Wie kann Christus der einzige Weg zu Gott sein?
Summary
Ein gründlicher Versuch, das Problem des Schicksals der vom Evangelium unerreichten Menschen und die Herausforderung des religiösen Pluralismus zu beantworten.
Einführung
Neulich sprach ich an einer größeren kanadischen Universität über die Existenz Gottes. Nach meiner Rede schrieb eine leicht irritierte Studentin auf ihre Antwortkarte: “Ich konnte Ihnen folgen, bis Sie dieses Zeugs über Jesus gesagt haben. Gott ist nicht der Gott der Christen!“
Diese Einstellung beherrscht heute die westliche Zivilisation. Die meisten Leute stimmen ohne Weiteres zu, dass Gott existiert. Doch in unserer pluralistischen Gesellschaft ist es inzwischen politisch unkorrekt, wenn man behauptet, dass Gott sich in entscheidender Art und Weise in Jesus offenbart hat.
Aber gerade das lehrt das Neue Testament deutlich, zum Beispiel in den Briefen des Apostel Paulus. Er fordert seine Leser, die sich aus dem Heidentum bekehrt haben, auf, sich an die Zeit zu erinnern, bevor sie Christen waren: "… denkt daran, … dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt“ (Eph. 2,11-12). Die Anfangskapitel des Römerbriefs sollen aufzeigen, dass es sich bei diesem desolaten Zustand um die allgemeine Situation der Menschheit handelt. Paulus erklärt, dass Gottes Kraft und Gottheit durch die geschaffene Ordnung um uns herum bekannt gemacht werden, so dass Menschen keine Entschuldigung haben (1,20), und dass Gott Sein Moralgesetz in die Herzen aller Menschen geschrieben hat, so dass sie Ihm gegenüber moralisch verantwortlich sind (2,15). Obwohl Gott allen ewiges Leben anbietet, die in angemessener Weise auf die allgemeine Offenbarung Gottes in der Natur und durch das Gewissen reagieren (2,7), besteht doch die traurige Tatsache, dass die Menschen, anstatt Ihren Schöpfer anzubeten und Ihm zu dienen, Gott ignorieren und sich über Sein moralisches Gesetz hinwegsetzen (1,21-32). Die Schlussfolgerung: Alle Menschen sind unter der Macht der Sünde (3,9-12). Schlimmer noch: Paulus führt im Weiteren aus, dass niemand sich durch ein gerechtes Leben selbst erlösen kann (3,19-20). Zum Glück hat Gott jedoch einen Ausweg geschaffen: Jesus Christus ist für die Sünden der Menschheit gestorben und hat damit die Forderungen der Gerechtigkeit Gottes erfüllt und die Versöhnung mit Gott ermöglicht (3.21-6). Durch Seinen Sühnetod hat er die Errettung als eine Gabe zur Verfügung gestellt, die durch den Glauben angenommen werden kann. Die Logik des Neuen Testaments ist deutlich: Die Universalität der Sünde und die Einzigartigkeit des Sühnetods Christi bringen es mit sich, dass es Erlösung nur durch Christus gibt. Wie die Apostel es proklamierten: “Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.” (Apg. 4,12).
Diese partikularistische Lehre war in der polytheistischen Welt des Römischen Reiches genauso skandalös wie in der heutigen westlichen Zivilisation. Die frühen Christen erlitten daher oft harte Verfolgung, Folter und Tod, weil sie sich weigerten, Religionen pluralistisch zu verstehen. Mit der Zeit aber, als das Christentum die Religionen von Griechenland und Rom verdrängte und die offizielle Religion des Römischen Reiches wurde, trat der Skandal eher in den Hintergrund. In der Tat gehörte für mittelalterliche Denker wie Augustinus und Thomas von Aquin die Allgemeingültigkeit, das heißt, die Universalität zu den Zeichen der wahren Kirche. Ihnen erschien es undenkbar, dass das großartige Gebäude der christlichen Kirche, welches die ganze Kultur erfüllte, auf einem Irrtum gegründet sein sollte.
