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Apologetik-Ausbildung – Ratschläge für christliche Apologeten

Summary

Haben Sie sich je gefragt, welche Art von Ausbildung für Christen, die Apologeten werden wollen, besonders nützlich wäre? Dr. Craig wurde kürzlich um einen Beitrag für die Stob-Vorlesungen gebeten und wandte sich dabei an Studenten, die sich für Apologetik als einen geistlichen Dienst interessieren. In seinem Vortrag [1] gab er ihnen drei wichtige Ratschläge für dieses Vorhaben. Hier – in einem ersten von zwei Teilen – erklärt er, warum angehende Apologeten sich auf das Studium eines bestimmten Fachgebiets spezialisieren sollten, und demonstriert dann, warum Grundkenntnisse in analytischer Philosophie eine entscheidende Grundlage bilden, auch als Teil einer Ausbildung in historischer und wissenschaftlicher Apologetik.

Als Alvin Plantinga 1993 seine Antrittsvorlesung zur „John O'Brien Professur in Philosophie“ an der Universität von Notre Dame hielt, wählte er als Thema „Ratschläge für christliche Philosophen“. Plantingas Rat richtete sich jedoch an diejenigen, die schon christliche Philosophen waren, während meine Bemerkungen vielleicht treffender als „Ratschläge für angehende christliche Apologeten“ zu bezeichnen wären, das heißt als Ratschläge für diejenigen, die einen Dienst der christlichen Apologetik beginnen werden, aber noch nicht begonnen haben, und wissen möchten, was zu einer effektiven Apologetik-Ausbildung gehört.

Gestern haben wir gesehen, wie gewaltig der Bedarf an und der Nutzen von christlicher Apologetik ist, sowohl zur Prägung der Kultur als auch was den Einfluss auf einzelne Personen angeht. Damit uns das Erlernen und Anwenden der Apologetik gut gelingt, lassen Sie mich einige Vorschläge nennen.

1. Apologetik-Ausbildung – Ein Fachgebiet wählen, um sich darauf zu spezialisieren.

1. Ein Fachgebiet wählen und sich darauf spezialisieren. Einige bekannte christliche Apologeten begehen den Fehler, Alleskönner sein zu wollen und deshalb kein Gebiet wirklich zu meistern. Infolgedessen sind ihre Fachkenntnisse vielleicht breit gefächert, reichen aber nicht sehr tief. Sie mögen zwar in der Lage sein, ein Einstiegsargument für christliche Wahrheitsansprüche zu präsentieren, werden aber unter dem Druck der Kritik, insbesondere seitens der Spezialisten, bald einknicken. Wenn sie an einer Universität sprechen, sind sie vielleicht von der Angst beherrscht, dass ein nichtchristliches Mitglied der Fakultät unter den Zuhörern erscheinen und einen Einwand erheben könnte, dem sie nicht zu begegnen wissen. Wenn dies geschieht, bringen sie nicht nur sich selbst in Verlegenheit, sondern schaden auch der Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens. Eine nur allgemeine Kenntnis der christlichen Apologetik ist für bestimmte Kontexte ausreichend und gewiss besser als nichts, aber sie begrenzt den Horizont Ihres Dienstes.

Stattdessen ermutige ich Sie, sich auf ein bestimmtes Gebiet der Apologetik zu spezialisieren, auch wenn Sie zugleich fortfahren, sich in anderen Bereichen gut zu informieren. So ist es zum Beispiel auf dem Hintergrund der Renaissance christlicher Philosophie in der angloamerikanischen Welt in den letzten 40 Jahren nicht überraschend, dass viele unserer besten christlichen Apologeten heute Philosophen sind.

Christliche Philosophie, da sie sich mit Themen der Epistemologie (wie Rechtfertigung, Rationalität und "Warrant" [2]), mit Themen der Metaphysik (wie dem Wesen der letzten Wirklichkeit, der Wahrheit und der Seele), und mit Themen der Ethik (wie der Existenz moralischer Werte und Pflichten, den Theorien über die Grundlagen von Werten und der Bedeutung moralischer Ansprüche) befasst, bietet sich von ihrem Wesen her für eine Ausbildung in christlicher Apologetik an. In der Tat kommt ein christlicher Philosoph kaum an der Apologetik vorbei, da die Fragen, die er studiert, für eine christliche Welt- und Lebensanschauung relevant sind. Selbst wenn seine Schlussfolgerungen sich als weitgehend skeptisch erweisen sollten – etwa, dass wir das Wesen der letzten Wirklichkeit nicht kennen können –, wäre diese Schlussfolgerung für christliche Apologetik von entscheidender Bedeutung, da eine solche Schlussfolgerung das Projekt der natürlichen Theologie zunichte machen würde. Somit hat das Gebiet der Philosophie eine natürliche Affinität zur Apologetik.

