#153
November 1, 2016Wir erhalten sehr viele Fragen in unserer Inbox! Deshalb habe ich beschlossen, eine Blitzrunde zu Fragen zu machen, die sich rasch beantworten lassen. Viele dieser Fragen kommen von Gästen aus anderen Kontinenten. In einigen Fällen werde ich Hinweise geben, wo ich diese Themen ausführlicher erörtert habe.
Inhaltsverzeichnis der 10 Fragen:
Frage 1: Kommentar zum Thema "Beziehung zu Gott" (zur Frage der letzten Woche).
Frage 2: Thema Gebet: Erhört Gott wirklich stille Gebete? Antwortet Gott mit einer für uns hörbaren "inneren Stimme"? Wie kann Gott Gebete von Millionen von Menschen gleichzeitig erhören? Erhört Gott die Gebete von Muslimen und Hindus?
Frage 3: Hat Richard Swinburne recht, dass Gott logisch kontingent ist?
Frage 4: Das Moral-Argument für Gottes Existenz und das Euthyphron-Dilemma: Wenn Gott nicht gut wäre, sondern stets zornig: Wäre Zorn dann "gut"?
Frage 5: Wenn Gott vor der Schöpfung zeitlos und nach der Schöpfung in der Zeit ist: widerspricht das nicht der Unveränderlichkeit Gottes?
Frage 6: Zu Gerd Lüdemanns Einwand: Jesu Wiederkunft verzögert sich nun schon seit 2000 Jahren. Spricht das nicht grundsätzlich dagegen, dass Jesus wiederkommt?
Frage 7: Determinismus in Neurowissenschaft und der freie Wille. Fällt die Annahme einer Seele nicht Ockhams Rasiermesser zum Opfer?
Frage 8: Kann objektiv gültige Moral auf Evolution basieren? Wie definiert man "objektiv"?
Frage 9: Bin ich verpflichtet, meine Geistesgaben in meiner Ortsgemeinde einzusetzen, oder ist das freiwillig? Wie finde ich heraus, was meine Geistesgaben sind?
Frage 10: Warum hat Gott nicht eine Welt geschaffen, in der jeder gerettet wird?
Zu den Fragen im Einzelnen:
Frage 1: Zum Thema "Beziehung zu Gott"
Sehr geehrter Prof. Craig,
dies ist keine Frage. Ich möchte einfach Ihnen und allen Mitarbeitern meine Dankbarkeit für Ihren Dienst aussprechen. Ihre Antwort auf die in der letzten Woche von Mark gestellte Frage zum Thema "Beziehung zu Gott" hat mich auf die Knie gebracht und mich daran erinnert, dass ich beständig vor meinen geliebten Herrn, meinen Schöpfer und Erlöser, kommen muss, um in der rechten Beziehung mit Ihm verbunden zu bleiben. Manchmal kann sich eine Härte in mein Herz schleichen, ohne dass ich es merke. Das verstandesmäßige Wissen ist so wichtig und ich bin Ihnen so dankbar für die Fülle an Material, das Sie bereitstellen, aber in alledem spüre ich auch ganz klar Ihre Liebe und herzliche Zuneigung zu unserem liebenden Vater und das lebendige Wasser des Heiligen Geistes, das durch Ihre Worte zu mir fließt. Ich finde, dass Sie genau die richtige Ausgewogenheit haben. Danke noch einmal.
Gottes Segen,
Jude
Frage 2: Thema Gebet und Gottes Allwissenheit
Sehr geehrter Prof. Craig,
Ihre Antwort auf die von Mark gestellte Frage der Woche über die Grundlagen der Beziehung zu Gott war eine der hilfreichsten Zusammenfassungen darüber, was es bedeutet, eine rettende Glaubensbeziehung zu Gott zu haben, die ich je gelesen habe. Sie war eine große Hilfe für mich, um die Art und Weise zu klären, wie ich in Zukunft selbst meinen Glauben weitergebe.
Mit einer Ihrer Aussagen ringe ich seit einiger Zeit; sie bezieht sich auf einen großen Teil Ihrer Arbeit über das Verhältnis zwischen Gott und der Physik, insbesondere in Bezug auf Zeit und Raum.
