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March 11, 2018Sehr geehrter Prof. Craig,
Ich habe neulich Ihr Buch On Guard durchgearbeitet und hatte eine Frage in Bezug auf das Moral-Argument (dessen Verwendung ich auch schon von Ihnen in einigen Ihrer Debatten gehört hatte). Ich habe es meist in folgender Ausführung gesehen:
1. Wenn Gott nicht existiert, existieren auch keine objektiven moralischen Werte und Pflichten.
2. Objektive moralische Werte und Pflichten existieren.
3. Also existiert Gott.
Im Grunde finde ich, dass dieses Argument, obwohl es eine Rolle in unseren Diskussionen mit Atheisten und anderen Weltanschauungen spielt, kein wirklicher Beleg für Gottes Existenz zu sein scheint, sondern vielmehr eine Implikation seiner Existenz. Ein Atheist kann sagen, dass die Moral (auch wenn sie subjektiv ist) sich aus biologischen und soziologischen Einflüssen hin zu dem entwickelt hat, was wir nun als „richtig und falsch“ betrachten. Auch wenn die Diskussion darüber, wie wir Moral erkennen, nichts über die Ontologie der Moral aussagt, schiene es, dass der einzige Weg, wie ein Theist zeigen kann, dass ein objektiver moralischer Standard existiert, der ist, zu beweisen (oder eine größere Wahrscheinlichkeit durch Indizien dafür zu liefern), dass Gott existiert.
Dies ist deshalb so, weil das Gespräch sich fast immer von der Ontologie der Moral zur Epistemologie der Moral bewegt. Es schiene, als sei der einzige Weg weiterzukommen der, zu bestimmen, welche Weltanschauung wahr ist. Meine Sorge mag in meiner eigenen Unwissenheit gründen, aber das moralische Argument erscheint mir als eine Einbahnstraße dadurch, dass man, indem man zeigt, dass Gott existiert, objektive Moral existiert. Diese Gedankenlinie jedoch umgekehrt zu verfolgen, erweist sich als zunehmend schwierig, ohne auf Gott hinzuweisen, da beide Seiten eine Erklärung dafür bieten können, wie wir zu einem Verständnis von Moral kommen – was wiederum nichts über die subjektive oder objektive Natur von Moral aussagt.
Ich finde, dass das Moral-Argument dabei hilft, die Kosten beider Ideologien zu überschlagen, oder, wie Sie in Ihrem Buch sagten, „das, was auf dem Spiel steht“. Aber ich finde nicht, dass die „Kosten“ ein Grund sein sollten, etwas als wahr zu akzeptieren, da unsere Vorliebe oder Abneigung gegenüber einer Wahrheit keinen Einfluss auf diese Wahrheit hat. Ich nehme an, mein Punkt ist der: Objektive Werte zu verwenden, um zu zeigen, dass Gott existiert und dann Gott zu verwenden, um zu zeigen, dass objektive Werte existieren, scheint mir eine zirkuläre Argumentation zu sein. Können wir das Moral-Argument, so wie es oben vorliegt, als echten Beleg für Gottes Existenz verwenden? Und, wenn ja, wie „beweisen“ wir oder geben wir Indizien für objektive Moral, außer auf Gott hinzuweisen?
Corey
United States
Prof. Craigs Antwort
A
Corey, Ihre Frage lautet im Grunde, ob das Moral-Argument, so wie ich es formuliert habe, nicht fragwürdig ist, da die einzige Rechtfertigung, um an die Wahrheit von Prämisse (2) zu glauben, der Glaube an die Existenz Gottes sei, was die Schlussfolgerung des Argumentes ist. Somit würde man in einem Zirkelschluss argumentieren.
Ich erwidere, dass das Argument nicht fragwürdig ist, da die Rechtfertigung, die ich für den Glauben an moralische Werte und Pflichten biete, nicht Gott ist, sondern die moralische Erfahrung (vgl. On Guard, S. 150-152). Dass ein solcher Appell nicht fragwürdig ist, sollte aus der Tatsache deutlich werden, dass die Mehrheit der Nicht-Theisten, einschließlich der Atheisten, an die Wahrheit von Prämisse (2) genau auf dieser Grundlage glauben.
Louise Antony, die selbst eine Nicht-Theistin ist, hat das in unserer Debatte vor ein paar Jahren an der Antony University in Massachusetts so gut ausgedrückt: Jegliches Argument für moralischen Skeptizismus wird auf Prämissen gründen, die weniger offensichtlich sind, als die Existenz objektiver moralischer Werte selbst. Das erscheint mir ziemlich richtig. Darum ist moralischer Skeptizismus nicht zu rechtfertigen.
Der humanistische Philosoph Peter Cave nennt folgendes Beispiel:
„Welches skeptische Argument auch immer gegen unsere Überzeugung vorgebracht werden mag, dass das Töten von Unschuldigen moralisch falsch ist, wir sind uns gewisser, dass das Töten moralisch falsch ist, als dessen, dass das Argument solide ist … Ein unschuldiges Kind rein aus Spaß zu töten, ist moralisch falsch. Punkt.“[1]
In der moralischen Erfahrung treffen wir auf objektive moralische Werte und Pflichten, und somit ist es ohne Widerlegung dieser Überzeugung vollkommen rational, daran festzuhalten. Moralischer Realismus ist die Standardposition, und der moralische Skeptiker muss eine sehr kräftige Widerlegung bieten, um sie zu besiegen.
