Existiert Gott? Drei Gründe, warum diese Frage einen Unterschied macht, und fünf Gründe für Gottes Existenz.
Summary
Existiert Gott? Dies ist eine der wichtigsten Fragen, die sich ein Mensch stellen kann. Ihr Glaube an die Existenz Gottes hat enorme Auswirkungen auf Ihre Ansichten in Bezug auf Leben, Menschen, Moral und Schicksal. In diesem Artikel führt Dr. Craig drei Gründe dafür an, dass das Leben ohne Gott sinnlos wäre, und formuliert sodann fünf starke Argumente für die Existenz Gottes und zeigt dadurch auf, dass es vernünftig ist, zu glauben, dass Gott existiert.
Gibt es einen Gott? Der britische Autor C. S. Lewis hat einmal gesagt, dass Gott nichts ist, wofür man sich nur mäßig interessieren kann. Wenn es nämlich keinen Gott gibt, dann gibt es keinen Grund sich überhaupt für Gott zu interessieren. Wenn Gott aber existiert, dann ist dies von höchstem Interesse, und unser größtes Anliegen sollte es dann sein, herauszufinden, wie wir mit diesem Wesen, von dem wir in jedem einzelnen Moment unserer Existenz abhängig sind, recht in Beziehung stehen können.
Menschen, die bloß mit den Achseln zucken und sagen, „Was macht es schon für einen Unterschied, ob Gott existiert?“, zeigen damit lediglich, dass sie sich noch nicht sehr tiefgehend mit diesem Problem auseinandergesetzt haben. Sogar atheistische Philosophen wie Sartre und Camus, die sehr ernsthaft über dieses Problem nachgedacht haben, geben zu, dass die Existenz Gottes für den Menschen einen gewaltigen Unterschied macht. Ich möchte an dieser Stelle nur drei Gründe nennen, warum es einen großen Unterschied macht, wenn Gott existiert.
Existiert Gott? – Drei Gründe dafür, dass seine Existenz einen Unterschied macht
1. Wenn Gott nicht existiert, ist das Leben letztendlich sinnlos. Wenn Ihr Leben dazu verdammt ist, im Tod zu enden, dann spielt es letztendlich keine Rolle, wie Sie Ihr Leben leben. Am Ende macht es keinen Unterschied, ob Sie existiert haben oder nicht. Natürlich kann Ihr Leben eine relative Bedeutung haben, etwa dadurch, dass Sie andere Menschen geprägt oder den Lauf der Geschichte beeinflusst haben. Aber am Ende ist es das Schicksal der Menschheit, im Hitzetod des Universums unterzugehen. Letzten Endes macht es keinen Unterschied, wer Sie sind oder was Sie tun. Ihr Leben ist belanglos.
Der Beitrag des Wissenschaftlers zur Erweiterung menschlichen Wissens, die Forschungen des Arztes zur Linderung von Schmerz und Leid, die Bemühungen des Diplomaten zur Sicherung des weltweiten Friedens, alle Opfer, die gute Menschen zum Wohle der Menschheit bringen – all das hat demnach keine Bedeutung. Wenn der Atheismus also wahr ist, ist das Leben letztlich sinnlos.
2. Wenn Gott nicht existiert, dann müssen wir letztendlich ohne Hoffnung leben.Wenn es keinen Gott gibt, gibt es letzten Endes keine Hoffnung, von den Unzulänglichkeiten unseres begrenzten Daseins erlöst zu werden.
Zum Beispiel gibt es dann keine Hoffnung auf Erlösung von dem Bösen. Obwohl viele Menschen danach fragen, wie Gott eine Welt erschaffen konnte, in der es so viel Böses gibt, wird doch das allermeiste Leid in der Welt durch die Unmenschlichkeit der Menschen untereinander verursacht. Der Schrecken zweier Weltkriege im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat den naiven Optimismus des 19. Jahrhunderts über den menschlichen Fortschritt praktisch zerstört. Wenn Gott nicht existiert, dann sind wir gefangen und ohne Hoffnung in einer Welt voll unnötigen und unlösbaren Leids, und es gibt keine Hoffnung auf Erlösung von dem Bösen.
Oder weiter: Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es auch keine Hoffnung auf Errettung vor dem Altern, vor Krankheiten und vor dem Tod. Auch wenn es Ihnen als Studierenden vielleicht schwer fällt darüber nachzudenken: Es ist und bleibt eine nüchterne Tatsache, dass Sie, sofern Sie nicht in jungen Jahren sterben, eines Tages ein alter Mann oder eine alte Frau sein werden. Sie werden sich vergeblich gegen das Altern wehren, auf verlorenem Posten gegen das unerbittliche Fortschreiten von Verfall, Krankheit, vielleicht sogar Senilität ankämpfen. Und schlussendlich und unausweichlich werden Sie sterben. Es gibt kein Leben, das über das Grab hinausgeht. Der Atheismus ist folglich eine Philosophie ohne Hoffnung.
3. Wenn Gott jedoch existiert, dann gibt es nicht nur Sinn und Hoffnung, sondern auch die Möglichkeit, diesen Gott und seine Liebe persönlich kennen zu lernen.Stellen Sie sich das vor! Dass der unendliche Gott Sie liebt und Ihr Freund sein will! Das wäre doch der höchste Status, den ein Mensch je erreichen könnte! Ohne Zweifel, wenn Gott existiert, dann macht das nicht nur für die Menschheit im Allgemeinen einen gewaltigen Unterschied, es könnte auch für Sie im Besonderen einen lebensverändernden Unterschied machen.
Zugegeben, nichts davon zeigt eindeutig, dass Gott existiert. Aber es zeigt doch, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob Gott existiert. Auch wenn die Belege für und gegen die Existenz Gottes also völlig gleichwertig wären, wäre das einzig Vernünftige meiner Meinung nach, an Ihn zu glauben. Das heißt, es erscheint mir bei ausgeglichener Beweislage völlig irrational, Tod, Sinnlosigkeit und Verzweiflung vor Hoffnung, Sinn und Zufriedenheit den Vorzug zu geben.
Aber eigentlich denke ich nicht, dass die Beweislage völlig ausgeglichen ist. Ich denke, es gibt gute Gründe dafür, an Gott zu glauben. Und heute Abend möchte ich Ihnen kurz fünf dieser Gründe mitteilen. Ganze Bücher sind über jeden dieser Gründe geschrieben worden, und daher reicht meine Zeit nicht, Ihnen mehr als einen kurzen Abriss der jeweiligen Argumentation zu präsentieren. Im Anschluss können wir während der Diskussionszeit aber tiefer in die Argumente einsteigen, über die Sie gerne reden möchten.
