifelhaft. Tuggy selbst räumt tatsächlich schon auf der nächsten Seite ein, „dass der gesunde Menschenverstand den Glauben gutheißt, dass wir alle einer einzigartigen Zukunft entgegengehen, die im Prinzip von Gott oder sogar einem Telepathen ‚gesehen‘ werden könnte.“ [12] Ein solches Eingeständnis ist mit seiner vorherigen Behauptung rundweg unvereinbar. Ebenso verwunderlich ist Tuggys Behauptung, die Aussage, dass einige Propositionen über die Zukunft gegenwärtig weder wahr noch falsch sind, sei weniger „kontrovers und unergiebig“ als die Aussage, dass Menschen einen libertär freien Willen haben [13] Schließlich behaupten Tuggy und andere Vertreter des breiten Weges nicht, dass es die bloße Zukünftigkeit zukünftiger Ereignisse ist, welche zukünftig kontingente Aussagen weder wahr noch falsch macht, sondern ihre Kontingenz; wenn es keine zukünftigen Kontingenzen gäbe, wären alle Propositionen über die Zukunft gegenwärtig entweder wahr oder falsch. Für Tuggy sind also einige Propositionen über die Zukunft gegenwärtig weder wahr noch falsch, nur weil Menschen einen libertär freien Willen haben, die Quantenmechanik indeterministisch ist, und so weiter – das heißt, weil wir in dieser Art von Welt statt in irgendeiner anderen Art von Welt leben. Wie kann etwas (die Verneinung der Bivalenz), das von unserem Leben in dieser Art von Welt explanatorisch abhängig ist, in dem Umfang, wie unser Leben in dieser Art von Welt „kontrovers und unergiebig“ ist, weniger „kontrovers und unergiebig“ sein als das, wovon es abhängig ist? Tuggys Abkürzung stellt eine falsche Ökonomie dar.

Wie wir gesehen haben, legen weder Tuggy noch Rhoda et al. besonderes Gewicht auf die negative Argumentation für den offenen Theismus, die auf Dem Argument beruht. Vielleicht denken sie, dass diese spezielle Debatte bereits von ihrer Seite gewonnen wurde oder dass es nur wenig gibt, was sie noch dazu beitragen könnten, oder dass sie nur begrenzt dazu geeignet ist, andere – zum Beispiel Menschen, die meinen, dass die Offenheitskritik gegen das klassische Vorauswissen eine gewisse Kraft hat, die aber den offenen Theismus für noch schlimmer halten – zu motivieren, die Richtung des offenen Theismus einzuschlagen. Doch aus welchem Grund auch immer die Verfasser die negative Argumentation vernachlässigen, die in dem Argument enthalten ist – es ist die positive Argumentation, die sie verfolgen, und so wenden wir uns nun ihrer positiven Argumentation zu, wobei wir mit ihrem Verständnis der Zukunft beginnen.

Offener Theismus und Zweigmodelle der Zukunft

Es überrascht, dass Rhoda et al. in einem Artikel, der Aufschluss über „die Natur der Zukunft“ geben soll, den Schlüsselbegriff „die Zukunft“ nie definieren oder erklären. Tatsächlich ist ihre Charakterisierung der beiden Auffassungen über die Zukunft, die im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stehen, so konfus, dass es schwierig ist zu wissen, an welchem Punkt man in einem Kommentar überhaupt beginnen sollte. Wir können genauso gut mit dem ersten Satz ihres Abstraktes beginnen, nämlich mit der von ihnen verworfenen Auffassung, die sie als „settled future view“ [14] (SFV) bezeichnen: „Die Zukunft ist in dem Sinne festgelegt, dass sie sich erschöpfend und wahrhaftig als das beschreiben lässt, was entweder zutreffen oder nicht zutreffen wird.“ [15] Im Gegensatz dazu gilt nach der von ihnen bevorzugten Auffassung, welche sie als „open future view“ [16] (OFV) bezeichnen: „Die Zukunft ist in dem Sinne offen, dass ihre vollständige, wahre Beschreibung beinhalten muss, was zutreffen und nicht zutreffen könnte.“ [17]

Man ist sofort irritiert, weil diese beiden Beschreibungen der Zukunft sich offenbar nicht gegenseitig ausschließen. Zu sagen, dass die Zukunft sich wahrhaftig in Bezug auf das, was entweder sein wird oder nicht sein wird, beschreiben lässt, scheint der Behauptung gleichzukommen, dass nach der SFV das Prinzip der Bivalenz für futurische Aussagen gilt – warum sonst sollte „wird nicht sein“ in der Kennzeichnung enthalten sein? Doch Rhoda et al. selbst werden später das Prinzip der Bivalenz in Bezug auf solche Aussagen bekräftigen. [18] Es gibt hier also keinen Gegensatz.

Was ist mit der Behauptung, dass die Zukunft sich nach der SFV erschöpfend so beschreiben lässt? Dies scheint die Behauptung zu sein, dass es keine Wahrheitswert-Lücken bei futurischen Aussagen gibt, wieder eine Position, die Rhoda et al. (im Gegensatz zu Tuggy) selbst vertreten, wenn man davon ausgeht, dass sie das Prinzip der Bivalenz vertreten. Wenn dagegen mit dieser Behauptung bekräftigt werden soll, dass nach der SFV nur de facto-Aussagen über Ereignisse wahr sind, die geschehen werden, dann sind die Verfechter der sogenannten festgelegten Auffassung nicht daran gebunden. Es ist zum Beispiel die moralische Dimension der Ereignisse zu berücksichtigen: Es gibt Ereignisse, die geschehen oder nicht geschehen sollten. Die Hinrichtung eines unschuldigen Menschen wird morgen geschehen, aber das sollte sie nicht. Eine erschöpfende Beschreibung der Zukunft muss solche präskriptiven Wahrheiten einschließen. Oder denken Sie an die Modalität von Ereignissen, die geschehen werden. Manche Ereignisse, die auftreten werden, können kausal notwendig sein, während andere kontingent geschehen werden. Auch wenn Letztere tatsächlich geschehen, werden sie nicht notwendig geschehen, sodass es möglich wäre, dass sie nicht geschehen. Eine erschöpfende Beschreibung der Zukunft muss auch solche modalen Wahrheiten einschließen. Doch dann ist wiederum jeder Gegensatz zur sogenannten offenen Auffassung aufgehoben. Denn obwohl „könnte“ ein Terminus technicus in der kontrafaktischen Semantik ist, benutzen Rhoda et al. das Wort in diesem Kontext nur, um kausale Kontingenz anzuzeigen. [19] Ironischerweise können wir also behaupten, dass die Zukunft sowohl „festgelegt“ als auch „offen“ ist; es scheint keinen Gegensatz zwischen den beiden Auffassungen zu geben.

Doch Rhoda et al. behaupten dann weiter, dass die Zukunft, wenn sie erschöpfend festgelegt ist, „nicht geändert werden kann“, während die Zukunft sich nach der offenen Auffassung „ändern kann, wenn das, was offen ist, festgelegt wird.“ [20] Es ist unklar, was hier behauptet wird. Auf einer Ebene ist es eine bekannte analytische Wahrheit, dass die Zukunft nicht geändert werden kann. In diesem Sinne würde eine Änderung der Zukunft bedeuten, zu bewirken, dass ein Ereignis, das geschehen wird, nicht geschehen wird, was logisch absurd ist. Diese analytische Wahrheit ist von sogenannten festgelegten oder offenen Auffassungen unabhängig. Auf einer anderen Ebene kann man die Zukunft insofern „ändern“, als zukünftige Kontingenzen vielleicht nicht auftreten und man so handeln kann, dass ihr Auftreten verhindert wird. Auch eine Änderung der Zukunft in diesem Sinne ist beiden Auffassungen gemeinsam. Dies sind bekannte Aspekte, die nicht näher ausgeführt werden müssen.

In welchem Sinn also ist die Zukunft nach der einen Auffassung änderbar und nach der anderen nicht? Rhoda et al. geben einen Schlüssel für das, was sie meinen, wenn sie sagen, dass nach der „festgelegten“ Auffassung „die Menge der Wahrheiten über die Zukunft feststeht und unveränderlich“ ist, was im Gegensatz zu ihrer Auffassung steht, nach der – wie wir gesehen haben – die Zukunft sich ändern kann, „wenn das, was offen ist, festgelegt wird.“ [21] Die Idee ist demnach, dass nach der „offenen“ Auffassung – da nur solche futurischen Aussagen wahr sind, welche Ereignisse beschreiben, deren Auftreten kausal determiniert ist – Aussagen über ein Ereignis nach Meinung von Rhoda et al. ihre Wahrheitswerte von falsch zu richtig wechseln, wenn kausal determinierende Bedingungen für dieses Ereignis aktual werden. Zukünftige Ereignisse selbst ändern sich nicht, da unter der Voraussetzung ihrer Annahme des Präsentismus zukünftige Ereignisse nicht existieren. Was sich ändert, sind vielmehr die Wahrheitswerte, die futurische Aussagen gegenwärtig besitzen. In diesem pickwickschen Sinn ändert sich die Zukunft. Im Gegensatz dazu, wird uns gesagt, ist die Menge der futurischen Aussagen nach der Standardauffassung der SFV festgelegt und unveränderlich.

Nun ist es auf einer Ebene – Paradoxien der Mengenlehre außer Acht lassend [22] – trivial wahr, dass die Menge der Futur-Wahrheiten festgelegt und unveränderlich ist, da Mengen ihre Elemente essentiell haben. Nach der „offenen“ Auffassung ändert sich auch die Menge der Futur-Wahrheiten nicht. Vielmehr sind zu verschiedenen Zeiten verschiedene Mengen von futurischen Aussagen wahr, in dem Sinne, dass alle Elemente einer bestimmten Menge wahr sind. Doch dann ist klar, dass dies auch nach der Standard-Auffassung der Fall ist. Zu verschiedenen Zeiten wird es verschiedene Mengen wahrer futurischer Aussagen geben, und zu jeder Zeit eine einzige Menge. Nach der SFV ändert sich die Zukunft also auch im pickwickschen Sinn. Der Gegensatz zwischen der Standard-Auffassung und der offenen Auffassung liegt also nicht in der vermeintlichen Veränderlichkeit der Zukunft, sondern darin, welche futurischen Aussagen wahr oder falsch sind. Nach der Standard-Auffassung gibt es unter allen wahren futurischen Aussagen zukünftig kontingente Aussagen, während es nach der „offenen“ Auffassung keine wahren zukünftig kontingenten Aussagen gibt. Letztere sind alle entweder ohne Wahrheitswert (Tuggy) oder falsch (Rhoda et al.).