Sie erklären nämlich über das Gebet, dass wir sicher sein können, dass Gott unsere schweigenden Gebete hört, weil Er unsere Gedanken lesen kann. Logisch ist das in vielfacher Hinsicht für den Gläubigen einleuchtend, sobald wir Gottes Geist in uns annehmen, der in unserem Sinn und in unseren Gedanken zu uns spricht. Der Kommunikationsweg muss gewiss in zwei Richtungen verlaufen und nicht nur in einer! Dennoch habe ich immer mit diesem Konzept des schweigenden Gebets gerungen.
Meine Schwierigkeiten sind vor allem die folgenden:
1) Abgesehen von vagen und möglicherweise poetischen Hinweisen in den Psalmen und an anderen Stellen, die Gottes Allwissenheit bestätigen, durch die Er unsere Gedanken von ferne erkennt und schon weiß, welche Worte wir sprechen werden, bevor wir sie überhaupt formulieren – gibt es irgendwo in Gottes Wort einen Lehrtext als direkte Bestätigung für das schweigende Gebet?
Alle konkreten biblischen Berichte von Einzelpersonen, die beten, einschließlich Jesus, scheinen von hörbarem Gebet zu sprechen.
2) Wenn unser schweigendes Gebet auf der geistlichen, aber nicht auf der physikalischen Ebene völlig „gehört“ wird, warum empfangen wir dann nicht auch kontinuierlich klar artikulierte Gedanken auf der geistlichen Ebene als Antwort? (Gewiss habe ich das von Zeit zu Zeit erlebt, wenn der Heilige Geist innerlich spricht, aber zu anderen Zeiten kann ich nicht zwischen meinen eigenen Eindrücken oder Gedanken und seinen Impulsen unterscheiden.)
3) Können wir einen physikalischen oder geistlichen Mechanismus oder eine entsprechende Analogie finden, durch die Gott die Gedanken von mehreren hundert Millionen Menschen gleichzeitig „hören“ kann, und ist es eine begründete Erwartung, dass er sich persönlich auf jede Einzelperson konzentriert? Wäre das deshalb möglich, weil Gott nicht an Zeit und Raum gebunden ist?
4) Milliarden nicht-gläubiger Menschen beten zu verschiedenen falschen Gottheiten, sei es laut oder schweigend. Werden ihre Gebete von Gott gehört oder ist es einfach pseudo-geistliches Geplapper, das im Äther verschwindet?
Ich hoffe, ich habe nicht zu viele unzusammenhängende Fragen aneinander gereiht, aber diese Frage des Gebets beschäftigt mich seit Jahren, während andere Fragen des Glaubens und der Apologetik befriedigend beantwortet und geklärt wurden.
Danke,
Mike
Frage 3: Hat Richard Swinburne recht, dass Gott logisch kontingent ist?
Sehr geehrter Prof. Craig,
zu Beginn möchte ich Ihnen und allen bei RF danken. Durch Ihre Arbeit und Ihren Dienst haben Sie mir eine ganz neue Welt erschlossen.
Ich lese gerade das Buch Die Existenz Gottes von Richard Swinburne [1] (oder sagen wir, ich versuche es). Darin behauptet er, dass Gott logisch kontingent ist (siehe S. 79 und 148 der 2. englischen Auflage). Dies werde durch die Tatsache belegt, dass die Nicht-Existenz Gottes nicht logisch inkohärent ist und keinen Widerspruch enthält. Swinburne sagt auch, dass nichts logisch Kontingentes von etwas logisch Notwendigem abgeleitet werden kann. Ich hoffe, ich gebe Swinburnes Auffassung richtig wieder.
Nun hatte ich immer den Eindruck, dass logische Notwendigkeit eine Art Unterkategorie der ontologischen Notwendigkeit ist, sodass etwas, das ontologisch notwendig ist, deshalb logisch notwendig ist. Ich kann verstehen, warum das Universum nicht etwas ontologisch oder logisch Notwendiges ist. Als es nicht existierte, gab es nichts, was seine Existenz logisch notwendig machte. Es kann seine eigene Existenz nicht erklären, noch seine eigene Ursache sein. Aber ich dachte immer, dass aus genau diesen Attributen der Wirkung (das Universum) auf die entgegengesetzten Attribute seiner Ursache (Gott) zu schließen ist und dass die Ursache somit logisch notwendig sein müsste. Die einzige Erklärung, die ich mir für Gottes logische Kontingenz denken kann, ist: Falls Er logisch kontingent ist, könnte es bedeuten, dass Seine Existenz irgendeine notwendige Ursache haben muss oder dass es irgendeine Art von Prinzip gab, die seine Existenz logisch notwendig machte, was natürlich nicht der Fall sein kann. Aber könnte Gottes eigene Existenz – obwohl sie ohne Erklärung ist – nicht sozusagen einfach ihr eigenes Prinzip der Notwendigkeit sein? Ist es nicht das, was ontologische Notwendigkeit bedeutet?