Existiert Gott? Als Reisende auf dem Pfad des Lebens haben wir das Ziel, den Sinn in verschiedenen Dingen zu sehen und zu versuchen zu verstehen, wie die Welt beschaffen ist. Die Hypothese, dass Gott existiert, erklärt ein großes Spektrum an Erfahrungstatsachen.
Existiert Gott? – Gott ist die beste Erklärung für den Ursprung des Universums.
Haben Sie sich jemals gefragt, woher das Universum kam? Warum alles existiert und nicht vielmehr nichts? Bisher haben Atheisten hierauf meistens geantwortet, das Universum sei nun mal ewig, und das war’s.
Aber das ist abwegig. Denken Sie einmal eine Minute darüber nach. Wenn das Universum nie einen Anfang hatte, bedeutet das, dass die Anzahl der vergangenen Ereignisse in der Geschichte des Universums unendlich ist. Doch, so sagen Mathematiker, führt die Existenz einer tatsächlich unendlichen Anzahl an Dingen zu Widersprüchen. Was ist zum Beispiel unendlich minus unendlich? Nun, mathematisch kommen Sie zu widersprüchlichen Ergebnissen. Und dies zeigt, dass die Unendlichkeit nur ein Gedankenkonstrukt ist, nicht etwas, was in der Realität existiert. David Hilbert [1], vielleicht der bedeutendste Mathematiker des zwanzigsten Jahrhunderts, sagte hierzu:
"Das Unendliche ist in der Realität nirgends zu finden. Weder existiert es in der Natur, noch schafft es eine legitime Basis für rationales Denken. Die Rolle, die dem Unendlichen zu spielen übrig bleibt, ist lediglich die einer Vorstellung." [2]
Weil aber vergangene Ereignisse nicht nur Vorstellungen, sondern real sind, hat dies zur Folge, dass die Zahl der vergangenen Ereignisse endlich sein muss. Daher kann die Reihe der vergangenen Ereignisse nicht ewig zurückreichen; vielmehr muss das Universum zu existieren begonnen haben.
Diese Schlussfolgerung wurde durch erstaunliche Entdeckungen in der Astronomie und der Astrophysik bestätigt. In einer der aufregendsten Entwicklungen der modernen Wissenschaft haben wir nun äußerst überzeugende Belege dafür, dass das Universum nicht ewig in die Vergangenheit zurückreicht, sondern vor etwa 14 Milliarden Jahren einen absoluten Anfang in einem umwälzenden Ereignis hatte, das als Urknall bekannt ist. Der Urknall ist deswegen so aufregend, weil er den Ursprung des Universums aus buchstäblich nichts darstellt. Denn alle Materie und Energie, sogar physikalischer Raum und Zeit selbst, entstanden beim Urknall. Wie der Physiker P. C. W. Davies erklärt: „Bei der Entstehung des Universums, wie sie in der modernen Wissenschaft diskutiert wird (…), geht es nicht bloß darum, dass eine Art Organisation (…) einem zuvor unzusammenhängenden Zustand auferlegt wird, sondern buchstäblich um den Eintritt aller physischen Dinge ins Dasein, und zwar aus dem Nichts.“ [3]
Natürlich wurden über die Jahre hinweg alternative Theorien im Versuch entwickelt, diesen absoluten Beginn zu umgehen, aber keine dieser Theorien hat sich in der Wissenschaftswelt als plausibler als die Urknall-Theorie erwiesen. Ja, Arvind Borde, Alan Guth und Alexander Vilenkin konnten im Jahr 2003 beweisen, dass jedes Universum, das sich im Durchschnitt in einem Zustand kosmischer Ausdehnung befindet, nicht ewig in die Vergangenheit zurückreichen kann, sondern einen absoluten Anfang haben muss. Vilenkin wird hierbei ganz deutlich:
"Es heißt, ein Argument ist ausreichend, um einen vernünftigen Menschen zu überzeugen, ein Beweis hingegen ist nötig, um einen unvernünftigen Menschen zu überzeugen. Mit dem nun vorliegenden Beweis können sich Kosmologen nicht mehr hinter der Möglichkeit eines Universums mit ewiger Vergangenheit verstecken. Es gibt keinen Ausweg: Sie müssen sich dem Problem eines kosmischen Anfangs stellen." [4]
Dieses Problem hat Anthony Kenny von der Universität Oxford schön dargestellt. Er schreibt: „Ein Befürworter der Urknalltheorie muss – zumindest wenn er Atheist ist – glauben, dass das Universum aus nichts und durch nichts entstanden ist.“ [5] Doch das ergibt eindeutig keinen Sinn! Von nichts kommt nichts. Warum existiert das Universum also, und nicht einfach nichts? Woher kam es? Es muss eine Ursache gegeben haben, die es ins Dasein gebracht hat.
Wir können unsere Argumentation bis hierher folgendermaßen zusammenfassen:
1. Was zu existieren beginnt, hat eine Ursache.
2. Das Universum begann zu existieren.
3. Also hat das Universum eine Ursache.
Sind die zwei Prämissen wahr, folgt der Schluss notwendigerweise.
Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Ursache ein unverursachtes, unveränderliches, zeitloses und immaterielles Wesen sein muss, welches das Universum erschaffen hat. Sie muss unverursacht sein, weil wir gesehen haben, dass es keinen unendlichen Regress von Ursachen geben kann. Sie muss zeitlos und somit unveränderlich sein – zumindest ohne das Universum –, weil sie die Zeit erschuf. Weil sie auch den Raum erschuf, muss sie ebenso den Raum transzendieren und daher immateriell und nicht physisch sein.
