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Naturwissenschaftliche Belege für das kalam-kosmologische Argument

Summary

In diesem Vortrag an der Universität "Georgia Institute of Technology" konzentriert Prof. Dr. Craig sich auf die naturwissenschaftlichen Indizien [1] für die Prämissen des kalam-kosmologischen Arguments für einen persönlichen Schöpfer des Universums.

Was ist das kalam-kosmologische Argument? Das Wort „kalām“ ist ein arabisches Wort, das die mittelalterliche islamische Theologie bezeichnet. Als sich der Islam einst in Ägypten ausbreitete, nahmen muslimische Theologen das christliche Denken in diesen Gebieten auf, wie zum Beispiel in Alexandrien, einem damaligen Zentrum christlicher Bildung in Nordägypten. Sie griffen diese Argumente für die Erschaffung der Welt auf, die Christen gegen griechische Materialisten und andere Philosophen vorgebracht hatten. Sie fingen an, diese Argumente für die Existenz Gottes als Schöpfer des Universums auf raffinierte Weise weiterzuentwickeln.

Lassen Sie mich einen der größten dieser mittelalterlichen Denker namens Al-Ghazali anführen, einen mittelalterlichen muslimischen Theologen des 12. Jahrhunderts, der in Persien lebte, dem heutigen Iran. Er war über den starken Einfluss griechischer Philosophen auf die muslimischen Theologen seiner Zeit besorgt. Diese Philosophen leugneten die Erschaffung des Universums durch Gott und vertraten stattdessen die Auffassung, dass das Universum sich einfach notwendig aus dem Wesen Gottes ergibt und deshalb ewig und anfanglos ist und im Grunde so notwendig ist wie Gott. Die Welt ist eine Art Emanation des Wesens Gottes.

Nachdem er die Schriften dieser Philosophen gründlich studiert hatte, verfasste er eine vernichtende Kritik ihrer Ansichten in einem Buch mit dem Titel Die Inkohärenz der Philosophen. Es ist ein faszinierendes Buch, das sich auch heute noch zu lesen lohnt, wie ich finde – es ist einfach eine sehr anregende Lektüre! In diesem Buch erklärt er die Idee eines anfanglosen Universums für absurd. Er argumentiert, dass das Universum einen Anfang gehabt haben muss, und da nichts ohne eine Ursache zu existieren beginnt, muss es einen transzendenten Schöpfer des Universums gegeben haben. Al-Ghazali formuliert das Argument sehr einfach; hier ein Zitat von ihm: „Jedes Wesen, das zu existieren beginnt, hat eine Ursache für seinen Anfang. Die Welt ist ein Wesen, das zu existieren beginnt. Also hat sie eine Ursache für ihren Anfang.“ [2] Wir können Al-Ghazalis Argument in drei einfachen Schritten ausbuchstabieren:

1. Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache.

2. Das Universum hat angefangen zu existieren.

3. Also hat das Universum eine Ursache für seinen Anfang.

Dieses kurze Argument ist so herrlich einfach, dass jeder es sich einprägen und anderen weitersagen kann. Es besteht nur aus diesen drei kurzen Schritten.

Beachten Sie, dass es auch ein logisch gültiges Argument ist. Wenn die beiden Prämissen wahr sind, dann folgt der Schluss notwendigerweise. Wer die Schlussfolgerung, dass das Universum eine Ursache für seinen Anfang hat, bestreiten will, muss eine der beiden Prämissen leugnen. Er muss sagen, dass entweder Prämisse 1 oder Prämisse 2 falsch ist, und so spitzt sich die Frage auf diesen Punkt zu: Ist es eher plausibel, dass die beiden Prämissen wahr oder dass sie falsch sind?

Wir wollen nun jede dieser Prämissen einzeln untersuchen.

PRÄMISSE 1

Die erste Prämisse lautet, dass alles, was zu existieren beginnt, eine Ursache hat. Ich denke, dass diese Prämisse für jeden, der aufrichtig nach Wahrheit sucht, buchstäblich unbestreitbar ist. Damit etwas ohne irgendeinen kausalen Zusammenhang zu existieren beginnt, müsste es aus dem Nichts in Existenz kommen. Das ist gewiss unmöglich. Lassen Sie mich drei Gründe nennen, die für diese erste Prämisse sprechen.

Erstens kann etwas nicht aus nichts entstehen. Wenn man es sich recht überlegt, ist die Behauptung, dass etwas aus dem Nichts ins Sein kommen kann, schlimmer als Magie. Wenn ein Zauberer ein Kaninchen aus einem Hut zieht, hat man zumindest einen Zauberer – von dem Hut ganz zu schweigen! Aber wenn man Prämisse 1 leugnet, muss man sagen, dass das ganze Universum zu irgendeinem Zeitpunkt der endlichen Vergangenheit ohne irgendeine Art von Grund einfach in Erscheinung trat. Aber ich denke nicht, dass irgendein vernünftiger Mensch aufrichtig glaubt, dass eine Sache – sagen wir, ein Pferd oder ein Eskimo-Dorf – einfach ohne Ursache aus dem Nichts ins Sein springen kann.

Sehr oft geben Skeptiker darauf zur Antwort, dass in der Physik subatomare Teilchen – virtuelle Teilchen nennt man sie – aus dem Nichts ins Sein kommen. In der Physik bekommt man also etwas aus dem Nichts: diese virtuellen Teilchen tauchen aus dem Nichts auf. Oder bestimmte Theorien über den Ursprung des Universums werden in Publikumszeitschriften manchmal so beschrieben, als käme nach diesen Theorien etwas aus dem Nichts. Sehr oft wird das Universum sprichwörtlich als „kostenlos“ beschrieben. Der Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman sagte: „Nichts ist kostenlos.“ [3] Manchmal sagen Leute, das Universum sei die Ausnahme zu dem Sprichwort: „Nichts ist kostenlos“, weil das Universum aus dem Nichts zu existieren begann – so z.B. Hawking und Krauss.

Ich denke, offen gesagt, dass diese Antwort ein bewusster Missbrauch der Wissenschaft ist. Die betreffenden Theorien haben mit Teilchen zu tun, die als Fluktuationen der Energie in dem Vakuum entstehen. Und man muss wissen, dass das Vakuum in der Physik nicht das ist, was ein Laie darunter versteht, nämlich nichts. In der Physik ist das Vakuum ein Meer fluktuierender Energie, ein Meer von heftiger Aktivität, das eine physikalische Struktur hat und physikalischen Gesetzen unterliegt. In ähnlicher Weise kommt bei diesen Modellen über den Ursprung des Universums das Universum aus dem Vakuum ins Sein; es kommt nicht aus dem Nichts in Existenz. Das Vakuum ist definitiv etwas, nämlich dieses Meer fluktuierender Energie. Und Laien zu erklären, dass in diesem Fall etwas aus dem Nichts kommt, ist einfach eine Verfälschung dieser Theorien und – wie ich sagte – ein Missbrauch der Wissenschaft durch diejenigen, die sich auf sie berufen.

David Albert erklärt:

"Seit der wissenschaftlichen Revolution des 17. Jahrhunderts hat das, was die Physik uns an Kandidaten für die fundamentalen Naturgesetze geboten hat, im Allgemeinen einfach vorausgesetzt, dass es bei allen Dingen letztlich irgendeinen grundlegenden, elementaren, ewig bestehenden, konkreten, physikalischen Stoff gibt ... Und das, worum es bei den fundamentalen Naturgesetzen geht, worum es bei allen fundamentalen Naturgesetzen geht, und alles, worum es bei den fundamentalen Naturgesetzen gehen kann, sofern die Physik es sich je hat vorstellen können, ist die Frage, wie dieser elementare Stoff angeordnet ist ... die Gesetze sagen überhaupt nichts darüber, woher der elementare Stoff kam oder warum die Welt gerade aus diesem bestimmten elementaren Stoff bestehen sollte, und nicht aus etwas anderem oder aus nichts.

Die fundamentalen physikalischen Gesetze, von denen Krauss in „Ein Universum aus Nichts“ spricht – die Gesetze der relativistischen Quantenfeldtheorie – bilden da keine Ausnahme. Nach den Standarddarstellungen der relativistischen Quantenfeldtheorie besteht der besondere, ewig währende, elementare physikalische Stoff der Welt (nicht überraschend) aus relativistischen Quantenfeldern. Und die grundlegenden Gesetze dieser Theorie ... haben überhaupt nichts darüber zu sagen, woher diese Felder kamen oder warum die Welt gerade aus diesen bestimmten Arten von Feldern bestehen sollte oder warum sie überhaupt aus Feldern bestehen sollte oder warum eigentlich überhaupt eine Welt existieren sollte. Punkt. Aus. Ende.

Nun gibt es da einen interessanten Unterschied zwischen relativistischen Quantenfeldtheorien und jedem vorherigen ernsten Kandidaten für eine fundamentale physikalische Theorie der Welt. Jede vorherige Theorie dieser Art rechnete materielle Teilchen zu dem konkreten, fundamentalen, ewig bestehenden, elementaren physikalischen Stoff der Welt – und relativistische Quantenfeldtheorien tun das, interessanter- und beispielloserweise, ausdrücklich nicht. Nach relativistischen Quantenfeldtheorien sind Teilchen vielmehr als spezifische Anordnungen der Felder zu verstehen. Bestimmte Anordnungen der Felder entsprechen zum Beispiel einer Existenz von 14 Teilchen im Universum, ... und nach anderen Anordnungen gibt es überhaupt keine Teilchen. Und diese letzteren Anordnungen werden, im Jargon der Quantenfeldtheorien, aus offensichtlichen Gründen als „Vakuum“-Zustände bezeichnet.