Der Niedergang dieser Lehre kam mit der Ausdehnung des europäischen Einflusses in den drei Jahrhunderten der Erforschung und Entdeckung im Zeitraum von ungefähr 1450 bis 1750. Durch die Reisen und Fahrten von Männern wie Marco Polo, Christoph Kolumbus und Ferdinand Magellan wurden neue Kulturen und ganze neue Welten entdeckt, die vom christlichen Glauben nichts wussten. Die Erkenntnis, dass ein großer Teil der Welt außerhalb des damaligen Einflussbereiches des Christentums lag, hatte eine zweifache Auswirkung auf das religiöse Denken der Menschen. Zunächst führte sie dazu, religiöse Überzeugungen zu relativieren. Man sah, dass das Christentum weit davon entfernt war, die universelle Religion der Menschheit zu sein, sondern im Großen und Ganzen auf Westeuropa beschränkt war, einem Winkel der Erde. Es schien, dass keine spezielle Religion einen Anspruch auf universelle Gültigkeit erheben konnte. Jede Gesellschaft schien ihre eigene Religion zu haben, die ihrem besonderen Bedarf entspricht. Zweitens ließ sie den Anspruch des Christentums, der einzige Weg der Erlösung zu sein, engstirnig und grausam erscheinen. Ein Rationalist der Aufklärung wie Voltaire warf den Christen seiner Tage höhnisch vor, dass es Millionen von Chinesen geben würde, die zur Hölle verdammt sind, weil sie nicht an Christus geglaubt haben, obwohl sie von Christus noch nicht einmal auch nur gehört haben. In unseren eigenen Tagen haben ein Zustrom von Immigranten in die westlichen Nationen – unter anderem aus früheren Kolonien - und der Fortschritt in der Telekommunikation, welcher die Welt zu einem globalen Dorf schrumpfen lässt, unsere Wahrnehmung der religiösen Vielfalt der Menschheit gesteigert. Somit ist religiöser Pluralismus heute wieder zur gängigen Meinung geworden.
Das Problem der religiösen Vielfalt
Aber welches Problem sollte sich eigentlich durch die religiöse Vielfalt der Menschheit ergeben? Und für wen soll das ein Problem sein? Beim Lesen der diesbezüglichen Literatur hat man den Eindruck, dass der christliche Partikularist grundsätzlich den schwarzen Peter zugeschoben bekommt. Das Phänomen der religiösen Vielfalt soll angeblich belegen, dass der Pluralismus die Wahrheit ist. Und die eigentliche Debatte dreht sich dann um die Frage, welche Form des Pluralismus die plausibelste ist. Aber warum meinen wir, dass christlicher Patikularismus angesichts religiöser Vielfalt unhaltbar geworden ist? Was genau ist hier wohl das Problem?
Unter den Argumenten für den Pluralismus findet man bei näherer Untersuchung viele Beispiele von logischen Fehlschlüssen, wie sie im Buche stehen. Beispielsweise wird oft behauptet, es sei arrogant und unmoralisch, an einer Lehre des religiösen Partikularismus festzuhalten, weil ich damit zum Ausdruck bringe, dass alle Personen, die meiner eigenen Religion nicht zustimmen, im Irrtum sind. Das scheint mir ein Musterbeispiel für ein unsachliches Argument mit persönlichem Angriff (ad hominem) zu sein. Es soll eine Position widerlegen, indem der Charakter desjenigen Menschen angegriffen wird, der diese Position vertritt. Hier handelt es sich um einen Fehlschluss, weil die Wahrheit einer Position nicht von den moralischen Qualitäten der Menschen abhängt, die daran glauben. Selbst wenn alle christlichen Partikularisten arrogant und unmoralisch wären, würde damit in keiner Weise bewiesen werden, dass ihre Ansicht falsch ist. Aber damit nicht genug: Warum sollte man meinen, dass Arroganz und Unmoralität notwendige Voraussetzungen für eine partikularistische Einstellung wären? Nehmen wir an, ich habe alles getan, um die religiöse Wahrheit über die Wirklichkeit herauszufinden, und ich bin nun überzeugt, dass das Christentum wahr ist, und so nehme ich den christlichen Glauben in aller Demut als unverdiente Gabe Gottes an. Bin ich deswegen arrogant und unmoralisch, weil ich glaube, was ich aufrichtig für wahr halte? Schließlich ist dieser Einwand in einem noch viel grundsätzlicheren Sinn ein zweischneidiges Schwert. Denn der Pluralist glaubt auch, dass seine Ansicht richtig ist und dass alle, die an partikularistischen religiösen Traditionen festhalten, Unrecht haben. Wenn man also arrogant und unmoralisch ist, weil man eine Auffassung vertritt, die viele andere Menschen nicht teilen, wäre der Pluralist selbst als arrogant und unmoralisch überführt.
Oder um ein anderes Beispiel zu nennen: Es wird oft behauptet, dass christlicher Partikularismus nicht richtig sein kann, weil religiöse Überzeugungen von der jeweiligen Kultur abhängen. Wenn zum Beispiel ein gläubiger Christ in Pakistan geboren wäre, wäre er wahrscheinlich ein Muslim. Deshalb ist sein Glaube an das Christentum unwahr oder unberechtigt. Aber das scheint wiederum ein Musterbeispiel eines sogenannten genetischen Fehlschlusses zu sein. Dabei versucht man, eine Position zu entkräften, indem man die Art und Weise angreift, wie die entsprechende Person zu dieser Position gekommen ist. Dass unsere Überzeugungen davon abhängen, wann und wo wir geboren sind, sagt nichts über die Wahrheit dieser Überzeugungen aus. Wenn Sie im alten Griechenland geboren wären, hätten Sie wahrscheinlich geglaubt, dass die Sonne um die Erde kreist. Bedeutet dies, dass Ihre Überzeugung, dass die Erde um die Sonne kreist, deshalb falsch oder unberechtigt ist? Bestimmt nicht! Und noch einmal: Der Pluralist zieht sich den Boden unter den eigenen Füßen weg; denn wäre der Pluralist in Pakistan geboren, wäre er wahrscheinlich ein religiöser Partikularist. Somit ist sein Pluralismus nach seiner eigenen Analyse lediglich ein Ergebnis der Tatsache, dass er in der westlichen Gesellschaft des späten zwanzigsten Jahrhunderts geboren wurde, und damit falsch und unberechtigt.