a. Apologetik-Ausbildung – Warum Grundkenntnisse der Philosophie für den Apologeten von unschätzbarem Wert sind

Tatsächlich sollte ich sagen, dass die Relevanz der Philosophie für Apologeten so hoch ist, dass eine starke Dosis analytischer Philosophie selbst dann gut für Sie ist, wenn Sie sich nicht auf philosophische Apologetik spezialisieren, sondern sich für eine andere Form der Apologetik entscheiden. Analytische Philosophie ist diejenige Art von Philosophie, die in der anglophonen Welt vorherrscht. Diese Form des Philosophierens steht in scharfem Kontrast zu derjenigen der kontinentalen Philosophie. Während die kontinentale Philosophie tendenziell unklar, ungenau und emotiv ist, legt die analytische Philosophie großen Wert und starkes Gewicht auf Klarheit der Definitionen, sorgfältige Darlegung der Prämissen und logische Stringenz der Argumentation. Leider ist die Theologie seit langem dazu übergegangen, der Führung der kontinentalen Philosophie zu folgen, die am Ende oft dazu neigt, Dunkelheit auf Dunkelheit zu häufen. Die Renaissanz der angloamerikanischen Religionsphilosophie in den letzten 40 Jahren hat gezeigt, dass wichtige apologetische Fragen sich durch das Licht der philosophischen Analyse brilliant erleuchten lassen. Richard Swinburne, emeritierter Professor für Christliche Religionsphilosophie an der Universität Oxford, schrieb:

„Es ist eine der intellektuellen Tragödien unserer Zeit, dass die Philosophie in englischsprachigen Ländern zwar hohe Standards der Argumentation und des klaren Denkens entwickelt hat, der Stil des theologischen Schreibens aber weitgehend durch die kontinentale Philosophie des Existenzialismus beeinflusst wurde, die – trotz beträchtlicher anderer Vorzüge – durch einen sehr losen und nachlässigen Argumentationsstil gekennzeichnet ist. Wenn Argumentation einen Platz in der Theologie hat, braucht umfassende Theologie eine klare und rigorose Argumentation. Sehr gut erfasst wurde dieser Aspekt von Thomas von Aquin und Duns Scotus, von Berkeley, Butler und Paley. Es ist höchste Zeit, dass die Theologie zu ihren Standards zurückkehrt.“ [3]

Indem wir die hohen Standards der Begründung anwenden, die für die analytische Philosophie charakteristisch sind, können wir apologetische Argumente sowohl zur Werbung für wie zur Verteidigung der christlichen Weltanschauung schlagkräftig formulieren. In den letzten Jahrzehnten haben analytische Religionsphilosophen neues Licht auf die Rationalität und Begründung religiöser Überzeugungen, auf Argumente für die Existenz Gottes, auf göttliche Attribute wie Notwendigkeit, Ewigkeit, Allmacht, Allwissenheit und Güte, auf das Problem des Leidens und des Bösen, auf die Natur der Seele und die Unsterblichkeit, auf das Problem der Wunder und sogar auf ureigene christliche Lehren wie Dreifaltigkeit, Inkarnation, Sühne, Erbsünde, Offenbarung, Hölle und Gebet geworfen. Die Fülle an Material, die dem christlichen Apologeten durch die Arbeit analytischer Religionsphilosophen zur Verfügung steht, ist atemberaubend.

