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#158

November 1, 2016
F

Frage 1:

Sehr geehrter Prof. Craig,

nur eine kurze und triviale Frage: Kaufen Leute tatsächlich die Markenbekleidung und Produkte mit RF-Logo, die Sie über Ihre Webseite verkaufen? Ich schätze Ihre Arbeit sehr und das ist eine meiner Lieblingswebseiten, aber ich finde die Vorstellung komisch, einen Arbeitskittel zur Unterstützung meines Lieblingsapologeten zu kaufen. Es wäre so, als würde man ein Strandlaken mit dem Gesicht von Alvin Plantinga benutzen!

Vielleicht als Beweis dafür, dass Leute tatsächlich die Produkte kaufen: Könnten Sie Ihre Leser bitten, Fotos von sich zu schicken, auf denen sie Produkte aus Ihrem Angebot tragen?

Gott segne Sie in allem, was Sie tun,

Philip

 

Frage 2:

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich habe eine Frage über die Wiederkunft Christi und die Kosmologie. Ich stelle fest, dass viele Pastoren und Theologen es vermeiden, über das zweite Kommen Christi zu sprechen, vermutlich weil sie befürchten, dass es modernen kosmologischen Voraussagen widerspricht. Einige, wie John Polkinghorne, sprechen sich klar für die Wiederkunft aus, scheinen aber sehr vage zu bleiben, wie sie in Zeit und Raum geschehen wird. Aber könnte die ganze Frage nicht unter der Berufung auf ceteris paribus geklärt werden?

Nehmen wir zum Beispiel folgende Voraussage als wahr an: Das Universum wird sich noch über Milliarden Jahre hinweg zu einem Zustand maximaler Entropie ausdehnen. Sollte dies nicht, streng genommen, so verstanden werden: Setzt man den aktuellen Wissensstand voraus, gilt unter sonst gleichen Bedingungen die Voraussage, dass das Universum sich in dieser Weise ausdehnen wird? Doch wenn das so ist, hebt das nicht den vermeintlichen Widerspruch auf? Ich meine, wenn Christus eines Tages wieder die Bühne der menschlichen Geschichte betritt (wie wir glauben) und die vorausgesagten kosmologischen Ereignisse tatsächlich nicht eintreten, würde dies gewiss nicht bedeuten, dass die Voraussage falsch gewesen wäre. Wäre es nicht einfach so, dass Gottes Sendung Christi zu den Dingen gehören würde, die nicht gleich geblieben sind, und dass die Voraussage immer noch wahr wäre, weil sie richtig vorhergesagt hätte, was geschehen wäre, wenn Gott nicht beschlossen hätte zu handeln? Meine Fragen lauten also: 1) Halten Sie solche Begründungen für nützlich? und 2) Kennen Sie jemand, der in dieser Richtung argumentiert?

Vielen Dank.

In Christus Jesus verbunden,

Julian

United States

Prof. Craigs Antwort


A

Gewiss fragen Sie sich, was in aller Welt Produkte mit RF-Logo denn mit Eschatologie zu tun haben! Die Antwort lautet: gar nichts! Philips Frage gibt mir einfach die Gelegenheit, ohne Scham für dieses Element unserer Webseite zu werben. Wenn Sie auf Gear klicken, werden Sie feststellen, dass man alles mögliche mit einem Aufdruck des Reasonable Faith-Logos kaufen kann. Wenn wir unsere Sponsoren zu einem Dinner einladen, verschenken wir T-Shirts und Baseball-Kappen (ich empfehle die Khaki-Version mit roten Nähten!) mit dem Reasonable Faith-Logo. Ich trage verschiedenfarbige Poloshirts, die mit dem Logo in einer Kontrastfarbe bestickt sind. Da viele Leute meinen, „Reasonable Faith“ (vernünftiger Glaube) sei ein Widerspruch in sich, bieten solche Hemden und Kappen eine Gelegenheit, über den Glauben zu sprechen, wenn jemand darauf angesprochen wird. Und bei den Kleidungsstücken, die unser Lieferant führt, sind zwei Top-Marken vertreten, sodass sie sehr schön sind.