Darüber hinaus würde ich argumentieren, dass diese Ursache auch persönlich sein muss. Denn wie sonst könnte eine zeitlose Ursache eine zeitliche Wirkung wie das Universum hervorrufen? Wäre die Ursache ein unpersönlicher Satz von notwendigen und hinreichenden Bedingungen, dann könnte die Ursache niemals ohne die Wirkung existieren. Zum Beispiel: Der Grund dafür, dass Wasser gefriert, ist, dass die Temperatur unter 0° Celsius sinkt. Wäre die Temperatur von Ewigkeit her unter 0°, dann wäre alles Wasser, das es gab, von Ewigkeit her gefroren. Es wäre unmöglich, dass das Wasser vor einer endlichen Zeit zu gefrieren begann. Wenn also die Ursache permanent präsent ist, dann sollte die Auswirkung ebenso permanent präsent sein. Die einzige Möglichkeit dafür, dass die Ursache zeitlos sein und die Wirkung einen Anfang in der Zeit haben kann, ist, dass die Ursache ein persönliches Wesen ist, das sich freiwillig dazu entscheidet, ohne vorausgehende bestimmende Bedingungen eine Wirkung in der Zeit zu schaffen. Beispielsweise könnte ein Mann, der von Ewigkeit her sitzt, sich freiwillig dazu entscheiden, aufzustehen. Somit kommen wir nicht bloß bei einer transzendenten Ursache für das Universum an, sondern bei seinem persönlichen Schöpfer.
Ist es nicht unfassbar, dass die Urknall-Theorie demnach bestätigt, was der christliche Theist schon immer glaubte: dass im Anfang Gott das Universum erschuf? Nun frage ich Sie: Was ergibt mehr Sinn – dass der christliche Theist recht hat oder dass das Universum plötzlich unverursacht aus dem Nichts ins Dasein sprang? Ich für meinen Teil habe keine Schwierigkeit damit, zwischen diesen Alternativen zu wählen!
Existiert Gott? – Gott ist die beste Erklärung für die Feinabstimmung des Universums, die intelligentes Leben ermöglicht.
In den letzten 40 Jahren ungefähr haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Existenz von intelligentem Leben wie unserem von einem komplexen und empfindlichen Gleichgewicht von im Urknall selbst gegebenen Anfangsbedingungen abhängt. Wissenschaftler glaubten einst, dass sich letzten Endes intelligentes Leben entwickeln könnte, wie auch immer die Anfangsbedingungen des Universums waren. Jetzt wissen wir jedoch, dass unsere Existenz auf Messers Schneide steht. Die Existenz intelligenten Lebens hängt von einem Zusammenspiel von Anfangsbedingungen ab, die fein abgestimmt sein müssen, und zwar in einem Ausmaß, das buchstäblich unbegreiflich und nicht zu berechnen ist.
Diese Feinabstimmung ist zweifach. Erstens: Wenn man die Naturgesetze in mathematischen Formeln ausdrückt, findet man in ihnen bestimmte Konstanten, wie die Gravitationskonstante. Diese Konstanten sind nicht von den Naturgesetzen bestimmt. Die Naturgesetze sind kompatibel mit einem breiten Spektrum an Werten für diese Konstanten. Zweitens: Zusätzlich zu diesen Konstanten gibt es einige willkürliche Größen, die nur als Anfangsbedingungen eingeführt werden, nach denen die Naturgesetze funktionieren, wie zum Beispiel die Entropiemenge oder das Gleichgewicht zwischen Materie und Antimaterie im Universum. Nun bewegen sich alle diese Konstanten und Größen innerhalb eines außergewöhnlich schmalen Spektrums an lebensermöglichenden Werten. Würden diese Konstanten oder Größen um weniger als eine Haaresbreite verändert, so würde das lebensermöglichende Gleichgewicht zerstört, und es gäbe kein Leben.
Der Physiker P. C. W. Davies hat zum Beispiel berechnet, dass eine Veränderung der Gravitationskraft oder der schwachen Wechselwirkung im Atomkern um nur 1 Teil von 10100 ein lebensermöglichendes Universum verhindert hätte. Die kosmologische Konstante, die die Ausdehnung des Universums antreibt und für die kürzlich entdeckte Beschleunigung der Ausdehnung des Universums verantwortlich ist, ist unerklärlich fein abgestimmt auf etwa 1 Teil von 10120. Roger Penrose von der Universität Oxford hat berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die niedrige Entropiebedingung des Urknalls zufällig existierte, sich in der Größenordnung von 1 zu 1010(123) bewegt [6]. Penrose meint dazu: „Ich kann mich nicht erinnern, in der Physik etwas gesehen zu haben, von dem man weiß, dass seine Genauigkeit auch nur annähernd an einen Wert von 1 zu 1010(123) heranreicht.“ [7] Und es muss nicht nur jede einzelne Konstante oder Größe ausnehmend fein abgestimmt sein: ihre Verhältnisse zueinander müssen ebenso fein abgestimmt sein. Somit wird Unwahrscheinlichkeit mit Unwahrscheinlichkeit mit Unwahrscheinlichkeit multipliziert, bis unser Verstand vor schier unbegreiflichen Zahlen taumelt.
Nun gibt es drei Möglichkeiten, um diese erstaunliche Feinabstimmung des Universums zu erklären: physikalische Notwendigkeit, Zufall oder Design. Die erste Möglichkeit besagt, dass es eine unbekannte Weltformel [8] gibt, die erklären würde, wie das Universum beschaffen ist. Es musste so sein, wie es ist, und es war unmöglich oder sehr unwahrscheinlich, dass das Universum kein Leben ermöglicht hätte. Die zweite Möglichkeit besagt hingegen, dass die Feinabstimmung gänzlich auf einen Zufall zurückzuführen ist. Es ist nur Zufall, dass das Universum lebensermöglichend ist, und wir sind die glücklichen Nutznießer. Die dritte Möglichkeit verwirft beide Darstellungen zugunsten eines intelligenten Verstandes hinter dem Kosmos, der das Universum so konzipierte, dass es Leben ermöglichen würde. Welche dieser Möglichkeiten ist die plausibelste?
Die erste Möglichkeit erscheint außerordentlich unwahrscheinlich. Es gibt einfach keinen physikalischen Grund, warum diese Konstanten und Größen die Werte haben sollten, die sie haben. Wie P. C. W. Davies konstatiert:
"Auch wenn die Gesetze der Physik einzigartig wären, folgt daraus nicht, dass das physikalische Universum selbst einzigartig ist. (…) Die Gesetze der Physik müssen um kosmische Anfangsbedingungen erweitert werden. In den gegenwärtigen Vorstellungen von diesen „Gesetzen der Anfangsbedingungen“ gibt es nichts, was im Entferntesten andeuten würde, dass ihre Übereinstimmung mit den Gesetzen der Physik Einzigartigkeit impliziert. Weit gefehlt, (… ) es scheint demnach, dass das physikalische Universum nicht so sein muss, wie es ist: es hätte auch anders sein können." [9]
Zum Beispiel scheitert der bislang aussichtsreichste Kandidat für eine Weltformel, die Super-Stringtheorie oder M-Theorie, daran, dass er nicht einzig und allein unser Universum vorhersagt. Vielmehr lässt die Stringtheorie eine „kosmische Landschaft“ von etwa 10500 unterschiedlichen Universen zu, die alle von den gegenwärtigen Naturgesetzen regiert sind, sodass sie die beobachteten Werte der Konstanten und Größen keineswegs physikalisch notwendig macht.