Seltsamerweise ist die Zukunft also nach Auffassung von Rhoda et al. in Wirklichkeit „semantisch“ – wie sie es ausdrücken – vollständig festgelegt. Während nach Tuggys Auffassung zukünftig kontingente Propositionen Wahrheitswert-Lücken darstellen, bleibt nach Auffassung von Rhoda et al. nichts, was festzulegen ist, keine Lücken, die zu füllen sind, denn in Einklang mit dem Prinzip der Bivalenz sind zukünftig kontingente Propositionen durchweg falsch. Die Zukunft ändert sich nach der „offenen“ Auffassung nicht mehr als nach der Standard-Auffassung, denn in beiden Fällen besteht die Änderung vollständig in den Wahrheitswerten, welche futurische Aussagen gegenwärtig besitzen. Der ganze Unterschied zwischen den Auffassungen liegt einfach darin, welche Aussagen gegenwärtig wahr sind. Die distinktive These von der Position der Offenheit, wie Rhoda et al. sie verteidigen, ist, dass futurische Aussagen ihren gegenwärtigen Wahrheitswert nicht nur von wahr zu falsch, sondern von falsch zu wahr ändern. Alles Reden über den Gegensatz von Offenheit und Festgelegtheit erweist sich als irreführende Rhetorik.

Rhoda et al. vergrößern die Verwirrung noch durch ihre zweideutige Interpretation von Zweigdiagrammen der Zukunft.  [23] Sie verschmelzen zwei völlig verschiedene Interpretationen solcher Diagramme: als Darstellungen der Ontologie von Raumzeit-Ereignissen und als Darstellung der kausalen Modalität solcher Ereignisse. Sie führen solche Diagramme als Darstellungen „einer vollständigen Sequenz von Ereignissen ein, die sich in die ganze Vergangenheit und in die ganze Zukunft erstreckt“, was die Geschichte der aktualen Welt ist, zusammen mit anderen kausal möglichen zukünftigen Geschichten, die davon abzweigen.

 

Schon zeigt sich die Verwirrung. Wenn das Diagramm reale Ereignisse zeigt, dann ist das Diagramm ein vergeblicher Versuch, gleichzeitig eine zeitlose und eine zeitliche Perspektive der Welt darzustellen. Wenn das Diagramm eine zeitlose Darstellung temporaler Momente oder Ereignisse ist, dann sollte kein gegenwärtiger Moment bezeichnet werden und somit auch keine Zweige. Wenn das Diagramm eine zeitliche Darstellung ist, dann sollte es keine durchgezogene Linie geben, welche die Sequenz zukünftiger Ereignisse darstellt, da es nach dem Präsentismus keine solchen Ereignisse gibt. In der vorliegenden Form stellt das Modell eine Inkohärenz dar, nicht die „festgelegte“ Auffassung der Zukunft.

Die Verwirrung wird durch ihr nächstes Diagramm, das die offene Auffassung der Zukunft veranschaulichen soll, noch verstärkt.

Das Diagramm scheint ein zeitliches zu sein, denn es wird eine eindeutige Gegenwart bezeichnet und es gibt keine Sequenz zukünftiger Ereignisse. Doch warum wird die Vergangenheit dann als durchgezogene Linie abgebildet? Das Diagramm bildet nicht den Präsentismus ab, sondern das, was Rhoda et al. als Auffassung des „wachsenden Universums“  [24] bezeichnen, von der sie sagen, dass sie sie ignorieren werden. In jedem Fall wird durch das Fehlen einer durchgezogenen Linie später als die Gegenwart in keiner Weise veranschaulicht, dass die Bivalenz für zukünftig kontingente Propositionen nicht zutrifft oder dass solche Propositionen falsch sind, denn das Diagramm stellt nicht den Wahrheitsstatus von Propositionen zu einem Zeitpunkt dar, sondern die Ontologie von Ereignissen in der Zeit.

Rhoda et al. beginnen dann, das Diagramm als Darstellung des kausalen modalen Status‘ von Ereignissen auszulegen. Wenn ein Ereignis auf allen Zweigen geschieht, ist es kausal determiniert; wenn es auf keinem geschieht, ist es kausal unmöglich; wenn es auf einigen, aber nicht auf allen geschieht, ist es kausal kontingent. Doch wenn das Diagramm den modalen Status von Ereignissen darstellt, warum gibt es eine einzelne Linie von der Vergangenheit durch die Gegenwart? Wenn es in der Vergangenheit freie Entscheidungen gab oder wenn die Quanten-Indeterminiertheit ontisch ist, dann sollte sich auch die Vergangenheit verzweigen. Das Diagramm sollte ein Dickicht sein und kein Baum. Vergangene Ereignisse können jetzt determiniert sein, ohne (kausal) festgelegt zu sein. Das bloße Verlaufen der Zeit beseitigt die kausale Indeterminiertheit eines Ereignisses nicht. Damit Rhoda et al. nicht darauf beharren, dass die Aktualität der Vergangenheit mit ihrer kausalen Indeterminiertheit unvereinbar ist, sollten wir sie daran erinnern, dass – wie Adolf Grünbaum vor langer Zeit in einer klassischen Abhandlung überzeugend argumentierte – die Aktualität der Zukunft nach der B-Theorie der Zeit in keiner Weise mit der Quanten-Indeterminiertheit vergangener Ereignisse unvereinbar ist [25]

Rhoda et al. könnten erwidern, dass nach dem Präsentismus eine rückwärtige Kausalität unmöglich ist, sodass das Diagramm zumindest die kausale Geschlossenheit der Vergangenheit im Gegensatz zur Zukunft richtig darstellt. Das Problem ist, dass kausale Geschlossenheit/Offenheit nicht dasselbe ist wie kausale Determiniertheit/Indeterminiertheit. Ereignisse, die auf jedem Zweig der Zukunft liegen, sind kausal determiniert, aber sie sind von der Gegenwart aus noch offen für kausale Einflüsse. Wenn es eine Retro-Kausalität – sagen wir, durch Tachyonen – gäbe, dann wären selbst kausal determinierte vergangene Ereignisse noch für kausale Einflüsse offen. Jedenfalls legt die Interpretation des Diagramms als einer Darstellung dafür, welche Ereignisse – von der Gegenwart aus – für kausale Einflüsse offen sind, in keiner Weise nahe, dass es keine wahren zukünftig kontingenten Propositionen gibt.

Sämtliche Verwirrungen von Rhoda et al. schlagen sich in ihrer Zusammenfassung nieder:

Bedeutsam ist, dass die Zukunft sich ändern kann und wird, wenn die OFV richtig ist. Wenn das Fortschreiten der Zeit uns an einen Baumknoten kausal möglicher Zukunftsvarianten bringt, ist ein Entscheidungspunkt erreicht, an dem nur einer der Zweige, die von diesem Knoten ausgehen, gewählt werden kann. Wenn die Entscheidung getroffen ist, werden die anderen Zweige sozusagen „abgeschnitten“ und fallen aus dem Bereich der kausalen Möglichkeit heraus. So ändert sich die Geometrie der zukünftigen Änderungen durch den Wegfall von Zweigen. Eine wahre Könnte-und-könnte-nicht-Proposition wird falsch und eine falsche Wird-oder-wird-nicht-Proposition wird wahr, wann immer kausale Möglichkeiten ausgeschlossen werden, sodass etwas, das zu einem Zeitpunkt kausal kontingent war, zu einem späteren Zeitpunkt entweder kausal notwendig oder kausal unmöglich wird. [26]

Hier sehen wir ihre Verwechslung zukünftiger Ereignisse mit futurischen Aussagen über diese Ereignisse, ihre Vermischung von zwei verschiedenen Interpretationen von Baumdiagrammen temporaler Ereignisse – die eine ontisch, die andere modal/kausal –, ihre inkohärente Mischung zeitloser und zeitlicher Darstellungen der Realität, ihr idiosynkratisches Verständnis von „könnte“ und „wird“ und ihre Verwechslung von kausaler Geschlossenheit und kausaler Determiniertheit.

Tuggy wiederum gibt dem Zweigdiagramm eine andere Interpretation, lässt aber eine ähnliche Verwechslung von Ontologie und Modalität erkennen. Er beginnt mit Ontologie, indem er sein Diagramm als „lineares Modell der Zeit“ versteht. [27] Es ist eine Darstellung der Zeit selbst, welche die topologischen und geometrischen Eigenschaften einer Linie hat.

Sofort ergibt sich das Problem, dass Tuggys Abb. 1 ebenfalls versucht, sowohl eine zeitliche als auch eine zeitlose Perspektive der Zeit zu zeigen, was inkohärent ist. Denn der quadratische Knoten in dem Diagramm stellt die Gegenwart dar, und doch werden alle Momente der Zeit als existent abgebildet. In Abb. 2 führt Tuggy dann Zweige ein, um die Offenheit der Zukunft zu illustrieren.