So sind einige Argumente, die man in der Literatur gegen den christlichen Partikularismus findet, nicht sehr beeindruckend. Sie stellen nicht das wirkliche Problem dar. Jedoch finde ich, dass wenn diese Einwände durch Verteidiger des christlichen Partikularismus beantwortet werden, erst das wirkliche Problem zum Vorschein tritt. Ich finde, dass dieses Problem sich auf das Schicksal der Ungläubigen bezieht, die außerhalb der eigenen speziellen religiösen Tradition leben. Gemäß dem christlichen Partikularismus sind diese Leute für die Hölle bestimmt, was Pluralisten als herzlos ansehen.
Aber was genau soll hier das Problem sein? Worin liegt die Schwierigkeit, wenn man daran festhält, dass Errettung nur durch Christus möglich ist? Soll es einfach die Behauptung sein, dass ein liebender Gott niemanden in die Hölle schicken würde? Ich denke nicht. Nach Aussage der Bibel will Gott die Errettung eines jeden Menschen. „Der Herr … will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde." (2. Pet. 3,9). Oder auch: ”Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim. 2,4). So spricht Gott durch den Propheten Hesekiel:
„Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der HERR. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben. So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Todes des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, …?“ (Hes. 18,23.32; Hes. 33,11).
Hier fleht Gott geradezu die Menschen an, sich von ihrem selbstzerstörerischen Verhalten abzuwenden und sich retten zu lassen. Somit schickt der biblische Gott in gewissem Sinne niemanden in die Hölle. Sein Verlangen ist es, dass jeder gerettet wird, und Er versucht, alle Menschen zu Sich zu ziehen. Wenn wir in voller Kenntnis der Sachlage uns freiwillig entscheiden, das Opfer Christi für unsere Sünden abzulehnen, hat Gott keine andere Wahl, als uns das zu geben, was wir verdienen. Gott schickt uns nicht in die Hölle – sondern wir schicken uns selbst. Unser ewiges Geschick liegt somit in unseren eigenen Händen. Es ist unsere eigene freie Wahl, wo wir unsere Ewigkeit verbringen werden. Die Verlorenen verdammen sich also selbst; sie trennen sich selbst von Gott entgegen Gottes Willen und jeder Bemühung, sie zu retten. Ihr Verlorensein schmerzt Gott sehr.
Nun könnte der Pluralist zugestehen, dass Gott unter der Voraussetzung der Freiheit des Menschen nicht garantieren kann, dass jeder gerettet wird. Einige Leute könnten sich freiwillig selbst verdammen, indem sie Gottes Angebot der Errettung ablehnen. Aber, so könnte er argumentieren, es wäre ungerecht von Gott, diese Leute für immer zu verurteilen. Denn selbst so schreckliche Sünden wie die der Nazi-Folterknechte in den Vernichtungslagern verdienen doch nur eine zeitlich begrenzte Strafe. Deshalb könnte die Hölle allenfalls eine Art Fegefeuer sein, das über eine angemessene Zeitdauer anhält, bis die entsprechende Person befreit und in den Himmel gelassen wird. Schließlich wäre dann die Hölle entleert und der Himmel gefüllt. Somit ist die Hölle ironischerweise nicht mit der Liebe Gottes unvereinbar, sondern mit Seiner Gerechtigkeit. Der Einwand behauptet, dass Gott ungerecht ist, weil die Bestrafung der Straftat nicht entspricht.
Aber dies scheint mir wiederum nicht das eigentliche Problem zu sein. Denn der Einwand scheint mir mindestens zwei Fehler aufzuweisen:
(1) Der Einwand unterscheidet nicht zwischen jeder einzelnen Sünde, die wir begehen, und allen Sünden, die wir begehen. Wir könnten zustimmen, dass jede einzelne Sünde, die ein Mensch begeht, nur eine begrenzte Bestrafung verdient. Aber es ergibt sich daraus nicht, dass alle Sünden einer Person als Ganzes zusammengenommen nur eine begrenzte Bestrafung verdienen. Wenn ein Mensch eine unendliche Anzahl von Sünden begeht, dann verdient die Gesamtsumme aller Sünden unendliche Bestrafung. Nun begeht natürlich niemand eine unendliche Zahl von Sünden in seinem irdischen Leben. Aber was ist mit dem Leben nach dem Tod? Da die Bewohner der Hölle weiterhin Gott hassen und Ihn ablehnen, sündigen sie weiter und häufen so für sich mehr Schuld und mehr Bestrafung an. In einem realen Sinn hat dann die Hölle eine Eigendynamik. In solch einem Fall entspricht jeder Sünde eine begrenzte Bestrafung. Aber weil das Sündigen für immer anhält, gilt dasselbe auch für die Bestrafung.