Krauss scheint davon auszugehen, dass diese Vakuum-Zustände der relativistisch-quantenfeldtheoretischen Version entsprechen, nach der es überhaupt keinen physikalischen Stoff gibt ... Aber das stimmt einfach nicht. Relativistisch-quantenfeldtheoretische Vakuum-Zustände ... sind bestimmte Anordnungen eines elementaren physikalischen Stoffs ... Die Tatsache, dass einige Anordnungen von Feldern zufällig der Existenz von Teilchen entsprechen und andere nicht, ist überhaupt nicht rätselhafter als die Tatsache, dass einige der möglichen Anordnungen meiner Finger zufällig dem Vorhandensein einer Faust entsprechen und andere nicht. Und die Tatsache, dass Teilchen anfangen und aufhören können zu existieren, während diese Felder sich mit der Zeit neu ordnen, ist überhaupt nicht rätselhafter als die Tatsache, dass Fäuste entstehen und wieder verschwinden, wenn meine Finger sich mit der Zeit neu anordnen. Und nichts von diesem Entstehen und Verschwinden ähnelt einer Erschaffung aus dem Nichts auch nur ansatzweise.

Krauss liegt völlig falsch, und seine religiösen und philosophischen Kritiker haben absolut recht." [4]

Übrigens liegt darin eine sehr, sehr wichtige Lektion, nämlich dass man sehr skeptisch sein muss, wenn Publikumszeitschriften und Fernsehsendungen behaupten, aktuelle wissenschaftliche Theorien zu beschreiben. Um solche höchst fachwissenschaftlichen Theorien für Laien zu erklären, müssen die Verfasser dieser Artikel und Fernsehsendungen unweigerlich auf Metaphern zurückgreifen, die höchst irreführend und inakkurat sind. Das gilt zum Beispiel im vorliegenden Fall, wenn gesagt wird, dass die zeitgenössische Physik zeigt, dass etwas aus nichts entstehen kann. Das Wort „nichts“ wird hier in einem philosophisch ungenauen Sinn gebracht. Das Quantenvakuum ist nicht nichts. Seien Sie also bei solchen populärwissenschaftlichen Fernsehsendungen und Artikeln sehr vorsichtig und skeptisch.

Nichts, oder Nichtheit, ist nicht einfach leerer Raum. „Nichts“ ist ein Ausdruck universaler Verneinung; er bedeutet „nicht irgend etwas". Er sollte nicht vergegenständlicht werden. Ein Beispiel ist der Satz „Ich hatte heute Mittag nichts zu essen.“ Man kann sehen, wie dumm es ist, wenn popularisierend gesagt wird, das Nichts sei instabil gegenüber Quantenfluktuationen, oder das Universum sei aus dem Nichts in Existenz getunnelt. Hier werden diese Worte in einem philosophisch unzutreffenden und irreführenden Sinn gebraucht. Nichtheit ist die Abwesenheit von Sein – die Abwesenheit von allem – und als solche hat sie keine Eigenschaften und kann daher nicht instabil gegenüber Fluktuationen sein oder Universen produzieren oder Ähnliches.

Als ich meine Arbeit über das kalam-kosmologische Argument als Ergebnis meiner Studien an der Universität von Birmingham in England erstmals veröffentlichte, vermutete ich, dass Atheisten die zweite Prämisse des Arguments angreifen würden („Das Universum hat angefangen zu existieren“), weil sie aus meiner Sicht eindeutig die kontroversere Prämisse war. Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass Atheisten gegen die erste Prämisse ("Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache") vorgehen würden. Es schien mir damals zu offensichtlich, dass ein Angriff gegen die erste Prämisse zeigt, dass man jemand ist, der nicht wirklich ernsthaft herausfinden will, wie die Realität beschaffen ist bzw. was wirklich der Fall ist, sondern nur nach einer akademischen Widerlegung des Arguments sucht – einfach nach einem Schlupfloch sucht, um der Schlussfolgerung zu entgehen. Sie können sich also meine Überraschung vorstellen, als ich feststellte, dass Atheisten die erste Prämisse leugneten, um der Schlussfolgerung des Arguments zu entgehen! Zum Beispiel beantwortete mein Freund und Kollege Quentin Smith, ein Philosoph an der Universität von Western Michigan, dieses Argument mit der Aussage, die vernünftigste Position sei, dass das Universum aus nichts, durch nichts und zu nichts entstand – fast eine Art Gettysburg-Rede [5]  für den Atheismus! Aber mir scheint, das ist eben nur der Glaube eines Atheisten. In Wirklichkeit, denke ich, verlangt dies einen größeren Sprung des Glaubens, als an die Existenz Gottes als Ursache des Universums zu glauben, denn es ist – um es noch einmal zu wiederholen – buchstäblich schlimmer als Magie, so etwas als Hypothese aufzustellen. Wenn das die Alternative zum Glauben an Gott ist, nämlich zu denken, dass das Universum unverursacht aus dem Nichts ins Sein sprang, dann denke ich, dass Atheisten jedenfalls nie wieder die Behauptung in den Mund nehmen sollten, Theisten seien irrational, denn was könnte irrationaler sein als dies – zu denken, dass das Universum einfach unverursacht aus dem Nichts in Existenz sprang?

Mein zweiter Punkt ist: Wenn etwas aus nichts in Existenz kommen kann, wenn das möglich ist, dann wird unerklärlich, warum nicht auch sonst ständig alles mögliche aus dem Nichts entsteht. Denken Sie darüber nach. Warum entstehen Fahrräder oder Personen wie Beethoven oder Malzbierflaschen nicht ohne Ursache aus dem Nichts? Wie kommt es, dass nur Universen aus dem Nichts in Existenz springen können? Was veranlasst das Nichts, so diskriminierend zu sein? Das Nichts kann nichts an sich haben, das Universen bevorzugt, weil das Nichts keine Eigenschaften hat. Auch kann das Nichts nicht eingeschränkt werden, weil es nichts gibt, was eingeschränkt werden könnte. Ich denke, dieser Punkt ist sehr überzeugend, nämlich dass völlig unerklärlich wird, warum nicht einfach alles und jedes aus dem Nichts entsteht, wenn dies geschehen kann.

Ich habe gehört, dass Atheisten folgendermaßen auf dieses Argument antworten: „Nun, Prämisse 1 gilt für alles im Universum, aber nicht für das Universum.“ Prämisse 1 ist nicht einfach ein physikalisches Naturgesetz wie das Gesetz der Schwerkraft, das nur im Universum gilt. Sie ist vielmehr ein metaphysisches Prinzip, das für das Sein als Sein gilt – es gilt für das Sein als solches. Deshalb bestimmt es die ganze Wirklichkeit, alles, was ist. Und es wäre willkürlich zu sagen, dass das Prinzip für den Ursprung des Universums nicht gilt – dass das Universum irgendwie ohne eine Ursache ins Sein springen kann. Man kann das kausale Prinzip nicht fallen lassen, wie man ein Taxi entlässt, sobald man am gewünschten Ziel angekommen ist.

An dieser Stelle wird der Atheist vermutlich erwidern: „Also gut, wenn alles eine Ursache hat, was ist dann Gottes Ursache?“ Und ich muss sagen, ich bin überrascht, mit welcher selbstzufriedenen Einstellung diese Frage oft einhergeht, wenn Studenten sie aussprechen. Sie meinen, dass sie etwas wirklich Tiefgründiges gesagt und tatsächlich ein unschlagbares Argument geliefert haben, während sie in Wirklichkeit nur die erste Prämisse missverstanden haben. Prämisse 1 sagt nicht, dass alles eine Ursache hat. Sie sagt, dass alles, was zu existieren beginnt, eine Ursache hat. Alles, was in Existenz kommt, hat eine Ursache. Aber etwas, das ewig ist, würde keine Ursache brauchen, weil es nie in Existenz kam.

Und beachten Sie, dass mein Argument hier nicht fordert, im Falle von Gott eine unbegründete Ausnahme einer Regel zu machen. Es ist das, was Atheisten immer über das Universum gesagt haben, nicht wahr? Das Universum ist ewig und unverursacht, und somit gibt es keine Ursache für das Existieren des Universums. Es ist also nicht so, als würde der Theist im Fall von Gott plötzlich eine Sonderregel einführen; es ist genau das, was der Atheist normalerweise über das Universum oder über Materie und Energie gesagt hat. Das Problem ist aber, wie wir sehen werden, dass wir inzwischen starke Belege dafür haben, dass das Universum in der Vergangenheit nicht ewig ist, sondern dass das Universum tatsächlich einen Anfang hatte. Und so steht der Atheist wieder in der Zwickmühle, sagen zu müssen, dass das Universum einfach unverursacht aus dem Nichts ins Sein sprang, was, wie ich meine, absurd ist.

Der dritte Punkt, der für diese erste Prämisse spricht, ist, dass die Wahrheit der ersten Prämisse durch allgemeine Erfahrung und naturwissenschaftliche Belege bestätigt wird. Prämisse 1 wird konstant verifiziert und nie falsifiziert. Deshalb ist schwer zu verstehen, wie ein Atheist, der der modernen Wissenschaft verpflichtet ist, im Licht der Evidenz je leugnen kann, dass Prämisse 1 mit größerer Plausibilität wahr als falsch ist. Selbst wenn es nicht sicher ist, dass sie wahr ist, macht die Evidenz sie gewiss plausibler wahr als falsch. Sie wird nie falsifiziert; sie wird immer verifiziert; und das gibt uns eine gute induktive Basis, diese Prämisse zu akzeptieren.

Meiner Meinung nach ist klar, dass die erste Prämisse des kalam-kosmologischen Arguments richtig ist, und wenn der Preis für die Leugnung der Schlussfolgerung des Arguments darin besteht, Prämisse 1 zu leugnen, dann ist das, denke ich, eine philosophische Bankrott-Erklärung des Atheismus.

PRÄMISSE 2

Wenn wir zustimmen, dass alles, was zu existieren beginnt, eine Ursache hat, welche Evidenz gibt es dann für den entscheidenden zweiten Schritt des Arguments, dass das Universum zu existieren begann? Man kann sowohl deduktive philosophische Argumente als auch induktive naturwissenschaftliche Argumente untersuchen, die Prämisse (2) bestätigen. Im Folgenden werden wir nur die naturwissenschaftlichen Belege untersuchen.