Eine konsistente Interpretation verlangt, dass die Zeit selbst somit eine Zweigstruktur aufweist. Tuggy selbst bekräftigt dies später, indem er kommentiert: „In Abschnitt 4 oben habe ich argumentiert, dass man, wenn man die Zeit als in Richtung der Zukunft verzweigt denkt, behaupten muss, dass manche Aussagen über die Zukunft, wenn sie getroffen werden, weder wahr noch falsch sind.“ [28]

Doch dann macht Tuggy sich den Präsentismus zu eigen, welcher die Auffassung untergräbt, dass die Zeit selbst eine Zweigstruktur hat. In einer Fußnote räumt Tuggy ein: „Da ich Präsentist bin, glaube ich nicht, dass es solche Dinge überhaupt gibt; die zukünftigen und vergangenen ‚Zweigsegmente‘ in meinem Modell sind nicht als Realitäten zu verstehen.“ [29] Die Zweige scheinen Modalitäten darzustellen, nicht die topologische Struktur der Zeit. Indem er die Idee, dass „es jetzt ‚viele inkompatible Zukunftsvarianten‘ gibt“ als „inkohärent“ verwirft, versteht Tuggy die Zweigstruktur als Darstellung von „Ergebnissen, die angesichts des Verlaufs der Geschichte bis jetzt möglich sind. Die Zweigsegmente jenseits der Gegenwart stellen temporal mögliche Zukunftsvarianten dar – nicht alle logisch oder sogar kausal möglichen, sondern vielmehr diejenigen, die durch das, was schon geschehen ist, zusammen mit dem, was jetzt gerade geschieht, nicht ausgeschlossen wurden.“ [30] Tuggy versteht die Modalitäten, die in dem Diagramm abgebildet werden, also nicht als kausal, wie Rhoda et al. es tun; es ist vielmehr eine Art temporaler Möglichkeit/Notwendigkeit, die abgebildet wird. Mit anderen Worten beansprucht das Modell, als Diagramm das darzustellen, was Alfred Freddoso „akzidentelle“ Möglichkeit und Notwendigkeit nennt. [31]

Doch dann wird sofort das Problem bei dem Diagramm deutlich: Indem es die Vergangenheit als ein einzelnes Liniensegment statt als Verzweigungen abbildet, schließt es akzidentelle kontingente Propositionen über die Vergangenheit von vornherein aus. Alle Libertarier meinen jedoch, dass einige vergangene Ereignisse „weiche“ Fakten sind und dass Propositionen über ihr Auftreten deshalb nicht zu jedem späteren Zeitpunkt akzidentell notwendig sind – zum Beispiel die Aussage: „Maria Bach brachte den größten Barock-Komponisten zur Welt“, die nicht akzidentell notwendig sein konnte, bevor das Barockzeitalter endete. Solche Ereignisse werden an keiner Stelle in dem Diagramm dargestellt. Einige Theisten vertreten die Auffassung, dass es unter den vergangenen Ereignissen solche gibt wie: Gottes Annahme, dass irgendein zukünftig kontingenter Wille in Erscheinung treten wird; die Voraussage eines Propheten, dass ein zukünftig kontingentes Ereignis stattfinden wird; und Gottes Versprechen, eine bestimmte Tat in der Zukunft auszuführen; und dass Propositionen über das erfolgte Geschehen solcher Ereignisse nicht – in Bezug auf den Knoten der ersten Verzweigung des Baumdiagramms – akzidentell notwendig sind. Ereignisse wie diese werden an keiner Stelle in dem Diagramm abgebildet.

Tuggy behauptet dann weiter, dass sich einige interessante Dinge „aus diesem Bild ergeben“. [32] Damit muss er meinen, dass sich einige interessante Schlussfolgerungen ergeben, wenn das Diagramm die Realität richtig abbildet. Doch dann brauchen wir einige Argumente, wie Rhoda et al. sie zu geben versuchten, um anzunehmen, dass das Bild die Realität tatsächlich richtig abbildet. Da viele Denker das Diagramm als Fehldarstellung oder bestenfalls als unvollständige Darstellung der Welt betrachten werden, ist gleichgültig, was sich daraus ergibt, sofern nicht einige Argumente für ihre Richtigkeit gegeben werden können. Leider bietet Tuggy wenig mehr als vage Andeutungen eines Argumentes – Andeutungen, die im Wesentlichen auf die semantischen und metaphysischen Argumente von Rhoda et al. hinweisen, mit denen wir uns gleich beschäftigen werden. [33]

Dann geht Tuggy erneut dazu über, von dem Zweigdiagramm als einem Modell der Zeit selbst zu sprechen, statt von temporalen Modalitäten: „Nach dem Zweigmodell der Zeit gibt es jetzt keine Zukunft – kein vollständiges Segment (oder Zweig) der zukünftigen Welt, das jetzt so ist, dass es sein wird.“  [34] Als ernsthafte Metaphysik verstanden, ist dies eine Auffassung der Zeit, welche die Zweige als buchstäbliche Raumzeit-Mannigfaltigkeiten versteht, die im Verlauf der Zeit abgeschnitten werden. Diese Auffassung, die von Storrs McCall verteidigt wurde, kann wohl, wie Tuggy feststellt, als inkohärent betrachtet werden. [35] Sie ist jedenfalls bizarr und hat nicht viele von sich überzeugt. Nach dem Präsentismus, den alle unsere Gesprächspartner bekräftigen wollen, gibt es keine Zweige, die später sind als die Gegenwart, wenn wir die Zweige als Darstellung von Zeit oder von Ereignissequenzen verstehen. Das Baummodell ist vielmehr plausibel als bildliche Darstellung von entweder kausalen (Rhoda et al.) oder temporalen (Tuggy) Modalitäten auszulegen. [36]

Insgesamt ist das Zweigdiagramm ein Versuch, nicht die Struktur der Zeit selbst, sondern die temporalen Modalitäten von Propositionen zu einer bestimmten Zeit abzubilden. Doch in diesem Fall wird durch die bloße Annahme, dass das Diagramm einem Baum gleicht, die entscheidende Frage gegen gewisse klassische Theisten offen gelassen. Denn es wird nur angenommen, dass es keine wahren, temporal kontingenten Vergangenheitsaussagen gibt, die besagen, dass Gott irgendeine zukünftige Kontingenz vorauswusste. Somit ist sowohl Rhodas et al. als auch Tuggys Verwendung von verzweigten Baumdiagrammen als Veranschaulichung und Unterstützung ihrer Auffassung von der Zukunft grundlegend verfehlt.

Das semantische Argument

Neben der Präsentation eines Zweigmodells der Zeit, von dem sie glauben, dass es nicht festgelegte Leser ansprechen wird, dem wir jedoch widersprochen haben, weil es erheblich verwirrt ist, präsentieren Rhoda et al. zwei Argumente für die OFV (offene Auffassung der Zukunft). Konkreter gesagt, geben sie zwei Argumente für ihre sogenannte „Unvereinbarkeitsthese, die besagt, dass zukünftige Kontingenz mit einer festgelegten Auffassung der Zukunft unvereinbar ist“ und somit für göttliches Vorauswissen nicht zur Verfügung steht. Die OFV folgt angeblich aus der Unvereinbarkeitsthese (oder UT) in Verbindung mit der „Kontingenzthese, die besagt, dass es zukünftige Kontingenzen gibt.“ [37] Da ihr Publikum sich wie das von Tuggy auf diejenigen beschränkt, welche die Kontingenzthese bereits akzeptiert haben, ist es die UT, der ihre Aufmerksamkeit gilt. Wir betrachten in diesem Abschnitt ihr sogenanntes „semantisches“ Argument für die UT und im nächsten Abschnitt ihr „metaphysisches“ Argument.

Das semantische Argument bezieht sich auf die kausale Kraft, die durch den prädiktiven Gebrauch des Wortes „wird“ vorausgesetzt wird – z.B. in dem Satz: „Der Dekan wird morgen an der Budget-Sitzung teilnehmen.“ Rhoda et al. ziehen hier zwei Optionen in Betracht. Das, was sie als peirceanische Option bezeichnen, „bringt die kausale Kraft des wird zur maximalen Größe. In diesem Sinne vorauszusagen, dass etwas geschehen wird, heißt zu sagen, dass es kausal geschehen muss.“  [38] Peirceaner, welche die Zukunft als kausal offen betrachten, müssen sie also als semantisch offen behandeln; das heißt, sie müssen leugnen dass „für … jeden möglichen Sachverhalt S und jede zukünftige Zeit t wahr sein muss und immer wahr gewesen ist, dass entweder S zu t gelten wird oder S zu t nicht gelten wird.“ [39]  Dagegen führt das, was sie als ockhamistische Option bezeichnen, dazu, dass „wird überhaupt keine kausale Kraft hat. In diesem Sinne vorauszusagen, dass etwas geschehen wird, heißt nicht mehr, als zu sagen, dass es tatsächlich in der Zukunft geschieht.“ [40] Dies gibt den Ockhamisten, welche übereinstimmend mit den Peirceanern die Zukunft als kausal offen betrachten, die Möglichkeit, sie als semantisch festgelegt zu behandeln, d.h., „es ist immer wahr gewesen, dass entweder S zu t gelten wird oder S zu t nicht gelten wird.“ Die Verfasser behaupten, dass prädiktive Aussagen über das, was sein „wird“, eine peirceanische und keine ockhamistische Bedeutung erhalten sollten und dass dies die Kontroverse zugunsten des offenen Theismus löst. [41]

Zu diesem Zweck machen die Verfasser sich daran, „zu zeigen, dass entweder die ockhamistische oder die peirceanische Option natürlicher zu unserem umgangssprachlichen prädiktiven Gebrauch von ‚wird‘ passt.“ [42] Doch nach diesem Maßstab liegt klar auf der Hand, dass „wird“ nicht nur eine deterministische Relation ausdrücken kann, sondern auch – wie die Verfasser selbst einräumen – „eine Reihe indeterministischer Relationen, die damit vereinbar sind, dass Dinge sich als anders herausstellen, d.h. bei denen man davon ausgeht, dass „die Wahrscheinlichkeit, dass etwas geschieht, kleiner als eins, aber größer als null ist.“ [43] Wenn der umgangssprachliche Gebrauch die Norm ist – der umgangssprachliche Gebrauch lässt ein breites Spektrum an Relationen zu – und die peirceanische Position nur das kausal maximale Ende des Spektrums erlaubt, dann scheint der Peirceanismus nicht einmal aus den Startblöcken zu kommen: Es gibt einfach keinen Wettstreit zwischen ihm und dem Ockhamismus.

