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February 3, 2019Wurde Jesu Leib bei der Auferstehung nur als geistlicher Leib auferweckt oder war er aus Fleisch und Blut? Welche Leiber werden die Gläubigen bei der Auferstehung am Ende der Zeit haben? Prof. Dr. Craig korrigiert das Missverständnis eines Fragestellers in Bezug auf Paulus' Aussage, dass „Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können“. Er erklärt, wie Jesu Leib in der geistlichen Himmelsebene real ist und wie er physisch manifestiert wird, wenn Jesus auf die Erde zurückkehrt.
Frage 1:
Hallo. Ich habe mich gefragt, ob Sie eine kleine Unklarheit beseitigen könnten. In 1. Korinther 15 erklärt Paulus, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können. Wie ist Jesus dann, wenn er im Fleisch auferweckt wurde, nach der Auferstehung zum Vater in den Himmel aufgefahren? Danke, dass Sie sich für diese Frage Zeit nehmen.
Ron
Frage 2:
Sehr geehrter Herr Prof. Craig,
ich habe bloß eine einfache Frage für Sie, auf die ich keine Antwort weiß und die vielleicht auch eine Frage ist, über die nicht viele Christen nachdenken oder die nicht für wichtig genug empfunden wird, um eine Antwort zu suchen. Ich halte sie aber für wichtig, weil es darum geht, wie wir die Auferstehung und die Auferstehungsleiber verstehen.
Nach seiner Auferstehung aß Jesus mit seinen Jüngern, und Thomas konnte seine Finger in Jesu Wunden legen. Wenn Jesus zurück in die göttliche Existenz gegangen ist, wie kann sein Leib dann unserem noch ähnlich sein, die wir die fleischliche Fähigkeit haben, Essen zu verdauen? Und wenn wir doch am großen Gastmahl teilnehmen sollen, in welchem Zustand ist dann unser Auferstehungsleib?
Viele Grüße
Kirk
Afghanistan
Prof. Craigs Antwort
A
Sie beide haben ein wichtiges Thema über Jesu Leib angesprochen, das wahrscheinlich auch in meiner Debatte mit Richard Carrier diesen Monat [18. März 2009, Anm. d. Übers.] an der Northwest Missouri-State-Universität zur Sprache kommen wird. Carrier vertritt die in der liberalen evangelischen Theologie seit langem gefahrene Linie, dass Paulus nicht an einen physischen Auferstehungsleib glaubte, sondern an einen „geistlichen Leib“, d. h., an einen immateriellen, nicht greifbaren, masselosen „Leib“. Unter der Annahme, dass Paulus unser frühester Zeuge des christlichen Glaubens an die Auferstehung Jesu ist, wird er dann gegen die Evangeliumserzählungen des leeren Grabes und die Auferstehungserscheinungen Christi ausgespielt. Paulus' Ansicht wird als primitiver Glaube angesehen, und die Evangelien repräsentierten das Ergebnis legendenhafter Korruption und theologischer Umgestaltung der primitiven Überlieferung.
Dieser Versuch, Paulus gegen die Evangelien auszuspielen, ist aber nachweislich irrig. Jeder erkennt an, dass Paulus nicht die Unsterblichkeit der Seele alleine lehrt, sondern die Auferstehung des Leibes. Doch es ist außerordentlich schwierig, zu begreifen, was der Unterschied zwischen der Unsterblichkeit der Seele und der Existenz eines immateriellen, nicht greifbaren, masselosen „Leibes“ ist. In 1. Korinther 15,42-44 beschreibt Paulus die Unterschiede zwischen unserem jetzigen irdischen Leib und unserem künftigen Auferstehungsleib, der Christi Leib gleichen wird. Er zeigt vier essentielle Unterschiede zwischen dem irdischen Leib und dem Auferstehungsleib auf:
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Der irdische Leib ist: |
Doch der Auferstehungsleib ist: |
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sterblich |
unsterblich |
Nun, nur der letzte Unterschied könnte uns auf den Gedanken bringen, dass Paulus nicht an einen physischen Auferstehungsleib geglaubt hat. Doch was meint er mit den hier mit „natürlich/geistlich“ übersetzten Wörtern? Das mit „natürlich“ (psychikos) übersetzte Wort heißt wörtlich „seelenhaft“. Nun meint Paulus offensichtlich nicht, dass unser jetziger Leib aus Seele besteht. Er meint damit „von der menschlichen Natur dominiert“ oder „zur menschlichen Natur gehörend“. Genauso meint er, wenn er sagt, der Auferstehungsleib werde „geistlich“ (pneumatikos) sein, nicht „aus Geist bestehend“. Er meint damit „vom Geist dominiert“ oder „zum Geist hin orientiert“. Das ähnelt dem Sinn des Wortes „geistlich“, wenn wir zum Beispiel sagen, das Billy Graham ein geistlicher Mensch ist. Ja, schauen Sie einmal, wie Paulus dieselben Wörter in 1. Korinther 2,14-15 verwendet:
„Der natürliche Mensch (anthropos psychikos) aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss. Der geistliche Mensch (pneumatikos) dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt.“
Natürlicher Mensch heiß nicht „physischer Mensch“, sondern „auf die menschliche Natur hin orientierter Mensch“. Und geistlicher Mensch heißt nicht „nicht greifbarer, immaterieller Mensch“, sondern „auf den Geist hin orientierter Mensch“. In 1. Korinther 15 ist der Kontrast derselbe. Der gegenwärtige, irdische Körper wird aus seiner Sklaverei für die sündige menschliche Natur befreit und stattdessen von Gottes Geist bevollmächtigt und dirigiert.