Wie ist es nun mit der zweiten Möglichkeit: dass die Feinabstimmung des Universums auf einen Zufall zurückzuführen ist? Das Problem an dieser Möglichkeit ist, dass die Chancen für ein lebensermöglichendes Universum so unvorstellbar schlecht stehen, dass man sie bei gesundem Verstand nicht in Erwägung ziehen kann. Obwohl es eine riesige Anzahl an lebensermöglichenden Universen geben wird, die innerhalb der kosmischen Landschaft liegen, wird trotzdem die Anzahl an lebensermöglichenden Welten im Vergleich mit der gesamten Landschaft so unfassbar klein sein, dass die Existenz eines lebensermöglichenden Universums unglaublich unwahrscheinlich ist. Studierende oder Laien, die unbekümmert behaupten: „Es hätte alles durch Zufall passieren können!“ haben schlichtweg keine Vorstellung von der fantastischen Präzision der Feinabstimmung, die für das Leben erforderlich ist. In einem anderen Bereich Ihres Lebens würden sie niemals solch eine Hypothese akzeptieren – zum Beispiel, um zu erklären, wie über Nacht ein Auto in ihre Einfahrt gekommen ist.
Manche haben versucht, dieses Problem mit der Behauptung zu umschiffen, wir sollten uns über die fein abgestimmten Bedingungen des Universums nicht wirklich wundern, denn wäre das Universum nicht fein abgestimmt, wären wir nicht hier, um uns darüber zu wundern! Angesichts der Tatsache, dass wir hier sind, sollten wir erwarten, dass das Universum fein abgestimmt wäre. Aber eine solche Schlussfolgerung ist ein logischer Trugschluss.
Wir können dies mit Hilfe eines Vergleichs zeigen. Stellen Sie sich vor, Sie reisen ins Ausland und werden aufgrund einer falschen Anklage wegen Drogenbesitzes verhaftet und vor ein Erschießungskommando aus 100 ausgebildeten Scharfschützen gezerrt, die alle ihr Gewehr auf Ihr Herz richten, um Sie zu exekutieren. Sie hören, wie das Kommando gegeben wird: “Fertig! Zielen! Feuer!” und Sie hören den ohrenbetäubenden Lärm der Schusswaffen. Und dann bemerken Sie, dass Sie noch immer am Leben sind, dass alle 100 ausgebildeten Scharfschützen danebentrafen! Nun, was würden Sie daraus schließen? “Also, ich nehme an, ich sollte mich wirklich nicht darüber wundern, dass sie mich alle verfehlt haben. Wenn sie mich nämlich nicht verfehlt hätten, dann wäre ich nicht hier, um mich darüber zu wundern. Angesichts der Tatsache, dass ich hier bin, sollte ich erwarten, dass sie alle danebengetroffen haben.” Natürlich nicht! Sie würden sofort vermuten, dass die Scharfschützen alle bewusst daneben geschossen haben, dass das Ganze nur von irgendjemandem aus irgendeinem Grund inszeniert wurde. Während Sie sich darüber nicht wundern würden, dass Sie nicht wahrnehmen, dass Sie tot sind, würden Sie sich wohl sehr darüber wundern, dass Sie wahrnehmen, dass Sie leben. Angesichts der unglaublichen Unwahrscheinlichkeit der Feinabstimmung des Universums für intelligentes Leben ist es genauso vernünftig, daraus den Schluss zu ziehen, dass dies nicht auf Zufall, sondern auf Design zurückzuführen ist.
Um die Möglichkeit des Zufalls zu retten, waren ihre Anhänger daher gezwungen, die Hypothese zu vertreten, dass eine unendliche Anzahl an beliebig geordneten Universen, eine Art Welten-Ensemble oder Multiversum, existiert, von dem unser Universum lediglich ein Teil ist. Irgendwo in diesem unendlichen Welten-Ensemble werden fein abgestimmte Universen allein durch Zufall entstehen, und wir sind zufällig eine dieser Welten.
Es gibt allerdings mindestens zwei wesentliche Schwächen der Welten-Ensemble-Hypothese. Erstens gibt es keinen Beleg dafür, dass solch ein Welten-Ensemble existiert. Niemand weiß, ob es andere Welten gibt. Bedenken Sie außerdem, dass Borde, Guth und Vilenkin nachgewiesen haben, dass ein Universum im Zustand der kontinuierlichen kosmischen Expansion in der Vergangenheit nicht unendlich sein kann. Ihr Theorem gilt auch für das Multiversum. Weil die Vergangenheit also endlich ist, kann bis jetzt nur eine endliche Anzahl an anderen Welten generiert worden sein, sodass es keine Garantie dafür gibt, dass eine fein abgestimmte Welt in dem Ensemble entstanden wäre.
Zweitens: Wenn unser Universum nur ein beliebiger Teil eines unendlichen Welten-Ensembles ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit überwältigend hoch, dass wir ein sehr andersartiges Universum beobachten müssten, als wir es tatsächlich beobachten. Roger Penrose hat berechnet, dass es unfassbar viel wahrscheinlicher ist, dass sich unser Sonnensystem plötzlich durch eine zufällige Kollision von Teilchen bildet, als dass ein fein abgestimmtes Universum existiert (er nennt es ein „Kinkerlitzchen" im Vergleich [10]). Wäre unser Universum also nur ein beliebiger Teil eines Welten-Ensembles, ist es unfassbar viel wahrscheinlicher, dass wir ein Universum beobachten müssten, das nicht größer ist als unser Sonnensystem. Oder nochmals: Wäre unser Universum nur ein beliebiger Teil eines Welten-Ensembles, müssten wir höchst außergewöhnliche Ereignisse beobachten, wie etwa Pferde, die durch zufällige Kollisionen plötzlich erscheinen und genauso plötzlich wieder verschwinden, oder ein perpetuum mobile, da solche Dinge weitaus wahrscheinlicher sind, als dass alle Konstanten und Größen der Natur durch Zufall innerhalb des nahezu unendlich kleinen lebensermöglichenden Bereichs fallen. Beobachtbare Universen wie diese sind im Welten-Ensemble viel zahlreicher vorhanden als Welten wie unsere und sollten daher von uns zu beobachten sein. Da wir solches nicht beobachten, widerlegt diese Tatsache stark die Multiversum-Hypothese. Zumindest unter der Annahme des Atheismus ist es daher höchst wahrscheinlich, dass es kein Welten-Ensemble gibt.
