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Apologetikdienst – Ratschläge für christliche Apologeten

Summary

Für diejenigen, die sich zu einem Apologetikdienst berufen fühlen, setzt Dr. Craig seine Vorlesung fort, um Studenten bei diesem Bestreben mit Ratschlägen zu helfen. In diesem zweiten Teil seines Vortrags [1] erklärt er, wie gesellschaftliche Ideen primär innerhalb der Universitäten entwickelt werden und warum Apologeten größeren Einfluss haben können, wenn sie in einem bestimmten Fachgebiet promoviert haben. Am Schluss zeigt er mit einigen sehr praktischen Ratschlägen, warum jeder, der zu einem Apologetikdienst berufen ist, danach streben muss, eine demütige Geisteshaltung und einen wahrhaft christlichen Charakter zu entwickeln.

Lesen Sie hier Teil 1 des Vortrages: Apologetik-Ausbildung: Ratschläge für christliche Apologeten

2. Apologetikdienst – Einen Doktortitel in ihrem Fachgebiet erwerben

Einigen von Ihnen mag dieser Ratschlag vielleicht nicht sehr willkommen sein. Aber eine populärwissenschaftliche Apologetik allein wird nicht genügen. Eine solche Apologetik mag den Ungebildeten imponieren, wird aber die vorherrschenden Denkmuster der Gesellschaft nicht verändern.

Um die Denkmuster der Gesellschaft zu prägen und so ein kulturelles Milieu zu erzeugen, das Raum für die christliche Weltanschauung als intellektuell akzeptable Option schafft, müssen wir die Universität beeinflussen. Dies sage ich, weil die bei weitem wichtigste Institution, welche die westliche Kultur prägt, die Universität ist. Die Universität ist der Ort, an dem unsere zukünftigen politischen Leiter, unsere Journalisten, unsere Rechtsanwälte, unsere Lehrer, unsere Geschäftsführer, unsere Künstler ausgebildet werden. Die Universität ist der Ort, an dem sie diejenige Weltanschauung entwickeln oder – wahrscheinlicher – einfach übernehmen, die ihr Leben prägen wird. Und da dies die Meinungsmacher und Leiter sind, die unsere Kultur prägen, wird die Weltanschauung, die sie an der Universität verinnerlichen, diejenige sein, die unsere Kultur prägen wird. Wenn wir die Universität verändern, verändern wir unsere Kultur durch diejenigen, die die Kultur prägen. Wenn die christliche Weltanschauung an der Universität eine herausragende und angesehene Position zurückgewinnen kann, wird dies dazu führen, dass sie ganze Gesellschaft durchdringt.

Aber dies bedeutet zugleich, dass eine populärwissenschaftliche, auf die Masse zielende Apologetik nicht genügt. Nur eine Apologetik auf wissenschaftlichem Niveau, die sich an die Spezialisten der verschiedenen akademischen Fachrichtungen wendet, wird in der Lage sein, die Universität zu verändern und für eine anhaltende kulturelle Veränderung zu sorgen. J. G. Machen stellte fest, dass viele Menschen seiner Zeit erwarteten, dass „die Seminare den Irrtum bekämpfen, der durch ihre populären Vertreter gelehrt wird“, statt die Studenten „mit einer Menge deutscher Namen, die außerhalb der Universität unbekannt sind“ zu verwirren. Aber Machen betonte, dass die wissenschaftliche Verfahrensweise:

„...einfach auf einem tiefen Glauben an den durchdringenden Einfluss von Ideen beruht. Was heute eine Frage akademischer Spekulationen ist, wird morgen Armeen in Bewegung setzen und Weltreiche zum Einsturz bringen. In dieser zweiten Phase ist die Entwicklung zu weit fortgeschritten, um sie noch aufhalten zu können; der Zeitpunkt, sie zu stoppen, war die Phase, als die Ideen noch leidenschaftlich debattiert wurden. Deshalb sollten wir als Christen versuchen, das Denken der Welt so zu formen, dass es möglich wird, das Christentum zu akzeptieren, ohne es gleichzeitig als eine logische Absurdität ansehen zu müssen.“ [2]

Paradoxerweise sind die effektivsten apologetischen Bücher deshalb gerade nicht Bücher über Apologetik, sondern wissenschaftliche Monographien, die sich auf einzelne Fachgebiete spezialisieren. Ich habe einige der besten Bücher über christliche Apologetik mitgebracht, die ich kenne. Vielleicht werden sie einige von Ihnen überraschen: Alvin Plantingas The Nature of Necessity, Robert Gundrys Kommentar zum Markusevangelium, Colin Hemers The Book of Acts in the Setting of Hellenistic History, William Dembskis The Design Inference, Thomas Morris‘ The Logic of God Incarnate. Das sind Bücher, die man noch auf Jahre hinaus in akademischen Kreisen studieren und in Hörsälen erörtern wird und die das Denken zukünftiger Generationen prägen werden. Sie werden die Grundlage für Popularisierungen wie die ausgezeichneten apologetischen Bücher von Lee Strobel für Laien bilden und auf diese Weise sogar die Massen beeinflussen.