Doch dann erfahren wir dies: „Zwar erlaubt die Umgangssprache ohne Weiteres einen flexiblen Gebrauch von ‚wird‘, da der Kontext klar macht, welche Art von Kraft der Begriff bei einem gegebenen Anlass haben soll, doch für philosophische Zwecke brauchen wir etwas Präziseres – einen reglementierten Gebrauch, der die kausale Dimension festlegt –, sodass wir eine stringente Tempus-Logik entwickeln können.“ [44] So viel also zum umgangssprachlichen Gebrauch!

Die Entwicklung einer „stringenten Tempus-Logik“, welche „die kausale Dimension festlegt“, mag in sich eine erbauliche Übung sein, aber sie wird das umfassendere Argument der Verfasser für den offenen Theismus nicht weiterbringen, sofern sie nicht für alle zukünftig kontingenten Propositionen gilt und dies in einer Weise tut, dass keine wahr ist. Wenn wir nun eine peirceanische Tempus-Logik annehmen, bedeutet die Aussage, dass etwas geschehen wird, ihr eine Wahrscheinlichkeit von 1.0 zuzuordnen; wenn dieses Etwas tatsächlich eine zukünftige Kontingenz ist, ist das, was gesagt wurde, falsch – daher die Vorliebe der Verfasser für die peirceanische Position. Doch auf welcher Grundlage könnten alle Propositionen über die Zukunft in dieser prokrustischen Weise behandelt werden, da die Verfasser selbst einräumen, dass umgangssprachliche prädiktive Rede ein breites Spektrum an Wahrscheinlichkeiten zulässt?

Der entscheidende Schritt für Rhoda et al. ist die Berufung auf rationale Behauptbarkeit. Bei der Bestimmung der Bedeutung einer Äußerung „sagt das Prinzip des Wohlwollens, dass die Behauptungen einer Person – wenn die semantische Flexibilität ihrer Worte und der Kontext es zulassen – in einer Weise interpretiert werden sollten, welche die rationale Behauptbarkeit dieser Behauptungen wahrt.“ Wendet man diese Regel auf den prädiktiven Gebrauch von „wird“ an, dann „hängt der Grad der kausalen Kraft, die wir einer futurischen Aussage beimessen, davon ab, welche Aussage der Sprecher unserer Einschätzung nach zum Zeitpunkt seiner Behauptung sinnvollerweise gemacht haben könnte.“ [45] Rhoda et al. meinen zu wissen, worin dieser Grad der kausalen Kraft besteht:

Zu u wahrhaftig zu behaupten, dass „S zu t gelten wird“, bedeutet zu postulieren, dass zu u der Fall ist, dass das Gelten von S zu t zumindest wahrscheinlich ist. Da wir jedoch nach einem reglementierten philosophischen Gebrauch von wird suchen, der die kausale Dimension festlegt, müssen wir uns auf eine bestimmte Wahrscheinlichkeit einigen… Der peirceanische Vorschlag, welcher wird eine determinative kausale Kraft (Wahrscheinlichkeit = 1,0) zuweist, scheint die natürlichste philosophische Reglementierung für den umgangssprachlichen Gebrauch des Begriffs zu sein. Schließlich ist es sinnvoller, die kausale Kraft der unbestimmten Prädiktion, dass etwas geschehen wird, auf eine Wahrscheinlichkeit von 1,0 festzulegen und qualifizierende Wörter wie „wahrscheinlich“ zu benutzen, wenn eine geringere kausale Kraft beabsichtigt ist, als die kausale Kraft von wird auf – sagen wir – 0,8 festzulegen, was dann eine Qualifizierung in beide Richtungen verlangen würde. [46]

Trotz der offenkundigen Vielfalt von Kontexten, in denen Menschen prädiktive Aussagen machen, und trotz der großen Vielfalt kausaler Festlegungen, die im umgangssprachlichen Reden zum Ausdruck gebracht werden, was das peirceanische Projekt der Verfasser von vornherein zum Scheitern zu verurteilen schien, zeigt sich also, dass die peirceanische Position, welche alle Wahrheiten über die Zukunft als nicht-kontingent behandelt, diejenige ist, die einer wohlwollenden Auslegung der Äußerungen von Menschen am besten entspricht.

Die folgenden Beispiele sind nur eine Auswahl aus den vielen Problemen bei diesem Argument gegen zukünftig kontingente Wahrheiten.

1. Das Argument ist schlichtweg zirkulär gegen den traditionellen Standpunkt bezüglich des Vorauswissens Gottes gerichtet. Rationale Behauptbarkeit ist personenabhängig; was für die eine Person rational behauptbar ist, mag für eine andere nicht rational behauptbar sein. Dies gilt insbesondere, wenn die betreffenden Personen in ihren kognitiven Fähigkeiten so verschieden sind wie Gott und Menschen. Doch die Zurückweisung zukünftig kontingenter Wahrheiten durch die Verfasser stützt sich ausschließlich auf das, was ihrer Meinung nach für Menschen rational behauptbar ist; die Frage, was für Gott rational behauptbar sein könnte, stellen sie gar nicht erst. Wenn Gottes Allwissenheit zukünftig kontingente Wahrheiten einschließt, wie die Tradition behauptet, dann sind solche Wahrheiten für Gott rational behauptbar; dies zu leugnen – mit keiner besseren Begründung, als dass Menschen nicht in der Position sind, sie rational zu behaupten – setzt einfach voraus, dass die traditionelle Lehre des göttlichen Vorauswissens falsch ist.

2. Die Verfasser müssen zeigen, dass allen prädiktiven „wird“-Aussagen eine peirceanische Bedeutung zuzuweisen ist, und rationale Behauptbarkeit ist in ihrer Anwendung zu begrenzt, um diese Mammutaufgabe zu leisten. Rationale Behauptbarkeit hilft uns, die wohlwollendste Auslegung zu ermitteln, die einer Äußerung beizulegen ist. Doch es gibt nicht immer eine Veranlassung, diese Regel anzuwenden, und wenn es sie nicht gibt, haben wir keine Grundlage, mutmaßliche zukünftig kontingente Propositionen als nicht-kontingent auszulegen. Unsere eigenen Äußerungen bieten einen offensichtlichen Kontext, in dem wir uns nicht auf Prinzipien des Wohlwollens stützen, um festzustellen, was gesagt wird! Doch selbst wenn rationale Widerspruchsfreiheit regelgerecht darauf beschränkt wird, die Behauptungen Dritter zu verstehen, verwenden wir sie nicht, wenn das, was die Person meint, bereits klar ist oder der Klärung unterliegt. Nehmen wir das Beispiel eines Roulettespielers, der behauptet: „Die Kugel wird auf der 20 landen.“ Da die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 35 gegen dieses Ergebnis liegt, „bei fehlenden Hinweisen, dass er wirklich glaubt, dass die Kugel wahrscheinlich auf der 20 landen wird“, raten die Verfasser: „Wir sollten das Prinzip des Wohlwollens anwenden und versuchen, eine plausible Auslegung in dem Kontext zu finden, die ihm nicht zuschreibt, etwas zu behaupten, das zu wissen oder mit gutem Grund zu glauben er nicht in der Lage ist.“ [47] Nehmen wir einmal an, wir fragen ihn nach seiner Behauptung. „Ich weiß es einfach“, antwortet er. An irgendeinem Punkt müssen wir diese Person beim Wort nehmen. Es gibt hier keine Offenheit für eine Berufung auf rationale Behauptbarkeit.

3. Das Beste, was Rhoda et al. erreichen könnten, selbst wenn wir die vorangegangenen Einwände nicht berücksichtigen würden, wäre eine Semantik, bei der prädiktiven „wird“-Aussagen ein ausreichend hoher Wahrscheinlichkeitswert zugewiesen wird – ausreichend hoch, um sie – nach dem Ermessen der Autoren – rational behauptbar zu machen. Das würde den ungeheuren Sprung auf eine maximale kausale Kraft von 1,0. immer noch nicht erklären. Eine Konsequenz dieses Schrittes, der im Interesse einer „stringenten Tempus-Logik“ unternommen wird, ist, dass viele wird-Aussagen, die gewöhnlich als wahr betrachtet werden, sich stattdessen als falsch erweisen werden. Da die peirceanische Semantik behauptet, dass es „strikt wahr ist, dass etwas dann und nur dann geschehen wird, wenn kausal determiniert ist, dass es geschehen wird“ [48], ist eine Aussage wie „Ein indeterminierter Quantenphasenübergang wird erfolgen“ nicht nur falsch, sondern logisch inkohärent wie: „John ist ein verheirateter Junggeselle.“ Es ist, gelinde gesagt, seltsam, dass die rationale Behauptbarkeit – ein Prinzip des hermeneutischen Wohlwollens – eine Semantik ergibt,

4. Als Interpretationsregel kann die rationale Behauptbarkeit nur voraussetzen, dass Menschen Propositionen geltend machen, von denen sie (rational) glauben, dass sie eher wahrscheinlich als nicht wahrscheinlich sind, unabhängig von ihrer tatsächlichen Wahrscheinlichkeit. Also selbst wenn wir die erstaunliche Behauptung der Verfasser anerkennen würden, dass rationalen Behauptungen eine Wahrscheinlichkeit von 1,0 zuzuschreiben ist, würde es immer noch Umstände geben, unter denen rational behauptet wird, was in Wirklichkeit zukünftig kontingente Propositionen sind. Wenn unser Roulettespieler die Roulettescheibe manipuliert hat, kann er rational glauben, dass die Kugel nicht nur wahrscheinlich, sondern garantiert auf der 20 landen wird. Seine Voraussage besteht den Test der rationalen Behauptbarkeit. Wenn jedoch ein unbedacht verschütteter Martini die Vorrichtung, welche die Scheibe manipuliert, kurzschließt und der Ball dann trotzdem auf der 20 landet – was der Fall sein könnte –, dann ist das, was der Roulettespieler behauptete, eine wahre zukünftige Kontingenz. Nur indem sie epistemisch mit ontologisch verwechseln, konnten die Verfasser dieses offensichtliche Problem bei ihrer These übersehen. Der Glaube des Roulettespielers, dass der Ball auf der 20 landen wird, ist die eine Überzeugung; sein Glaube, dass die Roulettescheibe manipuliert ist und dass der Ball auf der 20 landen muss, ist eine andere Überzeugung. Letztere ist sein Grund für Erstere, aber es sind zwei distinkte Überzeugungen, von denen eine wahr und die andere falsch ist. Die Verfasser verwechseln einfach die Bedingungen, unter denen es rational wäre, eine Proposition mit der Bedeutung der Proposition zu behaupten.