Folglich schließt die große Mehrheit der modernen Paulus-Experten daraus, dass Paulus an einen physischen Auferstehungsleib (und damit implizit auch an das leere Grab) geglaubt hat. In seiner kürzlich erschienenen Doktorarbeit „Die Historizität der Auferstehung Jesu“ (2008) listet Michael Licona hierzu die folgenden Namen auf: Ackermann, Barnett, Barrett, Bostock, Brodeur, Collins, Conzelmann, Fee, Gundry, Harris, Hayes, Hering, Hurtado, Johnson, Kistemaker, Lockwood, Martin, Segal, Snyder, Thiselton, Witherington und Wright.
Jesu Leib – was Paulus' Warnung vor Fleisch und Blut bedeutet
Doch was ist mit 1. Korinther 15,50: „Fleisch und Blut können (das Verb ist im Griechischen im Singular) das Reich Gottes nicht erben“? Heißt das nicht, dass Jesu Leib und auch unsere Auferstehungsleiber immateriell sein müssen? Überhaupt nicht! Praktisch alle Kommentatoren erkennen an, dass der Ausdruck „Fleisch und Blut“ eine typische semitische Redewendung in Bezug auf unsere gebrechliche menschliche Natur ist. An anderer Stelle verwendet Paulus den Ausdruck, um „sterbliche Kreaturen“ (Epheser 6,12) oder einfach „Menschen“ (Galater 1,16) auszudrücken. Somit ist die zweite Hälfte des Verses die Parallele zur ersten: „Auch erbt das Verwesliche nicht die Unverweslichkeit“. Der gegenwärtige Leib muss von seiner Verweslichkeit befreit werden, nicht von seiner Materialität, damit er für Gottes ewige Herrschaft geeignet ist.
Carrier erkennt an, dass der Ausdruck ein Sprichwort ist; doch er beharrt darauf, dass die Wendung nicht passend wäre, wenn der Auferstehungskörper noch fleischlich wäre. Doch so zu denken, heißt einfach, dass man nicht versteht, wie Sprichwörter und Metaphern funktionieren. Ihre Bedeutung kann nicht auf die Bedeutung ihrer Bestandteile heruntergebrochen werden. Zum Vergleich: „It's raining cats and dogs!“ Diese Redewendung wäre völlig missverstanden, wenn man sie so auslegt, dass lauter Tiere auf dem Asphalt landen. Genauso spricht Paulus hier nicht von anatomischem Fleisch und Blut, sondern von unserer sterblichen menschlichen Natur.
Jesu Leib – Christi Auferstehungsleib heute
Wie sollen wir Jesu Auferstehungsleib heute begreifen? Christus hat in seinem erhöhten Zustand immer noch eine menschliche Natur; er ist nicht zurück in „Gottes Existenz gegangen.“ Doch Christus hat dieses vierdimensionale Raumzeit-Kontinuum verlassen. Daher können wir vielleicht sagen, dass sich seine menschliche Natur nicht jetzt körperlich manifestiert. Vergleichen Sie das mit einer Stimmgabel, die berührt wird und zu summen beginnt. Wenn die vibrierende Gabel in einem Vakuum-Behälter platziert wird, vibriert sie zwar weiter, doch manifestiert sie sich nicht mit einem Summgeräusch, weil es kein Medium mehr gibt, das ihre Schwingungen trägt. So manifestiert sich auch Christi menschliche Natur, die sich ja nicht mehr in der Raumzeit befindet, nicht mehr als ein Leib. Doch eines Tages wird Christus wiederkommen und unser vierdimensionales Raumzeit-Kontinuum neu betreten, und dann wird sein Leib deutlich erkennbar. Im neuen Himmel und der neuen Erde wird Christus körperlich unter seinem Volk anwesend sein. Christus hat also eine menschliche Natur, die als sein physischer Auferstehungsleib manifestiert wird, wenn er sich in ein Raumzeit-Universum begibt.
(Übers.: J. Booker)
Link to the original article in English: /jesus-body
- William Lane Craig