(2) Warum sollte man meinen, dass jeder Sünde nur eine begrenzte Bestrafung entspricht? Wir könnten zustimmen, dass Sünden wir Diebstahl, Lügen, Ehebruch und so weiter nur begrenzte Folgen haben und damit nur eine begrenzte Bestrafung verdienen. Aber in einem gewissen Sinn sind es nicht diese Sünden, die einen von Gott trennen. Denn Christus ist für diese Sünden gestorben; die Strafe für diese Sünden wurde bezahlt. Man muss nur Christus als Retter annehmen, um vollkommen frei und rein von diesen Sünden zu sein. Aber die Weigerung, Christus und Sein Opfer anzunehmen, scheint eine Sünde von völlig anderer Größenordnung zu sein. Denn diese Sünde lehnt Gottes Heilmittel gegen Sünde ab und trennt uns somit entscheidend von Gott und Seiner Errettung. Und im Lichte dessen, wer Gott ist, ist dies eine unendlich schwere und weitreichende Sünde, für die eine unendliche Bestrafung plausibel und verdient ist. Wir sollten uns deshalb die Hölle nicht vorrangig als Bestrafung für eine Reihe von Sünden mit begrenzter Konsequenz vorstellen, die wir begangen haben, sondern als die gerechte Strafe für eine Sünde mit unendlicher Konsequenz, nämlich der Ablehnung von Gott Selbst.
Aber vielleicht soll das Problem ja darin bestehen, dass ein liebender Gott keine Menschen in die Hölle schicken würde, weil sie über Christus nicht oder falsch informiert waren. Das scheint mir aber auch nicht der Kern des Problems zu sein. Denn nach der Bibel beurteilt Gott Menschen, die nie von Christus gehört haben, nicht auf der Basis, ob sie ihr Vertrauen auf Christus gesetzt haben. Gott beurteilt sie vielmehr auf der Grundlage des Lichts der allgemeinen Offenbarung Gottes in der Natur und im Gewissen, das sie tatsächlich haben. Das Angebot von Römer 2,7, „ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben“, ist ein Angebot der Errettung auf Treu und Glauben. Das bedeutet nicht, dass Menschen ohne Christus gerettet werden können. Es heißt vielmehr, dass sie von dem Sühnetod Christi Nutzen haben könnten, ohne dass sie Christus bewusst kennen. Solche Leute könnte man mit bestimmten Menschen aus dem Alten Testament vergleichen wie Hiob und Melchisedek, die keine bewusste Kenntnis von Christus hatten, noch nicht einmal zur Bundesfamilie Israel gehörten und doch klar das Vorrecht einer persönlichen Beziehung mit Gott genossen. In ähnlicher Weise könnten Hiobs der heutigen Zeit unter dem Anteil der Weltbevölkerung leben, der noch nicht das Evangelium von Christus gehört hat.
Leider bezeugt das Neue Testament, wie wir gesehen haben, dass die Menschen im Allgemeinen nicht einmal die viel niedrigeren Standards der allgemeinen Offenbarung erfüllen. So gibt es wenig Grund zum Optimismus, dass es viele oder überhaupt welche gibt, die tatsächlich allein durch ihre Reaktion auf die allgemeine Offenbarung gerettet werden. Das ändert jedoch nichts daran, dass Rettung durch die allgemeine Offenbarung in der Natur und durch das Gewissen universell für jeden zugänglich ist, der nie das Evangelium gehört hat. So kann das Problem der religiösen Vielfalt nicht einfach nur darin bestehen, dass Gott keine Menschen verdammen würde, die über Christus keine oder falsche Informationen haben.
Das eigentliche Problem scheint mir eher Folgendes zu sein: Wenn Gott allwissend ist, dann wusste Er, wer freiwillig das Evangelium annehmen würde und wer nicht. Aber dann stellen sich einige sehr schwierige Fragen:
(i)Warum hat Gott das Evangelium nicht den Menschen gebracht, von denen Er wusste, dass sie es annehmen würden, wenn sie es hören, obwohl sie das Licht der allgemeinen Offenbarung ablehnen, das sie tatsächlich haben?