Es fällt mir einfach schwer, dies zu verstehen. Wie kommt es, dass der selbst-existente, unendliche und ewige Schöpfer des Universums ein logisch kontingentes Wesen wie das Universum selbst ist? Da das Universum erschaffen und nicht von der Substanz/Essenz seines Schöpfers ist, kann es nicht so sein, dass das Universum logisch kontingent ist, wenn sein Schöpfer es nicht ist? Aber wenn Swinburne zu Recht sagt, dass nichts logisch Kontingentes von dem abgeleitet werden kann, was logisch notwendig ist, warum da stehen bleiben? Ist das nicht gleichbedeutend mit der Aussage, dass nichts Endliches von dem Unendlichen abgeleitet werden kann?
Mit freundlichen Grüßen
Gunnar
Frage 4: Das Moral-Argument und das Euthyphron-Dilemma (Was, wenn Gott immer zornig wäre?)
Sehr geehrter Prof. Craig,
danke für all Ihre gute Arbeit. Zuerst sah ich Sie vor zwei Jahren, als ich in Auckland in Neuseeland studierte. Ich kam in der Erwartung zu der Debatte, dass Sie haushoch verlieren würden, aber das Gegenteil geschah, und ich verließ die Debatte als ein viel aufgeschlossenerer Suchender. Zwei Jahre später bin ich nun ein Kirchgänger. Danke, dass Sie mir auf meinem Weg geholfen haben.
Meine Frage betrifft das Euthyphron-Dilemma. Wie ich hörte, lautet es folgendermaßen: „Ist etwas gut, weil Gott es will, oder will Gott es, weil es gut ist?“ Ich habe von Ihnen und anderen Theisten die Antwort gehört, dass es ein falsches Dilemma ist und dass die richtige Antwort lautet: „Gottes Gebote sind gut, weil sie seiner Natur entsprechen.“
Aber dadurch wird die Frage nur einen Schritt zurückverlegt und stellt sich dort unverändert! Ist etwas gut, weil es Gottes Natur entspricht, oder entspricht etwas Gottes Natur, weil es gut ist? Wenn Gott nicht freundlich und liebend wäre, wie Christen sagen, sondern nur die ganze Zeit sehr zornig, würde Zorn dann nicht gut werden und auch zu einer groß machenden Eigenschaft werden, die in Gottes Natur begründet ist?
Ich denke, wir alle stimmen überein, dass ein Gott, der liebt, moralisch besser ist als ein Gott, der hasst. Aber wie begründen wir ein solches Urteil? Offensichtlich können wir dieses Urteil nicht in Gottes Natur begründen, weil es Gottes Natur ist, über die wir in diesem Beispiel sprechen! Es scheint, dass Freundlichkeit, Großzügigkeit, usw. groß machende Eigenschaften sind. Würden sie nicht auch dann groß machend sein, wenn Gott nicht existierte? Wenn Gott nicht existierte, könnten wir nicht versuchen, die groß machenden Eigenschaften dennoch zu verkörpern, um moralisch besser zu werden?
Wie gesagt, ich habe Glauben, aber diese Frage lässt mir keine Ruhe.
Mit den besten Wünschen,
Elliott
Frage 5: Wenn Gott vor der Schöpfung zeitlos und nach der Schöpfung in der Zeit ist: widerspricht das nicht der Unveränderlichkeit Gottes?
Nach Ihrer Theorie über Zeit und Gott ist Gott ohne das Universum zeitlos, und sobald Er beschließt, es zu erschaffen, wird er dann temporal oder in der Zeit. Ein solcher Übergang scheint, wie Sie andeuten, die Natur Gottes von einem zeitlosen Wesen zu einem Wesen in der Zeit zu verändern. Aber was würde dies über die Unveränderlichkeit Gottes sagen, nach welcher Er keiner Veränderung unterliegt? Ist Ihr Ansatz der Veränderlichkeit Gottes also nicht bloße Spekulation, da er ja der gut begründeten Lehre von Gottes Unveränderlichkeit widerspricht?
