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05 / 06

#137

July 12, 2016
F

Ich habe beschlossen, diese Woche eine Blitz-Runde zu Fragen zu machen, die sich rasch beantworten lassen. In einigen Fällen werde ich Hinweise geben, wo ich diese Themen ausführlicher erörtert habe.

Inhaltsverzeichnis der 13 Fragen: 

Frage 1: Was war zeitlich vor dem Urknall?

Frage 2: Was spricht gegen den Spinozismus? 

Frage 3: Erklärt die Ausformung der Galaxien (Lambda-CDM-Modell) den Ursprung des Lebens? 

Frage 4: Berufen sich Kosmologen auf die Evolutionstheorie, um den 'Zufall' der Feinabstimmung zu erklären? 

Frage 5: Wie kann der Mensch intrinsischen Wert haben, wenn doch Gottes Wesen die Basis der Werte ist? 

Frage 6: Ist der Wunsch zu sündigen schon Sünde? 

Frage 7: Wie können wir wissen, dass das Christentum wahr ist und nicht der Islam? 

Frage 8: Ist ein Philosophiestudium ratsam, wenn die Jobaussichten für Philosophen düster sind? 

Frage 9: Werden wir uns nach dem Tod an alle Details unseres Lebens erinnern? 

Frage 10: Wie ist Gottes Allwissenheit damit vereinbar, dass er unsere Sünde "vergisst"?

Frage 11: Wird es im Himmel Zeit geben? 

Frage 12: War Jesus nach seiner Inkarnation allgegenwärtig? 

Frage 13: Fragen zu Prämisse 1 des kalām-kosmologischen Arguments

 

Frage 1: Was war zeitlich vor dem Urknall?

Eines Ihrer Argumente lautet, glaube ich, dass Gott eine „erste Ursache“ ist (ich hoffe, das ist korrekt formuliert). Doch ich habe ein Problem, auf das Sie hoffentlich etwas Licht werfen können. Wenn die Zeit beim Urknall einen Anfang hatte, warum sollten Ursache und Wirkung dann „vor“ der Zeit sein? Wir können die Natur dessen, was vor dem Urknall war, nicht wirklich in irgendeinem logischen Sinn kennen; ist es dann nicht riskant, ein Argument darauf aufzubauen?

Adam

 

Frage 2: Was spricht gegen den Spinozismus? 

Sehr geehrter Prof. Craig,

Zuerst möchte ich Ihnen für Ihren Dienst danken. Reasonable Faith ist für mich ein großer Lichtblick gewesen, um dem Druck standzuhalten, unter den man in einer Ivy League-Schule gerät, den Schluss zu ziehen: „Nun, all diese klugen Leute sagen, dass das Christentum falsch ist, ergo ist es wahrscheinlich falsch.“ Sie veranschaulichen, warum – wie C. S. Lewis schrieb – nur sehr wenige den Glauben verlassen, weil sie durch aufrichtige Argumentation davon abgebracht wurden; Sie zeigen sogar, dass ehrliche Argumentation auf der Seite des Christen steht. Also noch einmal vielen Dank.

Als nächstes habe ich doch eine Frage, auf die ich gern Ihre Antwort erfahren würde. Kurz gesagt geht es darum, was man einem Skeptiker antwortet, der sagt: „Nun gut, ich kann sehen, dass ein reiner Atheismus unhaltbar ist, aber nachdem der Atheismus gescheitert ist, glaube ich an den Spinozismus, und das umgeht Ihre gravierendsten Einwände.“

Wie Sie zweifellos zum Beispiel aus Ihrer Debatte [1] mit Prof. Curley wissen, der selbst ein Spinozist ist, ist das heutzutage eine recht populäre Meinung, die von einigen ziemlich brillanten und aufrichtigen Philosophen vertreten wird.