Stellen wir uns zur Veranschaulichung einen nordamerikanischen Indianer vor, der vor der Ankunft von christlichen Missionaren lebt. Nennen wir ihn Wandernder Bär. Wir stellen uns vor, dass Wandernder Bär nachts zum Himmel hinaufschaut und die Schönheit der Natur um sich herum sieht und empfindet, dass dies Alles der Große Geist gemacht hat. Wenn Wandernder Bär außerdem auch in sein eigenes Herz schaut, spürt er dort das moralische Gesetz, das ihm sagt, dass alle Menschen Brüder sind, die vom Großen Geist gemacht wurden, und er merkt deshalb, dass wir in Liebe zueinander leben sollten. Aber nehmen wir an, dass Wandernder Bär anstatt den Großen Geist anzubeten und in Liebe zu seinem Mitmenschen zu leben, den Großen Geist ignoriert und Totems anderer Geister macht und dass er statt seine Mitmenschen zu lieben, ichsüchtig und grausam gegen andere ist. In einem solchen Fall würde Wandernder Bär gerechterweise von Gott verurteilt werden, weil er nicht auf die allgemeine Offenbarung Gottes in der Natur und im Gewissen reagiert hat. Aber nun wollen wir annehmen, dass Wandernder Bär dem Evangelium geglaubt hätte und errettet worden wäre, wenn nur Missionare gekommen wären! In diesem Fall scheint er in Bezug auf Errettung oder Verdammnis einfach Pech gehabt zu haben. Ohne eigene Schuld war er einfach in einer Zeit in der Geschichte und an einem Ort geboren, als das Evangelium dort noch nicht zur Verfügung stand. Seine Verdammnis ist gerecht; aber würde ein allliebender Gott es zulassen, dass das ewige Schicksal der Menschen von historischen und geographischen Zufällen abhängt?
(ii) Noch grundsätzlicher: Warum hat Gott überhaupt die Welt geschaffen, wenn Er wusste, dass so viele Menschen dem Evangelium nicht glauben und verloren gehen würden?
(iii) Sogar noch radikaler: Warum hat Gott nicht eine Welt geschaffen, in der jeder freiwillig dem Evangelium glaubt und gerettet wird?
Welche Antworten soll der christliche Partikularist auf diese Fragen geben? Stellt das Christentum Gott als grausam und lieblos hin?
Die Analyse des Problems
Zur Beantwortung dieser Fragen sollten wir die logische Struktur des uns vorliegenden Problems genauer untersuchen. Der Pluralist scheint zu behaupten, dass es für Gott unmöglich ist, allmächtig und allliebend zu sein und dass doch einige Leute nie das Evangelium hören und verloren gehen. Das heißt, dass die folgenden Aussagen nicht logisch widerspruchsfrei sind :
1. Gott ist allmächtig und allliebend.
2. Einige Leute hören nie das Evangelium und gehen verloren.
Aber nun müssen wir fragen, warum sollte man meinen, dass die Aussagen (1) und (2) nicht logisch widerspruchsfrei sind. Immerhin gibt es zwischen ihnen keinen expliziten Widerspruch. Aber wenn der Pluralist behauptet, dass (1) und (2) implizit widersprüchlich sind, muss er versteckte Prämissen annehmen, mit deren Hilfe dieser Widerspruch zum Vorschein gebracht und explizit gemacht werden kann. Die Frage ist, was sind diese versteckten Prämissen?
Ich muss sagen, dass ich in der Literatur noch nie einen Versuch religiöser Pluralisten gefunden habe, diese versteckten Prämissen zu identifizieren. Aber wir wollen versuchen, dem Pluralisten ein wenig zu helfen. Wahrscheinlich nimmt er etwa Folgendes an:
3. Wenn Gott allmächtig ist, kann Er eine Welt schaffen, in der jeder das Evangelium hört und freiwillig gerettet wird.
4. Wenn Gott allliebend ist, zieht er eine Welt vor, in der jeder das Evangelium hört und freiwillig gerettet wird.
Da Gott gemäß (1) sowohl allmächtig als auch allliebend ist, folgt daraus, dass Er eine Welt universeller Errettung schaffen kann und eine solche Welt auch bevorzugt. Deshalb existiert solch eine Welt - im Gegensatz zu (2).
Nun müssen beide versteckten Prämissen notwendigerweise wahr sein, wenn die logische Unvereinbarkeit von (1) und (2) aufgezeigt werden soll.
So stellt sich die Frage, ob diese Annahmen notwendigerweise wahr sind. Bezüglich (3) scheint es unumstritten zu sein, das Gott eine Welt erschaffen könnte, in der jeder das Evangelium hört. Aber solange Menschen frei sind, gibt es keine Garantie, dass in einer solchen Welt jeder Mensch freiwillig gerettet werden würde. In der Tat gibt es keinen Grund anzunehmen, dass das Zahlenverhältnis zwischen Erretteten und Verlorenen in einer solchen Welt überhaupt besser wäre als das Zahlenverhältnis in der tatsächlichen Welt! Es ist möglich, dass in jeder Welt mit freien Menschen, die Gott erschaffen könnte, einige Seine rettende Gnade ablehnen und verloren gehen könnten. Also ist (3) nicht notwendigerweise wahr und somit das Argument des Pluralisten irreführend.