Naturwissenschaftliche Argumente: Die Ausbreitung des Universums

Nun finden manche Leute philosophische Argumente fragwürdig oder schwer nachzuvollziehen; sie ziehen empirische Beweise vor. Deshalb wende ich mich jetzt einer Untersuchung bemerkenswerter naturwissenschaftlicher Bestätigungen der Schlussfolgerung zu, die bereits durch rein philosophische Argumentation erreicht wurde. Doch bevor ich dies tue, möchte ich noch erwähnen, dass die Art von philosophischen Problemen bezüglich der Unendlichkeit der Vergangenheit, die wir erörtert haben, inzwischen in wissenschaftlichen Zeitschriften von führenden Kosmologen und Wissenschaftsphilosophen anerkannt werden. [6] Ellis, Kirchner und Stoeger fragen zum Beispiel: „Kann es eine unendliche Menge wirklich existierender Universen geben? Wir stellen die Behauptung auf, dass die Antwort auf der Grundlage weithin bekannter philosophischer Argumente nein lautet.“ [7] Sie stellen fest, dass etwas aktual Unendliches [8] nicht konstruierbar und deshalb nie Realität werden kann, und erklären: „Genau deshalb wird eine in der Vergangenheit schon realisierte Unendlichkeit von diesem Standpunkt als unmöglich erachtet – da sie eine unendliche Reihe abgeschlossener Ereignisse oder Momente einschließt.“ [9] Diese Bedenken stellen eine philosophische Bestätigung der Prämisse 2 des Kalam-Argumentes dar, das ich oben verteidigt habe ("Das Universum hat angefangen zu existieren"). Ellis und seine Kollegen folgern: „Die Argumente gegen eine unendliche vergangene Zeit sind stark – eine unendliche Zeit ist einfach nicht im Sinne von Ereignissen oder zeitlichen Momenten konstruierbar, abgesehen davon, dass sie begrifflich unbestimmt ist.“ [10]

Die physikalische Evidenz für den Anfang des Universums kommt aus zwei Wissenschaftsgebieten, die zweifellos zu den aufregendsten gehören und sich besonders schnell entwickeln: Astronomie und Astrophysik. Vor den 1920er Jahren waren Wissenschaftler immer davon ausgegangen, dass das Universum stationär und ewig sei. Die ersten Vorboten des nahenden Erdbebens, das diese traditionelle Kosmologie stürzen sollte, wurden zuerst 1917 spürbar, als Albert Einstein eine kosmologische Anwendung seiner neu entdeckten Gravitationstheorie machte, die Allgemeine Relativitätstheorie (ART). Zu seinem Verdruss fand Einstein heraus, dass die ART kein ewiges, statisches Modell des Universums zulassen würde, es sei denn, er verfälschte die Gleichungen, um den Gravitationseffekt der Materie aufzuheben. Infolgedessen stand Einsteins Universum auf Messers Schneide und die geringste Störung – und sei es auch nur der Transport von Materie von einem Teil des Universums zum anderen – würde das Universum entweder implodieren oder expandieren lassen. Indem sie dieses Merkmal des Modells von Einstein ernstnahmen, konnten der russische Mathematiker Alexander Friedmann und der belgische Astronom Georges Lemaître in den 1920er Jahren unabhängig Lösungen für seine Gleichungen formulieren, die ein expandierendes Universum vorhersagten.

Die monumentale Bedeutung des Modells von Friedmann und Lemaître lag in seiner Historisierung des Universums. Wie ein Kommentator bemerkte, war die Idee einer Ausbreitung des Universums bis zu diesem Zeitpunkt „absolut unvorstellbar. In der ganzen Menschheitsgeschichte war das Universum als feststehend und unbeweglich betrachtet worden, und der Gedanke, dass es sich in Wirklichkeit verändern könnte, war unvorstellbar.“ [11] Doch wenn das Modell von Friedmann und Lemaître richtig war, konnte das Universum nicht länger zutreffend als statische Größe betrachtet werden, die in Wirklichkeit zeitlos existierte. Das Universum hat vielmehr eine Geschichte, und die Zeit kann bei unserer Untersuchung des Kosmos nicht außer Acht gelassen werden.

1929 zeigte der amerikanische Astronom Edwin Hubble, dass das Licht ferner Galaxien sich systematisch zum roten Ende des Spektrums verschiebt. Diese Rotverschiebung wurde als Dopplereffekt verstanden, der darauf hindeutete, dass die Lichtquellen sich in der Sichtlinie entfernten. So unfassbar es war, hatte Hubble die Ausbreitung des Universums entdeckt, die Friedmann und Lemaître auf der Grundlage von Einsteins ART vorausgesagt hatten. Es war ein echter Wendepunkt in der Geschichte der Wissenschaft. „Von all den großen Prognosen der Wissenschaft im Lauf der Jahrhunderte“, rief John Wheeler aus, „gab es je eine größere als die, ein so phantastisches Phänomen vorauszusagen und richtig vorauszusagen und gegen alle Erwartungen vorauszusagen wie die Ausbreitung des Universums?“ [12]

Das Standardmodell

Nach dem Modell von Friedmann und Lemaître werden die Entfernungen zwischen den Galaxien mit fortschreitender Zeit größer. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass das Modell als eine ART-basierte Theorie nicht die Ausbreitung des materiellen Inhalts des Universums in einen präexistenten leeren Raum beschreibt, sondern vielmehr die Ausbreitung des Raumes selbst. Die Galaxien werden als solche betrachtet, die relativ zum Raum ruhen, sich aber zunehmend voneinander entfernen, indem der Raum selbst sich ausbreitet oder dehnt, so wie Punkte, die man auf die Oberfläche eines Ballons klebt, sich voneinander entfernen, wenn der Ballon sich aufbläht. Während das Universum sich ausbreitet, wird seine Dichte immer geringer. Dies hat die erstaunliche Implikation, dass das Universum, wenn man die Ausbreitung umkehrt und in der Zeit rückwärts extrapoliert, zunehmend dichter wird, bis man an irgendeinem Punkt der endlichen Vergangenheit einen Zustand unendlicher Dichte erreicht. Dieser Zustand stellt eine Singularität dar, bei der die Raumzeit-Krümmung – zusammen mit Temperatur, Druck und Dichte – unendlich wird. Sie bildet somit einen Rand oder eine Grenze der Raumzeit selbst. P. C. W. Davies kommentiert:

"Wenn man diese Prognose bis zu ihrem Extrem extrapoliert, erreichen wir einen Punkt, an dem alle Distanzen im Universum auf Null geschrumpft sind. Eine anfängliche kosmologische Singularität stellt somit ein vergangenes zeitliches Extrem für das Universum dar. Wir können physikalische Überlegungen oder auch nur das Konzept der Raumzeit nicht durch ein solches Extrem hindurch fortsetzen. Aus diesem Grund betrachten die meisten Kosmologen die anfängliche Singularität als den Beginn des Universums. Nach dieser Sicht stellt der Urknall das Schöpfungsereignis dar, die Erschaffung nicht nur aller Materie und Energie im Universum, sondern auch der Raumzeit selbst." [13]

Der Begriff „Urknall“ – engl. "Big Bang", ursprünglich ein spöttischer Ausdruck von Fred Hoyle als Bezeichnung für den Anfang des Universums, wie ihn das Modell von Friedmann und Lemaître prognostizierte – ist daher potentiell irreführend, da die Ausbreitung sich nicht von außen visualisieren lässt (da es in Bezug auf den Urknall genauso wenig ein „außerhalb“ gibt wie ein „zuvor“). [14]

Das Standardmodell des Urknalls, wie das Modell von Friedmann und Lemaître schließlich genannt wurde, beschreibt also ein Universum, das nicht in der Vergangenheit ewig ist, sondern vor einer endlichen Zeit in Existenz kam. Außerdem – und das verdient besondere Betonung – ist der Ursprung, den es postuliert, ein absoluter Ursprung aus nichts. Denn nicht nur alle Materie und Energie, sondern auch Raum und Zeit selbst kamen bei der anfänglichen kosmologischen Singularität in Existenz. Die Physiker John Barrow und Frank Tipler betonen: „Bei dieser Singularität kamen Raum und Zeit in Existenz; vor der Singularität existierte buchstäblich nichts; wenn das Universum also bei einer solchen Singularität seinen Ursprung hat, hätten wir wahrhaftig eine Erschaffung ex nihilo.“ [15] Somit können wir die Raumzeit graphisch als einen Kegel darstellen. (Abb. 1).

Abb. 1: Kegelförmige Darstellung der Raumzeit im Standardmodell. Raum und Zeit beginnen bei der anfänglichen kosmologischen Singularität, vor der buchstäblich nichts existiert.

Bei einem solchen Modell hat das Universum einen Ursprung ex nihilo in dem Sinne, dass es bei der anfänglichen Singularität richtig ist, dass es keinen früheren Raumzeit-Punkt gibt, oder dass es falsch ist, dass etwas vor der Singularität existierte.

Nun ist eine solche Schlussfolgerung für jeden, der darüber nachsinnt, zutiefst aufrüttelnd. Denn die Frage lässt sich nicht unterdrücken: Warum kam das Universum in Existenz? Sir Arthur Eddington, als er über den Anfang des Universums nachdachte, hielt die Ausbreitung des Universums für so absurd und unfassbar, dass „ich fast so etwas wie Entrüstung empfand, dass irgendjemand daran glauben sollte – außer mir selbst.“ [16]  Er sah sich schließlich genötigt zu folgern: „Der Anfang scheint uns vor unüberwindliche Schwierigkeiten zu stellen, es sei denn, wir sind einverstanden, ihn offen heraus als übernatürlich zu betrachten.“ [17] In dem Problem des Anfangs des Universums liegt, in den Worten eines Teams von Astrophysikern, „ein gewisser metaphysischer Aspekt, der entweder ansprechend oder abstoßend sein kann.“ [18]

AUSNAHMEN BEI SINGULARITÄTSTHEOREMEN

Fünf mögliche Ausnahmen bei den Singularitätstheoremen von Hawking und Penrose führen zu einer zweckdienlichen Unterscheidung von vier Kategorien von Nichtstandardmodellen, die mögliche Alternativen zum Standardmodell des Urknalls bieten. Das Hawking-Penrose-Theorem hat auch die offensichtliche, aber implizite Bedingung, dass die ART grundlegend ist; das heißt, sie ist eine vollständige sowie korrekte Beschreibung von Bedingungen innerhalb unseres Universums.