Wenn Sie Apologetik effektiv betreiben wollen, brauchen Sie eine Ausbildung in analytischer Philosophie. Und ich sage das auch dann, wenn Ihr Fachgebiet nicht die philosophische Apologetik ist. Auf welches Gebiet Sie sich auch immer spezialisieren, sind Sie als Apologet besser gerüstet, wenn Sie eine Ausbildung in analytischer Philosophie erhalten haben. Nehmen wir einmal an, Sie beschließen, sich auf wissenschaftliche oder historische Apologetik zu spezialisieren. Tatsache ist, dass einige der wichtigsten Themen, mit denen Sie sich auseinandersetzen werden, Fragen sind, die sich aus der Wissenschaftsphilosophie oder der Epistemologie ergeben. Immer und immer wieder sehe ich, wie Wissenschaftler und Theologen des Neuen Testaments aus philosophischer Unbedarftheit fehlerhafte Schlussfolgerungen ziehen oder von ungeprüften Grundannahmen ausgehen.

b. Apologetik-Ausbildung – Die Grundvoraussetzung des Naturalismus ist eine Barriere für historische Apologeten

Nehmen wir zum Beispiel das Gebiet der historischen Apologetik, insbesondere das historische Studium des Lebens Jesu. Es ist bemerkenswert, wie aufdringlich die philosophischen Themen in diesem Gebiet sind. Der neutestamentliche Gelehrte R. T. France stellte fest:

„Aufgrund ihres literarischen und historischen Charakters haben wir gute Gründe, die Evangelien als ernstzunehmende Informationsquelle über das Leben und die Lehren Jesu zu behandeln... Tatsächlich würden viele Historiker des Altertums sich glücklich schätzen, vier derart verlässliche Berichte [wie die Evangelien] zu haben, die innerhalb von ein oder zwei Generationen nach den Ereignissen geschrieben wurden und in einer solchen Fülle früher handschriftlicher Belege vorliegen. Darüber hinaus wird die Entscheidung, den darin enthaltenen Bericht zu akzeptieren, wahrscheinlich mehr durch die Offenheit für eine supernaturalistische Weltanschauung als durch streng historische Überlegungen beeinflusst.“ [4]

Wie zutreffend die Analyse von France ist, bestätigt das Selbstbekenntnis des radikalen Jesus-Seminars über die Grundvoraussetzungen, die seine Arbeit leiten. Die Grundvoraussetzung, die nach Aussage des Seminars von größter Wichtigkeit ist, ist der Anti-Supranaturalismus oder, einfacher gesagt, der Naturalismus. In diesem Kontext ist Naturalismus die Auffassung, dass jedes Ereignis in der Welt eine natürliche Ursache hat. Mit anderen Worten: Wunder können nicht geschehen.

Nun stellt diese Grundannahme eine absolute Wasserscheide für das Studium der Evangelien dar. Wenn man den Naturalismus voraussetzt, dann hat man Dinge wie die Inkarnation, die jungfräuliche Geburt, die Wunder Jesu und seine Auferstehung zum Fenster hinausgeworfen, bevor man sich überhaupt daran macht, die Beweise zu betrachten. Als übernatürliche Ereignisse können sie nichthistorisch sein. Doch wenn man für den Supranaturalismus zumindest offen ist, dann lassen sich diese Ereignisse nicht von vornherein ausschließen. Man muss offen sein, die Beweise dafür, dass sie geschehen sind, ehrlich zu betrachten.

Das Jesus-Seminar gibt seine Grundvoraussetzung des Naturalismus mit bemerkenswerter Offenheit zu. In der Einleitung zu ihrer Ausgabe The Five Gospels erklären die Herausgeber:

„Die zeitgenössische religiöse Kontroverse kreist um die Frage, ob man die in der Bibel enthaltene Weltanschauung in dieses wissenschaftliche Zeitalter übernehmen und als einen Glaubenssatz aufrechterhalten kann... der Christus des Glaubensbekenntnisses und der Dogmatik... kann die Zustimmung derer, die den Himmel durch Galileos Teleskop betrachtet haben, nicht länger einfordern.“ [5]

Warum aber, könnten wir fragen, ist es in einem wissenschaftlichen Zeitalter unmöglich, an einen übernatürlichen Christus zu glauben? Schließlich sind recht viele Wissenschaftler bekennende Christen, und die zeitgenössische Physik zeigt sich recht offen für die Möglichkeit von Realitäten, die außerhalb der Domäne der Physik liegen. Welche Rechtfertigung gibt es für den Anti-Supranaturalismus?

Hier wird die Sache wirklich interessant. Nach Auffassung des Jesus-Seminars muss der historische Jesus per definitionem eine nicht-supranaturalistische Gestalt sein. Darin berufen sie sich auf D. F. Strauss, den deutschen Bibelkritiker des 19. Jahrhunderts. Sein Buch Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet beruhte ganz auf einer Philosophie des Naturalismus. Nach Auffassung von Strauss greift Gott nicht direkt in die Welt ein; er handelt nur indirekt durch natürliche Ursachen. Im Blick auf die Auferstehung erklärt Strauss, dass Gottes Auferweckung Jesu von den Toten „mit aufgeklärten Ideen über die Beziehung Gottes zur Welt unvereinbar“ [6] sei.