Also einmal mehr: Die Sichtweise, die christliche Theisten schon immer hatten, nämlich dass es einen intelligenten Schöpfer des Universums gibt, scheint also viel eher Sinn zu ergeben als die atheistische Sichtweise, dass das Universum rein zufällig mit unfassbarer Präzision auf die Existenz intelligenten Lebens hin feinabgestimmt ist.
Wir können diese zweite Argumentation folgendermaßen zusammenfassen:
1. Die Feinabstimmung des Universums ist entweder auf physikalische Notwendigkeit, Zufall, oder Design zurückzuführen.
2. Sie ist nicht auf physikalische Notwendigkeit oder Zufall zurückzuführen.
3. Daher ist sie auf Design zurückzuführen.
Existiert Gott? – Gott ist die beste Erklärung für objektive moralische Werte in der Welt.
Wenn Gott nicht existiert, dann existieren auch keine objektiven moralischen Werte. Zu sagen, es gibt objektive moralische Werte, bedeutet, dass etwas richtig oder falsch ist, unabhängig davon, ob jemand glaubt, dass es so ist. Zum Beispiel bedeutet die Vorstellung von objektiven moralischen Werten, dass der Holocaust moralisch falsch war, obwohl die Nationalsozialisten, die den Holocaust durchführten, dachten, er wäre gut; und er wäre immer noch falsch, wenn die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten und es ihnen gelungen wäre, jeden zu vernichten oder einer Gehirnwäsche zu unterziehen, der ihnen nicht zustimmte. Und meine Behauptung lautet, dass moralische Werte nicht in diesem Sinne objektiv sind, wenn Gott nicht existiert.
Viele Theisten und Atheisten stimmen in diesem Punkt überein. Der verstorbene J. L. Mackie von der Universität Oxford zum Beispiel, einer der einflussreichsten Atheisten unserer Zeit, gab zu: „Wenn es solche in sich präskriptiven, objektiven Werte gibt, machen sie die Existenz eines Gottes wahrscheinlicher, als es sie nicht gäbe.“ [11] Um aber Gottes Existenz zu umgehen, bestritt Mackie daher, dass objektive moralische Werte existieren. Er schrieb: „Dieser moralische Sinn lässt sich leicht als ein natürliches Ergebnis der biologischen und sozialen Evolution erklären; man braucht nicht anzunehmen, ein Schöpfer der Natur habe ihn uns eingepflanzt." [12]
Michael Ruse, ein kanadischer Wissenschaftsphilosoph, stimmt dem zu. Er erklärt,
"Die Moral ist eine biologische Anpassung, genauso wie Hände, Füße und Zähne (...). Als rational nachvollziehbarer Satz von Behauptungen über ein objektives Etwas betrachtet ist die Ethik illusorisch. Ich verstehe, dass man mit der Aussage „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ denkt, dass man sich auf etwas außerhalb von sich selbst bezieht (…). Dennoch (...) hat ein solcher Bezug in Wahrheit keine Grundlage. Die Moral ist einfach eine Hilfe fürs Überleben und für die Fortpflanzung, (…) und jegliche tiefere Bedeutung ist eine Illusion." [13]
Friedrich Nietzsche, der große Atheist des 19. Jahrhunderts, der den Tod Gottes verkündete, verstand, dass der Tod Gottes die Vernichtung von allem Sinn und allen Wert im Leben bedeutete.
Ich denke, Friedrich Nietzsche hatte recht.
Aber wir müssen hier sehr vorsichtig sein. Die Frage hier lautet nicht: „Müssen wir an Gott glauben, um ein moralisches Leben zu führen?“ Ich behaupte nicht, dass wir das müssen. Die Frage lautet auch nicht: „Können wir objektive moralische Werte erkennen, ohne an Gott zu glauben?“ Ich denke, dass wir das können.
Vielmehr lautet die Frage: „Wenn Gott nicht existiert, existieren objektive moralische Werte?“ Wie Mackie und Ruse sehe ich keinen Grund zu denken, dass menschliche Moral ohne Gott objektiv ist. Denn: Wenn es keinen Gott gibt, was ist an den Menschen so besonders? Sie sind bloß zufällige Nebenprodukte der Natur, die sich vor relativ kurzer Zeit per Evolution auf einem unendlich kleinen Staubkorn irgendwo in einem feindlichen und geistlosen Universum entwickelt haben und dazu verurteilt sind, einzeln und kollektiv innerhalb relativ kurzer Zeit unterzugehen. Aus atheistischer Sicht mag manche Handlung, etwa Vergewaltigung, sozial nicht vorteilhaft sein, sodass sie im Lauf der Evolution zum Tabu wurde; aber das beweist nicht, dass Vergewaltigung wirklich falsch ist. Aus atheistischer Sicht ist, von den sozialen Konsequenzen abgesehen, nichts Falsches daran, jemanden zu vergewaltigen. Folglich gibt es ohne Gott kein absolutes Richtig und Falsch, das sich unserem Gewissen aufdrängt.
Das Problem liegt aber darin, dass objektive Werte sehr wohl existieren. Es besteht nicht mehr Grund dazu, die objektive Realität moralischer Werte abzustreiten, als die Realität der physischen Welt. Die Argumentation von Michael Ruse beweist bestenfalls nur, dass sich unsere subjektive Wahrnehmung objektiver moralischer Werte entwickelt hat. Wenn jedoch moralische Werte sukzessive entdeckt und nicht erfunden werden, dann untergräbt unser sukzessives und fehlbares Begreifen des moralischen Bereichs die objektive Realität dieses Bereichs genauso wenig wie unsere sukzessive, fehlbare Wahrnehmung der physikalischen Welt die Objektivität dieser Welt untergräbt. Die meisten von uns sehen auch ein, dass es objektive moralische Werte gibt. Auch Ruse gibt zu: „Der Mensch, der sagt, dass es moralisch akzeptabel ist, kleine Kinder zu vergewaltigen, irrt genauso wie der Mensch, der sagt: 2+2=5.“ [14]
Handlungen wie Vergewaltigung, Folter und Kindesmissbrauch sind nicht nur sozial inakzeptables Verhalten – es sind moralische Gräueltaten. Es gibt Handlungen, die wirklich falsch sind. Genauso sind Liebe, Gleichbehandlung und Selbstaufopferung wirklich gut. Wenn jedoch objektive Werte ohne Gott nicht existieren können, und objektive Werte sehr wohl existieren, dann folgt logisch und unausweichlich, dass Gott existiert.