Abb. 2: Modell-Kategorien basierend auf Ausnahmen bei den Hawking-Penrose-Singularitätstheoremen

Die erste Option (geschlossene zeitartige Kurven, also Zeitschleifen) war der Gegenstand einiger Forschungen in kosmologischen Kreisen. Die nächsten beiden – ewige Inflation und Quantengravitation – sind Bereiche fruchtbarer kosmologischer Untersuchungen, die Aufmerksamkeit verdienen. Bei den letzten beiden Ausnahmebedingungen ist nicht zu erwarten, dass sie Teil eines „vernünftigen“ physikalischen Modells des Universums sind. Unsere Erörterung wird sich also mit den ersten drei Optionen befassen.

I. Geschlossene zeitartige Kurven

Eine erste exotische Ausnahme zu den Hawking-Penrose-Theoremen ist die mögliche Existenz geschlossener, zeitartiger Kurven [19]. Mit Einsteins ART vereinbar, entsprechen geschlossene zeitartige Kurven einem Beobachter, der einem Kreispfad durch Raum und Zeit folgt.

J. Richard Gott und Li-Xin Li haben ein Modell vorgeschlagen, bei dem das frühe Universum eine geschlossene Zeitschleife ist, die irgendwann zur „Geburt“ eines Universums wie des unseren führt (Abb. 3). Die meisten kosmologischen Modelle behaupten, dass die Vergangenheit an einer Grenze einer endlichen vergangenen Zeit endet. Man möchte nun erklären, was an dieser Grenze existiert. Gott und Li glauben stattdessen, dass es an dieser Grenze eine geschlossene zeitartige Kurve (GZK) gibt.

Abb. 3: Ein Gott-Li-Universum: Die Region einer geschlossenen zeitartigen Kurve existiert am Boden des Diagramms. Die vier Zweige nach oben lassen sich als inflationäre Blasen denken, die eine De Sitter-ähnliche Ausbreitung durchlaufen.

Dies ist philosophisch problematisch. Hier gilt unser Interesse der physikalischen Durchführbarkeit des Modells. Das primäre physikalische Problem, vor dem GZKn im Allgemeinen stehen, ist ihre Verletzung der sogenannten Chronologie-Schutz-Vermutung.

Gott und Li weisen darauf hin, dass „die Region der GZK ... in einem reinen Vakuumzustand sein sollte, der keine realen Teilchen oder Hawking-Strahlung und keine Blasen enthält“ (Gott und Li, 1998, S. 39). Das ist so, weil die Streustrahlung die GZK zerstören würde. Der Grund für dieses seltsame Merkmal eines GZK-Modells wurde von Stephen Hawking in einer Abhandlung (Hawking 1992) erörtert, in der er formal eine „Chronologie-Schutz-Vermutung“ vorschlug. Nach seiner Theorie hätte eine Zeitmaschine (d.h. eine GZK) Eigenschaften, die so instabil wären, dass sie sich rasch selbst zerstören würde. Daher hat sich die Natur verschworen, Zeitmaschinen zu verhindern.

Nach der Veröffentlichung der Abhandlung von Gott und Li entwickelte William Hiscock eine Verteidigung der GZK, die immer noch gültig zu sein scheint (Hiscock 2000). Erstens argumentiert Hiscock, dass die von Gott und Li gewählte anfängliche Bedingung hoch feinabgestimmt ist. Tatsächlich ist das Szenario von Gott und Li so unwahrscheinlich wie es nur sein kann, wenn man es nicht schon von vorneherein summarisch ausschließt. Zweitens argumentiert Hiscock, dass das Gott-Li-Vakuum nicht stabil ist, wenn man von realistischeren physikalischen Kraftfeldern ausgeht. GZK-Physik ist interessant, und obwohl einige Theoretiker sie immer noch verfolgen, umfasst sie nur eine kleine Minderheit der fortlaufenden kosmologischen Forschung. Obwohl es stimmt, dass niemand in der Lage war, GZKs definitiv auszuschließen, liegt die Beweislast bei denen, die sich für die Durchführbarkeit solcher Raumzeiten und Modelle auf der Basis ihrer Realität aussprechen.

II. Ewige Inflation

Eine gravierendere Ausnahme zu den Hawking-Penrose-Singularitätstheoremen liefert die Inflationstheorie. Zwar gab es viele unterstützende Beweise für das Friedmann-Lemaître-Modell, aber es gab nichtsdestoweniger beobachtbare Anomalien, die nahelegten, dass mehr hinter der Geschichte steckt. Es gab auch theoretische Gründe anzunehmen, dass die Beschreibungen nicht ganz vollständig waren. Diese Schwierigkeiten – besonders Probleme mit dem Horizont, der Flachheit und der kosmischen Hintergrundstrahlung – veranlassten die Theoretiker, eine Modifikation des Standardmodells vom Urknall vorzuschlagen, das als „Inflation“ bezeichnet wird. Guths Lösung für diese drei Probleme bestand darin, eine Periode exponentieller Ausbreitung zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Geschichte des Universums zu postulieren.

Inflation war eine bemerkenswerte Lösung für eine Reihe gravierender Anomalien, aber sie brachte noch eine weitere Eigenschaft mit sich. Die Hawking-Penrose-Singularitätstheoreme hatten unter anderem die Voraussetzung, dass die Schwerkraft immer anziehend ist – genau wie bei gewöhnlicher Materie. Aber der wahrscheinlichste physikalische Kandidat, der ein inflationäres Ereignis erklären konnte, war eine Energieform ähnlich der ursprünglichen kosmologischen Konstante, die Einstein vorgeschlagen hatte (Einstein 1917). Diese seltsame Energieform würde sich wie abstoßende Schwerkraft verhalten. Diese führte zu einem philosophisch erwünschten Ergebnis. Wenn diese „abstoßende Energie“ in dem frühen Universum vorhanden war und die anziehende Schwerkraft überwiegen konnte, dann ergibt sich die Möglichkeit, dass die Hawking-Penrose-Singularitätstheoreme nicht auf das reale Universum anwendbar waren. Vielleicht ist das Universum schließlich doch vergangen ewig.

Die 1980er und 1990er Jahre erlebten eine Fülle inflationärer Modelle, die theoretisch eine Projektion in eine ewige Vergangenheit erlaubten (Linde, 2005). Die oben erwähnte inflationäre Phase wurde in diesen Modellen nicht als isoliertes Ereignis betrachtet. Theoretiker begannen die exotische Energie, die Inflation erzeugt, als ein Feld zu beschreiben, das einen sonst leeren Raum durchdringt. Eine Schlüsselannahme war, dass die Dichte der Energie im gesamten Raum sich nie ändert, sodass sie der kosmologischen Konstante von Einstein gleicht. Sie hängt nicht von Raum oder Zeit ab, das heißt, sie ist konstant. In diesem Fall muss bei der Ausbreitung des Raumes ständig mehr Energie erzeugt werden, um die Energiedichte konstant zu halten (woher diese Energie stammt, ist noch umstritten). Der Raum „klont“ sich selbst. Gelegentlich zerfallen (konvertieren) Teile dieses rasch expandierenden Raums zu der Art von „leerem“ Raum, in dem wir leben. Dieser Raum hat eine viel niedrigere Energiedichte, sodass es jetzt sehr viel überschüssige Energie gibt, die unsere neue „Blase“ erfüllt. Diese überschüssige Energie konvertiert, so wird angenommen, zu der normalen Materie, die wir um uns sehen. Der Urknall ist nur ein regionales Ereignis innerhalb eines größeren Multiversums. Es gibt verschiedene Arten von „leerem Raum“, die verschiedene Werte der kosmologischen Konstante aufweisen (andere farbige Blasen). Je größer die Konstante, desto schneller breitet sich das Universum aus. Unser Universum entstand durch Zerfall aus einer dieser Regionen eines „falschen Vakuums“.

Aber was geschieht mit dem ursprünglichen Raum, von dem ein Teil zerfiel und unser Universum bildete? Er ist noch da und dehnt sich weiter mit enormer Geschwindigkeit aus. Da er (gewöhnlich) eine kosmologische Konstante hat, die größer ist als die neue Blase, übertrifft ihr Wachstum das der neuen Blase. Da das falsche Vakuum schneller expandiert als es zerfällt, ist die Inflation in der Zukunft ewig. Neue Blasen eines niedrigen Energievakuums werden fortfahren, durch Zerfall aus dem expandierenden Universum zu entstehen.

Einige Theoretiker fragten sich, ob dieser Prozess unendlich in die Vergangenheit ausgedehnt werden könnte. Interessanterweise hat Guth selbst, zusammen mit seinen Kollegen Alexander Vilenkin und Arvind Borde, wahrscheinlich die Tür zu dieser Möglichkeit geschlossen. 2003 veröffentlichten Borde, Guth und Vilenkin ein auf den neuesten Stand gebrachtes Singularitätstheorem von weit größerer Reichweite als die Hawking-Penrose-Theoreme. Sie erklären:

"Unser Argument zeigt, dass Nullgeodäte und zeitartige Geodäte bei inflationären Modellen im Allgemeinen vergangen-unvollständig sind, unabhängig davon, ob Energiebedingungen gelten oder nicht; die einzige Voraussetzung ist, dass die gemittelte Ausdehnungsbedingung Havg > 0 entlang dieser rückwärtsgerichteten Geodäte gilt." (Borde, Guth und Vilenkin, 2003, S. 3) [20]

"Bemerkenswert an diesem Theorem ist seine pauschale Allgemeinheit. Wir haben keine Annahmen über den materiellen Inhalt des Universums gemacht. Wir haben nicht einmal angenommen, dass Gravitation durch Einsteins Gleichungen beschrieben wird. Wenn Einsteins Gravitation also einige Modifikationen verlangt, wird unsere Schlussfolgerung dennoch gültig sein. Die einzige Annahme, die wir machten, war, dass die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums nie unter irgendeinen Wert ungleich Null fällt, und sei er noch so gering. Diese Annahme sollte gewiss in dem sich aufblähenden falschen Vakuum erfüllt sein. Die Schlussfolgerung ist, dass eine vergangen-ewige Inflation ohne einen Anfang unmöglich ist." (Vilenkin, 2006, S. 175)

Das Borde-Vilenkin-Guth-Singularitätstheorem wird inzwischen von den meisten Physikern anerkannt. Bis zum Zeitpunkt der vorliegenden Veröffentlichung blieb es weitgehend unangefochten. [21]

Einige gegenwärtige kosmologische Spekulationen bestehen aus Versuchen, Modelle zu entwickeln, die auf möglichen Ausnahmen zu der Borde-Guth-Vilenkin-Bedingung beruhen, nach der das Universum durchschnittlich in einem Zustand kosmischer Expansion gewesen ist. In einem Beitrag für den Blackwell Companion to Natural Theology [22], den James Sinclair und ich gemeinsam verfasst haben, bietet Jim in seinem Teil des Beitrags die folgende Grafik der Möglichkeiten:

Der erste Fall beinhaltet eine unendliche Kontraktion vor der Singularität, gefolgt von unserer gegenwärtigen Expansion. Der zweite Fall postuliert einen instabilen anfänglichen Zustand, gefolgt von einer inflationären Expansion. Der dritte Fall geht von einer Kontraktion aus, gefolgt von einer durch „dunkle“ Energie angetriebene Super-Expansion, wobei das Universum in ein Multiversum aufbricht. Der vierte Fall postuliert zwei spiegelbildliche inflationäre Expansionen, wobei die Zeitpfeile von der kosmologischen Singularität wegweisen. Jim zeigt, dass diese äußerst spekulativen Modelle alle entweder der beobachteten Kosmologie widersprechen oder am Ende genau den Anfang des Universums implizieren, den sie zu vermeiden suchten.