Zum Beispiel ist Thomas Nagels Buch Das letzte Wort [2], wie Victor Reppert anmerkt, Nagels Version des „Arguments aufgrund der Vernunft“, über das Prof. Reppert in Ihrem Companion to Natural Theology [3] schreibt. Das heißt, es zieht den Schluss, dass „die Fähigkeit des Universums, Organismen mit einem Verstand hervorzubringen, der fähig ist, das Universum zu verstehen, in gewisser Weise selbst ein grundlegendes Merkmal des Universums ist.“ Doch nichtsdestoweniger stellt Prof. Nagel (in einem wunderbaren und recht bemerkenswerten Kapitel über seine „Angst vor Religion“) fest, dass dies „einen quasi-religiösen ‚Touch‘ hat, etwas vage Spinozistisches.“ Doch er bleibt dabei, dass „man eine solche Bereicherung der grundlegenden Elemente der natürlichen Ordnung zugeben kann, ohne zu irgendetwas überzugehen, das buchstäblich als religiöse Überzeugung zu betrachten ist.“ Und es gibt natürlich viele andere Beispiele, vielleicht an vorderster Stelle Albert Einstein.

Ich habe festgestellt, dass diese Ansicht unter modernen Philosophen zunehmend verbreitet ist, und vermute, dass es so etwas wie ein „Neuer Neuer Atheismus“ für diejenigen ist, die wie Prof. Curley und Prof. Nagel in der Philosophie zu sehr bewandert sind, um sich dem „Neuen Atheismus“ zu verschreiben.

Wie also – abgesehen von der Auferstehung (deren Implikationen sind zwar klar, aber ein Skeptiker lässt sich nur schwer veranlassen, sich ihnen zu stellen) – widerlegen Ihre Argumente den Spinozismus? Und können Sie mir insbesondere die philosophische Notwendigkeit eines transzendenten anstelle eines immanenten Gottes aufzeigen? Wie könnten Sie Prof. Nagel zeigen, dass sein Notausstieg illusorisch ist?

Mit den besten Wünschen

Rob

 

Frage 3: Erklärt die Ausformung der Galaxien (Lambda-CDM-Modell) den Ursprung des Lebens? 

Ich habe gerade erfahren, dass es nach einem wissenschaftlichen Konsens vollkommen normal ist, dass geordnete Strukturen in Nichtgleichgewichtsprozessen spontan auftreten und dass genau dieser Mechanismus sowohl die großangelegte Struktur des Universums erklärt als auch durch das Lambda-CDM-Modell experimentell bestätigt wird, welches die wahrscheinlichen Ursprünge des Lebens erklärt.

Gibt es einen solchen Konsens und erklärt dieses Model tatsächlich den Ursprung des Lebens?

Anthony

 

Frage 4: Berufen sich Kosmologen auf die Evolutionstheorie, um den 'Zufall' der Feinabstimmung zu erklären? 

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich habe Ihre neueste Ausgabe von Reasonable Faith fast zu Ende gelesen. Ich glaube, Sie hatten an einer Stelle des Buchs festgestellt – ich fasse das jetzt mal etwas grob zusammen –, dass aufgrund der Nicht-Beobachtbarkeit von „Paralleluniversen“, deren Existenz von Kosmologen vertreten werden, die eine String-Theorie oder eine M-Theorie usw. bevorzugen, das gegenwärtige Standardmodell – zumindest für den Augenblick – dasjenige zu sein scheint, das Sie bevorzugen. Ich würde sagen, das entspricht zurzeit so ziemlich meiner eigenen Einschätzung. Doch da alle wissenschaftlichen Disziplinen darauf hinauszulaufen scheinen, ein einheitliches darwinistisches / neodarwinistisches Evolutionsverständnis herbeizuführen – und anscheinend wie selbstverständlich von Paralleluniversen sprechen – veranlasst meine Neugier mich zu der Frage, ob Sie ein Verfechter der Evolution sind, und falls ja, ob Sie nicht bitte Ihre persönlichen Überzeugungen in diesem Zusammenhang erläutern könnten, vielleicht auch mit einigen Begründungen?

Danke,

Dan

 

Frage 5: Wie kann der Mensch intrinsischen Wert haben, wenn doch Gottes Wesen die Basis der Werte ist? 

Nach Ihrer Debatte mit Hitchens ... wurde diese Frage gestellt.

Um den Fragesteller zu würdigen: Diese Frage kam von lukeprog und kam von der Webseite Common Sense Atheism.