Aber was ist mit (4)? Ist diese Aussage notwendigerweise wahr? Nehmen wir um des Argumentes willen an, dass es mögliche Welten gibt, die für Gott machbar sind und in denen jeder das Evangelium hört und es freiwillig annimmt. Zwingt die Tatsache, dass Gott allliebend ist, Ihn dazu, eine dieser Welten einer Welt vorzuziehen, in der einige Menschen verloren gehen? Nicht notwendigerweise; denn die Welten, welche universelle Errettung beinhalten, könnten andere, übergeordnete Mängel haben, die sie weniger wünschenswert machen würden. Nehmen wir zum Beispiel an, die einzigen Welten, in der jeder dem Evangelium freiwillig glaubt und errettet wird, sind Welten, in denen nur eine Handvoll Leute wohnen, zum Beispiel drei oder vier. Wenn Gott eine größere Anzahl von Menschen erschaffen sollte, dann hätte zumindest einer von ihnen Seine Gnade freiwillig abgelehnt und wäre verloren gegangen. Muss Er eine dieser menschenarmen Welten einer Welt vorziehen, in denen Menschenmengen dem Evangelium glauben und errettet werden, obwohl das bedeutet, dass andere Menschen freiwillig Seine Gnade ablehnen und verloren gehen? Das ist überhaupt nicht sicher. Solange Gott ausreichende Gnade für die Errettung aller Menschen anbietet, die Er erschafft, scheint Er nicht weniger liebend zu sein, wenn Er eine bevölkerungsreichere Welt vorzieht, obwohl das bedeutet, dass einige Menschen allen Seinen Anstrengungen, sie zu retten, freiwillig widerstehen und verdammt werden würden. Somit ist auch die zweite Annahme des Pluralisten nicht notwendigerweise wahr, so dass sich dieses Argument als doppelt irrig erweist.
So scheint keine der Annahmen des Pluralisten notwendigerweise wahr zu sein. Wenn der Pluralist keine anderen Prämissen vorschlagen kann, haben wir keinen Grund anzunehmen, dass (1) und (2) logisch unvereinbar sind. Aber wir können das Argument noch eine Stufe weiter treiben. Wir können deutlich zeigen, dass es durchaus möglich ist, dass Gott allmächtig und allliebend ist und dass doch viele Menschen nie das Evangelium hören und verloren gehen. Wir müssen nur eine eventuell wahre Aussage finden, die damit vereinbar ist, dass Gott allmächtig und allliebend ist, und die mit sich bringt, dass einige Menschen nie das Evangelium hören und verloren gehen. Kann eine solche Aussage formuliert werden? Mal sehen.
Als guter und liebender Gott will Gott, dass so viele Menschen wie möglich gerettet werden und so wenige wie möglich verloren gehen. Sein Ziel ist es also, ein optimales Zahlenverhältnis zwischen diesen Gruppen zu erreichen und nicht mehr Verlorene zu erschaffen als es nötig ist, um eine bestimmte Anzahl von Geretteten zu erhalten. Aber es ist möglich, dass die tatsächliche Welt (welche die zukünftige sowie die gegenwärtige und vergangene enthält) solch ein Zahlenverhältnis aufweist. Es ist möglich, dass Gott eine bestimmte Anzahl von Menschen erschaffen musste, die verloren gehen, um so viele Menschen wie möglich zu erschaffen, die gerettet werden. Hätte Gott eine Welt geschaffen, in der weniger Menschen in die Hölle gehen, wären möglicherweise noch weniger in den Himmel gekommen. Es ist möglich, dass Gott eine Menge an Sündern akzeptieren musste, um eine Menge von Heiligen zu bekommen.
Es könnte eingewandt werden, dass ein allliebender Gott keine Menschen erschaffen würde, von denen er weiß, dass sie verloren gehen, die aber gerettet worden wären, wenn sie nur das Evangelium gehört hätten. Aber wie wissen wir, dass es solche Leute überhaupt gibt? Es ist vernünftig anzunehmen, dass viele Menschen, die nie das Evangelium hören, nicht dem Evangelium geglaubt hätten, selbst wenn sie es gehört hätten. Nehmen wir nun an, dass Gott in Seiner Vorsehung die Welt so geordnet hat, dass alle Personen, die nie das Evangelium hören, genau diese Leute sind. In diesem Fall hätte jeder, der nie das Evangelium hört und verloren geht, das Evangelium abgelehnt und wäre verloren gegangen, selbst wenn er es gehört hätte. Niemand könnte am Tag des Jüngsten Gerichts vor Gott stehen und sich beschweren: “Gut, Gott, ich habe also nicht auf Deine allgemeine Offenbarung in der Natur und im Gewissen reagiert! Aber wenn ich nur das Evangelium gehört hätte, dann hätte ich ihm geglaubt!” Denn Gott wird sagen: “Nein, ich wusste, dass du dem Evangelium nicht geglaubt hättest, selbst wenn du es gehört hättest. Deswegen ist es weder unfair noch lieblos von mir, dass ich dich auf der Grundlage der Natur und des Gewissens verurteile.“
Somit ist es möglich, dass:
5. Gott eine Welt geschaffen hat, welche ein optimales Zahlenverhältnis zwischen Geretteten und Verlorenen aufweist, und diejenigen, die nie das Evangelium gehört haben und verloren gehen, hätten ihm nicht geglaubt, selbst wenn sie es gehört hätten.
