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#172

February 15, 2019
F

Sehr geehrter Prof. Craig,

obwohl ich Atheist bin, empfinde ich für Sie und andere christliche Philosophen großen Respekt und muss Ihnen persönlich dafür danken, dass Sie mich gezwungen haben, meine Position eines arroganten Atheismus (des Atheismus von Dawkins, Hitchens und Harris) aufzugeben und die Position eines freundlichen Atheismus einzunehmen. Für mich war es eine wichtige Offenbarung, dass jemand, der das Christentum verteidigt, so rational klingen kann und in einer Debatte Atheisten sogar zu schlagen vermag. (Insgesamt, denke ich, haben Sie vielleicht nur zwei oder drei Debatten verloren, und keine davon betraf die Existenz Gottes, obwohl ich denke, dass einige zu knapp endeten, um entschieden zu sein.)

Nun zu meiner Frage. In Ihrer Debatte mit Victor Stenger brachte er das Argument vor, dass Gott nicht logischerweise ein vollkommenes Wesen und der Schöpfer des Universums sein kann. In Ihrer Erwiderung stellten Sie fest, dass Gott nicht erschuf, weil irgendetwas in Ihm selbst fehlte, sondern weil die Erschaffung des Universums dem Menschen nützt, damit dieser Gott erkennen und eine Beziehung der Liebe zu Ihm eingehen kann. Ich fragte mich nur, wie dies mit der christlichen Lehre von der Hölle zu vereinbaren ist. Wenn Christus der einzige Weg zu Gott ist und der Unglaube mit der Ewigkeit in der Hölle bestraft wird, scheint es wahrscheinlich zu sein, dass die große Mehrheit der Menschen – oder zumindest eine beträchtliche Anzahl – in der Hölle enden wird. Inwiefern können wir sagen, dass die Schöpfung diesen Menschen nützte? Die Lehre von der Hölle war schon immer eines meiner Hauptprobleme mit dem Christentum, und es war mein Hauptgrund, Atheist zu werden.

Danke für Ihre Zeit.

Mit freundlichen Grüßen,

Mark

Afghanistan

Prof. Craigs Antwort


A

Vielen Dank für Ihren freundlichen Brief, Mark! Als jemand, der das Vorrecht hatte, die anhaltende Revolution in der anglo-amerikanischen Philosophie seit Ende der 1960er Jahr aus erster Hand zu erleben, schmerzt es mich oft zu sehen, wie außerordentlich ignorant viele junge Atheisten und Agnostiker sind. Oft sind sie nicht nur arrogant, sondern auch sehr unwissend, und haben einfach keine Ahnung von den unglaublich guten intellektuellen Hilfsmitteln, die zeitgenössische christliche Philosophen für die Formulierung und Verteidigung grundlegender christlicher Lehren bereitgestellt haben. Es freut mich sehr, dass Sie dieser traurigen Subkultur entkommen sind.

Was Ihre Frage betrifft, ging es in meiner Erwiderung auf Stenger darum, dass die Schöpfung nicht durch irgendeinen Mangel oder ein Defizit in Ihm selbst motiviert sein kann, weil Gott ein vollkommenes Wesen ist und nichts braucht, da Er in sich selbst vollständig ist. Die Schöpfung muss also ein Akt der Gnade sein, etwas, das nicht um Gottes willen geschieht sondern um der Erschaffenen willen; ihnen wird nämlich die unfassbare Gelegenheit gegeben, persönlich mit dem Ort und der Quelle unendlicher Güte und Liebe verbunden zu sein. Wir wurden dazu erschaffen, Gott zu kennen, und das ist angesichts dessen, wer Gott ist, eine unermessliche Güte, mit nichts anderem zu vergleichen, keiner endlichen Güte gleichzusetzen. Es ist wirklich ein erstaunliches Privileg, wenn man darüber nachdenkt.

Die Tragödie ist nun, dass der Ungläubige dieses unvergleichliche Gut, das Gott ihm anbietet, aus freien Stück ablehnt. In diesem Sinne nützt es ihm also nichts, erschaffen worden zu sein. Nichtsdestoweniger bleibt es wahr, dass der Grund, weshalb Gott ihn erschuf, sein eigener Nutzen ist, das heißt, sein eigenes Wohl, und jede erschaffene Person hat das unfassbare Privileg der Möglichkeit, Gott kennen zu lernen – eine Wohltat, die Personen, die Gott nicht erschuf, (natürlich!) nicht genießen.

Betrachten Sie es einmal so: Würde jemand Ihnen ein großes Geschenk ohne irgendeinen Haken anbieten, einfach weil diese Person Sie liebt, und Sie würden das Geschenk aus freien Stücken ablehnen, dann kämen Sie am Ende nicht in den Genuß der Vorzüge dieses Geschenks. Aber die Person, die es Ihnen angeboten hat, tat dies nichtsdestoweniger zu Ihrem eigenen Nutzen. Und schon die Gelegenheit, ein so großes Geschenk zu bekommen, war ein gewaltiges Vorrecht, das zu haben Sie in der glücklichen Lage waren.

Man kann nicht gar genug betonen, dass Gott nach Aussage der Bibel wünscht, dass jeder Mensch gerettet wird und ewiges Leben findet (1. Timotheus 2,4), und dass er überhaupt keinen Gefallen am Tod der Gottlosen findet (Hesekiel 33,11). Gott erschuf uns zu unserem Nutzen, nicht zu Seinem, und jeder erschaffene Mensch hat das Vorrecht der Gelegenheit, Gott zu erkennen und Seine Liebe für immer zu erfahren, wenn er sie nur annehmen will. Wenn er sich entscheidet, Gott abzuweisen und jeden Versuch Gottes, ihn zu retten, abzulehnen, endet das Leben des Ungläubigen letztlich tragisch, weil er aus freien Stücken die Wohltat verworfen hat, die Gott ihm anbietet.

(Übers.: M. Wilczek)

Link to the original article in English:

/does-creation-benefit-the-lost

- William Lane Craig