Eleu
Frage 6: Gerd Lüdemanns Einwand: Jesus wird nie wiederkommen
Sehr geehrter Prof. Craig,
kürzlich las ich Ihre Debatte mit Gerd Lüdemann, wie sie in dem Buch „Jesus' Resurrection: Fact or Figment?“ (etwa „Die Auferstehung Jesu – Fiktion oder Wirklichkeit?“, bislang nicht ins Deutsche übersetzt, A.d.Ü.) zu finden ist. Meine Frage betrifft einen oft wiederholten Vorwurf, dass die Jünger des Neuen Testaments glaubten, dass Jesus innerhalb ihrer eigenen Generation zurückkehren würde. Lüdemann verwendet dieses Argument in seiner zweiten Erwiderung mit der Bemerkung:
„Lassen Sie mich ein Element hinzufügen, das in diesen Kontext gehört (der Kontext ist die Idee der Auferstehung und der Himmelfahrt): die glorreiche Wiederkunft Jesu aus dem Himmel, die nach Paulus zu Lebzeiten der ersten Generation von Christen geschehen würde. Aber diese Wiederkunft aus dem Himmel erfolgte nicht. Und die Tatsache, dass sie auch nach zweitausend Jahren noch nicht geschehen ist, ist ein starkes Argument dagegen, dass Jesus überhaupt wiederkommen wird.“
Sie erhielten in Ihrer Debatte mit ihm keine Gelegenheit, darauf zu antworten (es scheint mir überhaupt ein Ablenkungsmanöver in einer Debatte über die Historizität der Auferstehung zu sein), und ich fragte mich, ob Sie es nun tun könnten, obwohl seit dieser Debatte ein Jahrzehnt vergangen ist.
In Christus,
Anthony
Frage 7: Neurowissenschaftlicher Determinismus und freier Wille. Fällt die Annahme einer Seele nicht Ockhams Rasiermesser zum Opfer?
Sehr geehrter Prof. Craig,
meine Frage betrifft den Determinismus und das daraus folgende Fehlen der Willensfreiheit des Menschen.
Theoretisch ist jedes Ereignis in der Physik vorhersagbar, wenn man die Anfangsbedingungen und die betreffenden wissenschaftlichen Regeln kennt. Könnte dies also nicht auch auf die Aktivität des menschlichen Gehirns angewendet werden, in der Weise, dass jede Interaktion und Stimulation nicht unser Werk, sondern einfach das Ergebnis externer Faktoren außerhalb unserer Kontrolle ist?
Würde dies also nicht das christliche Prinzip verletzen, dass alle Menschen einen freien Willen haben, sodass wir einfach Entscheidungen treffen, die das Universum für uns beschlossen hat, bevor wir überhaupt geboren wurden?
Ist nicht außerdem die Behauptung, dass wir mehr als bloße Gehirne sind, eine Verletzung des Prinzips von Ockhams Rasiermesser?
Viele Grüße
Jordan
Frage 8: Kann objektiv gültige Moral auf Evolution basieren? Wie definiert man "objektiv"?
Eines Ihrer Argumente lautet: Wenn Gott nicht existiert, existieren keine objektiven moralischen Werte; objektive moralische Werte existieren, also existiert Gott. Ich habe einen agnostischen (zum Atheismus tendierenden) Freund, der auch an objektive moralische Werte glaubt. Er stimmt zu, dass wir unabhängig davon, was Menschen denken oder glauben, die Tatsache nicht ändern können, dass wir alle gemeinsame angeborene Werte haben. Er glaubt, dass diese Werte sich durch die Evolution biologisch entwickelt haben und dass wir, wenn wir die nötigen Kenntnisse dazu hätten, in unsere DNA schauen und die Ursache dieser gemeinsamen Werte finden könnten. Alle Menschen haben dieses DNA-Merkmal gemeinsam... es gehört zu dem, was uns menschlich macht. Außerdem schien Frau Antony in Ihrer Debatte anzudeuten, dass es verschiedene philosophische Auffassungen darüber gibt, was „objektiv“ bedeutet. Meine Frage hat zwei Teile: Wie definieren Sie „objektiv“ und warum muss Gott die EINZIGE Quelle objektiver moralischer Werte sein... wenn man von der Annahme ausgeht, dass „objektiv“ eigentlich nur bedeutet, dass wir Menschen unsere Werte nicht selbst erfunden haben und dass wir sie nicht durch das, was wir denken oder glauben, ändern können? Ich hoffe, meine Frage ist verständlich! Danke für Ihre Zeit und Ihren Dienst!