Um Ihre Frage zu beantworten, Philip: Nicht viele Personen haben bisher dieses Angebot der Webseite genutzt. Betrachten Sie es nicht als Unterstützung für Ihren Lieblingsapologeten (obwohl ich zugeben muss, dass ich gern ein Strandlaken mit dem Gesicht von Alvin Plantinga hätte!). Es fördert Reasonable Faith, nicht mich – mein Name erscheint nirgendwo. Ich denke, diese Artikel dienen dazu, die Webseite und den Dienst bekannt zu machen, Gesprächsanlässe zu bieten und bei den Mitgliedern lokaler Reasonable Faith-Gruppen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu fördern – und sind dazu noch wirklich schick!

Also gut; nun zu der zweiten, seriöseren Frage: Schauen Sie sich meinen Artikel „Time, Eternity, and Eschatology“ im Bereich Scholarly Articles: Christian Doctrines auf dieser Webseite an, Julian. Wie ich dort erkläre, ist Eschatologie nicht mehr ausschließlich ein Fachgebiet der Theologie, sondern hat sich in den letzten etwa fünfundzwanzig Jahren zu einem neuen Zweig der Kosmologie (dem Studium der großangelegten Struktur und Geschichte des Universums) entwickelt, und zwar als eine Art Spiegelbild der Kosmogonie, jenem Zweig der Kosmologie, der sich mit dem Ursprung des Universums befasst. So wie die physikalische Kosmogonie zeitlich zurückblickt, um die Geschichte des Kosmos aufgrund von Indizien aus der Vergangenheit und von Naturgesetzen nachzuerzählen, so blickt die physikalische Eschatologie zeitlich voraus, um die Zukunft des Kosmos aufgrund der gegenwärtigen Bedingungen und der Naturgesetze vorauszusagen.

Wie Sie feststellen, zeichnet die physikalische Eschatologie ein sehr düsteres und ganz anderes Bild der Zukunft als die theologische Eschatologie. Das wahrscheinlichste Szenario, wenn man von gegenwärtigen wissenschaftlichen Belegen ausgeht, ist, dass das Universum nicht aufhören wird zu expandieren. Dabei werden die Sterne irgendwann ausbrennen und die Galaxien dunkel werden. Etwa 1015 Jahre nach dem Urknall wird der größte Teil der baryonischen Masse des Universums aus degenerierten Stellarobjekten bestehen, wie braunen Zwergen, weißen Zwergen, Neutronensternen und schwarzen Löchern. Die Elementarteilchenphysik geht davon aus, dass Protonen nach etwa 1037 Jahren in Elektronen und Positronen zerfallen werden, die den Raum mit einem so stark verdünnten Gas füllen werden, dass die Distanz zwischen zwei Partikeln etwa der Größe der gegenwärtigen Milchstraße entsprechen wird. Nach etwa 10100 Jahren, zu Beginn der sogenannten Dunklen Ära, werden die schwarzen Löcher selbst sich vermutlich aufgelöst haben. Die Masse des Universums wird nichts als ein kaltes, dünnes Gas von Elementarteilchen und Strahlung sein, das sich immer weiter verdünnt, während es sich in die unendliche Dunkelheit hinein ausdehnt – ein Universum, das in Trümmern liegt.

Das ist ein düsteres Bild, doch wie Freeman Dyson uns in Erinnerung ruft, unterliegen die Voraussagen der physikalischen Eschatologie dem Vorbehalt, dass keine intelligenten Akteure in die voraussichtlichen natürlichen Prozess eingreifen. [1] Wenn intelligente Wesen in der Lage sind, die natürlichen Prozesse in signifikanter Weise zu manipulieren, könnte die tatsächliche Zukunft des Kosmos ganz anders aussehen als die Zeitschiene, die anhand der Gesetze und gegenwärtigen Bedingungen vorausgesagt wurde. Dysons eigener Versuch, ein Szenario zu entwickeln, bei dem immanente Akteure die Auslöschung verhindern könnten, ist ohne Frage ein verzweifelter und unplausibler Entwurf. [2] Doch warum sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf immanente Akteure beschränken? Theisten glauben an die Existenz eines intelligenten Wesens, das der Schöpfer des raum-zeitlichen Universums ist und die Gesetze transzendiert, denen die physikalische Schöpfung unterliegt. Aus christlicher Sicht wird Gott das Ende der menschlichen Geschichte und des gegenwärtigen Kosmos zu dem Zeitpunkt herbeiführen, den Er für richtig hält (Mk 14,32; Mt 24,43; 1 Thess 5,2; Hebr 1,10-12; 2 Petr 3,10; Offb 3,3). Er wird nicht einmal Ereignisse geschehen lassen, die auf der Basis gegenwärtiger Trends für die relativ nahe Zukunft vorausgesagt werden, wie etwa die Auslöschung der Menschheit, ganz zu schweigen von Ereignissen in der unermesslich fernen Zukunft wie stellare Auslöschung oder Protonenzerfall. Bevor diese Ereignisse eintreten können, wird Gott handeln, um die Geschichte der Menschheit zu beenden und einen neuen Himmel und eine neue Erde einzuläuten (1 Kor 15,51-52; 1 Thess 4,15-17; Offb 21,1).

