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February 19, 2018Sehr geehrter Prof. Craig,
ich bin Absolvent eines Colleges und studiere Molekularbiologie an der Universität Maine in Augusta. Ich bin römisch-katholisch, sehe sehr gerne Ihre Videodebatten mit Atheisten an. Ich bewundere Ihre Eloquenz und argumentativen Fähigkeiten. Soviel ich weiß, haben Sie sich niemals auf Pascals Wette als ein Argument für den Glauben an Gott bezogen, doch ich habe gehört, wie andere Christen sie verwendeten, die offenbar glauben, sie sei ein vernichtender Schlag für den Atheismus. Ich persönlich vertrete da eine skeptischere Sicht und frage mich, ob Sie folgende Punkte kommentieren könnten:
Erstens: Wie wissen wir, an welchen Gott wir glauben sollen? Von Tausenden von Göttern wurde behauptet, dass sie existieren, und es scheint, dass die Wahrscheinlichkeit, den richtigen herauszugreifen, minimal ist. Zudem: Wenn, wie ich als Vorschlag gehört habe, Gott – egal, welcher nun der Richtige sei – unseren Fehler versteht und, obwohl wir den „falschen“ Gott erwischt haben, uns nicht nach unserem fehlgeleiteten Glauben beurteilt, sondern nach unserem ehrlichen Bemühen, die Wahrheit zu entdecken, warum sollte Gott dann nicht einen Atheisten verstehen, der, nach aufrichtiger Suche, zu dem Schluss kommt, dass Gott nicht existiert? Mir scheint, es besteht kein bedeutsamer Unterschied zwischen dem, den Gott falsch zu verstehen, aber an etwas zu glauben, und, den Gott falsch zu verstehen, aber an nichts zu glauben.
Zweitens wird das Argument im Allgemeinen so formuliert, als ob der Preis für den Glauben an Gott und der Feststellung, er sei dann doch falsch (dass tatsächlich kein Gott existiert), nichts sei: dass der Irrtum einen nichts im Leben gekostet hat. Doch gewiss, die Zeit, die man mit überflüssigem Gebet verbracht hat, damit, keine Mühen zu scheuen, Gutes zu tun, sich von angenehmen Aktivitäten, die als sündig gelten, zu enthalten, finanzielle Beiträge an religiöse Organisationen zu geben usw. ist ein beträchtlicher Preis, den es zu zahlen gilt.
Gibt es somit nicht eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, um die Chancen abzuwägen, wenn man nicht glaubt und es falsch versteht (d. h., dass Gott tatsächlich existiert) und dem Preis, den man bezahlt, um sein Verhalten „Gottes Willen“ anzupassen, wenn er nicht existiert? Und, falls eine solche Rechnung erforderlich ist, dann müssen Argumente für die Existenz Gottes betrachtet werden, um die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz zu bestimmen. Pascals Wette könnte nicht als ein alleinstehendes Argument funktionieren, sondern würde andere theistische Argumente erfordern.
Herzlichen Dank, dass Sie auf meine Frage antworten und für Ihre ausgezeichnete Arbeit.
Gott segne Sie!
Liam
United States
Prof. Craigs Antwort
A
Liam, ich diskutiere Pascals Wette in dem Kapitel über „Religiöse Epistemologie“ in meinem Buch Philosophical Foundations for a Christian Worldview. Für diejenigen, die nicht mit Pascals Argument vertraut sind, lassen Sie es mich kurz zusammenfassen. Pascal argumentierte im Grunde, dass Glaube an Gott pragmatisch gerechtfertigt ist, denn wir hätten nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen, wenn wir an diesem Glauben festhalten.
Auch wenn Pascals Wette auf zahlreiche Arten formuliert werden kann, ist eine Möglichkeit, sie zu verstehen, indem man eine Matrix konstruiert, welche die erwarteten Vorteile von jemandes Entscheidungen in Relation zu der Wahrheit des Glaubens, dass Gott existiert, aufzeigt:

In Pascals Wette werden die Chancen für die Zustände (I) und (II) als gleichwertig angenommen (die Indizien für und gegen Gottes Existenz haben genau dasselbe Gewicht). Somit muss die Entscheidung, zu glauben oder nicht zu glauben, pragmatisch getroffen werden. Pascal argumentiert, wenn ich glaube, dass Gott existiert und es sich herausstellt, dass Er es tut, dann habe ich den Himmel zu Kosten des kleinen Opfers gewonnen, die Freuden der Sünde für eine begrenzte Zeit zu verpassen.