Man kann dasselbe auf andere Art und Weise sagen, indem man, wie William Sorley (On Guard, S. 136) unsere Vorahnung auf dem moralischen Gebiet mit unserer Vorahnung auf dem physischen Gebiet vergleicht. Genauso wie wir nicht aus unseren moralischen Wahrnehmungen heraus können, um zu versuchen, sie zu rechtfertigen, so können wir nicht aus unseren Sinneswahrnehmungen heraustreten, um zu versuchen, sie zu rechtfertigen. Genauso wie wir, bei einer fehlenden Widerlegung, unseren Sinneswahrnehmungen trauen, dass es einen Bereich objektiv existierender physischer Objekte um uns herum gibt, so vertrauen wir unseren moralischen Wahrnehmungen, dass es einen objektiv existierenden Bereich moralischer Werte und Pflichten gibt.
Für jedes Argument zugunsten des Skeptizismus in Bezug auf moralische Wahrnehmungen, könnten wir ein paralleles Argument zugunsten des Skeptizismus in Bezug auf unsere sinnlichen Wahrnehmungen vorbringen. Aber man müsste verrückt sein, um die Wahrhaftigkeit unserer sinnlichen Wahrnehmungen eines Bereiches objektiv existierender physischer Objekte anzuzweifeln. Gleicherweise sollten wir, bis man uns eine Widerlegung bietet, unseren moralischen Wahrnehmungen eines Bereiches objektiv existierender Werte und Pflichten trauen.
Nun, wie gesagt, das ist keine theistische Rechtfertigung des Glaubens an objektive moralische Werte und Pflichten. Das ist die Art, wie nahezu jeder moralische Realist seinen Glauben an die Objektivität von Werten und Pflichten rechtfertigt. Es besteht hier kein Zirkelschluss.
Auf jeden Fall würde ich Sie ermutigen, Ihren Gesprächspartner einfach zu fragen, ob er an einige objektive moralische Werte und Pflichten glaubt. Fragen Sie ihn, was er über Beispiele moralischer Grausamkeiten denkt. Selbst, wenn der Nichtgläubige keine Rechtfertigung für den Glauben an Prämisse (2) hat, solange wie er an die Prämisse (2) tatsächlich glaubt, geht das Argument durch. Da fast jeder glaubt, dass (2) wahr ist, konzentriert sich die Debatte wirklich auf (1). Der Nichtgläubige wird erklären müssen, wie objektive moralische Werte und Pflichten in einer Welt ohne Gott als absoluten Maßstab und Gesetzesgeber existieren können.
Sie müssen der Neigung entschieden widerstehen, moralische Ontologie mit moralischer Epistemologie zu vermischen. Wenn der Nichtgläubige versucht, das Gespräch in Richtung Epistemologie zu lenken, müssen Sie die Unterhaltung wieder zurück auf die Spur führen. Es ist einfach irrelevant, dass, wie Sie es ausdrücken, „beide Seiten eine Erklärung dafür bieten können, wie wir zu einem Verständnis von Moral kommen.“ Sie könnten mit allem, was der Nichtgläubige darüber sagt, übereinstimmen: Wir kommen zu einem Verständnis von Moral durch biologische Evolution, gesellschaftliche Konditionierung, den Einfluss der Eltern usw., usw. All das ist irrelevant für die Frage, ob objektive moralische Werte und Pflichten existieren, wie Sie selbst bemerken.
Natürlich, der Nichtgläubige mag die sozio-biologische Darstellung als eine vermeintliche Widerlegung von (2) darbieten. In diesem Fall müssen Sie darauf eingehen. Aber ich gehe auf zwei Versionen dieses Einwandes in meinem Buch On Guard ein (vgl. S. 148-150; 153-154). Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken, was ich dort sage.
Schließlich, wenn ich über die Kosten der Leugnung der Prämissen eines theistischen Argumentes spreche, dann spreche ich über die intellektuellen Kosten. Ein entschiedener Skeptiker kann immer die Schlussfolgerung eines Argumentes leugnen, einfach indem er eine der Prämissen verneint. (Das ruft mir eine Beobachtung Alvin Plantingas in Erinnerung: Man kann jemanden von Erkenntnis zur Unwissenheit zurückführen, indem man ihm ein gültiges Argument anbietet, das auf Prämissen gründet, von denen er weiß, dass sie wahr sind, um dann zu einer Schlussfolgerung zu kommen, die er einfach nicht akzeptieren will!)
Sie wollen den intellektuellen Preis für den Atheismus so hoch wie möglich treiben, in der Hoffnung, der Nichtgläubige wird zu der Erkenntnis kommen, dass der Preis einfach zu hoch ist, dass es seine intellektuelle Integrität kompromittieren würde, seinen Atheismus angesichts des Argumentes aufrecht zu erhalten. Das ist die Vorgehensweise einer guten Argumentation.
(Übers.: B. Currlin)
Link to the original article in English: /writings/question-answer/justification-of-the-moral-arguments-second-premiss
[1] Peter Cave, Humanism (Oxford: OneWorld, 2009), p. 146. Mit Dank an Peter S. Williams für diesen Verweis.
- William Lane Craig