Hören Sie nun genau hin, was das Jesus-Seminar über Strauss sagt:

„Strauss unterschied das, was er das ‚Mystische‘ (von ihm als alles Legendäre oder Übernatürliche definiert) in den Evangelien nannte, von dem Historischen... In seiner Einschätzung der Evangelien stellte Strauss die Alternative auf zwischen dem übernatürlichen Jesus – dem Christus des Glaubens – und dem historischen Jesus.“ [7] 

Zu beachten ist hier: Alles, was übernatürlich ist, ist per Definition nicht historisch. Es wird kein Argument gegeben; es wird einfach so definiert. Somit haben wir eine radikale Trennung zwischen dem Christus des Glaubens bzw. dem übernatürlichen Jesus und dem realen, historischen Jesus. Das Jesus-Seminar gibt nun eine klare Bestätigung der Unterscheidung von Strauss, indem die Unterscheidung zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens als „erste Säule wissenschaftlicher Weisheit“ bezeichnet wird.“ [8]

So aber wird die ganze Frage nach dem historischen Jesus zu einer Farce. Wenn man mit dem Naturalismus als Grundvoraussetzung beginnt, dann kommt am Ende dabei natürlich ein rein natürlicher Jesus heraus! Diese Rekonstruktion eines naturalistischen Jesus beruht nicht auf historischen Belegen, sondern auf einer Definition. Erstaunlich ist, dass das Jesus-Seminar nicht einmal den Versuch unternimmt, diesen Naturalismus zu verteidigen; er wird einfach vorausgesetzt.

Diese Grundannahme ist aber völlig ungerechtfertigt. Solange die Existenz Gottes auch nur möglich ist, müssen wir für die Möglichkeit offen sein, dass er auf übernatürliche Weise im Universum gehandelt hat. Nur wenn man einen Beweis für den Atheismus hat, kann man zu Recht meinen, dass Wunder unmöglich sind. Man sieht also, wie die Debatte über historische Ansprüche um philosophische Grundannahmen kreist und warum eine Ausbildung in Apologetik deshalb eine Unterweisung in analytischer Philosophie einschließen muss.

Nun werden skeptische Kritiker manchmal eine etwas gemäßigte Richtung einschlagen, indem sie einen methodischen Naturalismus als Vorbedingung für ein historisches Studium über das Leben Jesu voraussetzen. Zum Beispiel lehnt Gerd Lüdemann die Auferstehung Jesu als beste Erklärung der historischen Belege ab, weil die Auferstehung ein Wunder ist und Professor Lüdemann eine methodische Grundvoraussetzung gegen die Möglichkeit von Wundern angenommen hat. Er stellt fest: „Die historische Kritik rechnet nicht mit einem Eingreifen Gottes in den Lauf der Geschichte.“ [9] Somit kann die Auferstehung nicht als historische Erklärung gelten. Welche Rechtfertigung gibt Lüdemann nun für diese entscheidende Grundannahme der Unzulässigkeit von Wundern? Alles, was er anbietet, sind einige Einzelsätze mit Anspielungen auf Hume und Kant. Er sagt: „Hume ... zeigte, dass ein Wunder so definiert ist, dass ‚keine Zeugenaussage genügt, um ein Wunder nachzuweisen.‘ [10] „Das übernatürliche Konzept der Auferstehung“, sagt er, setzt „einen philosophischen Realismus [voraus], der seit Kant unhaltbar ist.“ [11]

Nun ist Professor Lüdemann kein Philosoph; er ist ein Theologe des Neuen Testaments. Und seine Vorgehensweise, hier einfach Namen berühmter Philosophen fallen zu lassen, ist für Theologen leider allzu typisch. Der christliche Philosoph Thomas Morris kommentiert in seinem Buch Philosophy and the Christian Faith:

„Besonders interessant an den Verweisen von Theologen auf Kant oder Hume ist, dass der Philosoph nur erwähnt wird..., aber sehr selten, wenn überhaupt, finden wir eine genaue Angabe darüber, welche seiner Argumente angeblich die fragliche Widerlegung erzielt haben... Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich nie in den Schriften irgendeines zeitgenössischen Theologen eine Darlegung eines einzigen Arguments von Hume oder Kant – oder auch irgendeiner anderen historischen Gestalt – gesehen habe, das einer Widerlegung irgendeiner historischen christlichen Doktrin oder ... eines theologischen Realismus... auch nur nahe gekommen wäre.“ [12]

Humes Argument gegen Wunder wurde schon im 18. Jahrhundert von Paley, Less und Campbell widerlegt, und die meisten zeitgenössischen Philosophen lehnen es ebenfalls als fehlerhaft ab, darunter solche prominenten Wissenschaftsphilosophen wie Richard Swinburne und John Earman und analytische Philosophen wie George Mavrodes und William Alston. [13] Selbst der atheistische Philosoph Antony Flew, der Hume intensiv studiert hat, räumt ein, dass Humes Argument in der vorliegenden Form fehlerhaft ist. [14] Und was den philosophischen Realismus betrifft, ist dies die vorherrschende Auffassung heutiger Philosophen, zumindest in der analytischen Tradition. Wenn Lüdemann also, wie er behauptet, die Zulässigkeit von Wundern auf der Basis von Hume und Kant ablehnt, hat er einiges an Erklärungsarbeit zu leisten. Sonst beruht seine Ablehnung der Auferstehungshypothese auf einer unbegründeten Voraussetzung. Weist man diese Voraussetzung zurück, lässt sich schwerlich leugnen, dass die Auferstehung Jesus die beste Erklärung der Tatsachen ist.

Sie dürfen aber nicht bluffen. Sofern Sie kein hinreichendes Verständnis der Argumente von Hume und Kant haben, tun Sie nicht gut daran, einfach die Namen von Paley oder Swinburne als Antwort fallen zu lassen. Damit würden Sie denselben Fehler begehen, vor dem Morris warnt. Um in der Apologetik effektiv zu sein, bietet eine Ausbildung in Philosophie Ihnen deshalb eine solide Grundlage, um zu verstehen, warum Argumente wie die von Lüdemann scheitern.

c. Apologetik-Ausbildung – Keine Unterscheidung zwischen Metapher und Unsinn

Skeptische Kritiker haben gewöhnlich nicht wie Lüdemann den Mut, die Tatsache der Auferstehung Jesu glatt zu leugnen. Stattdessen versuchen sie, irgendein Überbleibsel des christlichen Glaubens zu bewahren, indem sie zwischen dem Jesus der Geschichte und dem Christus des Glaubens unterscheiden. Selbst wenn ersterer sich als eine rein menschliche Gestalt erweisen sollte, die im Judäa des ersten Jahrhunderts ihren endgültigen Tod fand, könnte letzterer immer noch als ein im Triumph vom Tod Auferstandener betrachtet werden. Marcus Borg zum Beispiel, einer der berühmtesten Vertreter des Jesus-Seminars, trifft eine scharfe Unterscheidung zwischen dem vorösterlichen und dem nachösterlichen Jesus. Der vorösterliche Jesus, sagt er, war nur ein Mensch, der nun „tot und verschwunden“ ist. [15] Der nachösterliche Jesus, sagt er, ist das, „was Jesus nach seinem Tod wurde.“ [16] Der nachösterliche Jesus lebtin der Erfahrung und Tradition der Kirche weiter.

Aber diese Art der theologischen Rettungsaktion verfängt sich in einem Netz philosophischer Schwierigkeiten. Was Jesus nach seinem Tod im wörtlichen Sinne wurde, war nach Borgs Auffassung eine verwesende Masse Fleisch. Was Borg mit dem nachösterlichen Jesus meint, ist das, was Jesus in den Gedanken und Vorstellungen der christlichen Kirche wurde. Es ist entscheidend zu verstehen, dass es nach Borgs Auffassung tatsächlich keine als nachösterlichen Jesus bezeichnete Person gibt, die unabhängig von unserer Erfahrung und Vorstellung objektiv existiert.

Die beste Analogie, die mir dazu einfällt, ist die Beziehung zwischen dem Weihnachtsmann Nikolaus und dem Bischof Nikolaus des vierten Jahrhunderts. Der heilige Nikolaus war die reale Person, die einmal lebte und starb. Der Weihnachtsmann Nikolaus ist eine imaginäre Figur, die zwar in der Erfahrung kleiner Kind sehr real sein mag, aber nicht wirklich existiert. Auch wenn vernünftige Erwachsene an einige Dinge glauben mögen, die diese imaginäre Figur symbolisiert, wie die Großzügigkeit beim Geben, würden wir nicht an ihn glauben.