Wir können das Argument wie folgt zusammenfassen:
1. Wenn Gott nicht existiert, existieren auch keine objektiven moralischen Werte.
2. Objektive moralische Werte existieren.
3. Also existiert Gott.
Existiert Gott? – Gott ist die beste Erklärung für die historischen Fakten über das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu.
Die historische Person Jesus von Nazareth war ein bemerkenswerter Mensch. Kritiker des Neuen Testaments sind sich mittlerweile sozusagen einig darüber, dass der historische Jesus mit einem beispiellosen Bewusstsein göttlicher Autorität auftrat – der Autorität, an Gottes Stelle zu stehen und zu sprechen. Aus diesem Grund zettelte die jüdische Führungsriege seine Kreuzigung mittels einer Anklage wegen Gotteslästerung an. Er behauptete, dass in ihm selbst das Reich Gottes gekommen sei, und als sichtbare Demonstration dieser Tatsache vollbrachte er Wunder und Exorzismen. Aber die höchste Bestätigung seines Anspruchs war seine Auferstehung von den Toten. Wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, dann haben wir es anscheinend mit einem göttlichen Wunder zu tun und folglich mit einem Beleg für die Existenz Gottes.
Nun, die meisten Menschen denken wahrscheinlich, dass die Auferstehung Jesu etwas ist, was man eben im Glauben annimmt oder nicht. Jedoch gibt es in Wirklichkeit drei fundierte Tatsachen, die von der Mehrheit der heutigen Historiker des Neuen Testaments anerkannt werden und sich meiner Meinung nach am besten durch die Auferstehung Jesu erklären lassen: sein leeres Grab, seine Erscheinungen nach dem Tod und der Ursprung des Glaubens der Jünger an seine Auferstehung. Sehen wir uns kurz jede dieser Tatsachen an.
Tatsache #1: Das Grab Jesu wurde am Sonntagmorgen von einer Gruppe seiner Nachfolgerinnen leer vorgefunden. Laut Jacob Kremer, einem österreichischen Gelehrten, der sich auf die Erforschung der Auferstehung spezialisiert hat, „halten weitaus die meisten Exegeten (…) an der Zuverlässigkeit der biblischen Aussagen über das leere Grab fest“. [15] Laut D. H. Van Daalen ist es extrem schwierig, aus historischen Gründen gegen das leere Grab Einspruch zu erheben; diejenigen, die es leugnen, tun dies auf der Grundlage theologischer oder philosophischer Annahmen.
Tatsache #2: In unterschiedlichen Situationen haben verschiedene Einzelpersonen und Gruppen Erscheinungen des lebendigen Jesus nach seinem Tod gesehen. Laut Gerd Lüdemann, einem bedeutenden deutschen Kritiker des Neuen Testaments „darf es als historisch gesichert gelten, dass Petrus (und die Jünger) nach Jesu Tod ein Erlebnis hatten, in dem ihm/ihnen Jesus als der auferstandene Christus erschien.” [16] Diese Erscheinungen wurden nicht nur von Gläubigen bezeugt, sondern auch von Nichtgläubigen, Skeptikern und sogar Feinden.
Tatsache #3: Die ursprünglichen Jünger kamen plötzlich zum Glauben an die Auferstehung Jesu, obwohl sie aufgrund der Situation jeden Anlass zum Gegenteil hatten. Bedenken Sie die Situation, der sich die Jünger nach der Kreuzigung Jesu stellen mussten:
1. Ihr Anführer war tot, und jüdische Messiaserwartungen beinhalteten keine Vorstellung eines Messias, der, anstatt über Israels Feinde zu triumphieren, von ihnen schmählich als Verbrecher exekutiert würde.
2. Jüdische Glaubensvorstellungen über das Leben nach dem Tod schlossen es aus, dass irgendjemand vor der allgemeinen Auferstehung der Toten am Ende der Welt von den Toten zu Ehre und Unsterblichkeit auferstehen würde.
Dennoch glaubten die ursprünglichen Jünger plötzlich so stark daran, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hatte, dass sie gewillt waren, für die Wahrheit dieses Glaubens zu sterben. Luke Johnson, ein Neutestamentler an der Emory University, stellt fest: “Irgendeine Art gewaltige, umwälzende Erfahrung ist notwendig, um die Art von Bewegung hervorzubringen, wie das früheste Christentum eine war.“ [17]
N. T. Wright, ein angesehener britischer Gelehrter, folgert: „Deswegen kann ich als Historiker das Aufkommen des frühen Christentums nicht erklären, wenn nicht Jesus auferstanden war und ein leeres Grab hinterlassen hatte.“ [18]
Versuche, diese drei großen Tatsachen wegzuerklären – etwa, dass die Jünger den Leichnam stahlen oder Jesus nicht wirklich tot war – sind von der gegenwärtigen Forschung durchweg abgelehnt worden. Es gibt schlicht und einfach keine plausible, naturalistische Erklärung dieser Fakten. Daher bin ich der Meinung, dass der Christ hinreichend Rechtfertigung für den Glauben hat, dass Jesus von den Toten auferstand und derjenige war, der er zu sein behauptete. Aber das impliziert eben, dass Gott existiert.
Wir können diese Argumentation folgendermaßen zusammenfassen:
1. Es gibt drei fundierte Tatsachen bezüglich des Schicksals von Jesus von Nazareth: die Entdeckung seines leeren Grabes, seine Erscheinungen nach dem Tod, und die ursprüngliche Entstehung des Glaubens seiner Jünger an seine Auferstehung.
2. Die Hypothese „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“ ist die beste Erklärung dieser Tatsachen.
3. Die Hypothese „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“ impliziert, dass der Gott, der durch Jesus von Nazareth offenbart wurde, existiert.
4. Also existiert der Gott, der durch Jesus von Nazareth offenbart wurde.
Existiert Gott? – Man kann Gott unmittelbar kennenlernen und erleben.
