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#284

June 10, 2018
F

Sehr geehrter Prof. Craig,

zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ich persönlich Sie und Ihre Arbeit bewundere und Ihnen gerne erst einmal dafür danken möchte, dass Sie mich dazu geführt haben, meinen Glauben an Gott zurückzugewinnen.

Ich möchte ebenfalls sagen, dass ich ein katholischer homosexueller Mann bin, der in England lebt. Nachdem ich Ihren Podcast über das Thema „Christ und homosexuell sein“ gehört habe, kann ich nicht umhin, mitzuteilen, dass ich Probleme und in der Tat einige Fragen dazu habe.

Die Ausführung der Verbote homosexueller Handlungen, die in den Moralgesetzen des Alten Testamentes zu finden sind, habe ich völlig verstanden. Außerdem verstehe ich den Gedanken, dass die Vorstellung zweier solcher homosexuellen Männer als „verheiratet“ die Struktur der Ehe, wie sie in der Bibel beschrieben wird, verdrehen würde.

Ich zitiere Ihre Aussage, dass wir “ein keusches Leben führen müssen”, um nicht die moralische Sünde der homosexuellen Handlung zu begehen. Und ich kann verstehen, dass dies das Argument ist, welches von vielen, wenn nicht allen Christen zu diesem Thema vorgebracht würde, aber was ich nicht verstehen kann, ist der Gedanke, dass alle homosexuellen Männer – und ich würde annehmen auch Frauen – gezwungen sein müssen, ein solches Leben zu führen und keinerlei Sexualität zu genießen. Dies ist natürlich durch die Tatsache begründet, dass Sexualität innerhalb der Grenzen der Ehe existiert. Weiterhin zitiere ich, dass Sie auf die Frage nach dem sexuellen Drang von Männern als Antwort zurückfragten: „Welcher Mann hat den nicht?“

Dies trifft offensichtlich auch auf homosexuelle Männer zu und auf mich insbesondere, der ich gegenwärtig auf dem Campus der Universität lebe und somit in einem Alter bin, wo ich beinahe beständig an Sexualität denke, was es für mich extrem schwierig macht, dieses Verbot mit meinem Glauben auszugleichen, insbesondere wenn ich es sowohl als vollkommen in Ordnung empfinde, ein Homosexueller zu sein als auch mich kaum dafür schäme zu sagen, dass ich die Handlung genieße. Was soll ich also in einer solchen Situation tun, um meinen Glauben an Gott treu zu sein? Den Rest meines Lebens enthaltsam bleiben, sodass ich etwas meide, was mir gefällt, und eine Orientierung habe, mit der ich ohne Sexualität leben kann?

Als weiterer Punkt wäre die Vorstellung von Monogamie innerhalb der Gemeinschaft von Homosexuellen zu nennen. Da ich davon selbst Zeuge bin, weiß ich ganz gewiss, dass so etwas existiert. Es ist in der Tat etwas, was ich für mein Leben suche. Ich möchte von der Promiskuität weg. Und dann ist da die Vorstellung von Liebe. Wenn ich eine Person gleichen Geschlechts lieben soll und mich dann um eine monogame Beziehung bemühe und sie schließlich erhalte, müssen wir uns dann immer noch der Handlung enthalten, obwohl wir verliebt sind und unverheiratet, aber fast gleich leben wie ein heterosexuell verheiratetes Paar?

Das ist ziemlich wichtig für mich, Prof. Craig, und ich wäre unglaublich dankbar, wenn Sie mir in diesem Kampf um ein Gleichgewicht zwischen Leben/Sexualität und Glaube helfen könnten, da ich dies als die einzige Hürde betrachte, an meiner Kirche festzuhalten.

Danke,

Haydn

United Kingdom

Prof. Craigs Antwort


A

Es freut mich so zu hören, dass Sie zum christlichen Glauben zurückgekommen sind, Hayden! Aus Ihrem Brief entnehme ich jedoch, dass Ihre christliche Jüngerschaft noch nicht konsequent ist, da Sie unverheiratet sind und dennoch offenbar sexuell aktiv. Die Schrift warnt vor solchem Verhalten in nicht unklaren Worten (1 Kor 6,9-10). Ein keusches Leben als eine alleinstehende Person zu führen, ist ein Teil der christlichen Jüngerschaft, egal, ob man heterosexuell oder homosexuell orientiert ist. Gott erwartet nicht mehr von Ihnen, als von jedem anderen alleinstehenden jungen Mann: sich von sexueller Aktivität zu enthalten und Ihr Gedankenleben rein zu halten.