III. Quantengravitation

Die dritte Alternative zu den Hawking-Penrose-Theoremen, die lebhaft verfolgt wurde, sind Modelle der Quantengravitation. Jim bietet die folgende graphische Darstellung solcher Modelle:

Die erste Modellkategorie postuliert einen ewigen Vakuumraum, in dem unser Universum durch eine Quantenfluktuation seinen Ursprung hat. Man stellte fest, dass sich bei diesen Modellen der Beginn des Vakuumraumes selbst nicht vermeiden lässt und somit der absolute Beginn der Raumzeit impliziert wird. Diese Modelle hatten nur bis Anfang der 1980er Jahre Bestand.

Die stringtheoretischen Modelle der zweiten Kategorie stehen in letzter Zeit hoch im Kurs. Sie basieren auf einer Alternative zum Standardmodell der Teilchenphysik, nach der die Bausteine der Materie nicht punktartige Teilchen sind, sondern eindimensionale Energie-Strings. Jim erörtert im obengenannten Beitrag im Blackwell Companion to Natural Theology drei Arten string-kosmologischer Modelle:

Die Modelle der ersten Gruppe dieser String-Kosmologien, die ekpyrotischen zyklischen Modelle, unterliegen dem Borde-Guth-Vilenkin-Theorem und räumen daher ein, einen Anfang des Universums zu beinhalten. Die Modelle der zweiten Gruppe, die Prä-Urknall-Modelle, lassen sich nicht in die unendliche Vergangenheit ausdehnen, wenn sie als realistische Beschreibungen des Universums verstanden werden. Die Modelle der dritten Gruppe, die String-Landschaft-Modelle, stellen das populäre Szenario des Multiversums dar. Sie unterliegen ebenfalls dem Borde-Guth-Vilenkin-Theorem und setzen somit einen Anfang des Universums voraus. String-kosmologische Modelle dienen also nicht dazu, die Prognose des Standardmodells zu umgehen, dass das Universum zu existieren begann.

Die Theorien der dritten Kategorie der Quantengravitationsmodelle, die Schleifenquantengravitations-Theorien, stellen expandierende oder kontrahierende Versionen eines zyklischen Universums dar. Diese Modelle verlangen keine ewige Vergangenheit, und der Versuch, sie in die vergangene Unendlichkeit auszudehnen, ist schwer mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu vereinbaren und scheint durch die Anhäufung dunkler Energie ausgeschlossen zu sein, die dem zyklischen Verhalten mit der Zeit ein Ende setzen würde.

Zur vierten und letzten Gruppe der semi-klassischen Quantengravitationsmodelle gehören das berühmte Hartle-Hawking-Modell und Vilenkins eigene Theorie:

Diese Modelle weisen einen absoluten Anfang des Universums auf, selbst wenn das Universum nicht an einem singulären Punkt in Existenz kommt. Somit vermeiden Quantengravitationsmodelle den Anfang des Universums nicht mehr, als es von ewig-inflationären Modellen behauptet wird.

Zusammengefasst ist die Prognose des Standardmodells, dass das Universum zu existieren begann, heute so sicher wie je – eigentlich ist sie sogar noch gewisser im Licht des Borde-Guth-Vilenkin-Theorems und der Bestätigung dieser Prognose durch die wiederholten und oft einfallsreichen Versuche, sie zu falsifizieren. Unser Überblick zeigt, dass die zeitgenössische Kosmologie die zweite Prämisse des kalam-kosmologischen Arguments deutlich unterstützt. Außerdem wird diese Schlussfolgerung nicht dadurch gezogen, dass man ausgefeilte und einzigartige Fehlerbedingungen für Dutzende individueller Modelle entwickelt. Vielmehr scheint die wiederholte Anwendung einfacher Prinzipien ein anfangloses Modell effektiv auszuschließen.

Dies sind:

Vilenkin spricht offen über die Implikationen: „Man sagt, Argumente überzeugen vernünftige Menschen, während Beweise nötig sind, um selbst einen unvernünftigen Menschen zu überzeugen. Da der Beweis nun erbracht ist, können Kosmologen sich nicht länger hinter der Möglichkeit eines vergangen-ewigen Universums verstecken. Es gibt keinen Ausweg; sie müssen sich dem Problem eines kosmischen Anfangs stellen [23] Früher in demselben Jahr brachte Vilenkin anlässlich einer Konferenz in Cambridge zum 70. Geburtstag von Stephen Hawking eine Abhandlung, die sich mit der gegenwärtigen Kosmologie über die Frage „Hatte das Universum einen Anfang?“ beschäftigte. Er argumentierte, dass „keines dieser Szenarios tatsächlich vergangen-ewig sein kann.“ [24] Er zog den Schluss: „Alle uns vorliegenden Beweise sagen, dass das Universum einen Anfang hatte.“  [25] Nun ist das eine bemerkenswerte Feststellung. Vilenkin sagt nicht nur, dass die Beweise für einen Anfang die Beweise gegen einen Anfang überwiegen. Er sagt vielmehr, dass alle Beweise, die wir haben, besagen, dass das Universum einen Anfang hatte. Wer also glaubt, dass das Universum zu existieren begann, befindet sich damit voll und ganz im Mainstream der Wissenschaft.

Die Ursache des Universums

Eigenschaften der Ersten Ursache

Aus den zwei Prämissen folgt logisch, dass das Universum eine Ursache hat. Dies ist eine erstaunliche Schlussfolgerung, denn sie bedeutet, dass das Universum durch eine transzendente Wirklichkeit in Existenz gebracht wurde.

Eine Begriffsanalyse darüber, was es heißt, eine Ursache des Universums zu sein, versetzt uns in die Lage, einige überraschende Eigenschaften zu ermitteln, die diese außerweltliche Ursache besitzen muss und die theologisch von Bedeutung sind. Die Ursache muss zum Beispiel unverursacht sein, da eine unendliche Rückführung von Ursachen, wie wir gesehen haben, unmöglich ist. Man könnte natürlich willkürlich eine Pluralität von Ursachen postulieren, die in irgendeiner Weise dem Ursprung des Universums vorausgehen, aber letztlich muss diese Kausalkette, wenn die philosophischen kalam-Argumente stichhaltig sind, in einer Ursache enden, die absolut zuerst und unverursacht ist. Da es keinen Grund gibt, die Reihe der Ereignisse über den Ursprung des Universums hinaus fortzusetzen, verwirft die Ockhamsche Regel, die uns vorschreibt, keine Ursache ohne Notwendigkeit zu postulieren, solche weiteren Ursachen zugunsten einer unmittelbaren Ersten Ursache für den Ursprung des Universums. Dasselbe Prinzip besagt, dass wir berechtigt sind, die Möglichkeit einer Pluralität unverursachter Ursachen zu ignorieren und stattdessen von der Einzigkeit der Ersten Ursache auszugehen.

Diese Erste Ursache muss auch anfanglos sein, da der Umkehrschluss [26] zu Prämisse 1 ("Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache") besagt, dass alles, was unverursacht ist, nicht zu existieren beginnt. Außerdem muss diese Ursache unveränderlich sein, weil – um es noch einmal zu wiederholen – eine unendliche zeitliche Regression von Änderungen nicht existieren kann. Wir sollten allerdings nicht berechtigt sein, die Unwandelbarkeit der Ersten Ursache abzuleiten, da Unwandelbarkeit eine modale Eigenschaft [27] ist, und aus der Änderungslosigkeit der Ursache können wir nicht ableiten, dass sie zu einer Änderung unfähig ist. Wir können aber wissen, dass die Erste Ursache unverändert ist, zumindest insofern sie ohne das Universum existiert. Aus der Änderungslosigkeit der Ersten Ursache folgt, dass sie immateriell ist. Denn alles, was Materie ist, unterliegt einer unaufhörlichen Veränderung zumindest auf der molekularen und atomaren Ebene, aber die unverursachte Erste Ursache existiert in einem Zustand absoluter Änderungslosigkeit. Ausgehend von einer relationalen Zeittheorie muss die unverursachte Ursache daher auch zeitlos sein, zumindest ohne das Universum, da in der völligen Abwesenheit von Ereignissen Zeit nicht existiert. Es stimmt, dass einige Philosophen überzeugend argumentiert haben, dass Zeit weiter bestehen könnte, selbst wenn alle Ereignisse aufhören sollten (Shoemaker, 1969; Forbes, 1993), aber solche Argumente sind im vorliegenden Fall nicht anwendbar, bei dem es nicht um das Aufhören von Ereignissen geht, sondern um die völlige Abwesenheit jeglicher Ereignisse überhaupt. Auf jeden Fall kann die Zeitlosigkeit der Ersten Ursache ohne das Universum direkter aus der Endlichkeit der Vergangenheit abgeleitet werden. Geht man davon aus, dass die Zeit einen Anfang hatte, muss auch die Ursache für den Anfang der Zeit zeitlos sein. [28] Daraus folgt, dass diese Ursache auch raumlos sein muss, da sie sowohl immateriell als auch zeitlos ist und keine räumliche Größe sowohl immateriell als auch zeitlos sein kann. Wenn etwas immateriell ist, könnte es nur insofern im Raum existieren, als es zu materiellen Dingen im Raum in Beziehung steht; aber dann könnte es nicht zeitlos sein, da es in seiner Beziehung zu materiellen Dingen einer extrinsischen Veränderung unterliegt. Somit muss die unverursachte Erste Ursache sowohl die Zeit als auch den Raum transzendieren und die Ursache ihres Ursprungs sein. Ein solches Wesen muss ferner enorm mächtig sein, da es die Gesamtheit der physikalischen Wirklichkeit, einschließlich aller Materie und Energie sowie der Raumzeit selbst, ohne irgendeine materielle Ursache in Existenz gebracht hat.