Dustin
Frage 9: Bin ich verpflichtet, meine Geistesgaben in meiner Ortsgemeinde einzusetzen, oder ist das freiwillig?
In der Bibel wird gesagt, dass Dienen bedeutet, mit kleinen Dingen und mit Geld umgehen zu können und den Bedürftigen zu begegnen. Ist es also eine Pflicht, in der Gemeinde zu dienen, wenn man Gemeindemitglied ist? Hat die Gemeinde die Autorität, nach ihren Erfordernissen und nicht nach den Neigungen des Mitglieds Aufgaben zuzuweisen? Wenn mir eine Rolle gegeben wird, in der ich mich nicht wohl fühle, werde ich nicht nur widerstrebend dienen, sondern es wird mich auch emotional belasten. Muss ich trotzdem gehorchen und mich der Autorität beugen?
Bitte helfen Sie mir,
Michelle
Frage 10: Warum hat Gott nicht eine Welt geschaffen, in der jeder gerettet wird?
Sehr geehrter Prof. Craig,
warum hat Gott nicht eine Welt erschaffen, in der jeder errettet werden würde? Seine Allwissenheit erlaubt ihm zu wissen, dass einige Menschen nicht errettet werden, sodass ihr Leben sinnlos sein wird oder, was noch schlimmer ist, sie in der Hölle brennen werden. Eine Nicht-Existenz wäre besser für den, der in Ewigkeit in der Hölle brennen wird.
Ich sage nicht, dass das Leben einfach sein sollte... Es könnte schwierig sein, und die Errettung könnte schwer zu erlangen sein, aber jeder sollte errettet werden...
United States
Prof. Craigs Antwort
A
Antwort von Prof. Craig auf Frage 1:
Vielen Dank für Ihre Ermutigung! Mein Herzenswunsch ist, dass Menschen nicht nur von der christlichen Weltanschauung überzeugt werden, sondern dass sie Christus persönlich kennen lernen. Deshalb war ich froh über die Gelegenheit, letzte Woche auf Marks Frage zu antworten.
Antwort von Prof. Craig auf Frage 2:
Danke, Mike! Als Antwort auf Ihre Fragen:
1. Achten Sie diese Hinweise in den Psalmen nicht gering (z.B. Ps 139,4!) und denken Sie über Jesu Worte nach: „Euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet“ (Matthäus 6,8). Beachten Sie, dass Jesus dies konkret als Reaktion auf die Heiden sagt, die denken, dass sie wegen ihrer vielen Worte erhört werden.
2. Es gibt in der Bibel keine Zusage und somit auch keinen Grund zu erwarten, dass wir innere Botschaften von Gott in der von Ihnen beschriebenen Weise erfahren sollten.
3. Sie sollten tiefer über Gottes Allwissenheit nachdenken. Anders als ein britischer Journalist kürzlich witzelte, ist Gott nicht irgendein Kumpel da oben. Wir sprechen über eine unendliche Intelligenz dessen, der alle propositionale Wahrheit kennt.
4. Gott hört die Gebete von Nicht-Gläubigen in dem Sinne, dass Er sie kennt, aber Er hat nicht versprochen, sie in dem Sine zu „hören“, dass Er sie erhört.
Antwort von Prof. Craig auf Frage 3:
Ich stimme Ihnen zu! Ich denke, dass Prof. Swinburne an diesem Punkt irrt. Einer der Gründe, die mich davon überzeugt haben, dass Gott im weiteren Sinne logisch notwendig (broadly logically necessary) ist, lautet: Wenn es abstrakte Objekte wie Propositionen und Zahlen gibt, die notwendig existieren, dann muss auch Gott notwendig existieren, um ihre Existenz zu begründen. Dasselbe gilt für moralische Werte, von denen viele plausiblerweise notwendig existieren. Das kosmologische Argument von Leibniz führt ebenfalls zu Gottes notwendiger Existenz. Außerdem muss Gott als das größte denkbare Wesen in jeder möglichen Welt existieren, wenn dies möglich ist, was gewiss der Fall ist.