Schauen Sie auf den Herrn Jesus als Ihr Vorbild. Er war ein Mensch von Fleisch und Blut wie wir und empfand sexuelle Bedürfnisse, genauso wie wir es tun, aber er lebte in der Kraft des Heiligen Geistes ein reines Leben vor Gott. Als seine Jünger sollen wir seinem Beispiel folgen.

Was also sollten Sie tun? Zuallererst müssen Sie Ihr Denken mit dem Denken Gottes in Einklang bringen. Wenn Sie sagen, Sie betrachten homosexuell zu sein als „völlig in Ordnung“, bin ich nicht sicher, ob Sie über Ihre Orientierung oder die Aktivität sprechen. Ich stimme mit Ihnen überein, dass es keine Sünde ist, eine homosexuelle Orientierung zu haben. Das ist vermutlich etwas, was Sie sich nicht gewählt haben, und wofür Sie nicht verantwortlich sind.

Aber Sie können wählen, wie Sie handeln, und sind dafür verantwortlich. Die Bibel ist eindeutig darin, dass sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe unmoralisch sind und deshalb gemieden werden sollen. Es ist unmöglich, etwas zu widerstehen, was Sie als eine angenehme Aktivität empfinden, wenn Sie diese Aktivität für vollkommen in Ordnung halten. So müssen Sie daran denken, dass Sünde Gott ein Gräuel ist, Ihre Gemeinschaft mit Ihm unterbricht und Sie wegführt, weg von Seinem Willen und in Fallen hinein. Sie müssen auf dem geraden und engen Pfad bleiben, um Unglück zu vermeiden. Wenn wir daran denken, dass Sünde eine Beleidigung für unseren Himmlischen Vater ist, der uns liebt und Seinen Sohn gesandt hat, um für uns zu sterben, kann uns diese nüchterne Erkenntnis Stärke geben, auf dem Weg zu bleiben.

Zweitens, ich würde Sie ermutigen, einen christlichen Seelsorger aufzusuchen, um Hilfe für die Bewältigung Ihrer homosexuellen Orientierung zu finden. Sie mögen vielleicht niemals Ihre homosexuellen Bedürfnisse ganz loswerden, aber das Zeugnis von vielen Personen wie Ihnen selbst, die Hilfe gesucht haben, besagt, dass man seine Orientierung zu einem beträchtlichen Grad neu formen kann. Es gibt Hoffnung auf Veränderung.

Drittens sollten Sie darauf hoffen, ein christliches Mädchen zu heiraten, das Gott für Sie vorgesehen hat. Sie müssen kein Leben sexueller Abstinenz führen. Selbst wenn homosexuelle Wünsche noch teilweise bleiben, können Sie durch die Ehe sexuelle Beziehungen mit einer Person des anderen Geschlechtes genießen. Vergessen Sie die unbiblische Vorstellung, einen anderen Mann zu finden, mit dem Sie eine monogame Liebesbeziehung aufbauen können. Das ist nicht nur eine Fantasie, die Sie nur zu Herzenskummer und tiefer Enttäuschung führen wird, sondern, was wichtiger ist, es steht im Gegensatz zu Gottes Willen für Ihr Leben, wie wir aus der Schrift wissen. Warum sollte irgendein Nachfolger Christi seinen vollkommenen Willen missachten (Röm 12,1-2) und sich dafür entscheiden, sich seinen eigenen Weg im Gegensatz zu Gottes Willen zurechtzuzimmern? Ja, wie könnte eine solche Person in Wahrheit als ein Nachfolger Christi bezeichnet werden, da er einen anderen Weg verfolgt als den Weg Christi?

Schließlich, Haydn, stellen Sie sicher, dass Ihre Rückkehr zum christlichen Glauben mehr war als nur eine intellektuelle Gesinnungsänderung. Zum Glauben an die Wahrheit der Ansprüche des Christentums zu kommen, ist wesentlich, aber eine wahrhaftige Bekehrung ist weit mehr als nur eine intellektuelle Veränderung. Sie müssen sicher sein, dass Sie die erneuernde Kraft Gottes in Ihrem Leben erfahren haben. Nur durch die Kraft des innewohnenden Heiligen Geistes können wir hoffen, ein heiliges und Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Allein in der Kraft unserer gefallenen menschlichen Natur gelebt, würden die Ansprüche der christlichen Nachfolge unerträglich und lästig werden. Wir müssen täglich aus der Kraft des Heiligen Geistes schöpfen, wenn wir als Christen siegreich und freudig leben wollen.

(Übers.: B. Currlin)

Link to the original article in English: /writings/question-answer/what-should-homosexual-christians-do

- William Lane Craig