Schließlich, und das ist besonders bemerkenswert, ist eine solche transzendente Ursache plausibel als personhaft zu verstehen. Drei Gründe lassen sich für diese Schlussfolgerung anführen. Erstens gibt es, wie Richard Swinburne (1991, S. 32-48) zeigt, zwei Arten der kausalen Erklärung: wissenschaftliche Erklärungen in Sinne von Gesetzen und Anfangszuständen und personale Erklärungen im Sinne von Akteuren und ihren Absichten. Zum Beispiel könnte man uns auf die Frage: „Warum kocht das Wasser im Kessel?“ die Antwort geben: „Die Hitze der Flamme wird durch den Kupferboden des Kessels an das Wasser abgegeben, was die kinetische Energie der Wassermoleküle erhöht, sodass sie so heftig vibrieren, dass sie die Oberflächenspannung des Wassers brechen und in Form von Dampf ausgestoßen werden.“ Oder es könnte uns alternativ gesagt werden: „Ich habe das Wasser aufgesetzt, um mir eine Tasse Tee zuzubereiten. Möchtest du auch eine?“ Die erste Antwort ist eine wissenschaftliche Erklärung, die zweite eine personale Erklärung. Jede ist eine vollkommen legitime Form der Erklärung; in manchen Kontexten wäre es sogar völlig unangemessen, die eine anstelle der anderen zu geben. Nun kann ein erster Zustand des Universums keine wissenschaftliche Erklärung haben, da es vorher nichts gibt, und deshalb kann er nicht im Sinne von Gesetzen erklärt werden, die für die Anfangsbedingungen gelten. Er lässt sich nur im Sinne eines Akteurs und seiner Absichten erklären, durch eine personale Erklärung.

Zweitens wird die Personhaftigkeit der Ersten Ursache schon durch die Eigenschaften, die aus unserer Begriffsanalyse abgeleitet wurden, überzeugend nahegelegt. Denn es scheint nur zwei Kandidaten zu geben, die sich als immateriell, anfanglos, unverursacht, zeitlos und raumlos beschreiben lassen: entweder abstrakte Objekte oder ein nicht-körperlicher Geist. Abstrakte Objekte wie Zahlen, Mengen, Propositionen und Eigenschaften werden ganz typischerweise von Philosophen angenommen, die solche Dinge als genau die Art von Größen in ihre Ontologie einschließen, die notwendig, zeitlos und raumlos existieren. In ähnlicher Weise würden Philosophen, die von der Möglichkeit eines körperlosen Geistes ausgehen, solche mentalen Substanzen als immateriell und raumlos beschreiben, und es scheint keinen Grund zu geben, anzunehmen, dass ein kosmischer Geist nicht auch anfanglos und unverursacht sein könnte. Keine anderen Kandidaten, die angemessen als immateriell, anfanglos, unverursacht, zeitlos und raumlos beschrieben werden könnten, kommen einem in den Sinn. Und soweit es uns bekannt ist, hat auch niemand sonst irgendeinen solchen anderen Kandidaten vorgeschlagen. Doch keinerlei abstraktes Objekt kann die Ursache für den Ursprung des Universums sein, denn abstrakte Objekte sind nicht an Kausalbeziehungen beteiligt. Selbst wenn sie es wären, können sie – da sie keine Akteure sind – jedenfalls nicht willentlich kausalen Einfluss ausüben, um irgendetwas zu tun. Wenn sie Ursachen wären, dann wären sie es nicht als Akteure, sondern höchstens als "Ereignisse" oder "Zustände", die jeweils kein Bewusstsein haben. Aber sie können keine Ereignisursachen sein, da sie nicht in Zeit und Raum existieren. Selbst wenn wir einmal annehmen, dass einige abstrakte Objekte in der Zeit existieren (zum Beispiel Propositionen, die ihren Wahrheitswert je nach dem Tempus des Satzes ändern, der sie ausdrückt), bleibt angesichts ihrer abstrakten Natur äußerst rätselhaft, wie sie mit konkreten Objekten kausal so verbunden sein sollten, dass sie Ereignisse hervorbringen könnten, einschließlich des Ursprungs des Universums. Aus demselben Grund können sie genausowenig Zustandsursachen von Zuständen in Verbindung mit konkreten Objekten sein, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass wir bei dem vorliegenden Fall nicht von einer Zustand-Zustand-Verursachung sprechen (das heißt, von der kausalen Abhängigkeit eines Zustands von einem anderen), sondern von etwas, das einer Zustand-Ereignis-Verursachung gleichkommen würde (nämlich, dass das Universum durch den Zustand irgendeines oder mehrerer abstrakter Objekte in Existenz kommt, was unmöglich scheint). Somit muss die Ursache des Universums ein körperloser Geist sein.

Drittens wird dieselbe Schlussfolgerung auch durch die Tatsache impliziert, dass nur personale, freie Akteure für den Ursprung einer ersten temporalen Wirkung einer unveränderlichen Ursache in Frage kommen. Wir haben den Schluss gezogen, dass der Anfang des Universums die Wirkung einer Ersten Ursache war. Aufgrund der Gegebenheiten des Falles kann diese Ursache keinen Anfang ihrer Existenz und auch keine vorherige Ursache haben. Und es kann auch keine Veränderungen in dieser Ursache vor dem Beginn des Universums gegeben haben, weder in ihrer Natur noch in ihren Operationen. Sie existiert einfach änderungslos ohne Anfang und brachte vor einer endlichen Zeit das Universum in Existenz. Nun ist dies äußerst seltsam. Die Ursache ist in gewisser Weise ewig und doch ist die Wirkung, die sie hervorbrachte, nicht ewig, sondern hat vor einer endlichen Zeit angefangen zu existieren. Wie kann das sein? Wenn die notwendigen und ausreichenden Bedingungen für das Hervorbringen der Wirkung ewig sind, warum ist die Wirkung dann nicht ewig? Wie können alle kausalen Bedingungen, die für das Hervorbringen der Wirkung ausreichen, änderungslos existent sein, während die Wirkung dennoch nicht zusammen mit der Ursache ebenfalls existent ist? Wie kann eine Ursache ohne die Wirkung existieren?

Man könnte sagen, dass die Ursache unmittelbar vor dem ersten Ereignis zu existieren begann oder sich in irgendeiner Weise änderte. Aber dann wäre der Anfang oder die Veränderung der Ursache das erste Ereignis, und wir müssen wieder von vorn nach ihrer Ursache fragen. Und das kann nicht ewig weitergehen, denn wir wissen, dass es keine anfanglose Reihe von Ereignissen geben kann. Es muss ein absolut erstes Ereignis geben, vor dem es keine Veränderung gab, kein vorheriges Ereignis. Wir wissen, dass dieses erste Ereignis verursacht worden sein muss. Die Frage ist: Wie kann ein erstes Ereignis zu existieren beginnen, wenn die Ursache dieses Ereignisses änderungslos und ewig existiert? Warum ist die Wirkung nicht mit ihrer Ursache ko-ewig?

Der beste Weg aus diesem Dilemma ist eine Agens-Verursachung, bei welcher der Akteur frei und in Abwesenheit vorheriger determinierender Bedingungen ein Ereignis hervorbringt. Da der Akteur frei ist, kann er neue Wirkungen initiieren, indem er Bedingungen, die vorher nicht vorhanden waren, frei hervorbringt. Zum Beispiel könnte ein Mann, der von Ewigkeit her änderungslos dasitzt, frei entscheiden aufzustehen; so ergibt sich eine zeitliche Wirkung durch einen ewig existierenden Akteur. In ähnlichem Sinn könnte ein Schöpfer, der einen freien Willen besitzt, vor einer endlichen Zeit die Welt in diesem Moment frei in Existenz gebracht haben. Auf diese Weise könnte der Schöpfer änderungslos und ewig existieren, aber beschließen, die Welt in der Zeit zu erschaffen. „Beschließen“ braucht hier nicht zu bedeuten, dass der Schöpfer seine Absicht über die Entscheidung zur Schöpfung ändert, sondern dass er frei und ewig beabsichtigt, eine Welt mit einem Anfang zu erschaffen. Indem er seine kausale Macht ausübt, bewirkt er also, dass eine Welt mit einem Anfang zu existieren beginnt. Die Ursache ist also ewig, aber die Wirkung ist es nicht. Auf diese Weise ist es also möglich, dass das zeitliche Universum aus einer ewigen Ursache zu existieren begann: durch den freien Willen eines persönlichen Schöpfers.

Eine Begriffsanalyse dessen, welche Eigenschaften eine außerweltliche Erste Ursache haben muss, befähigt uns, auf eine überraschende Zahl der traditionellen göttlichen Attribute zu schließen. Aufgrund einer Analyse dessen, was es heißt, Ursache des Universums zu sein, gelangen wir zu Prämisse 4 des Argumentes:

4. Wenn das Universum eine Ursache hat, dann existiert ein unverursachter, personaler Schöpfer des Universums, der ohne das Universum anfanglos, änderungslos, immateriell, zeitlos, raumlos und enorm mächtig ist.

Aus (3) und (4) folgt:

5. Also existiert ein unverursachter, personaler Schöpfer des Universums, der ohne das Universum anfanglos, änderungslos, immateriell, zeitlos, raumlos und enorm mächtig ist.