„Sehr geehrter Prof. Craig,

heute haben Sie argumentiert, dass objektive moralische Werte nicht existieren können, ohne in den Wesenszügen und Meinungen einer bestimmten Person gegründet zu sein. Ihre Wahl ist Jahwe. Das scheint ein seltsamer Weg zu sein, um zu objektiven moralischen Werten zu kommen, doch nichtsdestoweniger haben Sie an anderer Stelle für das genaue Gegenteil argumentiert: dass objektive moralische Werte unabhängig von Jahwe existieren.

Auf Ihrer Webseite schreiben Sie zum Beispiel in Ihrer Antwort auf Frage #61 [6], dass Abtreibung falsch ist, weil das Leben einen intrinsischen moralischen Wert hat – das heißt, einen moralischen Wert in sich selbst –, und zwar unabhängig von irgendetwas außerhalb seiner selbst, einschließlich der Meinungen Jahwes. Ist das nicht ein Widerspruch? Oder habe ich Sie missverstanden?“

Ich würde gern wissen, was Sie darüber denken.

Danke.

James

 

Frage 6: Ist der Wunsch zu sündigen schon Sünde? 

Sehr geehrter Prof. Craig,

ich habe eine Frage an Sie über Jesus und die Versuchung. Die Bibel lehrt in Hebräer 4,15, dass Christus „unsere Schwachheiten“ kannte und „in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.“ Da Christus ein vollkommenes, sündloses Leben führte und Gott in menschlicher Gestalt ist, wie konnten solche „Begierden“ in Ihm aufkommen? Danke für Ihre Hilfe!

Kevin

 

Frage 7: Wie können wir wissen, dass das Christentum wahr ist und nicht der Islam? 

Sehr geehrter Prof. Craig,

Bei einem kürzlichen Gespräch mit meinem Vater stellte ich fest, dass er ernsthaft daran zweifelt, ob Christus wirklich der Weg zu Gott ist oder ob er der Mensch gewordene Gott war. Er hatte drei Gründe für seine Zweifel. Sein erster Grund ist, dass er, da er nicht Gott ist, nicht wissen kann, ob Christus wirklich die Wahrheit sagte oder nicht. Sein zweiter Grund zu zweifeln ist: Woher wissen wir angesichts der neueren Gewalt radikaler Extremisten, ob der Glaube eines radikalen Muslims nicht wirklich aufrichtig ist und dass er nicht wirklich Gott dient, selbst bei Gewalttaten? Sein dritter Grund zu zweifeln ist: Da nicht zu leugnen ist, dass Christen noch vor wenigen Jahrhunderten brutal gegen andere Kulturen vorgegangen sind (Kolumbus und Cortez), wie können wir glauben, dass wir dem richtigen Gott dienen?

Blake

 

Frage 8: Ist ein Philosophiestudium ratsam, wenn die Jobaussichten für Philosophen düster sind? 

Ich frage mich, welchen Rat Sie für die vielen christlichen Doktoranden in Fachgebieten wie Philosophie und Theologie haben, die aufgrund der gegenwärtigen Rezession in Amerika düstere Berufsaussichten auf dem akademischen Gebiet haben.

Ich weiß von vielen solchen Studenten, die fleißig studiert haben, um in die besten Doktorandenprogramme zu kommen, und sich dann sehr bemüht haben, sich in diesen Programmen auszuzeichnen. Und ihr Ziel in dieser ganzen Zeit war, Professoren zu werden, die durch ihre Forschung und Lehre dazu beitragen, das Reich Gottes auszubreiten.

Doch ich weiß auch von vielen solchen Studenten, die jetzt ernsthaft in Frage stellen, ob sie versuchen sollten, Professoren zu werden, weil der Stellenmarkt im Moment so düstere Aussichten bietet.

Viele haben den Eindruck, dass es bei der aktuellen Rezession und dem dürren akademischen Stellenangebot hoffnungslos ist zu denken, dass sie Professoren werden können, und so weiß ich von vielen, die in Betracht ziehen, ihre akademischen Ziele aufzugeben, um eine nicht-akademische Laufbahn einzuschlagen.

Daher fragte ich mich, welchen Rat Sie für die vielen christlichen Studenten haben, die sich hin- und hergerissen fühlen, ob sie versuchen sollen, ihrer Berufung zu folgen und Professor zu werden, während sie andererseits angesichts der zurzeit düsteren Aussichten auf dem akademischen Stellenmarkt wenig Hoffnung haben.