Meine einzige Korrektur zu Ihrer Aussage ist, dass streng logische Möglichkeit enger ist als logische (oder ontologische) Möglichkeit im weiteren Sinne. So kann etwas ontologisch unmöglich sein, obwohl es keinen logischen Widerspruch enthält (z.B. „Der Premierminister ist eine Primzahl.“). Gottes Existenz ist ontologisch notwendig, obwohl es keinen logischen Widerspruch darstellt zu sagen: „Gott existiert nicht.“
Antwort von Prof. Craig auf Frage 4:
Gut, von Ihnen zu hören! Wir haben unsere Reise in „down under“ genossen!
Beachten Sie, dass die kontradiktorische Aussage zu „Gott will etwas, weil es gut ist“ nicht lautet: „Etwas ist gut, weil Gott es will“, sondern vielmehr „Es ist nicht so, dass Gott etwas will, weil es gut ist.“ Das sind Ihre wirklichen Alternativen, nicht das falsche Dilemma des Euthyphron-Einwandes. Ich wähle das zweite Horn dieses korrigierten Dilemmas („Es ist nicht so, dass... “) und expliziere es, indem ich sage: „Sondern Gott will etwas, weil Er gut ist.“
Es gibt kein weiteres Dilemma. Die Antwort auf Ihre Frage lautet, dass die von Ihnen angesprochenen Werte (Freundlichkeit, Liebe etc.) gut sind, weil sie Gottes Natur entsprechen. Ohne Gott würde es keine objektiven moralischen Werte geben. Zu fragen: „Wenn Gott nicht freundlich und liebend wäre, sondern nur die ganze Zeit sehr zornig, würde Zorn dann nicht gut werden?“ ist so, als würde man fragen: „Wenn es einen quadratischen Kreis gäbe, würde seine Fläche dann eine Seitenlänge zum Quadrat betragen?“ Die Frage ist nichtssagend, weil sie einen unmöglichen Antezedens (Wenn-Satz) hat.
In Wirklichkeit lautet die einzige Frage, die hier zu stellen ist: „Warum sollte man denken, dass Gott und nicht irgendein anderes Wesen das Paradigma des Guten ist?“, und die Antwort auf diese Frage ist: „Weil Gott das größte denkbare Wesen ist.“ Tatsächlich beweist das Euthyphron-Argument selbst, dass Gott der Grund des Guten ist, denn wenn Gott existiert (was ja dem Euthyphron-Dilemma nicht widerspricht), kann das Gute nicht getrennt von Gott existieren oder von Gott willkürlich gewählt werden; die einzige verbleibende Alternative ist also, dass das Gute Gott ist!
Antwort von Prof. Craig auf Frage 5:
Gottes Natur ändert sich nicht, wenn Gott temporal wird, denn ich denke, zeitlos zu sein ist keine essentielle Eigenschaft Gottes und somit nicht Teil Seiner Natur. Was zum Wesen Gottes gehört ist die Eigenschaft, ewig zu sein, und das kann die Form sowohl der Zeitlosigkeit als auch der Allzeitlichkeit annehmen (also dass Gott in der Zeit ist). Ich gehe also tatsächlich davon aus, dass Gott insofern nicht absolut unveränderlich ist, als Er zusätzlich zu Seinen essentiellen Eigenschaften verschiedene kontingente Eigenschaften hat, in Bezug auf die Er sich ändern kann. Ich finde eine solche Auffassung biblisch.
Antwort von Prof. Craig auf Frage 6:
Das ist eine sehr schwierige und wichtige Frage, Anthony! In meinen Defenders podcasts über die Doctrine of the Last Things (Lehre der letzten Dinge oder "Eschatologie") tue ich mein Bestes, mich ehrlich damit auseinanderzusetzen und darauf zu antworten, und ich möchte Sie auf die dortige Erörterung verweisen.