5. Rhoda et al. insistieren, dass ihre Auffassung der Tatsache Rechnung tragen kann, dass einige Aspekte der Zukunft festgelegt sind und dass einige Aussagen über die Zukunft deshalb wahr sind. Vermutlich wäre die Aussage „Die Sonne wird morgen aufgehen“, gestern ausgesprochen, ein paradigmatisches Beispiel: Wenn diese Aussage keinen Wahrheitsanspruch erheben kann, ist unklar, wie es nach der peirceanischen Semantik überhaupt Wahrheiten über zukünftige Ereignisse geben könnte (im Gegensatz dazu, dass beispielsweise 2+2 morgen gleich 4 ist). Doch wenn Gott existiert, dann sind alle Wetten (auch kausal eindeutige Wetten) aufgehoben. Da Gott – abgesehen von Beschränkungen (z.B. Verheißungen), die er sich selbst auferlegt hat – frei ist, ist nichts über die Zukunft kausal festgelegt, denn Gott könnte morgen die Welt vernichten. Also gibt es keine wahren Aussagen über die Zukunft. Dies ruiniert ihre Behauptung, die plausibelste Interpretation umgangssprachlichen Gebrauchs zu bieten, da dieser Gebrauch eine Fülle von Behauptungen über die Zukunft enthält.

Wir könnten weitere Einwände hinzufügen, aber die soeben Erörterten sind ausreichend, um das völlige Scheitern des semantischen Arguments zu zeigen.

Das metaphysische Argument

In Abschnitt IV ihres Artikels präsentieren Rhoda et al. ein metaphysisches Argument für die Unvereinbarkeitsthese (UT) – „dass zukünftige Kontingenz mit einer festgelegten Zukunft unvereinbar ist.“ Sie behaupten, dass die UT aus der Verbindung der Korrespondenztheorie der Wahrheit mit einer A-Theorie der Zeit folgt. Mit anderen Worten behaupten sie, dass die Korrespondenztheorie der Wahrheit und eine A-Theorie der Zeit zusammen zur Folge haben, dass es keine wahren zukünftig kontingenten Propositionen gibt.

Um uns zu helfen, das metaphysische Argument zur Unterstützung dieser kühnen Behauptung zu verstehen, geben Rhoda et al. kurze Darstellungen der Korrespondenztheorie der Wahrheit und der A-Theorien der Zeit. Leider stellen sie beide in einer Weise falsch dar, die ihr Argument zunichte macht.

„Nach der Korrespondenztheorie“, sagen sie uns, „ist eine Proposition dann und nur dann wahr, wenn der Sachverhalt gilt, den sie behauptet.“ [49] Diese Darstellung der Korrespondenztheorie ist akzeptabel, solange wir sie nicht forciert als Aussage ernster Metaphysik verstehen. Es gibt an der Korrespondenztheorie nichts, das uns ontologisch zu Propositionen oder Sachverhalten (was immer diese sein mögen) verpflichtet. Leider begnügen Rhoda et al. sich nicht mit ihrer anfänglichen Darstellung der Korrespondenztheorie. Sie ergänzen die einfache Theorie durch kontroverse Addenda, die –wie wir sehen werden – eine entscheidende Rolle in ihrem Argument spielen. Sie geben zum Beispiel eine ganz andere Darstellung der Korrespondenztheorie, wenn sie behaupten, dass eine Verneinung der Korrespondenz „eine Ablehnung der Idee ist, dass wahre Propositionen in der Realität begründet sein müssen.“ [50] Es ist jedoch kein Bestandteil der Korrespondenztheorie der Wahrheit, dass wahre Propositionen in der Realität begründet sein müssen. Das ist die Theorie der Wahrmacher, ein umstrittenes Addendum zur Korrespondenztheorie, das von einer Minderheit neuerer Philosophen verteidigt wurde. [51] Dass die Wahrmacher-Theorie sich heimlich in die Diskussion eingeschlichen hat, zeigt sich an den Idiomen der Wahrmacher-Theorie, welche die Exposition von Rhoda et al. prägen: Sie sprechen davon, dass eine Proposition aufgrund dessen wahr ist, was jetzt der Fall ist; sie erörtern, was nötig ist, um eine Proposition wahr zu machen; sie sagen, dass Propositionen in gegenwärtigen Tatsachen begründet sind; und so weiter. [52] Und nicht nur das, denn indem sie behaupten, dass wahre zukünftig kontingente Propositionen Wahrmacher haben müssen, scheinen sie den Wahrmacher-Maximalismus zu übernehmen, eine noch umstrittenere Lehre, die von einer Minderheit von Wahrmacher-Theoretikern verteidigt wird, die sagen, dass es für alle wahren Propositionen Wahrmacher gibt. Wie wir sehen werden, hängt das metaphysische Argument von Rhoda et al. entscheidend vonWahrmacher-Annahmen ab. Deshalb werden sich ihre Fehldarstellungen der Korrespondenztheorie für ihr grundlegendes Argument als schädlich erweisen.

Auch bei der Darstellung der A- und B-Theorien der Zeit durch Rhoda et al. findet sich eine Fehldarstellung, die zwar weniger entscheidend ist, ihren Ausführungen, aber einen nur ungenauen Charakter gibt. [53] Es ist aber bemerkenswert, wie sich die Idiome der Wahrmacher-Theorie erneut in die Diskussion einschleichen. [54]

Das Eindringen von Wahrmacher-Annahmen in ihre Erörterung von Theorien der Zeit wird gravierend, wenn Rhoda et al. bei ihrer Bemerkung, dass es nach dem Präsentismus keine verfügbaren nicht-gegenwärtigen Sachverhalte gibt, um die gegenwärtige Wahrheit wahrer Propositionen zu begründen, fragen: „Wie können Propositionen über die Vergangenheit oder Zukunft dann wahr sein?“ [55] Die stillschweigende Annahme ist hier, dass solche Propositionen Wahrmacher verlangen, was – wie wir sagen – kein Bestandteil der Korrespondenztheorie der Wahrheit ist. Somit ist es einfach falsch, dass „sie für den Präsentisten aufgrund eines gegenwärtig geltenden zeitlichen Sachverhalts wahr sind.“ [56] Der Präsentist mag so etwas sagen, wenn es ihm beliebt, aber er ist der Wahrmacher-Theorie genauso wenig verpflichtet wie der B-Theoretiker – nämlich gar nicht. Die Wahrmacher-Theorie ist eine These, die keine notwendige Bedingung für eine Theorie der Zeit ist.

Wir kommen nun also zu ihrem metaphysischen Argument für UT. Das Argument hat zwei Stufen. In der ersten Stufe wiederholen Rhoda et al.im Grunde ihre Erörterung des Präsentismus:

1. Eine Proposition ist dann und nur dann wahr, wenn der Sachverhalt gilt, den sie postuliert (Korrespondenztheorie der Wahrheit).

2. Keine nicht-gegenwärtigen Sachverhalte gelten (Präsentismus).

3. Also ist eine Proposition dann und nur dann wahr, wenn der Sachverhalt, den sie postuliert, jetzt gilt.

4. Wenn es also wahre [kontingente] Propositionen über die Zukunft gibt, müssen sie aufgrund irgendeines gegenwärtig geltenden futurischen Sachverhalts wahr sein.

Es ist evident, dass (4) nicht gültig aus den Prämissen folgt. Denn (4) setzt die Wahrmacher-Theorie voraus, die nicht aus (1) folgt.

Seltsamerweise veranschaulichen Rhoda et al. (4), indem sie feststellen: „Also ist < Eine Seeschlacht wird morgen stattfinden > dann und nur dann jetzt wahr, wenn das Wird-morgen-Stattfinden einer Seeschlacht jetzt gilt.“ [57] Dies veranschaulicht richtig, was aus der von ihnen formulierten Korrespondenztheorie folgt, denn es wird nur die Wahrheitsbedingung der relevanten Proposition genannt, nicht ihr vermeintlicher Wahrmacher. Rhoda et al. verwechseln Wahrheitsbedingungen und Wahrmacher immer wieder in ihrem Artikel, angefangen mit ihrer Exposition des „Arguments der Wahrheitsbedingungen“, nach dem der am Montag geäußerte Satz „Es wird morgen regnen“ und der am Mittwoch geäußerte Satz „Es hat gestern geregnet“ – mit ihren Worten – „exakt dieselben Wahrheitsbedingungen haben, nämlich Regen am Dienstag.“ [58] Regen am Dienstag ist keine Wahrheitsbedingung, sondern ein konkretes Ereignis oder eine konkrete Entität, auf die ein Wahrmacher-Theoretiker sich berufen könnte, damit sie als Wahrmacher für eine beliebige Zahl von Propositionen dient. Regen fällt vom Himmel und bewässert die Erde; Wahrheitsbedingungen tun keines von beidem. In ähnlichem Sinn dient, wenn das Wird-morgen-Stattfinden einer Seeschlacht jetzt gilt  [59] als Wahrheitsbedingung der relevanten Proposition, ganz gleich ob sie einen Wahrmacher hat oder nicht.

Der einzige Vorbehalt ist hier, dass „going to occur“ [60] eine Umschreibung ist, die uns aufgezwungen wird, weil es im Englischen im Futur kein Gerundium für das Verb gibt. Während wir von einem Stattgefunden-Haben einer Seeschlacht [61] sprechen können, können wir nicht verständlich von einem Stattfinden-Werden einer Seeschlacht [62] sprechen. Wir müssen also auf den Ausdruck „going to occur tomorrow“ als Synonym zurückgreifen. Das kann irreführend sein, da manche Zeit-Philosophen „is going to“ als Terminus technicus dafür verwenden, dass gegenwärtige Bedingungen für ein zukünftiges Ereignis kausal ausreichend sind, was ausdrücklich nicht mit dem Futur synonym ist. Man muss darauf achten, die festgestellte Wahrheitsbedingung für das Morgen-Stattfinden-Werden einer Seeschlacht nicht so zu verstehen, als würde sie implizieren, dass die Schlacht jetzt durch gegenwärtige kausale Bedingungen determiniert wird. [63]

Zusammenfassend steht es dem Korrespondenztheoretiker offen, die Wahrmacher-Theorie einfach zu meiden und zu behaupten, dass sich zwar adäquate Wahrheitsbedingungen für wahre zukünftig kontingente Propositionen nennen lassen, dass es aber einfach keine Wahrmacher für solche Propositionen gibt. [64] Eine solche Position stimmt nicht nur mit einer Korrespondenztheorie der Wahrheit überein, sondern Rhoda et al. bieten außerdem keine Kritik gegen eine solche Position.