Um die Kultur zu verändern, müssen wir die Universität verändern. Um die Universität zu verändern, müssen wir wissenschaftliche Apologetik betreiben. Um wissenschaftliche Apologetik zu betreiben, müssen wir promovieren. So einfach ist das.

Außerdem – um jetzt einen persönlicheren Ton anzuschlagen – werden Sie überrascht sein, welche Türen und Gelegenheiten sich Ihnen auftun werden, wenn Sie einen Doktortitel besitzen. Dies stellte ich unmittelbar nach dem Erhalt meiner Abschlüsse fest. Wir hielten eine Vorlesungsreihe an britischen Universitäten, und an der Universität von Nottingham hatte ich die Gelegenheit, in einem Hörsaal zu sprechen. Der Professor stellte mich mit den Worten vor: „Dr. Craig studierte bei John Hick an der Universität von Birmingham und bei Wolfhart Pannenberg an der Universität München.“ Er hielt inne und fügte dann hinzu: „Das sind bedeutende Namen, und es ist ein Privileg, Dr. Craig in unserem Seminar zu hören.“ Ich lächelte innerlich und sagte, „Danke, Herr!“ Nur zu gern nutzte ich den Bonus des Ansehens meiner Mentoren, um eine Verteidigung des christlichen Theismus zu halten.

Erst letzten Monat waren meine Frau Jan und ich in China, wo ich als Gast der philosophischen Fakultät an einer führenden Universität sprach. Ich präsentierte ein moralisches Argument für den Theismus und konnte – in der Beantwortung von Fragen der Studenten – sogar mein persönliches Zeugnis mitteilen, wie ich zum Glauben an Christus gekommen war. Als meine Schilderung den Punkt erreichte, an dem ich endlich mein Leben Christus gab, applaudierten die Studenten sogar spontan! Im Nachhinein war es ein ernüchternder Gedanke, dass eine so außerordentliche Gelegenheit traditionellen Missionaren verschlossen bleibt, aber eine weit geöffnete Tür für Christen sein kann, die über die erforderlichen akademischen Referenzen verfügen.

Eine Promotion wird Ihnen in Ihrem Dienst Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben würden. Ich habe gute Freunde, die christliche Apologeten sind und deren apologetischer Dienst beeinträchtigt ist, weil sie früh die Entscheidung trafen, keine Promotion zu machen. Die oben beschriebenen Zugänge bleiben ihnen verschlossen, sowohl in der Heimat wie im Ausland. Mit einer Promotion erweitern Sie den Horizont Ihres Dienstes.

Es wird nicht leicht sein. In manchen Fachbereichen sind die Machtstrukturen oft zutiefst antichristlich. Studenten, die evangelikale Christen sind, werden unter Umständen ausgegrenzt, indem man ihnen Abschlüsse oder Professuren vorenthält. Es wird vorkommen – und ist schon vorgekommen –, dass manche dabei zum Opfer antichristlicher Diskriminierung werden. Doch mit der Zeit werden immer mehr von uns diesen Weg erfolgreich gehen. Bei Graduiertenprogrammen in Philosophie findet man eine Fülle christlicher Studenten, die sich allmählich durch das System hocharbeiten. Die Talbot School of Theology hat mittlerweile das größte Master of Arts-Studienprogramm in Philosophie unter allen englischsprachigen Institutionen. Meine Kollegen in Talbot und ich werden manchmal von Philosophen säkularer Universitäten angesprochen, die uns tatsächlich einladen, einige unserer Graduierten als Doktoranden zu ihnen zu schicken. Dies kann auch in anderen Fachgebieten geschehen. Indem die alte Garde ausstirbt und ihre Positionen mit jungen christlichen Gelehrten besetzt werden, wird sich das Gesicht der Universität ändern. Was Thomas Kuhn über wissenschaftliche Revolutionen sagte, gilt auch für christliche Revolutionen: Sie schreiten von Beerdigung zu Beerdigung fort.