Antwort von Prof. Craig auf Frage 7:
Ihre Frage überrascht mich, Jordan, da es in Diskussionen über den Determinismus allgemein üblich geworden ist, sich auf den Quanten-Indeterminismus zu berufen, um zu zeigen, dass es falsch ist, dass „jedes Ereignis in der Physik vorhersagbar ist, wenn man die Anfangsbedingungen und die betreffenden wissenschaftlichen Regeln kennt“. Auch wenn Indeterminiertheit nur epistemisch und nicht real ist, ist eine vollständige Vorhersagbarkeit in der Physik dennoch nicht möglich. Das gilt auch für die Ereignisse neuralen Feuerns im Gehirn, da der Quanten-Indeterminismus eine Vorhersagbarkeit solcher Ereignisse ebenfalls ausschließt. Während also Willensentscheidungen keine zufälligen Ereignisse sind, können wir aufgrund der Unmöglichkeit einer Vorhersagbarkeit dennoch nicht behaupten, dass die Physik die mit dem Gehirn verbundenen freien Entscheidungen einer immateriellen Seele ausschließt.
Das Postulat einer Seele würde in der Tat die Ursachen unnötig vervielfachen, wenn wir keinen Grund hätten, eine solche immaterielle Realität zu postulieren. Aber Geist-Körper-Dualisten nennen triftige Gründe für die Realität der Seele, wie etwa die Intentionalität (die Beziehung oder Ausrichtung auf ein Objekt oder einen Inhalt) mentaler Zustände, Freiheit und kausale Wirksamkeit des Willens und die Identität des Ich in der Zeit. Siehe das Buch Naturalism (Eerdmans, 2008) von Goetz und Taliaferro. [2]
Antwort von Prof. Craig auf Frage 8:
Ich definiere objektiv als „unabhängig von menschlichen Meinungen gültig und verbindlich“.
Was nach Auffassung Ihres Freundes von menschlichen Meinungen unabhängig ist, sind die Verhaltensweisen und vielleicht Überzeugungen, die durch die Evolution in uns einprogrammiert sind. Aber diese Verhaltensweisen und Überzeugungen sind nicht gültig und verbindlich. Wenn man den Film der menschlichen Evolution zurückspulen und neu drehen würde, könnten sich ganz andere Verhaltensweisen und Überzeugungen herausbilden. Es gäbe keinen Grund zu sagen, dass die eine Reihe gültig und verbindlich ist, die andere aber nicht. Beide sind einfach natürliche Fakten der DNA menschlicher Primaten, und es gibt da keine moralischere Qualität als bei einer Schimpansen-DNA oder einer Orang-Utan-DNA.
Was Ihr Freund offenbar zu erklären versucht, ist der Ursprung unserer moralischen Überzeugungen; aber das ist nicht mein Anliegen. Ich möchte wissen, ob objektive moralische Werte existieren. Und hier scheint mir, dass die Ansichten Ihres Freundes meine Behauptung unterstützen, dass es in der Abwesenheit Gottes als Maßstab der Güte keine gültigen und bindenden moralischen Werte gibt, sondern nur Verhaltensmuster und Überzeugungen, die durch die biologische und soziale Evolution in uns eingepflanzt sind.
Antwort von Prof. Craig auf Frage 9:
Michelle, das Neue Testament lehrt, dass Gott jedem Christen eine geistliche Gabe gegeben hat, die zur Auferbauung des Leibes Christi in der örtlichen Gemeinde eingesetzt werden soll. Wir haben also als Christen eine Pflicht, Gott im Kontext unserer lokalen Gemeinde zu dienen. Wenn wir uns weigern, die Gemeinde zu besuchen, oder die Gemeinde nur besuchen, ohne zu dienen, entziehen wir uns unserer geistlichen Verantwortung gegenüber Gott und unseren Brüdern und Schwestern. Wir beeinträchtigen den Leib Christi, wenn wir uns weigern, unsere geistliche Gabe auszuüben. Dies ist also eine sehr ernste Angelegenheit.
Andererseits können einige Gemeinden sehr autoritär sein und ihre Macht über Menschen missbrauchen. Während es also nötig ist, eine dienende Herzenshaltung einzuüben, müssen wir uns auch vor Machtmissbräuchen schützen. Diese lassen sich daran erkennen, dass ein Gemeindeleiter von Ihnen etwas verlangt, wozu er kein Recht hat. Wenn Autorität missbraucht und dieser Missbrauch nicht korrigiert wird, sollten Sie diese Gemeinde verlassen und eine andere suchen.