Dies ist nicht wirklich ein Argument für die Existenz Gottes; vielmehr ist es die Behauptung, dass man völlig unabhängig von Argumenten wissen kann, dass Gott existiert – einfach dadurch, dass man ihn unmittelbar erlebt. Dies war die Art und Weise, wie Menschen in der Bibel Gott kennenlernten, wie Professor John Hick erklärt:
"Gott war ihnen bekannt als ein dynamischer Wille, der mit ihrem eigenen Willen interagierte, eine schiere, vorgegebene Realität, mit der man so unausweichlich rechnen musste wie mit zerstörerischem Sturm und belebenden Sonnenschein (… )Sie hielten Gott nicht für ein aus logischen Schlüssen abgeleitetes Wesen, sondern für eine erlebte Realität. Für sie war Gott keine Vorstellung (…), die vom Verstand übernommen wird, sondern eine auf Erfahrung beruhende Realität, die ihrem Leben Bedeutung gab." [19]
Philosophen nennen Überzeugungen wie diese „berechtigterweise basale Überzeugungen“ [20] . Sie basieren nicht auf anderen Überzeugungen; vielmehr sind sie Teil des Fundaments des Glaubenssystems einer Person. Andere berechtigte Basalüberzeugungen wären der Glaube an die Realität der Vergangenheit, die Existenz der Außenwelt und die Existenz weiterer denkender Wesen als man selbst. Wenn Sie darüber nachdenken, stellen Sie fest: Keine dieser Überzeugungen kann bewiesen werden. Wie könnten Sie beweisen, dass die Welt nicht vor fünf Minuten erschaffen wurde, mit eingebautem Anschein von Alter, wie Essen in unseren Mägen vom Frühstück, das wir nie gegessen haben, und Erinnerungsspuren in unseren Gehirnen von Ereignissen, die wir nie wirklich erlebt haben? Wie könnten Sie beweisen, dass Sie kein Gehirn in einem Laborgefäß voller Chemikalien sind, das von einem verrückten Wissenschaftler mittels Elektroden stimuliert wird, damit Sie glauben, dass Sie hier sind und diesen Vortrag hören oder lesen? Wie könnten Sie beweisen, dass andere Menschen nicht in Wahrheit Androiden sind, die jedes äußerliche Verhalten von Personen mit einem denkenden Geist oder Verstand aufweisen, obwohl sie in Wirklichkeit seelenlose, roboter-ähnliche Wesen sind?
Obwohl diese Arten von Überzeugungen für uns grundlegend sind, heißt das nicht, dass sie willkürlich sind. Vielmehr sind sie insofern begründet, dass sie in einem gewissen Erfahrungskontext geformt werden. Im Erfahrungskontext des Sehens, Fühlens und Hörens von Dingen bilde ich auf natürliche Weise die Überzeugung, dass es bestimmte physische Objekte gibt, die ich wahrnehme. Somit sind meine Überzeugungen nicht willkürlich, sondern entsprechend in der Erfahrung begründet. Es mag sein, dass es keinen Weg gibt, solche Überzeugungen zu beweisen, und doch ist es absolut vernünftig, sie zu haben. Sie müssten verrückt sein, zu denken, dass die Welt vor fünf Minuten erschaffen wurde oder zu glauben, dass sie ein Gehirn in einem Laborgefäß sind! Solche Überzeugungen sind daher nicht bloß basal (also grundlegend), sondern berechtigterweise basal.
In derselben Weise ist der Glaube an Gott für diejenigen, die ihn suchen, eine berechtigterweise basale Überzeugung, die sich in unserer Gotteserfahrung gründet.
Wir können diese Überlegung wie folgt zusammenfassen:
1. Überzeugungen, die angemessen gegründet sind, können rationalerweise als basale, nicht auf Argumenten basierende Überzeugungen akzeptiert werden.
2. Die Überzeugung, dass der biblische Gott existiert, ist angemessen gegründet.
3. Daher kann die Überzeugung, dass der biblische Gott existiert, rationalerweise als basale, nicht auf Argumenten basierende Überzeugung akzeptiert werden.
Nun, wenn das so ist, dann besteht die Gefahr, dass Argumente für die Existenz Gottes Ihre Aufmerksamkeit von Gott selbst ablenken könnten. Wenn Sie Gott ernsthaft suchen, wird Gott Ihnen seine Existenz offenbar machen. Die Bibel sagt: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch“ (Jakobus 4,8). Wir dürfen uns nicht so sehr auf die Beweise konzentrieren, dass wir nicht auf die innere Stimme Gottes, die zu unserem Herzen spricht, hören. Für die, die hören, wird Gott zu einer unmittelbaren Realität in ihrem Leben.
Fassen wir zusammen: Wir haben fünf gute Gründe für den Glauben gesehen, dass Gott existiert:
1. Gott ist die beste Erklärung für den Ursprung des Universums.
2. Gott ist die beste Erklärung für die Feinabstimmung des Universums für intelligentes Leben.
3. Gott ist die beste Erklärung für objektive moralische Werte in der Welt.
4. Gott ist die beste Erklärung für die historischen Tatsachen bezüglich Leben, Tod und Auferstehung Jesu.
5. Man kann Gott auf direkte Weise kennenlernen und erleben.
Diese Argumente sind nur ein Teil der Belege für die Existenz Gottes. Alvin Plantinga, einer der weltweit führenden Philosophen, hat etwa zwei Dutzend Argumente für Gottes Existenz dargelegt. [21] Zusammen ergeben sie eine kraftvolle kumulative Argumentation für die Existenz Gottes.
Daher denke ich, dass der christliche Theismus eine plausible Weltanschauung ist, die sich jedem rational denkenden Menschen zur sorgfältigen Überlegung empfiehlt.
William Lane Craig
(Übers.: J. Booker)
Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/does-god-exist-1
-
[1]
David Hilbert 1862-1943, deutscher Mathematiker. DIE ZEIT vom 12.01.2012 nannte ihn den "Einstein der Mathematik", http://www.zeit.de/2012/03/David-Hilbert (abgerufen 16.10.2015). (Anm. d. Übers.)
David Hilbert 1862-1943, deutscher Mathematiker. DIE ZEIT vom 12.01.2012 nannte ihn den "Einstein der Mathematik", http://www.zeit.de/2012/03/David-Hilbert (abgerufen 16.10.2015). (Anm. d. Übers.)
-
[2]
Nach: David Hilbert, "On the Infinite," in Philosophy of Mathematics, (Englewood Cliffs, N.J.: Prentice-Hall, 1964), S. 139, 141.
Nach: David Hilbert, "On the Infinite," in Philosophy of Mathematics, (Englewood Cliffs, N.J.: Prentice-Hall, 1964), S. 139, 141.