Nun ist mir bewusst, dass einige von Ihnen vielleicht eine andere Berufung haben. In Ihrem Fall – das gilt besonders für diejenigen unter Ihnen, die Pastoren sind – möchte ich Sie ermutigen, die Augen offenzuhalten für Studenten, denen Sie eine Promotion nahelegen können. Wenn Sie dagegen unter 35 sind, wäre ein Doktorstudium immer noch eine realistische Option, die Sie erwägen sollten. Die Schlüssel zum Erfolg liegen darin, erstens ein Dissertationsthema zu wählen, das Sie leidenschaftlich interessiert, und zweitens einen Mentor an einer säkularen Universität zu finden, der mit Ihrem Dissertationsthema zumindest sympathisiert. Vielleicht müssen Sie über ein neutraleres Thema schreiben, als Sie es gern täten, um keinen Widerstand gegen Ihre Kandidatur zu wecken. Meine Doktorarbeit über die Auferstehung Jesu war zum Beispiel primär eine Geschichte der historischen Apologetik für die Auferstehung. Sobald ich den Abschluss sicher in der Hand hatte, veröffentlichte ich in einem zweiten Band die hunderte von Seiten, die ich über meine eigene historische Apologetik für die Auferstehung geschrieben hatte.

Wenn Sie sich zu einem Apologetikdienst berufen fühlen, dann würde ich Ihnen – auch wenn ich mir nicht anmaßen kann, Gottes Willen für Ihr Leben zu kennen – dringend empfehlen, eine Promotion ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Es wird Ihr Leben vertiefen und bereichern, Ihnen Türen für den Dienst eröffnen und Ihren Einfluss für das Reich Gottes beträchtlich erhöhen.

3. Apologetikdienst – Auf Ihre persönliche geistliche Entwicklung achten

3. Achten Sie auf Ihre persönliche geistliche Entwicklung. Das Wichtigste ist am Ende nicht das, was Sie tun, sondern wer Sie sind. Ich bin nicht immer begeistert, wenn ich einen Studenten treffe, der mir sagt, dass er christlicher Apologet werden möchte. Manchmal ahnt man, dass es dem Studenten eigentlich eher um das Rampenlicht und den Ruhm geht. Oder er hat etwas Streitsüchtiges oder Arrogantes an sich, oder vielleicht ein Verlangen nach Bestätigung durch andere, um ein persönliches Minderwertigkeitsgefühl auszugleichen. Natürlich sind wir alle gebrochene Menschen und keiner von uns hat völlig reine Motive. Aber es ist außerordentlich wichtig, dass ein christlicher Apologet – als ein öffentlicher Repräsentant für Christus – ein Mensch ist, der vom Heiligen Geist erfüllt ist und in Demut vor Gott leben kann.

Apologetik ist vom Wesen her eine agonistische Disziplin. Das heißt, sie ist eine kämpferische Disziplin, die ein Ringen um Ideen einschließt. Sie neigt dazu, selbstsüchtigen Ehrgeiz, Arroganz und Streitlust zu fördern. Aber das ist nicht die Art von Weisheit, die Gott schätzt. Ganz im Gegenteil nennt er solche Haltungen dämonisch. Betrachten Sie Jakobus 3,13-15: „Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit! Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Eigennutz in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit! Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische.“ Beachten Sie die Progression: eine „irdische, sinnliche, teuflische“ Weisheit. Diese Art von weltlicher, dämonischer Weisheit ist für Menschen zerstörerisch, sowohl für Sie selbst als auch für andere in Ihrer Umgebung.

Ich denke, dass Stolz wohl der gefährlichste und tückischste Feind ist, dem der christliche Apologet begegnen muss. Wir mögen wissenschaftlich gute Arbeit leisten, doch wenn wir von Prahlerei erfüllt sind, untergraben wir unsere eigenen Worte durch das, was wir sind. Stolz riecht man zehn Meilen gegen den Wind, und er stößt Menschen ab. Er beeinträchtigt die Botschaft, die wir bringen.

Was können wir also tun, um diese Haltung zu bekämpfen? Erstens müssen wir verstehen, dass Liebe in Gottes Werteordnung den Vorrang vor der Erkenntnis hat. Paulus schrieb: „Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll“ (1. Korinther 8,1b-3). Das einfachste Kind Gottes, das in der Liebe lebt, ist in Gottes Augen weiser als alle Bertrand Russells, die die Welt je gesehen hat. Wenn es uns an Liebe fehlt, dann macht all unser Wissen uns nur zu großen, aufgeblähten intellektuellen Schwätzern, die tatsächlich nicht erkannt haben, worauf es am meisten ankommt.