Die zweite Stufe des Arguments von Rhoda et al. versucht zu zeigen, dass es keine wahren zukünftig kontingenten Propositionen gibt. Es scheint so zu lauten:

5. Wenn eine Proposition über die Zukunft jetzt wahr ist, dann ist sie aufgrund dessen wahr, was jetzt der Fall ist.

6. Was jetzt der Fall ist, muss sich irgendwie auf das auswirken, was der Fall sein wird.

7. Die Gegenwart wirkt sich auf die Zukunft aus wie eine Ursache auf ihre Wirkung

8. Also gelten futurische Sachverhalte nur insofern, als die Zukunft in ihren Ursachen präsent ist.

Diese zweite Stufe des Arguments ist leider sogar noch ungenauer formuliert als die erste.

Prämisse (5) scheint Stufe 1 zusammenzufassen und setzt die Wahrmacher-Theorie voraus – vielmehr eine besonders grobe Version davon, insofern Rhoda et al. wissen wollen, was das Gelten eines futurischen Sachverhalts „möglicherweise in konkreten Begriffen bedeuten könnte.“ [65] „Inwiefern“, fragen sie sich, „ist die Wirklichkeit anders, weil ein futurischer Sachverhalt durch das gilt, was er gewesen wäre, wenn dieser Sachverhalt nicht gegolten hätte?“ [66] Auf einer Ebene ist eine solche Frage leicht zu beantworten: Einem Satz oder einer Proposition ist die Eigenschaft Wahrheit zu eigen; Gott fragt sich nicht, was morgen geschehen wird; es können genaue Prophetien über zukünftige Ereignisse gegeben werden; und so weiter. Doch das ist natürlich nicht die Art von Unterschieden, die – so real sie auch sein mögen – Rhoda et al. fordern. Sie scheinen zu denken, dass der futurische Sachverhalt selbst eine Art konkrete nachweisbare Realität sein muss. Doch eine solche Annahme ist eindeutig verfehlt, denn vielfältige Sachverhalte können ohne konkrete nachweisbare Unterschiede dieser Art gelten. Denken wir an ethische Sachverhalte, wie zum Beispiel, dass es falsch ist, ein Kind zum Spaß zu quälen. Dieser Sachverhalt gilt, ob es nun überhaupt Kinder gibt oder nicht und ob existierende Kinder je gequält werden. Oder denken wir an mathematische Sachverhalte, die unerreichbare Kardinalzahlen enthalten, welche so groß sind, dass sie keiner konkreten Realität entsprechen. Die Idee, dass Wahrmacher konkrete, nachweisbare Entitäten sein oder enthalten müssen, ist eindeutig falsch (selbst wenn wir davon ausgehen, dass alle Wahrheiten Wahrmacher haben). Wenn der klassische Theist also zusätzlich zur Korrespondenztheorie die Wahrmacher-Theorie annehmen möchte und wenn er außerdem den Wahrmacher-Maximalismus vertritt oder einen anderen Grund hat zu denken, dass zukünftig kontingente Wahrheiten Wahrmacher haben müssen, dann gibt es keinen Grund, warum er sich nicht auf zeitliche Sachverhalte berufen könnte, die gegenwärtig als seine Wahrmacher gelten.

Diesen Punkt beantworten Rhoda et al., indem sie protestieren, dass dies „die entscheidende Frage offen lässt, indem der Ockhamismus als selbstverständlich vorausgesetzt wird.“ [67] Diese Erwiderung zeigt, dass Rhoda et al. in ihrem Argument die Orientierung verloren haben. Sie sind es, die zu beweisen behaupten, dass die Korrespondenztheorie der Wahrheit und eine A-Theorie der Zeit zusammen zur Folge haben, dass es keine wahren zukünftig kontingenten Propositionen gibt. Um diese Behauptung zu widerlegen, muss der Ockhamist nicht beweisen oder auch nur annehmen, dass der Ockhamismus wahr ist, sondern nur, dass er epistemisch möglich ist. Der Ockhamist bietet eine epistemisch mögliche Hypothese, nach der Korrespondenz, Präsentismus und zukünftig kontingente Wahrheit vereinbar sind. Es ist unangebracht, dem Ockhamisten vorzuwerfen, seine Hypothese als selbstverständlich vorauszusetzen. Vielmehr müssen Rhoda et al. zeigen, dass die ockhamistische Hypothese (in diesem Fall, dass die Wahrmacher für zukünftig kontingente Propositionen gegenwärtig geltende futurische Sachverhalte sind) unmöglich ist. Stattdessen trüben sie nur das Wasser. [68]

Kurz gesagt: Der Ockhamist, der bereit ist, über die Korrespondenztheorie der Wahrheit hinauszugehen und die Wahrmacher-Theorie zu bekräftigen, könnte (5) akzeptieren, indem er die Wahrmacher zukünftig kontingenter Propositionen als gegenwärtig geltende futurische Sachverhalte versteht.

Prämisse (6) fällt aus heiterem Himmel, und es wird überhaupt keine Erklärung gegeben, was das kursiv-gesetzte „auswirken“ bedeuten soll. Wenn Rhoda et al. fragen: „Wie kann sich die gegenwärtige Realität auf eine Zukunft auswirken, die noch nicht existiert?“ [69], scheinen sie „auswirken“ als weitgehend synonym mit „beeinflussen“ oder „bestimmen“ zu verstehen – eine Vermutung, die durch ihre Behauptung verstärkt wird, dass (7) die „offensichtliche Antwort“ auf die Frage ist. Nun ist es kein Bestandteil der Wahrmacher-Theorie, dass Wahrmacher irgendeinen Einfluss auf Wahrheitsträger ausüben, seien es Propositionen, Sätze oder was auch immer. Die Wahrmacher-Theorie verlangt auch nicht, dass Wahrmacher für futurische Aussagen zukünftige Sachverhalte beeinflussen. Doch abgesehen von der Wahrmacher-Theorie wurde für (6) keine rationale Motivation gegeben.

Was (7) betrifft, würde nur ein Okkasionalist sie leugnen wollen. Doch (8) folgt nicht aus (7). Es wird kein Grund für die Annahme genannt, dass nur kausal determinierte futurische Sachverhalte jetzt gelten. Kurz, das metaphysische Argument ist wenig mehr als Missverständnis und Behauptung.

Schluss

Rhoda et al. möchten, dass alle wahren, affirmativen, futurischen Propositionen den modalen Status der Notwendigkeit haben; jede affirmative, futurische Proposition über ein kontingentes Ereignis ist daher falsch. Wie wir jedoch gesehen haben, beruht ihr Versuch, eine solche Position gegen die Standardauffassung zu rechtfertigen, auf Verwirrung in der Interpretation von Baum-Diagrammen, die zur Darstellung der Auffassung der offenen Zukunft verwendet werden, und auf semantischen und metaphysischen Argumenten, die mit diversen Fehlern behaftet sind, darunter ein Rückgriff auf eine grobe Wahrmacher-Theorie und eine sehr ungeschickte Berufung auf „rationale Behauptbarkeit“, die aus den Anforderungen ihrer Position motiviert ist, statt aus Respekt vor dem tatsächlichen linguistischen Verhalten von Menschen.

Tuggy lehnt den Ansatz von Rhoda et al. ab, indem er zu Recht feststellt, dass es futurische Aussagen gibt, die explizit oder implizit der Kontingenz zukünftiger Ereignisse verpflichtet sind oder sich ihnen gegenüber zumindest neutral verhalten. Tuggys Position des „breiten Weges“ ist, dass solche Aussagen als weder wahr noch falsch behandelt werden sollten, wenn die Zukunft tatsächlich jetzt kausal offen ist (sonst wären sie falsch). Leider bietet Tuggy zwar eine Semantik für diese Position an und verteidigt ihre Konsistenz, nennt aber kaum Argumente für diese Position oder gegen die klassische Position, welche Bivalenz akzeptiert. Seine Interpretation von Baum-Diagrammen als Darstellung temporaler Modalitäten lässt die entscheidende Frage gegen gewisse klassische Theisten offen, wenn solche Diagramme so verstanden werden, dass sie Ereignisse einschließen wie, dass Gott eine zukünftig kontingente Proposition glaubt.

„Weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen“, warnte der Herr die Menge in Matthäus 7,13. Wir glauben, dass der breite Weg zum offenen Theismus, und die damit verbundene Abkürzung, in ähnlicher Weise in den logischen und metaphysischen Ruin führt (vom theologischen ganz zu schweigen).

 

(Übers.: Marita Wilczek)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/perils-of-the-open-road

  • [1]

    Alan R. Rhoda, Gregory A. Boyd und Thomas G. Belt, „Open Theism, Omniscience, and the Nature of the Future“, Faith and Philosophy 23 (Oktober 2006), S. 432-459; Dale Tuggy, „Three Roads to Open Theism“, Faith and Philosophy 24 (Januar 2007), S. 28-51.

  • [2]

    William Craig ist ein A-Theoretiker, Präsentist und Molinist, der behauptet, dass Gott (seit der Schöpfung) in der Zeit ist, und der eine ockhamistische Lösung für das Problem des theologischen Fatalismus unterstützt, das nach seiner Auffassung auf logischen Fatalismus oder einen Fatalismus der Zukunftswahrheit reduzierbar ist. David Hunt neigt zur B-Theorie und zum Perdurantismus; er ist ein Anti-Molinist, der behauptet, dass Gott nicht in der Zeit ist, und der die ockhamistische Lösung für das Problem des theologischen Fatalismus ablehnt, das nach seiner Auffassung nicht auf das Problem des logischen Fatalismus oder des Fatalismus der Zukunftswahrheit reduzierbar ist.