Das ist, wie Thomas Aquinas zu sagen pflegte, das, was jeder mit „Gott“ meint.

Einwände

Einige Denker haben Einwände gegen die Intelligibilität dieser Schlussfolgerung erhoben. Adolf Grünbaum zum Beispiel hat eine ganze Schar von Einwänden aufgeboten, um Gott als den Schöpfer zu widerlegen (Grünbaum, 1990b). Da diese sehr typisch sind, sollte ein kurzer Überblick über seine Einwände recht hilfreich sein.

Grünbaums Einwände gliedern sich in drei Gruppen. Die erste Gruppe soll Zweifel am Begriff der „Ursache“ in dem Argument wecken: (1) Wenn wir sagen, dass alles eine Ursache hat, benutzen wir das Wort „Ursache“ für etwas, das vorher existierendes Material von einem Zustand in einen anderen transformiert. Aber wenn wir folgern, dass das Universum eine Ursache hat, müssen wir mit „Ursache“ etwas meinen, das seine Wirkung aus nichts hervorbringt. Da diese beiden Bedeutungen von „Ursache“ nicht dasselbe sind, enthält das Argument den Fehler der Mehrdeutigkeit (Äquivokation) und ist somit ungültig. (2) Aus der Notwendigkeit, dass es eine Ursache geben muss, folgt nicht, dass die Ursache des Universums ein bewusster Akteur ist. (3) Es ist ein logischer Fehlschluss zu sagen, dass es einen einzelnen bewussten Akteur gibt, der das Universum erschuf.

Aber diese Einwände scheinen keine unüberwindlichen Schwierigkeiten darzustellen: (1) Der eindeutige (univoke) Begriff der „Ursache“, der in dem gesamten Argument verwendet wird, ist der Begriff von etwas, das seine Wirkung hervorbringt oder erzeugt. [29] Ob diese Erzeugung eine Transformation bereits existierender Materie oder eine Erschaffung aus nichts beinhaltet, ist nebensächlich. Der Vorwurf der Mehrdeutigkeit ist daher unbegründet. (2) Die Personhaftigkeit der Ursache folgt nicht aus den zwei Prämissen des eigentlichen kosmologischen Arguments, sondern vielmehr aus einer Begriffsanalyse der ersten Ursache für den Beginn des Universums, wie wir gesehen haben. (3) Die Schlussfolgerung auf eine einzige Ursache für den Ursprung des Universums scheint im Licht des in der Wissenschaft allgemein anerkannten Prinzips gerechtfertigt, dass man Ursachen nicht über das Notwendige hinaus vervielfachen sollte. Es ist berechtigt, nur auf solche Ursachen zu schließen, die notwendig sind, um die fragliche Wirkung zu erklären; mehr zu postulieren, wäre unbegründet.

Die Einwände der zweiten Gruppe beziehen den Begriff der Kausalität auf die zeitliche Reihe von Ereignissen: (1) Kausalität ist mit einer unendlichen, anfanglosen Reihe von Ereignissen logisch unvereinbar. (2) Wenn alles eine Ursache für seine Existenz hat, dann muss auch die Ursache des Universums eine Ursache für ihre Existenz haben.

Diese zwei Einwände scheinen jedoch beide auf Missverständnissen zu beruhen. (1) Es ist nicht das Konzept der Kausalität, das mit einer unendlichen Reihe vergangener Ereignisse unvereinbar ist. Die Unvereinbarkeit liegt vielmehr, wie wir gesehen haben, zwischen dem Begriff einer tatsächlich unendlichen Zahl von Dingen und der Reihe vergangener Ereignisse. Die Tatsache, dass Kausalität nichts damit zu tun hat, lässt sich erkennen, wenn man die Tatsache bedenkt, dass die philosophischen Argumente für den Anfang des Universums selbst dann greifen würden, wenn die Ereignisse alle spontane, kausal unverbundene Ereignisse wären. (2) Das Argument setzt nicht voraus, dass alles eine Ursache hat. Das operative kausale Prinzip lautet vielmehr, dass alles, was zu existieren beginnt, eine Ursache hat. Etwas, das ewig und somit ohne einen Anfang existiert, würde eine solche Ursache nicht brauchen. Man muss also von diesem kausalen Prinzip nicht eine unbegründete adhoc-Ausnahme für Gott einfordern, da der Atheist immer dasselbe über das Universum behauptet hat: Es ist anfanglos und unverursacht.

Die Einwände der dritten Gruppe zielen auf die Behauptung, die Schöpfung aus nichts übersteige angeblich alles Verstehen: (1) Wenn die Schöpfung aus nichts unverständlich ist, dann ist es irrational, an eine solche Doktrin zu glauben. (2) Eine unverständliche Doktrin kann überhaupt nichts erklären.

Ad (1): eine Schöpfung aus nichts ist nicht unverständlich in Grünbaums Sinne. Unter „unverständlich“ scheint Grünbaum „nicht intelligibel“ oder „sinnlos“ zu verstehen. Aber die Feststellung, dass eine transzendente Ursache vor einer endlichen Zeit das Universum aus nichts in Existenz brachte, ist eindeutig eine sinnvolle Aussage und kein bloßes Geschwätz, was sich schon in der Tatsache zeigt, dass wir sie debattieren. Wir verstehen vielleicht nicht, wie die Ursache das Universum aus nichts in Existenz brachte, aber eine solche Wirkursache ohne Materialursache wird ja nicht nur im Falle von Gottes Schöpfung behauptet, wie wir gesehen haben, und in diesem Sinn ist sogar noch unverständlicher, wie das Universum ohne irgendeine Ursache, ob Material- oder Wirkursache, aus nichts in Existenz gekommen sein könnte. Man kann die Notwendigkeit einer Ursache nicht umgehen, indem man eine Absurdität postuliert. (2) Die Doktrin, da sie eine intelligible Aussage ist, gibt offensichtlich vor, eine Erklärung für den Ursprung des Universums zu sein. Sie mag eher eine metaphysische als eine naturwissenschaftliche Erklärung sein, aber sie ist deshalb nicht weniger eine Erklärung.

Grünbaum hat einen letzten Einwand gegen die Schlussfolgerung auf eine Ursache für den Ursprung des Universums: Die Ursache für den Urknall kann weder nach dem Urknall liegen (da eine rückwärtige Kausalität unmöglich ist), noch vor dem Urknall (da die Zeit beim oder nach dem Urknall beginnt). Deshalb kann der Anfang der Existenz des Universums keine Ursache haben (Grünbaum 1990a; Grünbaum 1991; vgl. Craig 1994a). Aber es ist recht klar, dass dieses Argument uns mit einem falschen Dilemma konfrontiert. Denn warum könnte Gottes Erschaffung des Universums nicht simultan (oder gleichzeitig) mit dem Urknall sein? Gott könnte so verstanden werden, dass er ohne das Universum zeitlos (oder in einer undifferenzierten Zeit) und seit dem Moment der Schöpfung in der Zeit existiert. Vielleicht gibt hier eine Analogie aus der physikalischen Kosmologie Aufschluss. Die anfängliche Urknall-Singularität wird nicht als Teil der physikalischen Zeit betrachtet, sondern als Konstituierung einer Grenze der Zeit. Nichtsdestoweniger ist sie kausal mit dem Universum verbunden. Analog dazu könnten wir sagen, dass Gottes zeitlose Ewigkeit sozusagen eine Grenze zur Zeit ist, die dem Ursprung des Universums kausal, aber nicht zeitlich vorausgeht. Es scheint deshalb im Licht des kalam-kosmologischen Arguments nicht nur kohärent, sondern auch plausibel zu sein, dass Gottes änderungslose Existenz allein ohne die Schöpfung zeitlos ist und dass er im Augenblick der Erschaffung durch seine kausale Beziehung zu dem zeitlichen Universum in die Zeit eintritt. Der Zeitpunkt des ersten Ereignisses wäre nicht nur der erste Zeitpunkt, an dem das Universum existiert, sondern eigentlich auch der erste Zeitpunkt, an dem Gott existiert, da Gott ohne das Universum zeitlos existiert. Der Augenblick der Schöpfung ist sozusagen der Augenblick, an dem Gott in die Zeit eintritt. Sein Akt der Schöpfung ist somit simultan zum Ursprung des Universums.

Schluss

Die erste Prämisse des kalam-kosmologischen Arguments ist offensichtlich mit größerer Plausibilität wahr als ihre Verneinung. Ähnlich ist seine zweite Prämisse im Licht sowohl philosophischer Argumentation als auch naturwissenschaftlicher Belege zwar kontroverser, aber ebenfalls mit größer Plausibilität wahr als ihre Verneinung. Die Schlussfolgerung des Arguments weist keine nachweisliche Inkohärenz auf und sie ist, wenn man sie einer Begriffsanalyse unterzieht, reich an theologischen Implikationen. Auf der Basis des kalam-kosmologischen Arguments ist es deshalb plausibel, dass ein unverursachter, persönlicher Schöpfer des Universums existiert, der ohne das Universum anfanglos, änderungslos, immateriell, zeitlos, raumlos und enorm mächtig ist.

William Lane Craig

(Übers.: M. Wilczek)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/the-scientific-kalam-cosmological-argument

  • [1]

    Eine der Stärken des kalam-kosmologischen Arguments ist, dass es zur Begründung seiner Prämissen sowohl philosophische als auch naturwissenschaftliche Belege heranzieht.

    Die philosophischen Begründungen werden ausführlicher u.a. in diesem Beitrag behandelt: http://www.reasonablefaith.org/german/Das-kalam-kosmologische-Argument, während sich vorliegender Vortrag ausführlicher mit den naturwissenschaftlichen Begründungen befasst. (Anm. d. Übers.)

  • [2]

    Al-Ghazali, Kitab al-Iqtisad fi’l-I’tiqad, zitiert in S. de Beaurecueil, „Gazzali et S. Thomas d’Aquin: Essai sur la preuve de l’existence de Dieu proposée dans l’Iqtisad et sa comparaison avec les ‚voies‘ Thomiste“, Bulletin de l’Institut Francais d’Archaeologie Orientale 46 (1947): 203.

