English Site
back
05 / 06

Eine christliche Sicht der Homosexualität

Summary

Der aufrichtige und offene Versuch, die Frage zu klären: Ist Homosexualität unmoralisch?

Die Kirche von heute sieht sich mit einem brisanten und wichtigen Thema konfrontiert: Wie sieht es mit der Homosexualität als alternativem Lebensstil aus? Vor dieser Frage kann sie sich nicht drücken. Der brutale Mord an Matthew Shepherd, einem homosexuellen Studenten in Wyoming, die jüngste Häufung an Skandalen pädophiler Priester, die die katholische Kirche erschüttert hat – all das trägt dazu bei, diese Frage ins Zentrum der amerikanischen Kultur zu rücken.

Christen, die die Legitimität des homosexuellen Lebensstils verneinen, werden gewöhnlich als homophob, intolerant und sogar verabscheuenswert denunziert. Deshalb ist dieses Thema mit enormer Einschüchterung behaftet. Einige Gemeinden haben den homosexuellen Lebensstil sogar unterstützt und nehmen Menschen, die ihn praktizieren, als Pastoren auf.

Denken Sie nicht, dass dies nur in liberalen Gemeinden vorkommt. Eine homosexuelle Gruppe, die sich Evangelicals Concerned (Betroffene Evangelikale) nennt, besteht aus Menschen, die allem Anschein nach wiedergeborene, bibelgläubige Christen und zugleich praktizierende Homosexuelle sind. Sie behaupten, die Bibel verbiete homosexuelle Handlungen nicht oder dass ihre Gebote heute nicht gültig sind, sondern nur Ausdruck der Kultur waren, in der sie geschrieben wurde. Diese Leute können orthodoxe Auffassungen über Jesus und alle anderen Bereiche der Lehre vertreten; sind aber gleichzeitig der Meinung, es sei in Ordnung, Homosexualität zu praktizieren. Ich erinnere mich an einen Neutestamentler, der auf einer Fachkonferenz berichtete, was der Gastgeber einer Veranstaltung zu ihm sagte: „Wir waren wirklich besorgt, was Sie sagen würden“. „Warum?“, fragte dieser überrascht. „Sie wissen doch, dass ich nicht homophob bin!“ „Oh nein, das war nicht unsre Sorge“, versicherte ihm der Gastgeber. „Wir hatten Angst, Sie würden allzu historisch-kritisch sein!“

Wer sind wir also, dass wir uns ein Urteil über diese ernsthaften Christen erlauben dürften?

Das ist eine sehr gute Frage. Wie dürften wir uns anmaßen, zu behaupten, sie seien im Unrecht? Diese Frage wirft allerdings eine weitere Frage auf, die zuerst zu beantworten ist: Gibt es überhaupt „richtig“ und „falsch“? Bevor wir feststellen können, was Richtig und Falsch ist, müssen wir wissen, ob es Richtig und Falsch überhaupt gibt.

Auf welcher Grundlage können wir von Richtig und Falsch sprechen? Worin besteht der Unterschied? Die traditionelle Antwort lautet: Moralische Werte sind in Gott begründet. Gottes Wesen ist vollkommen heilig und gut. Er ist gerecht, liebend, geduldig, barmherzig, großzügig – alles, was gut ist, kommt von ihm und ist Ausdruck seines Charakters. Gottes vollkommenes Wesen findet Ausdruck in seinen Geboten, die uns moralisch verpflichten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit allem Denken und mit ganzer Kraft lieben“, „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, „Du sollst nicht morden, stehlen oder Ehebruch begehen“. Diese Dinge sind richtig oder falsch, weil es Gottes Gebote sind. Seine Gebote verdanken sich keiner Willkür, sondern seinem vollkommenen Wesen.

Das ist das christliche Verständnis von „richtig“ und „falsch“. Gott erschuf die Welt und rief uns ins Leben, damit wir ihn erkennen. Dazu hat er bestimmte Gebote erlassen. Wir sind moralisch verpflichtet, bestimmte Handlungen tun und andere zu unterlassen. Moral ist keine bloße Vorstellung unseres Denkens. Sie ist real. Wenn wir es versäumen, Gottes Gebote zu halten, machen wir uns an ihm schuldig und brauchen seine Vergebung. Das Problem ist, dass wir uns nicht bloß schuldig fühlen, wir sind tatsächlich schuldig, egal wie wir uns fühlen. Vielleicht fühle ich mich nicht schuldig, weil ich ein unempfindliches Gewissen habe, das durch die Sünde abgestumpft ist; aber wenn ich Gottes Gesetz gebrochen habe, bin ich schuldig, unabhängig von dem, was ich fühle.

Angenommen, die Nazis hätten den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Ihre Gegner wären einer Gehirnwäsche unterzogen oder ausgelöscht worden. Der Holocaust gälte als gute Sache. Aber dennoch ist er ein Verbrechen gewesen, denn nach Gottes Gebot ist er ein Verbrechen, egal, was Menschen meinen. Die Moral geht auf Gott zurück und deshalb gibt es ein „richtig“ und ein „falsch“, ungeachtet aller menschlichen Meinungen.

Ich habe diesen Punkt betont, weil er dem Denken vieler Menschen unserer Gesellschaft heute so fremd ist. Heute betrachten so viele Menschen Richtig und Falsch nicht als Tatsache, sondern als eine Frage des Geschmacks. Es ist zum Beispiel keine objektive Tatsache, dass Brokkoli gut schmeckt. Einigen Menschen schmeckt er gut, anderen nicht. Er mag Ihnen nicht schmecken, mir aber schmeckt er! Menschen denken, bei moralischen Werten sei es genauso. Ihnen mag das eine oder andere falsch erscheinen, mir dagegen richtig. Es gibt kein objektives „richtig“ oder „falsch“ – alles ist nur Ansichtssache!

