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February 2, 2019Hallo Herr Prof. Craig,
Meine Frage betrifft die intersexuelle Gemeinschaft. Ich selbst bin nicht intersexuell, habe aber von Menschen gelesen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane haben. Um auf den Punkt zu kommen: Wie können sich Zwitter moralisch richtig verhalten? Müssen sie Singles bleiben? Wenn sie sich entscheiden, eine Beziehung einzugehen – wie legen sie fest, in welchem Geschlecht sie einen Partner suchen bzw. daten sollen? Wäre es falsch, beide zu daten?
Ich weiß, was die Bibel über homosexuelle Aktivitäten sagt, aber wäre es moralisch akzeptabel, wenn jemand, der beide Geschlechtsorgane hat, sich das Geschlecht, das er daten will, aussucht? Kennt ein Zwitter seine wahre sexuelle Identität? Kann man sie biologisch feststellen?
Ich hoffe, Sie können diesbezüglich einen christlichen Standpunkt nennen, denn diese Frage belastet mich jetzt schon eine ganze Weile.
Danke.
Daniel
Afghanistan
Prof. Craigs Antwort
A
Das ist eine interessante Frage, Daniel, zu der ich aber leider nichts weiß. Ich habe daher einen ehrenamtlichen Mitarbeiter von Reasonable Faith, der sich in diese Richtung schon Gedanken gemacht hat, gebeten, Ihre Frage zu beantworten. Ich denke, Sie werden die folgende Antwort sowohl interessant als auch aufschlussreich finden.
Wm. LC
Ihre Fragen sind gut und wichtig, Daniel, und leider tendiert die christliche Gemeinschaft dazu, solchen Fragen aus dem Weg zu gehen. Lassen Sie mich vor der eigentlichen Antwort noch sagen, dass ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, mir aber dennoch Mühe gebe, klar über dieses Thema nachzudenken. Ich widme mich Ihren Fragen nacheinander (manche habe ich umformuliert).
1. Was ist moralisch richtig für einen Zwitter – Single zu bleiben oder zu daten? Und wenn daten, wen?
Es ist vielleicht am besten, zu Beginn zwischen dem sozialen und dem biologischen Geschlecht zu unterscheiden. Manche sind der Meinung, dass das biologische Geschlecht[1] das soziale Geschlecht[2] festlegt, während andere denken, dass das soziale Geschlecht komplett „sozial konstruiert“ ist, sodass Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht nur in den Geschlechtsorganen liegen. Es ist wichtig, zu erkennen, dass niemand jemals beweisen könnte, dass alle sozialen Geschlechter sozial konstruiert sind. (Was man höchstens sagen könnte, ist, dass sich manche Merkmale biologischer Geschlechter in bestimmten Gemeinschaften oder Kulturen anders oder gar nicht manifestieren.) Ich denke nicht, dass es für die Antwort eine Rolle spielt, welchen Standpunkt man hier vertritt. (Meine persönliche Ansicht ist die, dass nicht alle sozialen Geschlechter sozial konstruiert sind, also zumindest manche sozialen Geschlechter vom biologischen Geschlecht bestimmt werden.)
Entweder gibt es Fakten zu der Frage, welchem Geschlecht eine Person angehört, oder es gibt sie nicht. Glücklicherweise gibt es gute Hinweise darauf, dass ein Geschlecht genetisch bestimmt ist. Zwitter leiden, wie Sie sicherlich wissen, am Geburtsdefekt, beide Geschlechtsorgane, zumindest teilweise entwickelt, zu haben. Zur Info: Das kommt extrem selten vor, und es ist wichtig, zu wissen, dass sie sich von Transgendern unterscheiden, die meistens an einem hormonellen Ungleichgewicht oder psychischen Problemen (oder beidem) leiden, was zur Geschlechtskonfusion führt. Sie müssten meiner Meinung nach psychiatrisch (um den Hormonpegel zu normalisieren) und therapeutisch behandelt werden. Transgender sollten auch auf medizinische Methoden zurückgreifen (DNS-Tests), um ihr wahres biologisches Geschlecht identifizieren zu können.
Jemandes Geschlecht wird also genetisch bestimmt. Wenn dem so ist, dann ist ein Mensch entweder männlich oder weiblich, und in beiden Fällen sind homosexuelle Beziehungen moralisch verboten. Das impliziert, dass Zwitter nicht beide Geschlechter daten können; sie müssen einen Menschen daten, der das gegenteilige Geschlecht hat. Medizinische Verfahren könnten dabei helfen, dass Menschen wieder zu ihrem richtigen Geschlecht finden. Wenn sie dann ein einzelnes Geschlecht haben (d. h., sie sind entweder männlich oder weiblich, aber nicht beides), dann ist die Partnersuche und Daten, wie bei Nicht-Zwittern, für sie moralisch zulässig.
2. Können sie sich das Geschlecht aussuchen, das sie daten?
Nein (siehe oben).
3. Kennen sie ihre wahre sexuelle Identität?
Die Antwort auf diese Frage weiß ich nicht, aber meine bisherigen Antworten hängen auch nicht davon ab. Auch hier ist es wichtig, zwischen Transgendern und Zwittern zu unterscheiden. Zwitter haben einen biologischen Defekt, der, streng genommen, gar keine soziale Geschlechtskonfusion impliziert (auch wenn sie natürlich auch daran leiden können). Transgender leiden aber aus psychischen und/oder hormonellen Gründen daran.
Wenn jemand nur mit einem männlichen Geschlechtsorgan geboren wurde, sich seines sozialen Geschlechts aber völlig unsicher ist (oder überzeugt ist, eine Frau zu sein), dann schließen manche daraus, dass er vielleicht wirklich eine Frau ist. Die logische Form dieser Argumentation ist aber komplett irrig. Wie man sich in Bezug auf sein soziales Geschlecht fühlt, bestimmt das soziale Geschlecht nicht. Um ein plumpes Beispiel zu nennen: Wenn ich aufwache und mich so fühle, als könnte ich fliegen – bin ich dann ein Vogel? Nein. Manche möchten hier vielleicht widersprechen, weil „ein Vogel zu sein“ physisch bestimmt wird, das soziale Geschlecht ihrer Meinung nach aber nicht. Dann könnten wir das Beispiel auch anpassen: Wenn ich aufwache und mich so fühle, als wäre ich der Präsident der USA – bin ich das dann? Natürlich nicht; und bei diesem Beispiel ist es wichtig, dass die Eigenschaft, der Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, eine sozial konstruierte Eigenschaft ist – es ist ja nicht so, dass nur manche, andere nicht, mit dem Attribut / der Eigenschaft geboren werden, „ein künftiger Präsident der Vereinigten Staaten zu werden“. Gefühle bestimmen das soziale Geschlecht also nicht.
4. Kann man ihre wahre sexuelle Identität biologisch feststellen?
In den meisten Fällen schon, denke ich. Extreme Formen des Hermaphroditismus, wo sogar die Chromosomen-Identität unklar ist, sind entweder extrem selten oder sind bei Menschen noch nicht vorgekommen, da man (meines Wissens) von keinem „wahren menschlichen Zwitter“ weiß.
Ich hoffe, das ist einigermaßen hilfreich.
Grüße
S.
(Übers.: J. Booker)
Link to the original article in English: /dating-advice-for-hermaphrodites
- William Lane Craig