Allen

 

Frage 9: Werden wir uns nach dem Tod an alle Details unseres Lebens erinnern? 

Sehr geehrter Prof. Craig,

Danke für Ihre Arbeit! Sie war und ist für mich eine große Hilfe. Ich glaube fest an Jesus und Gott (wenn ich auch erst seit kurzem gläubig bin), und mit Ihrer Hilfe und der Hilfe anderer lerne ich zu durchdenken, was die Bibel bedeutet.

Meine Frage ist: Wird irgendwo erklärt, dass wir uns an unser Leben auf der Erde vollständig erinnern werden, wenn wir Gott begegnen?

Mir ist klar, dass diese Art von Frage vielleicht nicht zu Ihren Schwerpunkten gehört, und deshalb erwarte ich nicht unbedingt eine Antwort.

Aber ich möchte Ihnen doch noch einmal danken. Sie leisten gute Arbeit und ich kann nur erahnen, wie zahllos diejenigen sind, die durch Ihre Schriften feststellen konnte, dass das, was sie bisher ohnehin schon geglaubt haben, tatsächlich wahr und wissenschaftlich belegbar ist.

Gottes Segen,

Michael

 

Frage 10: Wie ist Gottes Allwissenheit damit vereinbar, dass er unsere Sünde "vergisst"?

Immer wieder habe ich gehört, dass uns unsere Sünden durch Jesus nicht nur vergeben wurden, sondern dass Gott diese Sünden, die uns vergeben wurden, auch vergessen hat. Kürzlich ist mir diese Idee in Dr. Andrew Farleys Buch „The Naked Gospel“ erneut begegnet. Aber es gelingt mir nicht, dies mit Gottes Allwissenheit in Einklang zu bringen. Ich glaube nicht, dass Gott in seiner Allwissenheit irgendetwas vergessen kann, also glaube ich nicht, dass er unsere Sünden vergisst. Doch eine ganze Reihe offenbar recht gebildeter Leute beharren darauf, dass er es kann und tut.

Was ist wirklich der Fall?

Danke.

Jeremy

 

Frage 11: Wird es im Himmel Zeit geben? 

Zuerst möchte ich sagen, dass ich Ihre Arbeit bewundere. Ich bin Christ und habe großes Interesse daran, Apologetik zu erlernen.

Meine Frage betrifft das kosmologische Argument. Benutzt man das Diagramm einer Zeitlinie, die zeigt, dass der heutige Tag gegenwärtig der letzte Tag ist, kann die Zeit somit nicht unendlich sein, weil etwas, das unendlich ist, kein Ende hat. Könnte ein Skeptiker nicht argumentieren, dass das ewige Leben auch nicht logisch ist? Denn wenn wir heute sterben, beginnen wir unsere ewige Existenz im Himmel, und etwas, das ewig ist, kann keinen Anfang haben.

Bei einem Gespräch mit einem Atheisten setzte er voraus, dass „das Universum sich änderte, bevor die Zeit begann.“ Ich wies darauf hin, dass das Wort „änderte“ Zeit voraussetzt. Wenn etwas sich geändert hat, bedeutet dies, dass sein gegenwärtiger Zustand sich von seinem vorherigen Zustand unterscheidet (Zeit ist vergangen). Das gilt für jede Veränderung: Bewegung, Temperatur, Masse, usw. Wenn ich jetzt darüber nachdenke: Inwiefern gilt das für den Himmel? Wenn er ewig ist, würde dann nicht jede Handlung oder Bewegung, die wir dort machen, das Vorhandensein von Zeit verlangen?

Ich würde Ihre sachkundige Meinung dazu sehr schätzen.

Dan

 

Frage 12: War Jesus nach seiner Inkarnation allgegenwärtig? 

Sehr geehrter Prof. Craig,

Diese Frage ist vielleicht nicht so wichtig wie z.B. das Problem des Bösen, aber ich hoffe dennoch auf eine Antwort, um bei Bedarf eine Antwort geben zu können.