Genauso könnten wir, wenn Jesus nicht wirklich von den Toten auferstand, an das glauben, was der nachösterliche Jesus symbolisiert, etwa die Nächstenliebe, aber wir würden nicht an ihn glauben. Wir würden ihn nicht anbeten oder zu ihm beten oder denken, dass er uns liebt, weil das bedeuten würde, uns von unseren eigenen Vorstellungen täuschen zu lassen.

Nun glaube ich trotz dieser sehr irreführenden christlichen Sprache, dass der nachösterliche Jesus nach Borgs Auffassung wirklich nur eine symbolische Figur ist. Wenn Borg behauptet „Jesus ist Herr“ oder „Jesus lebt“ oder „Gott hat Jesus beglaubigt“, betrachtet er diese Aussagen nicht als buchstäblich wahr. Stattdessen sind diese Aussagen metaphorisch gemeint, und Borg sagt: „Ich behaupte, dass diese Metaphern wahr sind.“ [17]

Aber nun stoßen wir auf echte Schwierigkeiten. Was ist notwendig, damit eine Metapher wahr ist? Wenn ich aus dem Regen hereinkomme und sage: „Draußen regnet es wie aus Kübeln!“, was bedeutet es dann zu sagen, dass diese Metapher wahr ist? Nun, es bedeutet, dass es eine buchstäbliche Wahrheit gibt, die durch diese Metapher bildhaft ausgedrückt wird, nämlich dass es draußen stark regnet. Ohne eine solche buchstäbliche Wahrheit ist eine Metapher einfach eine sinnlose Wortkombination. Wenn ich hereinkomme und sage: „Draußen regnet es Zebras und Gürteltiere!“ und keine buchstäbliche Wahrheit nennen kann, die durch diese Worte ausgedrückt wird, dann handelt es sich nicht um eine Metapher, sondern um bloßen Unsinn. Ohne eine buchstäbliche Wahrheit ist es auch keine metaphorische Wahrheit.

Die entscheidende Frage lautet also: Welche buchstäbliche Wahrheit drückt sich in Aussagen über den nachösterlichen Jesus aus wie „Jesus ist auferstanden“ oder „Jesus liebt mich“? Hier steht Borg vor einem unlösbaren Problem. Denn er sagt, dass es keine buchstäbliche Wahrheit über Gott gibt. Er denkt, dass Gott unbeschreiblich ist, das heißt, „jenseits allen rationalen Denkens“. Er schreibt: „Gott ist nicht zu beschreiben ... Gott steht über allen Bildern, ob physisch oder mental ... Alle unsere Gedanken über Gott ... sind Versuche, das Unbeschreibliche auszudrücken. Das Unbeschreibliche entzieht sich allen unseren Begriffen, selbst diesem einen.“ [18] Daraus folgt aber, dass seine Behauptungen über den nachösterlichen Jesus keine buchstäbliche Wahrheit ausdrücken. Deshalb sind sie keine Metaphern, sondern Unsinn.

Es kommt aber noch schlimmer. Denn es ist inkohärent zu sagen, dass Gott „alle unsere Begriffe übersteigt“. Denn wenn keiner unserer Begriffe auf Gott zutrifft, dann trifft auch das Konzept der Unbeschreiblichkeit nicht auf Gott zu. Aber dann ist Gott eben doch nicht unbeschreiblich! So widerlegt Borgs Auffassung sich selbst: Wenn sie wahr ist, dann ist sie falsch. Borg scheint dies zu erkennen, wenn er sagt: Gott „entzieht sich allen unseren Begriffen, selbst diesem einen.“ Aber wenn das Konzept der Unbeschreiblichkeit nicht auf Gott zutrifft, dann ist es nicht der Fall, dass Gott unbeschreiblich ist, wie Borg behauptet. Somit ist Borgs Auffassung selbst-referentiell inkohärent und kann nicht rational bestätigt werden.