Solange (5) auch nur wahr sein kann, zeigt dies, dass es keine Unvereinbarkeit zwischen einem allmächtigen, allliebenden Gott und der Tatsache gibt, dass einige Leute das Evangelium nie hören und verloren gehen.
Auf dieser Basis sind wir nun in der Lage, mögliche Antworten auf die drei schwierigen Fragen anzubieten, welche diese Untersuchung ausgelöst haben. Wir behandeln sie in umgekehrter Reihenfolge.
(i) Warum hat Gott nicht eine Welt geschaffen, in der jeder freiwillig dem Evangelium glaubt und gerettet wird?
Antwort: Es ist vielleicht nicht durchführbar, dass Gott eine solche Welt erschafft. Wenn eine solche Welt machbar wäre, hätte Gott sie geschaffen. Aber da Er freie Geschöpfe erschaffen wollte, musste Gott es akzeptieren, dass einige Ihn und alle Seine Bemühungen freiwillig ablehnen und verloren gehen würden.
(ii) Warum hat Gott überhaupt die Welt geschaffen, wenn Er doch wusste, dass so viele Leute dem Evangelium nicht glauben und verloren gehen würden?
Antwort: Gott wollte in Liebe und Gemeinschaft mit erschaffenen Personen verbunden sein. Er wusste, das würde bedeuten, dass viele Ihn freiwillig ablehnen und verloren gehen würden. Aber er wusste auch, dass viele Andere Seine Gnade freiwillig annehmen und errettet werden würden. Das Glück und die Seligkeit der Menschen, die Seine Liebe freiwillig annehmen würden, sollte nicht verhindert werden durch diejenigen, die Ihn freiwillig von sich weisen würden. Leute, die freiwillig Gott und Seine Liebe ablehnen würden, sollten in der Tat kein Vetorecht darüber haben, welche Welten Gott nach Seinem freien Willen erschaffen kann. In Seinem Erbarmen hat Gott die Welt in Seiner Vorsehung so angeordnet, dass ein optimales Verhältnis zwischen Geretteten und Verlorenen erreicht wird, indem die Anzahl derjenigen, die Ihn freiwillig annehmen, maximiert und die Anzahl derjenigen, die das nicht tun, minimiert wird.
(iii) Warum hat Gott das Evangelium nicht zu Leuten gebracht, von denen Er wusste, dass sie es annehmen würden, wenn sie es hören, obwohl sie das Licht der allgemeinen Offenbarung ablehnen, das sie tatsächlich haben?
Antwort: Solche Leute gibt es nicht. Gott hat in Seiner Vorsehung die Welt so angeordnet, dass diejenigen, die dem Evangelium folgen würden, wenn sie es hören, es auch wirklich hören. Der souveräne Gott hat die Geschichte der Menschheit so geordnet, dass Er dem Evangelium von seiner Ausbreitung aus dem Palästina des ersten Jahrhunderts an Leute auf seinen Weg stellte, die glauben würden, wenn sie es hören. Sobald das Evangelium ein Volk erreicht, platziert Gott in Seiner Vorsehung dort Leute, von denen Er wusste, dass sie ihm folgen würden, wenn sie es hören. In Seiner Liebe und in Seinem Erbarmen stellt Gott sicher, dass niemand, der dem Evangelium glauben würde, wenn er es hört, zu einer Zeit und in einem Ort in der Geschichte geboren wird, die es ihm nicht erlauben würden, es zu hören. Diejenigen, die auf die allgemeine Offenbarung Gottes in der Natur und im Gewissen nicht reagieren und nie das Evangelium hören, würden nicht folgen, wenn sie es hören würden. Somit geht niemand wegen historischer oder geographischer Zufälle verloren. Jeder, der gerettet werden will oder wollen würde, wird gerettet werden.
Das sind nur mögliche Antworten auf die Fragen, die wir gestellt haben. Aber solange sie auch nur möglich sind, zeigen sie, dass es keine Unvereinbarkeit zwischen der Realität des allmächtigen und allliebenden Gottes und der Tatsache gibt, dass es einige Leute gibt, die nie das Evangelium hören und verloren gehen. Außerdem sind die Antworten attraktiv, weil sie auch sehr biblisch zu sein scheinen. In seiner Freiluftansprache an die Athener Philosophen, die auf dem Areopag versammelt waren, erklärte Paulus:
“Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, ist der Herr des Himmels und der Erde, … da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir … “ (Apg. 17,24-28).
Das klingt genauso wie die Schlussfolgerungen, auf die ich durch rein philosophische Überlegung zu dieser Frage gekommen bin!