  • [3]

    Milton Friedman (1912-2006) veröffentlichte 1975 das Buch There’s No Such Thing as a Free Lunch. Essays on Public Policy (Deutsch: Es gibt nichts umsonst. Warum in einer Volkswirtschaft jede Mark verdient werden muss. Verlag Moderne Industrie, München 1979), eine Sammlung seiner Kommentare für Newsweek. Der Satz "There is no free lunch" bezeichnet Friedmans Kritik an bestimmten Auffassungen über den Wohlfahrtsstaat. Wenn der Wohlfahrtsstaat z.B. ein "kostenloses" Mittagessen anbietet, ist dieses Mittagessen nicht wirklich kostenlos, sondern wird vom Staat bezahlt, und zwar von Steuergeldern. Letztlich zahlen somit andere Bürger für dieses Mittagessen. (Anm. d. Übers.)

  • [4]

    David Albert, „On the Origin of Everything“, NYT Sunday Book Review (23. März 2012). Besprechung zu A Universe From Nothing von Lawrence M. Krauss.

  • [5]

    In seiner berühmten Gettysburg-Rede (19.11.1863) während des Amerikanischen Bürgerkriegs verwendete der US-Präsident Abraham Lincoln die einprägsame Formulierung "government of the people, by the people, for the people", also „Regierung des Volkes, durch das Volk, und für das Volk“.

  • [6]

    Neben der unten zitierten Abhandlung von Ellis et al. siehe auch Rüdiger Vaas, „Time before Time: Classifications of universes in contemporary cosmology, and how to avoid the antinomy of the beginning and eternity of the world“, http://arXiv.org/abs/physics/0408111 (2004).

  • [7]

    G. F. R. Ellis, U. Kirchner und W. R. Stoeger, „Multiverses and Physical Cosmology“, http://arXiv:astro-ph/0305292 v3 (28 August 2003), S. 14 (meine Hervorhebung).

  • [8]

    Eine nur potentiell unendliche Reihe ist in der Mathematik z.B. die Menge aller natürlicher Zahlen (1, 2, 3, 4, ...). Die Reihe ist nur potentiell unendlich, weil man nie in der Unendlichkeit ankommt, sondern stets weiterzählen kann.
    Eine aktual (d.h. tatsächlich vorliegende) unendliche Reihe wäre z.B., wenn man "tatsächlich" bis zur Unendlichkeit weitergezählt hat, also in der Unendlichkeit angekommen ist. Aktual unendliche Reihen bergen jedoch diverse philosophische Probleme, wie W.L. Craig andernorts ausführt, etwa in diesem Artikel bei der Erläuterung der philosophischen Begründungen von Prämisse 2 des kalam-kosmologischen Arguments: http://www.reasonablefaith.org/german/Das-kalam-kosmologische-Argument, oder hier: http://www.reasonablefaith.org/german/qa12 (Anm. d. Übers.)

  • [9]

    G. F. R. Ellis, U. Kirchner und W. R. Stoeger, „Multiverses and Physical Cosmology“, a.a.O., S. 14.

  • [10]

    Ibid.

  • [11]

    Gregory L. Naber, Spacetime and Singularities: an Introduction (Cambridge, 1988), S. 126-27.

  • [12]

    John A. Wheeler, „Beyond the Hole“, in Some Strangeness in the Proportion, hrsg. von Harry Woolf (Reading, 1980), S. 354.

  • [13]

    S. C. W. Davies, „Spacetime Singularities in Cosmology“, in The Study of Time III, hrsg. von J. T. Fraser (Berlin, 1978), S. 78-9.

  • [14]

    Gott, Gunn, Schramm und Tinsley schreiben:

    „Das Universum begann vor einer Hubble-Zeit aus einem Zustand unendlicher Dichte. Raum und Zeit wurden in diesem Ereignis geschaffen, wie auch alle Materie im Universum. Es ist nicht sinnvoll zu fragen, was vor dem Urknall geschah; das ist in gewisser Weise so, als würde man fragen, was nördlich des Nordpols liegt. In ähnlichem Sinn ist es nicht vernünftig zu fragen, wo der Urknall geschah. Das Punkt-Universum war kein im Raum isoliertes Objekt; es war das gesamte Universum, und so kann die einzige Antwort nur sein, dass der Urknall überall geschah“ (J. Richard Gott III, James E. Gunn, David N. Schramm und Beatrice M. Tinsley, „Will the Universe Expand Forever?“, in Scientific American (März 1976), S. 65).

  • [15]

    John Barrow und Frank Tipler, The Anthropic Cosmological Principle (Oxford, 1986), S. 442.

  • [16]

    Arthur Eddington, The Expanding Universe (New York, 1933), S. 124.

  • [17]

    Ibid., S. 178.

  • [18]

    Hubert Reeves, Jean Audouze, William A. Fowler und David N. Schramm, „On the Origin of Light Elements“, in Astrophysical Journal 179 (1973): 912.

  • [19]

    Eine "geschlossene zeitartige Kurve" ist sozusagen eine Zeitschleife, in der man zeitlich in die Vergangenheit reisen kann.

    Im dreidimensionalen Raum sind "Schleifen" nichts Außergewöhnliches: man stellt sein Auto zu einer Wanderung auf dem Parkplatz ab, wandert z.B. in den Taunus, und kommt nach einigen Stunden wieder zum (dreidimensional räumlichen) Ausgangspunkt zurück, also zum selben Parkplatz.
    Im Falle einer vierdimensionalen Schleife, die auch die Dimension der Zeit einbezieht, würde man - wenn man auch zeitlich wieder am Ausgangspunkt herauskommt - in der Zeit quasi in die Vergangenheit zurückgereist sein. - Prinzipiell erlauben die Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie sog. "geschlossene zeitartige Kurven" bzw. Zeitschleifen. (Anm. d. Übers.)

  • [20]

    Havg bezeichnet den gemittelten Wert der Hubble-Konstante im Lauf der Geschichte. (avg steht für engl. average = gemittelt).

  • [21]

    Andrei Linde hat in einer Kritik vorgeschlagen, dass das Theorem von Borde-Vilenkin-Guth (BVG) beinhaltet, dass alle individuellen Teile des Universums einen Anfang haben, das GANZE aber vielleicht nicht. Dies scheint jedoch eine Fehldeutung zu sein, da BVG nicht behauptet, dass jede vergangene unausdehnbare Geodäte auf eine regionale Singularität bezogen ist. Sie behaupten vielmehr, dass Lindes Beschreibung des Universums einen inneren Widerspruch enthält. Wenn wir entlang der Geodäte zurückschauen, muss sie sich in die unendliche Vergangenheit ausdehnen, wenn das Universum vergangen-ewig sein soll. Aber das tut sie nicht (für den Beobachter, der sich mit der Expansion bewegt). Vergangene unausdehnbare Geodäten sind vielmehr das „Symptom“, nicht die „Krankheit“. Wie Robert Wald sagt (Wald 1984, S. 216): „Leider liefern die Singularitätstheoreme buchstäblich keine Information über die Natur der Singularitäten, deren Existenz sie beweisen.“ Wir wissen also nicht, wie die Singularität beschaffen ist, die das BVG-Theorem anzeigt; wir wissen nur, dass Lindes Beschreibung einer unendlichen Vergangenheit auf einem Irrtum beruht.

  • [22]

    William Lane Craig und James D. Sinclair: The kalam cosmological argument, in: W.L. Craig und J.P. Moreland (Hrsg.): The Blackwell Companion to Natural Theology, Wiley-Blackwell 2012, S. 101-201.
    (Jim ist im Englischen eine Kurzform von James, Anm. d. Übers.)

  • [23]

    Many Worlds in One [New York, 2006], S.176.

  • [24]

    Audrey Mithani und Alexander Vilenkin, „Did the universe have a beginning?“ ArXiv 1204.4658v1 [hep-th] 20. April 2012. Vgl. seine Behauptung: „Es gibt zurzeit keine Modelle, die ein zufriedenstellendes Modell für ein anfangloses Universum bieten“ (A. Vilenkin, „Did the Universe Have a Beginning?“, Vortrag an der Universität von Cambridge, 2012). Insbesondere schloss Vilenkin die Tür zu drei Modellen, die versuchten, die Implikation seines Theorems zu umgehen: ewige Inflation, ein zyklisches Universum und ein „emergentes“ Universum, das als ein statisches Samenkorn in Ewigkeit existiert, bevor es sich ausdehnt.

  • [25]

    Lisa Grossman, „Why physicists can't avoid a creation event“, in New Scientist 11. Januar 2012. Vgl.
    https://www.newscientist.com/article/mg21328474-400-why-physicists-cant-avoid-a-creation-event/ und
    http://www.scribd.com/doc/77980709/Why-Physicists-Can-t-Avoid-a-Creation-Event (Anm. d. Übers.)

  • [26]

    Die Kontraposition bzw. der Umkehrschluss von „Wenn A, dann B“ auf „Wenn nicht B, dann nicht A“ ist logisch gültig (modus tollens) (Anm. d. Übers.)

  • [27]

    Zur Erläuterung: Modalität hat mit Möglichkeit, Unmöglichkeit, Notwendigkeit, Kontingenz etc. zu tun; in diesem Falle würde es sich um "Unmöglichkeit" (der Wandelbarkeit) handeln. (Anm. d. Übers.)

  • [28]

    Hier ist eine Einschränkung nötig, da das kalam-Argument streng genommen nur demonstriert, dass die metrische Zeit einen Anfang hatte. Vielleicht existiert die Ursache änderungslos in einer undifferenzierten Zeit, in welcher zeitliche Intervalle nicht unterscheidbar sind. Aus dieser Sicht existierte Gott buchstäblich vor der Schöpfung, aber es gab keinen Moment wie zum Beispiel eine Stunde oder eine Million Jahre vor der Schöpfung.

  • [29]

    Das heißt, eine Wirkursache. Alternativ könnten wir zunächst offen lassen, ob eine Materialursache vorliegt, indem wir „Ursache“ so verstehen, dass sie entweder eine Wirkursache oder eine Materialursache bedeutet. Anschließend eliminiert unsere Begriffsanalyse dessen, was es heißt, eine Ursache des Universums zu sein, die Alternative, dass die Ursache eine Materialursache ist, sodass uns eine außerweltliche Wirkursache bleibt.