J.P. Moreland beschrieb die Dreieinigkeit als drei „Wer“ (Vater, Sohn, Heiliger Geist), die alle dieselben „Was“-Attribute gemeinsam haben, wobei Jesus bei der Inkarnation ein zweites „Was“ (nämlich Menschsein) annahm, während er zugleich seine göttlichen Attribute behielt. Wie ist das auf das göttliche Attribut Jesu der Allgegenwart anzuwenden, da wir als Menschen nicht in der Lage sind, an mehr als einem Ort gleichzeitig anwesend zu sein?

Danke für alles, was Sie tun! Gottes Segen,

Josh

 

Frage 13: Fragen zu Prämisse 1 des kalām-kosmologischen Arguments 

Sehr geehrter Prof. Craig,

Ich schreibe diese E-Mail zunächst, um einfach zu sagen, dass ich äußerst beeindruckt bin, mit welcher Zeit und Energie Sie das kalām-kosmologische Argument (KKA) zu dem gut etablierten Syllogismus "feinabgestimmt" haben (verzeihen Sie das Wortspiel), der es heute ist. Durch Ihr arbeitsintensives und unaufhörliches Engagement gilt es nun als eines der überzeugendsten und weithin anerkannten Argumente für die Existenz eines Schöpfers.

Doch ich habe nachgeforscht und einige Probleme bei dem Argument bemerkt. Einerseits beschreiben Sie die Widersprüche, die sich ergeben, wenn man Zeit als diese absolute, unendliche Ereigniskette beschreibt, die nicht durch andere Dimensionen beeinflusst wird, womit ich völlig einverstanden bin. Dies wird durch die Relativitätstheorie gut gestützt, die besagt, dass Raum und Zeit unauflöslich verknüpft sind und dass Zeit nur eine Beschreibung von Aktivität innerhalb des Raumes ist. Prämisse 2) des KKA ("Das Universum hat einmal angefangen zu existieren") wird dann jedoch hinfällig, da diese Prämisse sozusagen einen Salto rückwärts macht und nun plötzlich doch voraussetzt, dass Zeit absolut ist, da sie von einem absoluten Anfang des Universums ausgeht. Wie in aller Welt kann das Universum anfangen zu existieren, wenn es keine aktuale Zeit gab, in der es nicht existierte? Die meisten Astrophysiker und Kosmologen werden übereinstimmen, dass eine Spekulation über das, was „vor dem Urknall“ war, genauso sinnlos ist, wie die Spekulation darüber, was nördlich vom Nordpol ist; es ergibt buchstäblich keinen Sinn!

Außerdem denke ich, dass das KKA auf der unscharfen Definition des Wortes „Universum“ beruht. Wenn wir das Universum als „alles, das irgendwo existiert“ definieren, dann ist Gott Teil des Universums, und da Sie Gott als zeitlos und änderungslos beschreiben, widerlegt dies Prämisse 2). Wenn Sie es als die „Gesamtheit von Materie und Energie innerhalb der Raumzeit“ definieren, können Sie das vielleicht umgehen, aber es gibt immer noch ein weiteres Hindernis. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Regeln von Ursache und Wirkung durch das Raum-Zeit-Kontinuum bedingt sind; Raum und Zeit sind das Medium, in dem Dinge zu existieren beginnen, aufhören zu existieren, Ursache-und-Wirkung erfahren, und so weiter. Ist es nicht widersprüchlich zu sagen, dass Prämisse 1) ("Alles, was angefangen hat zu existieren, hat eine Ursache"), die sich aus dem Prinzip von Ursache und Wirkung für Dinge innerhalb der Zeit ableitet, auch auf das aktuale Universum insgesamt angewendet werden kann? Es erinnert mich an das Russell'sche Paradoxon, das von den Widersprüchen handelt, die sich ergeben, wenn man versucht, eine Menge zu einem Element ihrer selbst zu machen. Es hört sich für mich verdächtig nach einem Zirkelschluss an, denn Sie setzen voraus, dass es transzendente Regeln von Ursache-und-Wirkung gibt, die nicht den Bedingungen von Zeit und Raum unterliegen!

Zum Schluss bin ich tatsächlich auf dieses raffinierte kleine Gegenargument in der Form eines Modus ponens-Syllogismus gestoßen:

(1) Alles, was empfindungsfähig ist, hat eine Ursache. 
(2) Ein persönlicher Schöpfer ist empfindungsfähig.
(3) Deshalb hat ein persönlicher Schöpfer eine Ursache.