Philosophische Themen können also manchmal absolut entscheidend für die Behandlung historischer Themen sein, die für den christlichen Apologeten wichtig sind. Eine apologetische Schulung ist ohne eine solide Grundlage in Philosophie schlicht unvollständig.

d. Apologetik-Ausbildung – Inwiefern Philosophie im Dialog zwischen Wissenschaft und Theologie unerlässlich ist

In ähnlicher Weise stelle ich auch in dem blühenden zeitgenössischen Dialog zwischen Wissenschaft und Theologie, der für das Gebiet der wissenschaftlichen Apologetik außerordentlich relevant ist, immer wieder fest, dass die zentralen Themen sich eher als philosophische denn als wissenschaftliche erweisen. Leicht zu veranschaulichen wäre dies anhand der Relativitätstheorie und der Quantentheorie, die Zwillingssäulen der zeitgenössischen Physik, welche epistemologische und metaphysische Themen offen einbeziehen. Doch selbst in einer theoretisch vergleichsweise niederschwelligen Wissenschaft wie der Biologie drängen sich philosophische Themen auf.

In der Debatte über die biologischen Ursprünge war es der nachhaltige Beitrag von Philip Johnson, die Aufmerksamkeit auf die entscheidende Rolle methodischer Annahmen für die Theoriebewertung zu lenken. So wie ich ihn verstehe, lässt sich Johnsons Hauptpunkt am besten durch das Modell der wissenschaftlichen Erklärung ausdrücken, das als Schluss auf die beste Erklärung bekannt ist.

Nach diesem Modell wählt der Theoretiker, der eine Datenreihe zu erklären hat, aus einer Menge möglicher Optionen diejenige Erklärung aus, die, wenn sie wahr ist, die Daten am besten erklären würde, wobei der Wert einer Erklärung anhand von Kriterien wie Reichweite der Erklärung, Erklärungsgehalt usw. bemessen wird. Nun lautet der fundamentale Punkt bei Johnson, dass das neo-darwinistische Paradigma nur dann als die beste Erklärung bezeichnet werden kann, wenn die Auswahlmenge möglicher Optionen auf rein naturalistische Erklärungen beschränkt wird. Doch wenn man in die Menge möglicher Optionen supranaturalistische Erklärungen hineinnimmt, das heißt Erklärungen, die einen außerweltlichen intelligenten Akteur einbeziehen, dann liegt keinesfalls auf der Hand, dass die neo-darwinistische Erklärung die beste ist.

Ob man nun die Menge möglicher Optionen in dieser Weise beschränkt, ist eine philosophische und keine wissenschaftliche Frage. Bemerkenswerterweise habe ich Behauptungen prominenter naturalistischer Evolutionsbiologen wie David Hull gesehen, die mehr oder weniger zugeben, dass Johnson recht hat. Sie beharren darauf, dass die Wissenschaft natürlich supranaturalistische Erklärungen aus dem Pool aktueller Optionen ausschließt; es liegt gerade im Wesen der Wissenschaft zu entscheiden, welche die beste naturalistische Erklärung der Daten ist. Aber das ist, wie ich sage, nicht länger eine Frage der Wissenschaft, sondern eine Frage der Wissenschaftsphilosophie, und zwar eine, zu deren Beantwortung Wissenschaftler, die typischerweise unerschütterlich naiv sind, wenn es um Philosophie geht, nicht gut ausgerüstet sind.

Also wären all diejenigen von uns, die im Bereich Apologetik dienen wollen – mit welcher Spezialisierung auch immer –, gut beraten, sich eine ordentliche Portion analytischer Philosophie anzueignen.

Am Ende wählen Sie vielleicht ein anderes Fachgebiet als die philosophische Apologetik. Ich habe schon die historische Apologetik erwähnt, die sich mit der Verlässlichkeit der neutestamentlichen Zeugen für Jesus befasst. Hier sind die Evangelikalen gut vertreten mit Gelehrten wie Craig Evans, Ben Witherington, Darrell Bock, N. T. Wright und anderen im angloamerikanischen Raum, ganz zu schweigen von unseren kontinentalen Brüdern. Ich habe auch die wissenschaftliche Apologetik erwähnt, in der mehr Evangelikale tätig werden sollten, obwohl Leute wie Robin Collins, George Ellis, Christopher Isham, William Dembski und, auf der populären Ebene, Hugh Ross mit wichtigen Beiträgen herausragen. Ein weiterer Bereich der Apologetik, der als wichtiges neues Fachgebiet hinzukam, ist die Islamwissenschaft. Eigentlich handelt es sich hier um ein sehr altes Gebiet der Apologetik, das bis auf Raymond Lull und Thomas von Aquins Summa contra gentiles zurückgeht, vielleicht sogar noch früher. Doch eine entscheidende Bedeutung hat es seit den Terroranschlägen des 11. September 2001, die unser Bewusstsein für den Islam und die damit verbundene Herausforderung schärften. Die Webseite answeringislam.org liefert in dieser Hinsicht ausgezeichnete Quellen, und eine wachsende Zahl populärer Werke zu diesem Thema werden veröffentlicht. Daneben gibt es weitere Fachgebiete, die sich anbieten – die Psychologie zum Beispiel, in der Paul Vitz Interessantes geleistet hat. Doch welche Fachgebiete es auch immer geben mag: Ich ermutige Sie, eines zu wählen, in dem Sie Experte werden können, um mit Gewissheit und Autorität über die Fragen sprechen zu können.