Zweitens müssen wir die Schwachheit unserer eigenen intellektuellen Errungenschaften erkennen. Sokrates sagte, dass er der weiseste Mann in Athen war, weil er wusste, dass er nichts wusste. Und in ähnlichem Sinn sagt Paulus hier: „Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.“ Wir müssen über die Schwachheit und Begrenztheit unserer Erkenntnis nachdenken. Wenn wir das tun, merken wir, wie stupide es ist, stolz zu sein. Je mehr wir lernen, desto mehr erkennen wir, wie verzweifelt wenig wir wissen. Wir sollten wie Newton sein, der beim Nachdenken über den Erfolg seiner großen Principia schrieb:

„Ich weiß nicht, was die Welt über mich denkt; aber mir selbst kommt es vor, als wäre ich nur wie ein kleiner Junge gewesen, der vergnügt am Strand spielte und hin und wieder einen glatteren Kieselstein oder eine schönere Muschel fand als üblich, während der weite Ozean der Wahrheit sich unerforscht vor mir ausbreitete.“

Drittens sollten wir schließlich die Worte des mittelalterlichen Theologen Hugo von Sankt Viktor beherzigen, der schrieb:

„Der Anfang [des Studiums] ist die Demut. Die Demut lehrt uns vieles, aber die drei folgenden Aspekte sind für den Studenten besonders wichtig: erstens, dass er kein Wissen und keine Schrift geringachten soll; zweitens, dass er sich bei niemandem schämen soll, von ihm zu lernen; und drittens, dass er, wenn er selbst Gelehrsamkeit erlangt hat, auf andere nicht herabsehen soll.“

Als Christen, die in der Apologetik dienen, sind wir berufen, Diener der Kirche zu sein und sollen uns als solche verhalten.

Generell sind wir als christliche Apologeten zu demselben heiligen Leben berufen, zu dem alle Jünger Christi berufen sind. Es kommt entscheidend darauf an, dass jeder von uns als Diener Christi ein Mensch ist, der oft auf die Knie geht und Zeit mit Gott verbringt und der täglich auf die Erfüllung mit dem Heiligen Geist vertraut, um ein Leben zu führen, das Gott wohlgefällt und vor ihm annehmbar ist. Wir müssen nach der Ehre Christi trachten, nicht nach unserer eigenen. Wir müssen für Kritik offen sein und die Bereitschaft aufbringen, unsere eigenen Mängel zu sehen, um von unseren Kritikern zu lernen. Wir dürfen unserer Karriere oder unseren Studien nicht den Vorrang vor unserer Familie geben, sondern müssen bereit sein, unsere Studien und sogar unsere Karriere aufzugeben, wenn es zum Wohl der Menschen, die wir lieben, nötig ist. Wir müssen uns vor Sünde – einschließlich sexueller Sünde – in Gedanken ebenso wie in Taten hüten, damit wir Christus nicht entehren. Wir müssen lernen, was es bedeutet, nicht nur Dinge für Gott zu tun, sondern die Person zu sein, die wir nach Gottes Willen sein sollen.

Wenn wir nicht lernen, die Menschen zu sein, die wir nach Gottes Willen sein sollen, werden alle unsere hochgerühmten Leistungen nur Holz, Heu und Stroh sein. Unsere geistliche Ausbildung ist deshalb von ebenso entscheidender Bedeutung wie unsere intellektuelle Ausbildung als christliche Apologeten.

Zusammenfassend rate ich Ihnen also, wenn Gott Sie in einen christlichen Apologetikdienst beruft, dass Sie ein Fachgebiet wählen, auf das Sie sich spezialisieren, dass Sie in diesem Fachbereich promovieren und dass Sie auf Ihre persönliche geistliche Entwicklung achten. Möge Gott eine neue Generation christlicher Apologeten berufen, die seiner Wahrheit verpflichtet sind, die ausgezeichnete Arbeit leisten und die das Leben Christi führen, damit das Leben von Millionen Menschen berührt und verwandelt werden kann!

(Übers.: M. Wilczek)

Lesen Sie hier Teil 1 des Vortrages: Apologetik-Ausbildung: Ratschläge für christliche Apologeten

Link to the original article in English: /apologetics-ministry-advice-to-christian-apologists

  • [1]

    Der Vortrag wurde 2004 am Calvin Theological Seminary, USA, gehalten. (Anm. d. Übers.)

  • [2]

    J. Gresham Machen, „Christianity and Culture“, Princeton Theological Review 11 (1913): 6.