Es wäre großartig, Ihre Gedanken dazu zu erfahren, Prof. Dr. Craig. Danke sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Frage zu lesen!

Rhys

United States

Prof. Craigs Antwort


A

Frage 1:

Es gab überhaupt nichts, Adam, was zeitlich vor dem Urknall war, nicht einmal Gott. Gott ist kausal, nicht temporal, vor dem Urknall. Etwas muss dem Ursprung des Universums kausal vorausgehen, es sei denn, man ist bereit zu glauben, dass etwas aus nichts in Existenz kommen kann. Wir können mehrere Dinge über die Ursache des Universums wissen, indem wir eine Analyse des Begriffs "Ursache von Raum und Zeit" vornehmen. Zur Erörterung siehe mein Buch Time and Eternity (2003).

Frage 2:

Der Spinozismus, demzufolge Gott und das Universum identisch sind, ist mit dem Kontingenz-Argument, dem kalām-kosmologischen Argument, dem moralischen Argument und dem ontologischen Argument unvereinbar, ganz zu schweigen von der Tatsache der Auferstehung Jesu, sodass der Spinozismus scheitert, wenn irgendeines dieser Argumente erfolgreich ist. Denn sie alle schließen auf eine transzendente Wirklichkeit außerhalb des Universums.

Frage 3:

Infolge der Gravitation wird ein Universum, welches sich nicht zu schnell oder zu langsam ausbreitet (eine Frage der Feinabstimmung!) auf natürliche Weise verklumpte Strukturen wie Galaxien, Sterne und Planeten bilden. Aber das erklärt in keiner Weise den Ursprung des Lebens. Wer immer Ihnen das gesagt hat, Anthony, es ist nur heiße Luft! Eine lesenswerte Erörterung gängiger Szenarien über den Ursprung des Lebens finden Sie in Steve Meyers Signature in the Cell.

Frage 4:

Kosmologen tendieren nicht dazu, die Feinabstimmung des Universums durch Evolution zu erklären. Diejenigen, die den Zufall als Alternative verteidigen möchten, gehen meist von irgendeiner Form der Multiversen-Hypothese aus, nach der alle möglichen Werte der fundamentalen Konstanten und Quantitäten im Welt-Ensemble vermutet werden. Siehe meine Erörterung in Reasonable Faith, 3. Auflage. Zu meinen eigenen Auffassungen über die biologische Evolution siehe meine Defenders podcasts über die Schöpfungslehre [4] und meine kürzliche Debatte mit Francisco Ayala [5].

Frage 5:

Gute Frage! Meine Auffassung ist, dass objektive moralische Werte in Gottes Charakter begründet sind. Liebe ist eine Tugend, weil Gott liebt. Dies ist auch vereinbar mit der Unterscheidung zwischen dem, was intrinsisch und was extrinsisch gut ist. Etwas hat extrinsischen Wert, weil es zu einem Zweck verwendet werden kann. Ein Hammer hat zum Beispiel extrinsischen Wert, weil er für menschliche Akteure nützlich ist. Im Gegensatz dazu haben Menschen intrinsischen Wert, weil sie nicht bloß Mittel zu irgendeinem Zweck sind, sondern als Wesen zu behandeln sind, die in sich selbst ihren Sinn haben. So könnten wir durchaus fragen: „Aber warum sind Menschen intrinsisch wertvoll?“ Und die Antwort wird lauten: weil Gott eine Person ist.

Frage 6:

Da Christus eine wahre menschliche Natur hatte, war er allen Schwachheiten der Menschheit ausgesetzt, auch der Versuchung zur Sünde. Es sollte Ihnen nicht inkongruent erscheinen, Kevin, dass Jesus zum Beispiel sexuelles Verlangen kannte. Schließlich war er Mensch! Die Versuchung oder das Empfinden eines Verlangens, zu sündigen, ist keine Sünde.

