English Site
back
05 / 06

#585 Die Gesetze der Logik und das kosmologische Argument

March 17, 2019
F

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich bin als Christ sehr dankbar für Ihre Arbeit. Meine Frage betrifft die Gesetze der Logik und das kosmologische Argument. Wenn man sagt, das gemäß der naturalistischen Sichtweise etwas aus dem Nichts und durch nichts entstehen kann, dann ist klar, dass das gegen die Gesetze der Logik verstößt. Doch wenn es nichts gab, nicht einmal die Logik, ist es dann nicht möglich, dass so etwas Unmögliches wie ein Universum aus dem Nichts durch nichts entstehen kann, weil es ja keine Gesetze der Logik gab, die man hätte brechen können? Mir scheint, Sie müssen erst beweisen, dass die Gesetze der Logik ewig sind, bevor Sie das kosmologische Argument verwenden können. Danke nochmals und Gottes Segen!

Daniel

United States

Prof. Craigs Antwort


A

Ihre Frage zeugt von einigen Missverständnissen, Daniel. Ich denke, es ist lohnenswert, diese aufzuzeigen, da sie unter den Internet-Usern nicht gerade selten anzutreffen sind.

Zunächst einmal behaupte ich nicht, dass die Behauptung, dass „etwas durch nichts aus dem Nichts entstehen kann“, gegen die Gesetze der Logik verstößt. Ganz im Gegenteil: Ich habe ausdrücklich gesagt, dass es streng genommen nicht logisch unmöglich ist, das kausale Prinzip abzulehnen. Das kausale Prinzip Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache ist aber meiner Ansicht nach eine metaphysisch notwendige Wahrheit, deren Ablehnung streng genommen logisch möglich, jedoch nicht umsetzbar, ist. Man sollte also dem Naturalisten, der dieses Prinzip aufgrund der Behauptung bestreitet, dass das Universum aus dem Nichts entstand, nicht den Vorwurf machen, dass er die Gesetze der Logik bricht.

Zweitens scheint der ontologische Status der Gesetze der Logik unklar zu sein. Sie scheinen anzunehmen, dass manche Objekte, manche Dinge, existieren müssen, auf die sich der Ausdruck „die Gesetze der Logik“ bezieht. Das ist jedoch unberechtigt. Wir verwenden ständig solche Ausdrücke und halten sie für wahr, ohne dass sie sich auf reale Objekte in der Welt beziehen, z. B. „der verhinderte Unfall“, „das Loch in deinem Hemd“, „das mangelnde Mitleid in der Welt“, „das Wohl der Kinder“, „der angedrohte Streik“ usw.

Ich denke nicht, dass es Dinge oder Objekte mit dem Namen „die Gesetze der Logik“ gibt. Die Gesetze der Logik sind einfach eine Art Kodifizierung von Schlussfolgerungen – z. B.: „Wenn Johann dick und Maria dünn ist, dann ist Johann notwendigerweise dick.“ Wir kodifizieren dies als die „Simplifizierung“ genannte Inferenzregel (symbolisiert als P&Q; also P). Es gibt kein Objekt mit dem Namen „Simplifizierung“; es ist einfach ein gültiger Weg, mit Schlussfolgerungen aus Inferenzen zu argumentieren.

Nun, wenn Sie aber glauben, dass die Gesetze der Logik sehr wohl existieren, dann müssen sie eine Art abstraktes Objekt sein, vermutlich Propositionen, da sie einen Wahrheitswert haben. Als solche würden sie zeit- und raumlos existieren, weil sie nicht auf physische Objekte angewiesen sind. Sie wären daher vom kausalen Prinzip ausgenommen, da sie nie zu existieren begonnen hätten.