Dies bedeutet, dass die Ergebnisse der physikalischen Eschatologie bestenfalls Projektionen des zukünftigen Verlaufs der Ereignisse sind, und keine tatsächlichen Beschreibungen. Sie sagen uns mit annähernder Genauigkeit, was geschehen würde, wenn keine intelligenten Akteure eingreifen. Deshalb sind die Ergebnisse der physikalischen Eschatologie in keiner Weise mit der christlichen Eschatologie unvereinbar, denn diese Ergebnisse enthalten implizite ceteris paribus-Konditionen über Handlungen intelligenter Akteure einschließlich Gott. Daher stimme ich Ihnen zu, dass es keinen Widerspruch zwischen der physikalischen Eschatologie und der theologischen Eschatologie gibt, weil die Voraussagen der Physik einfach Projektionen sind, mit dem impliziten Vorbehalt , dass „alle sonstigen Bedingungen gleich bleiben.“

Ich möchte noch einen anderen Aspekt der physikalischen Kosmologie hervorheben, der weitere Einblicke in die theologische Eschatologie geben kann. Zweifellos ist eine Hauptschwierigkeit bei der christlichen Eschatologie, dass es einfach unvorstellbar erscheint, dass nächstes Jahr – oder sagen wir, nächsten Dienstag – das Universum durch die Rückkehr Christi und den Tag des Gerichts ausgelöscht werden wird. Schon die neutestamentlichen Christen sahen sich mit solchen ungläubigen Reaktionen konfrontiert. Im zweiten Petrusbrief lesen wir, dass Spötter sagten: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so wie von Anfang der Schöpfung an.“ (2 Petr 3,4) Was diese Spötter nicht wussten und natürlich auch gar nicht wissen konnten war, dass die physikalische Eschatologie selbst ein eigenes apokalyptisches Szenario der bevorstehenden weltweiten Zerstörung enthält.

Wenn das Universum gegenwärtig in einem meta-stabilen Vakuumzustand schwebt, wie einige Physiker vermuten, dann wird es irgendwann in der Zukunft unweigerlich in einen Zustand niedrigerer Energie tunneln, was eine vollständige Metamorphose der Natur mit sich bringen wird. Da dieses Tunneln ein unbestimmter Quantenphasenübergang ist, ist es unvorhersagbar und könnte – um es in den Worten von Adams und Laughlin zu sagen – „buchstäblich jederzeit und schon morgen“ geschehen. [3] Bei einem solchen Übergang werden sich dann überall im Universum Regionen eines echten Vakuums bilden, etwa so, wie sich an der Oberfläche eines Teiches Eis bildet, nur dass in diesem Fall die Regionen eines echten Vakuums mit einer an Lichtgeschwindigkeit grenzenden fantastischen Geschwindigkeit durch das Universum jagen werden. Adams und Laughin beschreiben eine solche kosmische Apokalypse mit folgenden Worten:

„Still und ohne jede Warnung kam sie. Jede kosmische Struktur, über die sie hinwegfegte, blieb körperlos und entstellt zurück. Die Zerstörung war beängstigend, sowohl in ihrer erschreckenden Schnelligkeit als auch in ihrer verheerenden Vollständigkeit.

Die Schockwelle begann zu einem bestimmten, aber ganz gewöhnlichen Punkt der Raumzeit und raste mit einer überwältigenden Geschwindigkeit nach außen, die sich rasch der Lichtgeschwindigkeit näherte. Die expandierende Blase umhüllte dann einen noch größeren Teil des Universums. Durch ihr phänomenales Tempo brach sie ohne jede Vorwarnung über die Regionen des Raums herein. Keine Lichtsignale, keine Radiowellen und keine kausale Kommunikation irgendeiner Art konnte der vorwärts drängenden Front vorauseilen und vor dem nahenden Verhängnis warnen. Eine Vorbereitung war ebenso unmöglich wie vergebens.