  • [3]

    Natürlich müsste man auch noch andere Bedingungen erfüllen (etwa, ein Indeterminist und ein Theist zu sein!) Diese Gabelung auf dem Weg ist also so zu verstehen, dass sie nach früheren Gabelung folgt; man muss nicht an diese Gabelung kommen, sofern man nicht vorher die „theistische“ Richtung (und vielleicht einige andere) eingeschlagen hat.

  • [4]

    William Hasker ist Tuggys Hauptvertreter für den engen Weg. Hasker insistiert, dass der enge Weg göttliche Allwissenheit zulässt, aber bei dieser Argumentation muss er „Allwissenheit“ anders konzipieren – deshalb die Einschränkung „zumindest in einem unmittelbaren Sinn“ zwei Sätze zuvor. Siehe Hasker, God, Time, and Knowledge (Ithaca & London: Cornell University Press, 1989), S. 186-188. Peter Van Inwagen unterstützt eine ähnliche Position in: „What Does an Omniscient Being Know about the Future?“, Oxford Studies in Philosophy of Religion, Bd. 1, hrsg. von Jonathan Kvanvig (Oxford: Oxford University Press, 2008), S. 216-230. Ein weiterer Vertreter des engen Weges ist Richard Swinburne, Providence and the Problem of Evil (Oxford: Oxford University Press, 2006), S. 22-26.

  • [5]

    Tuggys Kritik an den anderen offenen Theisten stimmt in gewissen Punkten mit unserer überein, nicht aber dort, wo es um seine radikale Alternative der „Abkürzung“ geht. Angesichts der Inkohärenz seiner Interpretation des Baummodells der Wirklichkeit (wird weiter unten erklärt), ist Tuggys Versuch vergeblich, die durchgreifenden logischen Reformen zu rechtfertigen, die er selbst als solche vorschlägt, die dem breiten Weg zum offenen Theismus zu eigen sind – darunter die Ablehnung des Prinzips der Bivalenz, die Auslegung von „¬“, „Ú“, und „&“ als nicht-wahrheitsfunktionale Bindeglieder (oder zumindest als nicht expressiv für bestimmte einfache Negationen, Disjunktionen und Konjunktionen) und sogar die Ablehnung von Tarskis T-Schema der Wahrheit. Auch schließt die Konjunktion einer A-Theorie der Zeit mit einem kausalen Indeterminismus die von Tuggy vorgeschlagenen Reformen nicht ein, wie er zu denken scheint. Tuggys atemberaubende Reformen der klassischen Logik gehen sogar über intuitionistische Logik hinaus, was selbst die große Mehrheit zeitgenössischer Logiker als eine abwegige und verworrene Abweichung betrachtet. Außerdem irrt er in seiner Annahme, dass die Verteidiger des Prinzips der Bivalenz die logische Äquivalenz einer wahren zeitlichen Aussage mit einer zeitlosen Version der Aussage behaupten. Diese Behauptung ist offensichtlich falsch, da nicht jede wahre zeitliche Aussage – wie zeitlose Wahrheiten – zu jeder Zeit wahr ist: Der Wahrheitswert zeitlicher Aussagen ändert sich typischerweise mit der Zeit. Der Punkt ist vielmehr, dass man für jede zeitliche Wahrheit eine analoge zeitlose Aussage formulieren kann, die – wenn überhaupt – immer wahr sein wird. So ist zum Beispiel vor Kolumbus‘ Ankunft in der Neuen Welt wahr: „Kolumbus kommt im Jahr 1492 in der Neuen Welt an“, in welchem Fall schwer zu sehen ist, warum die vor 1492 ausgesprochene zeitliche Aussage „Kolumbus wird in der Neuen Welt landen“ nicht wahr sein sollte. Tuggys Verneinung der omnitemporalen Wahrheit zeitloser Wahrheiten beruht ebenfalls auf seinem falschen Verständnis des Baummodells der Realität.

  • [6]

    Hier ist eine Möglichkeit, Das Argument zu artikulieren: Angenommen Gott wusste, bevor Sie geboren wurden, dass Sie A zu T tun würden (wobei Ihr Handeln A zu T ansonsten als paradigmatisch frei zu betrachten wäre). Notwendigerweise gilt: Wenn Gott vor Ihrer Geburt wusste, dass Sie A zur Zeit T tun würden, dann werden Sie A zu T tun. Aber es ist nicht länger möglich, dass Gott nicht weiß, dass Sie A zu T tun werden (ausgehend von der Voraussetzung, dass er dies in der Tat wusste). Deshalb ist es nicht länger möglich, dass Sie A zu T nicht tun.

  • [7]

    Zumindest würde niemand dies aus philosophischen Gründen tun,und um diese geht es in den fraglichen zwei Artikeln. Natürlich sind einige offene Theisten aus biblischen Gründen zu ihrer Position gelangt. Wir sind der Meinung, dass das biblische Argument für den offenen Theismus ebenfalls falsch ist, und haben es beide in gedruckter Form erörtert, Craig in: The Only Wise God, Neuauflage (Eugene, Ore.: Wipf & Stock, 1999), Teil 1, und Hunt in: „What Does God Know? The Problems of Open Theism“, Contending with Christianity’s Critics, hrsg. von Paul Copan und William Lane Craig (Nashville: B&H Publishing, 2009), S. 265-282. Doch diese Debatte liegt gehört nicht zu unserem Thema in diesem Paper.

  • [8]

    Zu einer Verteidigung dieser Position siehe David P. Hunt, „What Is the Problem of Theological Fatalism?“International Philosophical Quarterly 38 (March 1998), S. 17-30.

  • [9]

    Craig, der hier Wilhelm von Ockham folgt, verneint, dass die „Notwendigkeit der Vergangenheit“ für Gottes vergangene Annahmen über die Zukunft gilt, was ihm erlaubt, die Übertragung der Notwendigkeit auf göttlich vorausgewusste Taten abzuweisen, die das Argument einschließt, während Hunt, der Augustinus folgt, die Übertragung der Notwendigkeit akzeptiert, aber verneint, dass sie die Handlungsfreiheit untergräbt, da göttliches Vorauswissen vorausgewusste Taten nicht verursacht oder erklärt. Zu Craigs Position in Bezug auf Das Argument siehe seine Publikation Divine Foreknowledge and Human Freedom: The Coherence of Theism: Omniscience, Studies in Intellectual History 19 (Leiden: E. J. Brill, 1990). Hunts Antwort auf Das Argument findet sich in seinem Artikel „On Augustine’s Way Out“, in: Faith and Philosophy 16 (January 1999), S. 1-26, nachgedruckt in: Freedom, Fatalism, and Foreknowledge, hrsg. von John Martin Fischer und Patrick Todd (Oxford: Oxford University Press, 2012). Siehe auch Hunts Artikel „Freedom, Foreknowledge, and Frankfurt“, in: Moral Responsibility and Alternative Possibilities: Essays on the Importance of Alternative Possibilities, hrsg. von David Widerker und Michael McKenna (Burlington, VT: Ashgate Publishing Co., 2003, S. 159-183).

  • [10]

    Eine ausgezeichnete Zusammenfassung über den aktuellen Stand der Debatte und eine Auswahl der vielen Reaktionen auf Das Argument finden sich in dem Beitrag „Recent Work on Divine Foreknowledge and Free Will“ von Linda Zagzebski in: Robert Kane, Hrsg., The Oxford Handbook of Free Will, 1. Aufl., (Oxford: Oxford University Press, 2005).

  • [11]

    Übersetzung aus dem Englischen aus: Tuggy, S. 31.

  • [12]

    Übersetzung aus dem Englischen aus: Tuggy, S. 32.

  • [13]

    Tuggy, S. 31.

  • [14]

    d.h. Auffassung der festgelegten Zukunft

  • [15]

    Übersetzung aus dem Englischen aus: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 432.

  • [16]

    d.h. Auffassung der offenen Zukunft

  • [17]

    Übersetzung aus dem Englischen aus: ibid.

  • [18]

    Ibid., S. 450-454.

  • [19]

    Ibid., S. 436.

  • [20]

    Übersetzung aus dem Englischen aus: ibid., S. 432.

  • [21]

    Ibid., S. 433, 432.

  • [22]

    Es kann keine Menge aller Futur-Wahrheiten geben, so wie es keine Menge aller Wahrheiten geben kann. Man sollte universale Quantifizierung verwenden, um von allen Futur-Wahrheiten zu sprechen, und nicht theoretische Konzepte der Mengenlehre.

  • [23]

    Die nicht nummerierten Diagramme erscheinen auf den Seiten 434 und 436 ihres Papers.

  • [24]

    Rhoda et al., „Open Future“, S. 447.

  • [25]

    Adolf Grünbaum, „Is There a Flow of Time or Temporal Becoming?“ in Philosophical Problems of Space and Time, 2. Aufl., Boston Studies in the Philosophy of Science 12 (Dordrecht: D. Reidel, 1973), S. 314-29.

  • [26]

    Übersetzung aus dem Englischen aus: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 436.

  • [27]

    Dale Tuggy, „Three Roads to Open Theism“, Faith and Philosophy 24 (2007): 31.

  • [28]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 37 (unsere Hervorhebung).

  • [29]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 50.

  • [30]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 33. Vgl. seine spätere Bemerkung über vergangene und zukünftige Liniensegmente des Diagramms: „Was sie darstellen, sind Ereignisse, die real gewesen sind, und Ereignisse, die real werden oder real werden könnten“ (Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 50). Es ist offensichtlich, dass dies nicht völlig konsistent ist.

  • [31]

    Alfred J. Freddoso, „Accidental Necessity and Logical Determinism“, Journal of Philosophy 80 (1983): 257-278.

  • [32]

    Tuggy, „Three Roads“, S. 33.