Nun räumt der Pluralist vielleicht ein, dass die Tatsache, dass Gott allmächtig und allliebend ist, logisch vereinbar ist mit der Tatsache, dass einige Leute das Evangelium nie hören und verloren gehen, besteht jedoch darauf, dass diese zwei Gegebenheiten dennoch in Bezug zueinander unwahrscheinlich sind. Die Menschen scheinen im Großen und Ganzen an die Religion derjenigen Kultur zu glauben, in der sie aufgewachsen sind. Aber in diesem Fall, so könnte der Pluralist argumentieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass wenn viele von denen, die nie das Evangelium hören, in einer christlichen Kultur aufgewachsen wären, sie dem Evangelium geglaubt hätten und gerettet worden wären. Somit ist die Hypothese, die wir vorgeschlagen haben, sehr unwahrscheinlich.
Nun wäre es wirklich äußerst unwahrscheinlich, dass es sich allein durch Zufall so einfach ergibt, dass diejenigen, die nie das Evangelium hören und verloren gehen, dem Evangelium nicht geglaubt hätten, selbst wenn sie es gehört hätten. Aber das ist nicht die Hypothese. Die Hypothese besagt, dass Gott in Seiner Vorsehung die Welt so angeordnet hat. Da Gott weiß, wie jeder Mensch freiwillig auf Seine Gnade reagieren würde, in welche Umstände Gott ihn auch stellen mag, ist es überhaupt nicht unglaubwürdig, dass Gott die Welt in der beschriebenen Art und Weise geordnet hat. Solch eine Welt würde nach außen gar nicht anders aussehen als eine Welt, in der die Umstände der Geburt eines Menschen eine Sache des Zufalls sind. Der Partikularist kann zugestehen, dass die Menschen im Allgemeinen die Religion ihrer Kultur annehmen und dass viele von denen, die in nichtchristlichen Kulturen hineingeboren sind, nominelle oder kulturelle Christen geworden wären, wenn sie stattdessen in einer christlichen Gesellschaft geboren wären. Aber das bedeutet nicht, dass sie errettet worden wären. Es ist eine einfache empirische Tatsache, dass es keine psychologischen oder soziologischen Merkmale gibt, wodurch sich die Personen, die Christen werden, von denen unterscheiden, die es nicht werden. Es gibt keine Möglichkeit, durch Untersuchung einer Person genau vorherzusagen, ob und unter welchen Umständen diese Person an Christus glauben und errettet werden würde. Da eine Welt, die durch die Vorsehung Gottes geordnet ist, äußerlich identisch erschiene mit einer Welt, in der die Geburt einer Person ein historischer und geographischer Zufall ist, ist es schwierig zu sehen, wie die Hypothese, die ich verteidigt habe, als unwahrscheinlich angesehen werden kann, außer es könnte nachgewiesen werden, dass die Existenz eines Gottes mit einer solchen Kenntnis nicht plausibel ist. Und mir sind keine solchen zwingenden Einwände bekannt.
Wir schließen nun daraus, dass Pluralisten keine logischen Widersprüche im christlichen Partikularismus aufzeigen konnten. Im Gegenteil haben wir nachweisen können, dass eine solche Position logisch kohärent ist. Ja, ich denke sogar, dass eine solche Ansicht nicht nur möglich, sondern auch plausibel ist. Deshalb widerlegt die Tatsache der religiösen Vielfalt der Menschheit nicht die Wahrheit des christlichen Evangeliums, dass Errettung nur durch Christus allein möglich ist.
In der Tat denke ich, dass das, was ich gesagt habe, denen unter uns, die Christen sind, zu einer richtigen Sicht über christliche Mission verhilft: Es ist unsere Pflicht als Christen, das Evangelium der ganzen Welt zu verkündigen und darauf zu vertrauen, dass Gott in Seiner Vorsehung die Dinge so geordnet hat, dass die Gute Nachricht durch uns zu den Leuten kommt, von denen Gott wusste, dass sie es annehmen würden, wenn sie es hören. Unser Mitleid mit den Menschen in anderen Weltreligionen kommt nicht dadurch zum Ausdruck, dass wir so tun, als ob sie nicht ohne Christus verloren wären, sondern indem wir jede Bemühung unterstützen und selbst keine Mühe scheuen, um ihnen die lebensspendende Botschaft von Christus mitzuteilen.
Und für die unter uns, die noch keine Christen sind, gilt es sich zu fragen: Bin ich heute einfach aus Zufall hier? Habe ich diese Botschaft nur zufällig gehört? Gibt es keinen Grund oder Zweck, warum ich hier bin? Oder könnte es sein, dass Gott in Seiner Vorsehung mich nach meinem eigenen freien Willen hierher gezogen hat, damit ich die Gute Nachricht Seiner Liebe und Vergebung höre, die Er mir durch Christus anbietet? Wenn ja, wie werde ich antworten? Er hat mir eine Gelegenheit gegeben. Werde ich sie nutzen oder werde ich Ihm wiederum die kalte Schulter zeigen und Ihn aus meinem Leben heraushalten? Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
William Lane Craig
(Übers.: G. Jahnke)
Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/how-can-christ-be-the-only-way-to-god