Innerhalb der Blase waren die Gesetze der Physik und damit der eigene Charakter des Universums völlig verändert. Die Werte der physikalischen Konstanten, die Stärke der fundamentalen Kräfte und die Massen der Elementarteilchen waren alle verschieden. Neue physikalische Gesetze herrschten in dieser Alice-im-Wunderland-Umgebung. Das alte Universums mit seinen alten Versionen der Gesetze der Physik hörte einfach auf zu existieren.

Man könnte diesen Tod und diese Zerstörung des alten Universums als Anlass zur Sorge betrachten. Alternativ könnte dieser natürliche Verlauf der Ereignisse als Grund zur Freude verstanden werden. Innerhalb der Blase mit ihren neuen physikalischen Gesetzen und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten der Komplexität und der Struktur hat das Universum einen neuen Anfang zustande gebracht.ˮ [4]

Als ich diesen Abschnitt las, den diese beiden Physikwissenschaftler über die drohende Apokalypse der physikalischen Eschatologie geschrieben haben, konnte ich nicht anders, als mich an die Mahnung zu erinnern, die der Verfasser des zweiten Petrusbriefs an die Spötter seiner Zeit richtete:

„Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr im Gericht erfunden werden.

Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit, indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (2 Petr 3,8-13).ˮ

Die Parallelen zwischen der theologischen und der physikalischen eschatologischen Apokalypse sind überraschend und unmissverständlich: eine vollständige und weltweite Metamorphose der Natur, plötzlich, ohne Vorwarnung, wie ein Dieb in der Nacht, unausweichlich und zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde, einem erneuerten Universum führend. Anders als Adams und Laughlin schlägt der Verfasser des zweiten Petrusbriefs jedoch vor, dass wir etwas tun, um uns auf die kosmische Transformation vorzubereiten, welche die alte Ordnung wegfegen wird: Da diejenigen, die zum Herrn gehören, Teil der kommenden Welt sein werden, sollte diese Zukunftsperspektive sich auf die Art und Weise auswirken, wie wir in der Gegenwart leben.

Nun verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich will damit in keiner Weise sagen, dass das, was wir im zweiten Petrusbrief lesen, eine poetische Beschreibung eines nahenden Quantenphasenübergangs des Universums wäre. Mein Punkt ist viel bescheidener: Wenn die physikalische Eschatologie apokalyptische Untergangsprognosen einschließt, die morgen Wirklichkeit werden könnten, dann sollten wir nicht über ähnliche Vorhersagen einer nahenden eschatologischen Vernichtung in der Theologie unwillig werden, nur weil sie so unerwartet und anders sind, dass sie unsere Vorstellungen sprengen.

Die Plausibilität der christlichen Eschatologie hängt – anders als die Projektionen der physikalischen Eschatologie – von Natur aus stark an der Ontologie, die man vertritt. Wenn es, wie die physikalische Eschatologie selbst andeutet, ein personhaftes, transzendentes Wesen gibt, das das Universum mit allen seinen Naturgesetzen und Grenzbedingungen schuf, und wenn dieses Wesen Jesus von Nazareth von den Toten auferweckt hat, der seine eschatologische Rückkehr versprochen hat, dann ist es eminent rational, die „selige Hoffnung“ der christlichen Eschatologie zu nähren und dabei die Ergebnisse der physikalischen Eschatologie als mehr oder weniger genaue Projektionen auf der Grundlage der gegenwärtigen Bedingungen zu akzeptieren.

(Übers.: M. Wilczek)

Link to the original article in English: /rf-gear-and-the-return-of-christ

  • [1]

    Freeman J. Dyson, „Time without End: Physics And Biology in an Open Universe,“ Reviews of Modern Physics 51 (1979): 447.

  • [2]

    Siehe Lawrence M. Krauss und Glenn D. Starkman, „Life, the Universe, and Nothing: Life and Death in an Ever-Expanding Universe,“ Astrophysical Journal 531 (2000): 220-30.

  • [3]

    Fred C. Adams und Gregory Laughlin, „A Dying Universe: the Long-Term Fate and Evolution of Astrophysical Objects,“ Reviews of Modern Physics 69:2 (1997): 364. 
    (Vgl. http://arxiv.org/abs/astro-ph/9701131 sowie http://journals.aps.org/rmp/abstract/10.1103/RevModPhys.69.337, Anm. d. Übers.)

  • [4]

    Fred Adams und Greg Laughlin, The Five Ages of the Universe (New York 1999), S. 154.

- William Lane Craig