Nun werden manche in der Logik ungeübten Leute sagen: „Man kann die Gesetze der Logik nicht über das Universum hinaus extrapolieren. Sie greifen in unserem Universum, aber man kann deswegen nicht davon ausgehen, dass sie außerhalb von ihm gelten, sodass man daraus eine Ursache für das Universum ableiten könnte.“ Bedenken Sie, wie radikal diese Behauptung ist: Es wird nicht die Wahrheit des kausalen Prinzips abgestritten, sondern dass man aus den Wahrheiten „Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache“ und „Das Universum begann zu existieren“ legitimerweise „Das Universum hat eine Ursache“ ableiten kann. Man gibt dann zu, dass diese Aussagen wahr sind, verneint aber die logische Inferenzregel modus ponens (symbolisch dargestellt: P → Q; P; also Q); man behauptet, dass die Gültigkeit dieser Inferenz auf unser Universum beschränkt ist; außerhalb davon kann man nicht auf gültigem Wege zu dieser Inferenz gelangen.

Ich hoffe, Sie sind sich im Klaren darüber, dass man mit diesem Einwand eine ungeheure Beweislast zu tragen hat: Man muss beweisen, dass die Gesetze der Logik irgendwie auf unser physisches Universum angewiesen sind. Das scheint mir offensichtlich falsch. Ich vermute, dass diejenigen, die diesen Einwand vorbringen, nicht verstehen, was Logik ist. Logik als rein formelle Disziplin entbehrt jeglichen empirischen Inhalts und ist somit komplett unabhängig von physischen Dingen. So gesehen ist sie wie die Mathematik. Aufgrund der Definitionen von „2“, „+“, „=“ und „4“ ist „2+2=4“ notwendigerweise wahr. So ist auch „P&Q → P“ aufgrund der Bedeutung von „&“ und „→“ wahr. Das Universum hat damit nichts zu tun. Ja, ein Zweig der Logik ist die sogenannte modale Logik, mit deren Hilfe wir Inferenzen darüber ableiten können, wie es in anderen möglichen Welten ist. Den modus ponens abzustreiten, bedeutet somit, einen gesamten Zweig der Logik für nichtig zu erklären – nur um die Inferenz des Theismus zu vermeiden.

Ich glaube nicht, dass Skeptiker, die diesen Einwand vorbringen, ganz verstehen, wohin sie dieser Einwand führt. Er impliziert nämlich, dass der Atheismus (oder der Agnostizismus) buchstäblich unlogisch sind. Denn um zu vermeiden, dass die akzeptierten Prämissen zur theistischen Ansicht führen, muss man die Gesetze der Logik abstreiten. Der Atheismus ist also unlogisch, da er, gemäß diesem Einwand, auf dem Abstreiten der logischen Inferenzregeln wie dem modus ponens beruht. Das sollte Atheisten wirklich zu denken geben. Es läuft nämlich darauf hinaus, dass Gottesgläubige letztendlich die logischen Denker sind.

Außerdem ist die Position des Abstreitens logischer Inferenzregeln selbst-widerlegend. Denn wie will man die Beschränkung der Gesetze der Logik auf unser Universum begründen? Zu jeder Begründung gehört die Annahme, dass es eine transzendente Perspektive auf und transzendentes Argumentieren über unser Universum gibt. Doch genau diese Art des Argumentierens unterbindet der oben geschilderte Einwand. Nehmen wir beispielsweise an, dass der Gegner, der diesen Einwand vorbringt, sagt: „Die Gesetze der Logik wurden von Menschen erfunden. Sie sind daher außerhalb des Universums nicht anwendbar.“ Nach dieser Ansicht ist diese Schlussfolgerung nur in unserem Universum gültig und sagt nichts darüber aus, was außerhalb unseres Universums gültig ist. Man kann so gesehen also nicht berechtigterweise behaupten, dass die Gesetze der Logik nicht außerhalb unseres Universums gelten. Jeglicher Versuch, den Einwand zu rechtfertigen, ist daher selbst-widerlegend.

(Übers.: J. Booker)

Link to the original article in English: https://www.reasonablefaith.org/writings/question-answer/the-laws-of-logic-and-the-cosmological-argument

- William Lane Craig