-
[3]
Nach: ABC Science Online, "The Big Questions: In the Beginning," Interview mit Paul Davies, http://aca.mq.edu.au/pdavies.html.
Nach: ABC Science Online, "The Big Questions: In the Beginning," Interview mit Paul Davies, http://aca.mq.edu.au/pdavies.html.
-
[4]
Nach: Alex Vilenkin, Many Words in One: The Search for Other Universes (New York: Hill and Wang, 2006), S. 176.
Nach: Alex Vilenkin, Many Words in One: The Search for Other Universes (New York: Hill and Wang, 2006), S. 176.
-
[5]
Nach: Anthony Kenny, The Five Ways: St. Thomas Aquinas' Proofs of God's Existence (New York: Schocken Books, 1969), S. 66.
Nach: Anthony Kenny, The Five Ways: St. Thomas Aquinas' Proofs of God's Existence (New York: Schocken Books, 1969), S. 66.
-
[6]
D.h. 1 zu 10 hoch (10 hoch 123), eine astronomisch hohe Zahl. (Anm. d. Übers.)
D.h. 1 zu 10 hoch (10 hoch 123), eine astronomisch hohe Zahl. (Anm. d. Übers.)
-
[7]
Nach: Roger Penrose, "Time-Asymmetry and Quantum Gravity," in Quantum Gravity 2, ed. C. J. Isham, R. Penrose, and D. W. Sciama (Oxford: Clarendon Press, 1981), S. 249.
Nach: Roger Penrose, "Time-Asymmetry and Quantum Gravity," in Quantum Gravity 2, ed. C. J. Isham, R. Penrose, and D. W. Sciama (Oxford: Clarendon Press, 1981), S. 249.
-
[8]
En. „Theory of Everything (T.O.E) (Anm. d. Übers.)
En. „Theory of Everything (T.O.E) (Anm. d. Übers.)
-
[9]
Nach: Paul Davies, The Mind of God (New York: Simon & Schuster, 1992), S. 169.
Nach: Paul Davies, The Mind of God (New York: Simon & Schuster, 1992), S. 169.
-
[10]
Vgl. Roger Penrose, The Road to Reality (New York: Alfred A. Knopf, 2005), S. 762-765.
(Das Buch hat insgesamt 1136 Seiten. Eine Übersetzung in die Deutsche Sprache liegt nur in Auszügen vor: Roger Penrose, Anita Ehlers (Übers.): Der Weg zur Wirklichkeit: Die Teilübersetzung für Seiteneinsteiger, Spektrum Akademischer Verlag 2010, 357 Seiten. – Anm. d. Übers.)Vgl. Roger Penrose, The Road to Reality (New York: Alfred A. Knopf, 2005), S. 762-765.
(Das Buch hat insgesamt 1136 Seiten. Eine Übersetzung in die Deutsche Sprache liegt nur in Auszügen vor: Roger Penrose, Anita Ehlers (Übers.): Der Weg zur Wirklichkeit: Die Teilübersetzung für Seiteneinsteiger, Spektrum Akademischer Verlag 2010, 357 Seiten. – Anm. d. Übers.) -
[11]
J.L. Mackie, Das Wunder des Theismus (Stuttgart 1985: Reclam), S. 184; engl. Originalausgabe: J. L. Mackie, The Miracle of Theism (Oxford 1982: Clarendon Press), S. 115-16.
J.L. Mackie, Das Wunder des Theismus (Stuttgart 1985: Reclam), S. 184; engl. Originalausgabe: J. L. Mackie, The Miracle of Theism (Oxford 1982: Clarendon Press), S. 115-16.
-
[12]
Ebd. S. 188 (engl. Original S. 117f).
Ebd. S. 188 (engl. Original S. 117f).
-
[13]
Nach: Michael Ruse, "Evolutionary Theory and Christian Ethics," in The Darwinian Paradigm (London: Routledge, 1989), S. 262-269.
Nach: Michael Ruse, "Evolutionary Theory and Christian Ethics," in The Darwinian Paradigm (London: Routledge, 1989), S. 262-269.
-
[14]
Nach: Michael Ruse, Darwinism Defended (London: Addison-Wesley, 1982), S. 275.
Nach: Michael Ruse, Darwinism Defended (London: Addison-Wesley, 1982), S. 275.
-
[15]
Jacob Kremer, Die Osterevangelien – Geschichten um Geschichte (Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 1977), S. 49-50.
Jacob Kremer, Die Osterevangelien – Geschichten um Geschichte (Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 1977), S. 49-50.
-
[16]
Gerd Lüdemann und Alf Özen, Was mit Jesus wirklich geschah – die Auferstehung historisch betrachtet, Stuttgart 1995 (Radius), S. 74.
Gerd Lüdemann und Alf Özen, Was mit Jesus wirklich geschah – die Auferstehung historisch betrachtet, Stuttgart 1995 (Radius), S. 74.
-
[17]
Nach: Luke Timothy Johnson, The Real Jesus (San Francisco: Harper San Francisco, 1996), S. 136.
Nach: Luke Timothy Johnson, The Real Jesus (San Francisco: Harper San Francisco, 1996), S. 136.
-
[18]
Nach: N. T. Wright, "The New Unimproved Jesus," Christianity Today (September 13, 1993), S. 26.
Nach: N. T. Wright, "The New Unimproved Jesus," Christianity Today (September 13, 1993), S. 26.
-
[19]
Nach: John Hick, "Introduction," in The Existence of God, ed. with an Introduction by John Hick, Problems of Philosophy Series (New York: Macmillan Publishing Co., 1964), S. 13-14.
Nach: John Hick, "Introduction," in The Existence of God, ed. with an Introduction by John Hick, Problems of Philosophy Series (New York: Macmillan Publishing Co., 1964), S. 13-14.
-
[20]
En. „properly basic beliefs“ (Anm. d. Übers.).
En. „properly basic beliefs“ (Anm. d. Übers.).
-
[21]
Vgl. Alvin Plantinga, "Two Dozen (or so) Theistic Arguments," Vorlesung auf der 33. Jährlichen Philosophie-Konferenz, Wheaton College, Wheaton, Illinois, 23.-25. Oktober 1986. (Der Vortrag ist online verfügbar).
Vgl. Alvin Plantinga, "Two Dozen (or so) Theistic Arguments," Vorlesung auf der 33. Jährlichen Philosophie-Konferenz, Wheaton College, Wheaton, Illinois, 23.-25. Oktober 1986. (Der Vortrag ist online verfügbar).