Wenn Sie noch nicht wissen, was Ihre geistliche Gabe ist, würde ich Ihnen vorschlagen, erst einmal zu versuchen, in verschiedenen Aufgaben zu dienen, bis Sie einen Bereich finden, in dem Sie wirklich die Freude des Herrn erfahren, wenn Sie diese Aktivität ausüben. Wahrscheinlich haben Sie dann den Bereich gefunden, in dem Ihre Begabung liegt.
Antwort von Prof. Craig auf Frage 10:
Die menschliche Freiheit vorausgesetzt, kann Gott wissen, dass die Erschaffung einer solchen wünschenswerten Welt für Ihn nicht machbar ist oder dass sie mit anderen überwältigenden Nachteilen verbunden ist (etwa, dass es in ihr nur eine Handvoll Menschen gäbe), sodass sie nicht vorzuziehen ist. Das Neue Testament versichert uns, dass es Gottes Wille ist, dass jeder Mensch errettet wird; daher können wir aus der Tatsache, dass nicht alle Menschen errettet werden, den Schluss ziehen, dass die menschliche Freiheit ausschließt, dass Gott eine solche Welt erschaffen kann, wie Sie sie sich vorstellen. Zu weiteren Einzelheiten über diese Frage möchten Sie sich vielleicht das Material über den Christlichen Partikularismus in der Rubrik Scholarly Articles auf dieser Webseite anschauen. [3]
(Übers.: M. Wilczek)
Link to the original article in English: /lightning-round2
-
[1]
Die erste Auflage des Buches von Richard Swinburne “The Existence of God” wurde ins Deutsche übersetzt (“Die Existenz Gottes”, Reclam 1987). Die zweite Auflage (Oxford University Press, 2004) liegt nur auf Englisch vor. (Anm. d. Übers.)
Die erste Auflage des Buches von Richard Swinburne “The Existence of God” wurde ins Deutsche übersetzt (“Die Existenz Gottes”, Reclam 1987). Die zweite Auflage (Oxford University Press, 2004) liegt nur auf Englisch vor. (Anm. d. Übers.)
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[2]
Drei deutschsprachige Bücher, die den Naturalismus kritisieren, sind:
1.) Markus Widenmeyer: Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus. Hänssler 2015 (1. Aufl.) / 2016 (2. Aufl.)
2.) Geert Keil: Kritik des Naturalismus, de Gruyter (1993, Reprint 2012)
3.) Holm Tetens: Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie. (Reclam 2015)
Siehe auch der Aufsatz von Holm Tetens: “Der Naturalismus. Das metaphysische Vorurteil unserer Zeit”, erschienen in Information Philosophie 3/2013, der auch online verfügbar ist: http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=7251&n=2&y=4&c=107
(Anm. d. Übers.)Drei deutschsprachige Bücher, die den Naturalismus kritisieren, sind:
1.) Markus Widenmeyer: Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus. Hänssler 2015 (1. Aufl.) / 2016 (2. Aufl.)
2.) Geert Keil: Kritik des Naturalismus, de Gruyter (1993, Reprint 2012)
3.) Holm Tetens: Gott denken. Ein Versuch über rationale Theologie. (Reclam 2015)
Siehe auch der Aufsatz von Holm Tetens: “Der Naturalismus. Das metaphysische Vorurteil unserer Zeit”, erschienen in Information Philosophie 3/2013, der auch online verfügbar ist: http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=7251&n=2&y=4&c=107
(Anm. d. Übers.) -
[3]
Siehe auch den bereits ins Deutsche übersetzten Artikel von William Lane Craig: Wie kann Christus der einzige Weg zu Gott sein? (Untertitel: Ein gründlicher Versuch, das Problem des Schicksals der vom Evangelium unerreichten Menschen und die Herausforderung des religiösen Pluralismus zu beantworten.)
Link: /german/Wie-kann-Christus-der-einzige-Weg-zu-Gott-seinSiehe auch den bereits ins Deutsche übersetzten Artikel von William Lane Craig: Wie kann Christus der einzige Weg zu Gott sein? (Untertitel: Ein gründlicher Versuch, das Problem des Schicksals der vom Evangelium unerreichten Menschen und die Herausforderung des religiösen Pluralismus zu beantworten.)
Link: /german/Wie-kann-Christus-der-einzige-Weg-zu-Gott-sein
- William Lane Craig