Wenn ich glaube und es stellt sich heraus, dass Gott nicht existiert, dann gewinne ich nichts und habe den endlichen Verlust erlitten, die Freuden der Sünde verpasst zu haben. Andererseits, wenn ich nicht glaube und es stellt sich heraus, dass Gott wirklich existiert, dann habe ich die Freuden der Sünde für eine begrenzte Zeit zu den Kosten des Verlustes ewigen Lebens gewonnen. Wenn ich nicht glaube und es stellt sich heraus, dass es keinen Gott gibt, dann habe ich den endlichen Gewinn der Freuden, den mir mein freizügiger Lebensstil verschafft. Somit ist der Glaube an Gott pragmatisch betrachtet die bevorzugte Wahl.
Nun, ich denke, Sie können erkennen, dass Pascal das Argument so formuliert hat, dass den Anfragen Ihres zweiten Einwandes Genüge getan wird. Er gesteht zu, wenn Gott nicht existiert, dann entsteht ein gewisser endlicher Verlust als Folge des Glaubens. Er geht auch davon aus, dass die Evidenz für und gegen die Existenz Gottes gleich ist.
Pascal geht davon aus, dass es keine guten Argumente für die Existenz Gottes gibt, aber gleicherweise keine guten Argumente gegen die Existenz Gottes. Somit werden die Chancen für Gottes Existenz auf 50/50 geschätzt. Ich vermute, Pascal würde auch sagen, dass diejenigen, die gegen Gott wetten, dies aus Herzenshärte und fehlendem Interesse an geistlichen Dingen tun und somit keine Entschuldigung für ihren Unglauben haben.
Der ernste Einwand gegen Pascals Wette ist vielmehr der Erste, den Sie erwähnen: der sogenannte „Viele-Götter-Einwand“. Ein Moslem könnte eine ähnliche Matrix für den Glauben an Allah aufstellen. Ein Mormone könnte dasselbe für seinen Gott tun. Mit anderen Worten: Zustand (II), Gott existiert nicht, ist in Wirklichkeit eine unendlich komplexe Disjunktion verschiedener Gottheiten, die existieren könnten, wenn der christliche Gott nicht existiert. Somit ist die Wahl nicht so einfach, denn wenn ich glaube, dass der christliche Gott existiert und es stellt sich heraus, dass stattdessen Allah existiert, dann werde ich den unendlichen Verlust in der Hölle für meine Sünde erleiden, etwas (Christus) mit Gott assoziiert zu haben.
Es gibt zwei mögliche Antworten auf diesen Einwand. Erstens: In einem entscheidungstheoretischen Kontext sind wir gerechtfertigt, Zustände zu ignorieren, deren Eintreten nur eine entfernt kleine Wahrscheinlichkeit besitzt. Somit muss ich mir nicht um die Möglichkeit Gedanken machen, dass, sagen wir, Zeus oder Odin existieren könnten. Wenn die Chancen der Existenz anderer Götter vernachlässigbar sind, dann wäre ich gerechtfertigt, eine Matrix aufzustellen, gemäß der die Chancen der Existenz des christlichen Gottes grob auf 50/50 geschätzt werden. Die Wahl besteht dann effektiv zwischen dem Christentum und dem Atheismus.
Zweitens: Wir könnten versuchen, die Lebensoptionen auf die zwei vor uns liegenden Optionen zu begrenzen oder auf eine zu bewältigende Anzahl von Alternativen. Das mag Pascals eigene Strategie gewesen sein. Die Wette ist ein Fragment einer größeren, unvollendeten Apologetik für den christlichen Theismus, die durch Pascals vorzeitigen Tod
Wenn wir andere Fragmente seines Werkes betrachten, stellen wir fest, dass Pascal, obwohl er philosophische Argumente für die Existenz Gottes verachtete, enthusiastisch die Evidenz für den christlichen Glauben wahrgenommen hat, so wie beispielsweise die Evidenz für die Auferstehung Christi. Es mag sein, dass er auf der Grundlage solcher Evidenz dachte, dass die Lebensoptionen sich auf den christlichen Theismus oder Naturalismus einschränken ließen. Wenn die Alternativen in dieser Weise eingeschränkt werden können, dann geht Pascals Wette als erfolgreich durch.
William Lane Craig
(Übers.: B. Currlin)
Link to the original article in English: /writings/question-answer/pascals-wager
- William Lane Craig