Frage 7:

Ich finde diese Gründe nicht überzeugend, Blake. 1) Christus ist nach christlicher Auffassung Gott und deshalb vertrauenswürdig. Die Frage ist, ob wir gute Gründe haben, ihn für göttlich zu halten. Ich denke, die haben wir, in der historischen Glaubwürdigkeit der radikalen persönlichen Behauptungen Jesu und der Bestätigung dieser Behauptungen durch seine Auferstehung von den Toten. Siehe Reasonable Faith, 3. Auflage. 2) Ein Dschihadist ist gewiss aufrichtig, aber das ist kein Grund zu meinen, dass er in seinen Überzeugungen Recht hat. Wir können seine Behauptungen beurteilen, indem wir die Gründe für und die Einwände gegen den Islam untersuchen, wie ich es in meinen Debatten mit Muslimen zu tun suche, und indem wir die Gründe für und die Einwände gegen den christlichen Glauben überprüfen. 3) Viele Menschen, die sich als Christen ausgegeben haben, sind Heuchler und keine wahren Nachfolger Jesu. Sagen Sie Ihrem Vater, dass er sich selbst fragen soll: „Hätte Jesus Mayas und Inkas erschlagen?“ Die Antwort ist offensichtlich. Es ist Jesus allein, der unser Lehrer und Herr ist und den wir uns zum Vorbild nehmen.

Frage 8:

Ich will nicht leichtfertig sein, Allen, aber das sagen Leute schon, solange ich zurückdenken kann! Als Studienabsolventen Ende der 1970er Jahre machten wir alle uns Sorgen über den düsteren Stellenmarkt für Philosophen und die Fülle von Bewerbern für jede Stelle. Mein Rat an Sie ist, das alles einfach zu vergessen. Prüfen Sie Ihr Herz, um festzustellen, was Ihre Leidenschaft und Berufung ist, und gehen Sie ans Werk im Vertrauen auf die Fürsorge des Herrn. Diejenigen, die aufgeben, haben entweder ein schwaches Bewusstsein der Berufung Gottes oder aber ein mangelndes Vertrauen auf Gottes Fürsorge. Meine Frau Jan und ich haben die Erfahrung gemacht, dass Gott auf Arten und Weisen für uns sorgt, die wir uns am Anfang nicht einmal hätten vorstellen können! (Siehe Frage der Woche #83 [7].) Lassen Sie sich also nicht durch ein banges Herz davon abhalten, all das zu finden, was Gott für Sie bereithält!

Frage 9:

Nein, Michael, es gibt keine Hinweise in der Bibel, dass wir uns im Leben nach dem Tod an alles erinnern werden. Ich bin sogar der Meinung, dass Gott uns vielleicht vor schmerzhaften Erinnerungen bewahren wird.

Frage 10:

Die Sprache der Erinnerung Gottes ist ein semitischer idiomatischer Ausdruck, der damit zu tun hat, dass Gott etwas beachtet oder sich darum kümmert. Wenn also die Bibel zum Beispiel sagt, dass Gott an Israel gedachte, als das Volk in Ägypten in Gefangenschaft war, bedeutet dies nicht, dass Gott plötzlich bei sich dachte: „Ach ja! Dieses Volk in Ägypten!“ Ähnlich ist es, wenn von Gott gesagt wird, dass er unserer Sünden nicht mehr gedenkt; es bedeutet nicht, dass Gott uns anschaut und sich fragt: „Sünden? Welche Sünden?“, sondern dass Er uns unsere Sünde nicht mehr anlastet. Natürlich weiß Er, was wir getan haben! Es gibt also keine Unvereinbarkeit mit der Allwissenheit.

Frage 11:

Die Tatsache, dass wir dynamische Auferstehungskörper haben werden, setzt voraus, dass es in den neuen Himmeln und auf der neuen Erde Zeit geben wird. Wir werden nicht wie Statuen sein. Aufgrund der Objektivität des temporalen Werdens sind die Vergangenheit und die Zukunft asymmetrisch. Eine unendliche Reihe vergangener Ereignisse ist etwas aktual Unendliches, aber eine unendliche Reihe zukünftiger Ereignisse ist nur potentiell unendlich, das heißt, immer endlich, aber zur Unendlichkeit als Grenze fortschreitend. Zu weiteren Einzelheiten siehe Frage #127 [8].

