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#95

February 3, 2019
F

Sehr geehrter Herr Prof. Craig,

ist es in Ordnung, wenn man als Christ zur Unterhaltung gewaltverherrlichende Medien ansieht oder spielt? Ich muss zugeben, dass ich brutale Filme wie Gladiator und Spiele wie Resident Evil gerne mag. Die angesprochenen Medien sind brutal, aber ich tröste mich damit, dass sie davon handeln, dass das Gute darin über das Böse triumphiert. Ist das ethisch vertretbar oder lüge ich mir damit nur in die eigene Tasche?

Josh
 

Afghanistan

Prof. Craigs Antwort


A

Josh, ich vermute, dass Sie wie ein Frosch, der langsam im Kessel gekocht wird[1], unbewusst die entwürdigenden Seiten unserer Kultur aufgesogen haben und als Christ nicht kritisch genug gewesen sind. Paulus riet den Philippern: „Im Übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8) Können Sie sich vorstellen, dass sich die Christen des Neuen Testaments an Gewalt als Unterhaltung erfreuen würden?

Dass Sie den Film „Gladiator“ erwähnen, ist interessant, weil wir von der Haltung der frühen Kirchenväter gegenüber den Spektakeln im römischen Kolosseum wissen: Sie prangerten diese gewaltverherrlichenden Shows unnachgiebig an (siehe z. B. Tertullians Über die Schauspiele). Nun, natürlich besteht ein großer Unterschied dazwischen, dass Männer und Tiere, wie in diesen Shows, tatsächlich getötet werden und dass derlei Gewalttaten auf einer Leinwand dargestellt werden, wo alle wissen, dass das nur gestellt ist. Doch ich denke, die Väter wären sehr verwundert ob unserer Begeisterung für das Blutvergießen, das so realistisch dargestellt wird, dass man es von der Realität gar nicht mehr unterscheiden könnte. Den Rausch, den einige Leute von in den Medien dargestellten Gewalt-Shows bekommen, zeigt, dass sie ganz in dieser vorgetäuschten Welt versinken und den schmutzigen Kick der Gewalt erleben.

Mich bedrückt, dass ich mich selbst schon so an zu viel solcher detailtreuen Gewalt gewöhnt habe. Ich weiß noch, wie ich als Junge Schwarz-Weiß-Filme angeschaut habe, die in den 1950ern gemacht wurden und in denen so gut wie keine Gewalt auf der Leinwand stattfand. Man sah beispielsweise höchstens zwei Schatten an einer Wand mit dem Offkommentar eines Mannes, der flehte: „Nein! Nein! Nicht schießen!“ Dann fiel ein Schuss und einer der Schatten stürzte zu Boden. Ich weiß noch, wie entsetzt ich von solchen Szenen war. Heute erscheinen sie fast schon komisch. Es tut mir leid, dass ich diese Unschuld meiner Kindheit verloren habe und nicht mehr diesen Schrecken wie früher verspüre. In den heutigen Filmen sind wir an nichts Geringeres gewöhnt als Szenen, in denen das Opfer einen makabren Todestanz hinlegt, während es von Maschinengewehrkugeln durchlöchert wird. Derlei „Unterhaltung“ richtet sich an das Schlechteste unserer animalischen Natur und erbaut uns moralisch nicht.

Es ist keine ausreichende Begründung, zu sagen, dass man diese Art von Unterhaltung nun einmal gerne sieht. Jeder Mann würde auf einer Ebene auch sexuell explizite Filme genießen, aber das ist keine Berechtigung dafür, die Warnungen der Schrift, die Gedanken rein zu halten, offen zu missachten. Genauso wenig reicht es, derlei Unterhaltung damit zu begründen, dass das Gute am Ende gegen das Böse gewinnt. Der Zweck heiligt die Mittel nicht, sonst könnte ja alles so gerechtfertigt werden. Wenn Sie Ihre aggressiven Bedürfnisse stillen müssen, warum schauen Sie dann nicht Sportarten wie American Football, wo es ordentlich zur Sache gibt, es aber auch Regeln gibt, die die Sportler schützen, und wo Gewalt nicht einfach um der Gewalt willen betrieben wird?

Ich weiß, dass einige Handlungsstränge Gewalt erfordern. Aber das kann man auch auf diskrete Weise handhaben. Was ich verstörend finde, ist das Schwelgen in expliziten Gewaltdarstellungen, eine krankhafte Freude am Schießen, Schneiden, Verstümmeln, Foltern uvm. Sobald wir sehen, dass ein Film ab 16 Jahren freigegeben ist, sind wir als Christen, denke ich, gut beraten, zu Hause zu bleiben bzw. den Fernseher aus zu lassen.

(Übers.: J. Booker)

Link to the original article in English: /violence-and-christian-conscience


[1] Englisches Sprichtwort: „the boiling frog in the kettle“ – Anm. d. Übers.

- William Lane Craig