#340 Wo man Müll hineinsteckt, kommt auch Müll heraus
January 20, 2017Hallo Prof. Craig,
Ich bin gerade dabei, “Disproving Christianity” von David McAfee zu lesen. Ich höre mir auch Richard Dawkins Vorträge an. Ich will an Gott glauben, aber ich habe Probleme mit meinem Glauben. Ich bin schon immer Christ gewesen, aber seitdem ich begonnen habe, mich mit meinen atheistischen Freunden zu unterhalten, finde ich es schwer, an Gott zu glauben. Wenn ich darüber nachdenke, ergibt es für mich nicht viel Sinn, an einen Schöpfer des Universums zu glauben. Es ergibt für mich sogar noch weniger Sinn, an einen Gott zu glauben, der in unser Leben eingreift. Bitte, ich will an Gott glauben. Haben Sie irgendwelche Vorschläge?
Anon.
United States
Prof. Craigs Antwort
A
Es ist mir ein absolutes Rätsel, auf welche unbekümmerte Art viele schlecht ausgerüstete Christen sich selbst Materialien aussetzen, die für sie potenziell zerstörerisch sind. Das ist so, als ob jemand, der nicht schwimmen kann, beschließt, in die schwere Brandung zu springen. Wäre es nicht das Vernünftige, sich zunächst vorzubereiten, bevor man sich in gefährliche Gewässer wagt?
Ich erinnere mich noch lebhaft daran, dass ich, als ich gerade Christ geworden war, sehr sorgsam darauf achtete, was ich las, denn ich wusste, dass es da Material gab, das für meinen neu gefundenen Glauben zerstörerisch sein konnte und dass ich viel, viel mehr lernen musste, bevor ich bereit wäre, mich dem auszusetzen. Vergessen wir denn, dass es einen Feind unserer Seelen gibt, der uns intensiv hasst, der darauf aus ist, uns zu zerstören und alles, was er kann, dafür einsetzen wird, unseren Glauben zu untergraben oder uns für Gott unbrauchbar zu machen? Sind wir so naiv?
In Ihrem Fall vermute ich stark, dass Sie, obwohl Sie fast Ihr Leben lang Christ gewesen sind, sich nicht angemessen vorbereitet haben, bevor sie anti-christliches Material gelesen und angeschaut haben. Ich sage das, nicht nur, weil Sie die offensichtlichen Fehlschlüsse in Argumenten wie die von Dawkins nicht erkennen (vgl. http://www.reasonablefaith.org/german/Der-neue-Atheismus-und-funf-Argumente-fur-Gottes-Existenz und http://www.reasonablefaith.org/german/Dawkins-Atheismus-Wahn), sondern auch aufgrund Ihres Eingeständnisses, „es ergibt für mich nicht viel Sinn, an einen Schöpfer des Universums zu glauben“. Dadurch verraten Sie, dass Sie mit den kraftvollen Argumenten für einen Schöpfer und Designer des Universums nicht vertraut sind, wie beispielsweise dem Argument der Kontingenz, dem kosmologischen Kalam-Argument, dem Argument der Feinabstimmung, dem Argument der mathematischen Anwendbarkeit, dem Argument der intentionalen Bewusstseinszuständen usw.
Selbst wenn Sie diese Argumente nicht für rational überzeugend halten, beweisen sie zumindest, dass Glaube an einen Schöpfer des Universums Sinn ergibt. In gleicher Weise erstaunlich ist Ihre Aussage, „es macht sogar noch weniger Sinn, an einen Gott zu glauben, der in unser Leben eingreift“. Offensichtlich haben Sie nicht Alvin Plantingas feine Reflexionen über göttliche Intervention in seinem Kapitel „Divine Action in the World“ [„Göttliches Handeln in der Welt“] in seinem Buch „Where the Conflict Really Lies“ [Wo der Konflikt wirklich liegt] (Oxford University Press, 2011) verarbeitet. Haben Sie sich sorgfältig die Indizien für die Wunder und Auferstehung Jesu angeschaut, wie sie beispielsweise in Graham Twelftrees Buch Jesus: The Miracle Worker (IVP, 1999) oder meinem Buch Reasonable Faith (Crossway, 2008) dargelegt werden?
Was kann Sie dazu veranlasst haben, sich den Müll, den Sie lesen und anschauen, einzuverleiben und dadurch Ihr Denken zu beschmutzen, anstatt sorgfältig die Werke, sagen wir, Alvin Plantingas zu studieren? Wir sind dazu berufen, Jünger zu sein, was im Griechischen „Lernende“ bedeutet. Ist das, was Sie tun, Ihre Vorstellung von dem, wie christliche Jüngerschaft aussieht? Ist das der Weg zur Umwandlung „durch die Erneuerung der Sinne“ (Röm 12,1-2)?
Gewiss, jemand muss säkulares Material lesen und sich damit auseinandersetzen, aber diese Person sind (noch nicht) Sie. Sie müssen sich erst vorbereiten.
Sie bitten also um Vorschläge:
1. Erneuern Sie zuallererst im Herzen Ihre Hingabe für Christus. Prüfen Sie sich selbst und sorgen Sie dafür, dass es keine Sünde in Ihrem Leben gibt, die Sie nicht bekannt haben, und bitten Sie Gott täglich darum, Sie mit Seinem Heiligen Geist zu erfüllen. Sorgen Sie dafür, dass Sie eine regelmäßige Zeit für persönliches Gebet und Bibelstudium haben und nehmen Sie regelmäßig an gemeinsamen Gottesdiensten teil. Suchen Sie nach Wegen, vor Ort in einer Gemeinschaft von Gläubigen zu dienen. Ihre geistliche Bildung ist genauso wichtig wie Ihre intellektuelle Bildung.
2. Hören Sie auf, das ungläubige Material, das Sie aufgesogen haben, zu lesen und anzuschauen. Bekennen Sie Ihre Leichtfertigkeit und Unverantwortlichkeit gegenüber Gott. Ich sage damit nicht, hören Sie auf, Fragen zu stellen – ich sage, hören Sie auf, zu den falschen Leuten zu gehen, um Antworten zu bekommen.
3. Beginnen Sie ein Programm, um sich in christlicher Lehre und Apologetik zu schulen. Eine gute Möglichkeit dazu ist es, damit anzufangen, unsere apologetischen Vorlesungen (Serie II) von Anfang an durchzugehen (http://www.reasonablefaith.org/defenders-2-podcast). Sie können sich auch langsam durch „On Guard. Mit Verstand und Präzision den Glauben verteidigen (cvmd, 2015)“ durcharbeiten, am besten mit einem Mentor oder einer Gruppe, wenn Sie eine finden können.
4. Begeben Sie sich auf den Weg des Lernens. Besuchen Sie einige apologetische Konferenzen, wie die jährliche Apologetikkonferenz der Evangelical Philosophical Society jeden November. Versuchen Sie, einige gleichgesinnte Christen zu finden, mit denen Sie Ihre Fragen diskutieren können. Wenn es ein christliches College oder Seminar in Ihrer Gegend gibt, investieren Sie darin, sich für Abendkurse einzuschreiben.
Auch wenn ich Ihnen gegenüber recht hart gewesen bin, dann ist das nur, weil ich mir ernsthaft um Sie Sorgen mache. Ich möchte nicht, dass Sie mit selbstzerstörerischem Verhalten beschäftigt sind. Ich bin wirklich froh, dass Sie geschrieben haben. Es gibt gute Antworten auf Ihre Zweifel, wenn Sie an den richtigen Orten suchen.
(Übers.: B. Currlin)
Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/garbage-in-garbage-out
- William Lane Craig