  • [33]

    Vgl. seine Aussagen: „Angesichts der Offenheit der Zukunft … gibt es gegenwärtig keine Tatsache, welche diese Aussage wahr oder falsch machen würde“, „Wir gehen von den wahrheitsrealistischen Intuitionen aus, dass eine wahre Aussage der Realität entspricht, und dass eine falsche Aussage nicht der Realität entspricht“ (Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 34). Letztere ist nur eine Bekräftigung der Wahrheit als Korrespondenz; erstere scheint sich in die Wahrmacher-Theorie einzuschleichen. Wenn Tuggy sagt: Wenn ein Ereignis auf einigen, aber nicht auf allen Zweigen geschieht, „dann fehlt der nicht-modalen Aussage zum gegenwärtigen Zeitpunkt das, was erforderlich ist, um wahr zu sein, und ihr fehlt auch das, was erforderlich ist, um falsch zu sein“ (Ibid.), dann geht er willkürlich davon aus, dass das, was erforderlich ist, um wahr zu sein, mehr ist als Korrespondenz; was erforderlich ist, ist eine bestimmte Art von Wahrmachern. Wir müssen Tuggy zugutehalten, dass die „eigentliche Stoßrichtung“ seines Arguments nur die Aussage ist, dass „offene Theisten den breiten Weg gehen sollten“, und nicht andere Wege zum offenen Theismus (Ibid., S. 28). Diesem Ratschlag stimmen wir uneingeschränkt zu. Doch dann bleibt die Frage bestehen, warum christliche Philosophen sich mit ihnen auf diesen gefährlichen Weg begeben sollten. Es ist Sache von Rhoda et al., hier die Überzeugungsarbeit zu leisten.

  • [34]

    Tuggy, „Three Roads“, S. 33.

  • [35]

    Storrs McCall, A Model of the Universe, Clarendon Library of Logic and Philosophy (Oxford: Clarendon Press, 1994); zu einer Kritik siehe William Lane Craig, kritische Anmerkung zu: A Model of the Universe, von Storrs McCall, International Philosophical Quarterly 35 (1995): 354-356.

  • [36]

    Seltsamerweise widerspricht Tuggy dem Vorschlag, dass das Model Modalitäten abbildet: „Wenn wir annehmen, dass es (zeitlos und jetzt) eine aktuale Zukunft gibt, dann ist dieser Vorschlag vollkommen schlüssig. Doch damit wird das lineare Modell der Zeit bekräftigt; zu jeder Zeit wird es genau eine zugängliche Zukunft geben (obwohl es viele andere logisch, kausal und epistemisch mögliche Zukunftsvarianten geben kann)“ (Übersetzung aus dem Englischen aus: Tuggy, „Three Roads“, S. 34). Diese Behauptung ist verwirrend. Die Linearität der Zeit hat mit ihrer topologischen Struktur zu tun: Sie ist eine eindimensionale Mannigfaltigkeit von Punkten mit einer Anordnung des Dazwischen-Seins. Aus einer zeitlosen Perspektive betrachtet, erscheint sie gewissermaßen als Linie – es gibt keine Zweige. Indem Tuggy eine Interpretation der Zweige wie die von McCall ablehnt und dennoch ein Zweigmodell unterstützt, muss er die Zweige als Abbildung von Modalitäten verstehen. Indem er logische, kausale und epistemische Deutungen meidet, muss er die Zweige als Abbildung temporaler Modalitäten verstehen, genau wie er es sagte.

  • [37]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 432.

  • [38]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 439.

  • [39]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 433.

  • [40]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 439. Die Unterscheidung der Verfasser zwischen der perceianischen und der ockhamistischen Option stammt von Arthur N. Prior, Past, Present, and Future (Oxford: Clarendon Press, 1967), S. 113-36. Wir lassen die Frage offen, ob ein solcher „Ockhamismus“ die Auffassung von Ockham oder seinen Anhängern richtig wiedergibt.

  • [41]

    Im Gegensatz dazu (und unserer Meinung nach zu Recht) lässt Tuggy für zukünftig kontingente Sätze zu, dass sie sowohl peirceanische als auch ockhamistische Propositionen ausdrücken, wobei er Letztere (diesmal unserer Meinung nach zu Unrecht) als weder wahr noch falsch betrachtet. Die Tatsache, dass Rhoda et al. zum offenen Theismus zu gelangen versuchen, indem sie ockhamistische Propositionen völlig umgehen, mag einer der Gründe sein, weshalb Tuggy ihren Weg als „Abkürzung“ bezeichnet.

  • [42]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 439-40.

  • [43]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid.

  • [44]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 439.

  • [45]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 442.

  • [46]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 443. Das ist ein guter Punkt, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass die Verfasser Wahrscheinlichkeit mit kausaler Notwendigkeit und Kontingenz verschmelzen. Eine Wahrscheinlichkeit von 1,0 impliziert keine kausale Determiniertheit. Wahrscheinlichkeit hat mit den Erwartungen eines vollkommen rationalen Akteurs zu tun, und diese Erwartungen können auf etwas anderem basieren als einem kausalen Determinismus. Ein Zeitreisender zum Beispiel kann sich der Zukunft (sie hat eine Wahrscheinlichkeit von 1,0 im Verhältnis zu den Überzeugungen, von denen er ausgeht) trotz ihrer kausalen Indeterminiertheit gewiss sein.

  • [47]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 443.

  • [48]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 436.

  • [49]

    Rhoda et al., „Open Theism“, S. 447; vgl. S. 446. Sie schreiben vor: „Durch die Behauptung, dass etwas der Fall ist, postuliert eine Proposition einen Sachverhalt“ (Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 40).

  • [50]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 448.

  • [51]

     Siehe die Erörterung und die zitierte Literatur in: William Lane Craig, „Middle Knowledge, TruthMakers, and the Grounding Objection“, Faith and Philosophy 18 (2001): 337-352.

  • [52]

    Rhoda et al., „Open Theism“, pp. 447-448.

  • [53]

    Zum Beispiel sprechen sie von „direkter Zugänglichkeit“, wenn sie eigentlich Gleichzeitigkeit meinen; sie verwechseln Sätze mit Propositionen; sie behandeln Sachverhalte manchmal als abstrakte Objekte, die gelten, und manchmal als konkrete Objekte, welche die Wahrheit von Propositionen begründen; und sie legen den Präsentismus so aus, dass daraus die Verneinung zeitloser Entitäten wie Gott oder mathematischer Objekte und somit zeitlos geltender Sachverhalte zusätzlich zu gegenwärtig geltenden Sachverhalten folgt.

  • [54]

    So sind zum Beispiel nach der B-Theorie nicht-gegenwärtige Sachverhalte verfügbar, um die gegenwärtige Wahrheit von Propositionen zu begründen; Propositionen über die Vergangenheit oder Zukunft können aufgrund eines in der Vergangenheit oder Zukunft geltenden zeitlosen Sachverhalts wahr sein; usw. N.B., dass die bloße Verfügbarkeit solcher Sachverhalte nach der B-Theorie nicht implizieren, dass die B-Theorie der Wahrmacher-Theorie verpflichtet ist.

  • [55]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda, et. al., “Open Theism“, S. 446.

  • [56]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 446-447.

  • [57]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 447 (Hervorhebung im Original).

  • [58]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 434.

  • [59]

    Im Englischen steht hier „a sea battle’s going to occur tomorrow“ für „das Wird-morgen-Stattfinden der Seeschlacht“; die futurische Verwendung von „going to“ drückt aus, dass etwas voraussichtlich geschehen wird, weil es geplant wurde oder aus gegenwärtigen Bedingungen geschlossen werden kann – Anm. d. Übers.

  • [60]

    Siehe Anmerkung 59

  • [61]

    Englisch: a sea battle’s having occurred yesterday; Anm. d. Übers.

  • [62]

    Englisch: a sea battle’s willing occur tomorrow; Anm. d. Übers.

  • [63]

    In der abschließenden Zusammenfassung ihres Argument gehen Rhoda et al. – entsprechend der oben geäußerten Vorwarnung – von der Behauptung „Die gegenwärtige Wahrheit von < S wird gelten > hängt völlig davon ab, dass das Gelten-Werden von S jetzt der Fall ist“ zu der Schlussfolgerung über: „Also ist dann und nur dann jetzt wahr, wenn gegenwärtige Bedingungen tatsächlich ausreichend, das heißt, völlig determinierend, für das zukünftige Gelten von S sind“, wobei „ausreichend“ und „determinierend“ im Sinne von kausal ausreichend und kausal determinierend zu verstehen sind. Aber es wurden keine guten Gründe genannt, warum wir denken sollten, dass „das Gelten-Werden von S“ einen Sachverhalt beschreibt, der kausal für S ausreichend ist.

  • [64]

    Zu einer schneidenden Kritik gegen die Wahrmacher-Theorie siehe Trenton Merricks, Truth and Ontology (Oxford: Oxford University Press, 2007). Merricks betrachtet seine Verneinung des Wahrmacher-Maximalismus als unvereinbar mit einer Auffassung der Wahrheit als Korrespondenz, doch er versteht Korrespondenz anders als Rhoda et al.

  • [65]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et.al., “Open Theism“, S. 447.

  • [66]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid., S. 449.

  • [67]

    Übersetzung aus dem Englischen: ibid.

  • [68]

    Sie behaupten zum Beispiel: „Nach einer präsentistischen Ontologie können gegenwärtig geltende futurische Fakten nicht in zukünftigen Präsens-Fakten begründet sein, denn es gibt keine zukünftigen Fakten“ (Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et al., „Open Theism“, S. 449). Da das Wort „Fakten“ hier im Sinne von „Sachverhalten“ verwendet wird, besagt die verwirrte Behauptung, dass die Wahrmacher selbst weiter begründet sein müssen. Außerdem scheint das hier ausgedrückte Bedenken eine Begründung als kausale Relation zu verstehen, was sie nach allem Ermessen nicht ist. Da die Relation zwischen einer Wahrheit und einem Wahrmacher nicht kausal ist, ist nicht einmal evident, warum der Ockhamist nicht Sachverhalte, die aktual sein werden, als Wahrmacher für zukünftig kontingente Propositionen verstehen kann.

  • [69]

    Übersetzung aus dem Englischen: Rhoda et al., “Open Theism“, S. 447