Frage 12:

Da Christus ebenso ganz menschlicher Natur wie ganz göttlicher Natur ist, kann man von ihm sagen, dass er bestimmte Eigenschaften relativ zu der einen aber nicht zu der anderen Natur hat. Jesus war dann in seiner göttlichen Natur allgegenwärtig, aber seine menschliche Natur war räumlich abgegrenzt und auf verschiedene Orte in Israel beschränkt. Zu weiteren Einzelheiten siehe mein Kapitel über die Inkarnation in Philosophical Foundations for a Christian Worldview (2003). [9]

Frage 13:

Verzeihen Sie, dass ich mich so kurz fasse, Rhys! In der Kosmologie der allgemeinen Relativitätstheorie gibt es eine kosmische Zeit, welche die Dauer des Universums misst und die in der Vergangenheit endlich ist. Dass etwas zu existieren beginnt bedeutet nicht, dass es eine Zeit gab, in der es nicht existierte; wir können vielmehr sagen, dass etwas anfängt, bei t zu existieren, wenn es bei t existiert und es keine frühere Zeit t* < t gibt, in der die Sache existierte. Das Universum erfüllt diese Bedingung.

Das Universum kann als Raumzeit und deren Grenzpunkte verstanden werden, zusammen mit den Inhalten der Raumzeit. Ich widerspreche ausdrücklich der reduktionistischen Behauptung, dass das Raum-Zeit-Kontinuum die Bedingung für Kausalität ist. Meinen Sie nicht, dass Gott vor der Existenz der physikalischen Raumzeit Engelwesen erschaffen haben könnte? Oder wie ist es mit einer zeitlosen Verursachung bestimmter abstrakter Objekte, wenn solche existieren?

Was den Syllogismus betrifft, sehe ich überhaupt keinen Grund, Prämisse 1) zu akzeptieren. Dagegen beruht das kausale Prinzip, welches die erste Prämisse im kalām-Argument ist, auf der metaphysischen Anschauung, dass Sein nur aus Sein kommt, dass Sein nicht aus Nicht-Sein entspringt. Dies ist eines der am universalsten (d.h. von fast allen Philosophen) vertretenen metaphysischen Prinzipien in der Geschichte der Philosophie seit Parmenides. Wenn Gott existiert, ist er ein unverursachtes, empfindungsfähiges Wesen, und ist somit eine Ausnahme von Prämisse 1), sodass der Verfechter von Prämisse 1) beweisen muss, dass der Atheismus wahr ist, wenn er möchte, dass wir Prämisse 1) zustimmen.

(Übers.: M. Wilczek)

Link to the original article in English: /lightning-round1

  • [1]

    Die Debatte zwischen William Lane Craig und Edwin Curley fand am 05. Februar 1998 an der University of Michigan, USA statt. Die Transkription der Debatte ist hier einsehbar: /the-existence-of-the-christian-god-the-craig-curley-debate

  • [2]

    Thomas Nagel: Das letzte Wort. Stuttgart 1999: Reclam.

  • [3]

    W.L. Craig und J.P. Moreland (Hrsg.): The Blackwell Companion to Natural Theology, Oxford 2009: Wiley-Blackwell

  • [4]

    Siehe /defenders-2-podcast, dort “Section 8: Doctrine of Creation” und “Section 9: Creation and Evolution”, oder /defenders-1-podcast, dort “Section 16: The Doctrine of Creation”. (Anm. d. Übers.)

  • [5]

    Link zu William Lane Craigs Debatte mit Francisco Ayala: /media/craig-vs-ayala-indiana-university

  • [6]

    Deutsche Übersetzung: “Darf man Politiker wählen, die Abtreibung befürworten?”, /german/qa61

  • [7]

    Die deutsche Übersetzung von William Lane Craigs Bericht über Gottes Führung bei der Erlangung seiner zwei Doktortitel findet sich hier: /german/qa83

  • [8]

    Deutsche Übersetzung: “Ist eine anfangslose Vergangenheit aktual unendlich?”, /german/qa127

  • [9]

    Zur Frage, ob Jesus auch zur Zeit seiner Inkarnation als Mensch die göttliche Eigenschaft der Allgegenwart besaß, vgl. auch Frage der Woche #121: “Dreieinigkeit und Inkarnation”, /german/qa121. (Anm. d. Übers.)

- William Lane Craig