(Übers.: M. Wilczek)

Lesen Sie hier Teil 2 dieses Vortrags: Apologetik-Dienst: Ratschläge für christliche Apologeten.

Link to the original article in English: /apologetics-training-advice-to-christian-apologists

  • [1]

     Der Vortrag wurde 2004 am Calvin Theological Seminary, USA, gehalten (Anm. d. Übers.)

  • [2]

    Der englische Ausdruck „warrant“ bezeichnet einen epistemischen Zusatzfaktor, der den Unterschied zwischen einer begründeten wahren Meinung und Wissen ausmacht. Vgl. das Buch des amerikanischen Religionsphilosophen Alvin Plantinga zu dieser Thematik: Warranted Christian Belief (Oxford, 2000). Das Buch wird z.Zt. ins Deutsche übertragen. (Anm. d. Übers.)

  • [3]

    Richard Swinburne, The Coherence of Theism, Oxford 1977, S. 7.

  • [4]

    R. T. France, „The Gospels as Historical Sources for Jesus, the Founder of Christianity,“ Truth 1 (1985): 86.

  • [5]

    R. W. Funk, R. W. Hoover, and the Jesus Seminar, „Introduction“ to The Five Gospels, New York 1993, S. 2.

  • [6]

    David Friedrich Strauß, The Life of Jesus, Critically Examined, trans. George Eliot, ed. with an Introduction by Peter C. Hodgson, Lives of Jesus Series, London 1973, S. 736. (Deutsche Originalausgabe: Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet. 2 Bde. Osiander, Tübingen 1835/1836).

  • [7]

    Funk, et. al ., „Introduction,“ S. 3.

  • [8]

    Ibid., S. 2-3.

  • [9]

    Gerd Lüdemann, „Die Auferstehung Jesu,“ in Fand die Auferstehung wirklich statt? , S. 16.

  • [10]

    Gerd Lüdemann, The Resurrection of Jesus , trans. John Bowden, Minneapolis 1994, S. 12.

  • [11]

    Ibid., S. 249.

  • [12]

    Thomas V. Morris, Philosophy and the Christian Faith, University of Notre Dame Studies in the Philosophy of Religion 5, Notre Dame 1988, S. 3-4.

  • [13]

    Vgl. George Campbell, Dissertation on Miracles, Nachdruck London 1834; Gottfried Less, Wahrheit der christlichen Religion, Göttingen 1776; William Paley, A View of the Evidences of Christianity , 2 Bände, 5. Auflage, London 1796. Nachdruck Westmead 1970; Richard Swinburne, The Concept of Miracle, New York 1970; John Earman, „Bayes, Hume, and Miracles,“ Faith and Philosophy 10 (1993): 293-310; George Mavrodes, „Miracles and the Laws of Nature,“ Faith and Philosophy 2 (1985): 333-346; William Alston, „God's Action in the World,“ in Divine Nature and Human Language, Ithaca 1989, S. 197-222.

  • [14]

    Antony Flew in Did Jesus Rise from the Dead , Hrsg. von Terry L. Miethe, San Franzisko 1987, S. 4.

  • [15]

    Marcus Borg, „Seeing Jesus: Sources, Lenses, and Method,“ in The Meaning of Jesus , von Marcus Borg und N. T. Wright, San Franzisko 1999, S. 7.

  • [16]

    Ibid.

  • [17]

    Ibid., S. 54.

  • [18]

    Marcus J. Borg, The God We Never Knew, San Franzisko 1997, S. 48-9.