Gäbe es keinen Gott, dann stimmt diese Sichtweise. Ohne Gott ist alles relativ. Richtig und falsch werden zu einer relativen Funktion der jeweiligen Kultur und Gesellschaft. Wenn es keinen Gott gibt, wer darf sagen, dass die Werte der einen Kultur besser sind als die einer anderen? Woher kommen Richtig und Falsch? Richard Taylor, ein prominenter amerikanischer Philosoph – und Nichtchrist – , unterstreicht diesen Punkt mit großem Nachdruck:

„Die Idee einer ... moralischen Verpflichtung ist klar genug, wenn man den Bezug auf einen Gesetzgeber voraussetzt, der höher steht als die staatlichen Gesetzgeber in den Parlamenten und Amtsstuben. Mit anderen Worten können unsere moralischen Verpflichtungen ... als solche verstanden werden, die uns von Gott auferlegt werden ... Doch was ist, wenn dieser über den Menschen stehende Gesetzgeber keine Beachtung mehr findet? Ergibt das Konzept der moralischen Verpflichtung ... dann immer noch einen Sinn?“ [1]

Er sagt, dass die Antwort „nein“ lautet. Ich zitiere: „Die Vorstellung einer moralischen Verpflichtung ist ohne Gottesvorstellung nicht zu verstehen. Die Worte mögen bleiben, aber sie haben keinen Sinn mehr.“ [2]

Er sagt weiter:

„Das Zeitalter der Moderne, das die Vorstellung eines göttlichen Gesetzgebers mehr oder weniger ablehnt, hat versucht, die Vorstellung von Richtig und Falsch beizubehalten, ohne zu bemerken, dass mit Gott die Bedeutung von Richtig und Falsch steht oder fällt. So erklären manchmal sogar gebildete Menschen, dass Dinge wie Krieg oder Abtreibung oder die Verletzung bestimmter Menschenrechte moralisch falsch sind, und sie gehen davon aus, dass sie damit etwas Wahres und Bedeutsames gesagt haben. Gebildeten Menschen muss man nicht erst sagen, dass Fragen wie diese nie jenseits der Religion beantwortet wurden.“ [3]

Und solche Worte aus dem Munde eines nichtchristlichen Philosophen! Gibt es keinen Gott, keinen göttlichen Gesetzgeber, dann gibt es kein moralisches Gesetz. Wenn es kein moralisches Gesetz gibt, dann gibt es kein wirkliches Richtig oder Falsch. Richtig und falsch sind dann bloß menschliche Sitten und Gesetze, die sich von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheiden. Selbst wenn alle übereinstimmten, wären es dennoch nur menschliche Erfindungen.

Existiert kein Gott, dann gibt es auch nicht „richtig“ und „falsch“. Alles ist erlaubt, auch Homosexualität. Es „empfiehlt“ sich für Verteidiger der Homosexualität also, Atheist zu werden. Viele Verteidiger der Homosexualität wollen aber gar keine Atheisten werden. Sie wollen vielmehr bekräftigen, dass „richtig“ und „falsch“ existieren. Man hört sie deshalb ständig moralische Urteile fällen, wie zum Beispiel: „Es ist falsch, Homosexuelle zu diskriminieren.“ Diese Moralurteile sind dabei nicht auf ihre eigene Kultur beschränkt. Sie würden Nazi-Deutschland verurteilen, denn die Deutschen brachten Homosexuelle ins KZ, zusammen mit Juden und anderen unerwünschten Personen. Als Colorado eine Gesetzesänderung verabschiedete, die die Rechte der Homosexuellen beschränkte, rief Barbara Streisand zu einem Staatsboykott auf und sagte: „Das moralische Klima in Colorado ist inakzeptabel geworden.“

Wir haben gesehen: Solche Werturteile haben nur Sinn, wenn Gott existiert. Existiert Gott nicht, ist alles erlaubt, auch die Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller. Aber damit noch kein Ende: Mord, Vergewaltigung, Folter, Kindesmissbrauch – nichts davon wäre falsch, weil Richtig und Falsch ohne Gott nicht existieren. Alles ist erlaubt.

Wenn wir also in der Lage sein wollen, moralisch zu urteilen, was richtig oder falsch ist, müssen wir feststellen, dass Gott existiert. Doch dann lässt sich dieselbe Frage, von der wir ausgegangen sind – „Wer sind Sie, zu behaupten, dass Homosexualität falsch ist?“ – an die homosexuellen Aktivisten zurückgeben: „Wer sind Sie, zu behaupten, dass Homosexualität richtig ist?“ Wenn Gott existiert, dann können wir nicht ignorieren, was er über das Thema zu sagen hat. Die richtige Antwort auf die „Wer sind Sie...?“-Frage lautet: „Ich? Ich bin niemand! Gott entscheidet, was Richtig und Falsch ist, und ich bin nur daran interessiert, zu erfahren und zu befolgen, was er sagt.“

Lassen Sie mich also rekapitulieren, was wir bisher gesagt haben. Die Frage der Legitimität des homosexuellen Lebensstils ist eine Frage nach dem, was Gott darüber zu sagen hat. Wenn es keinen Gott gibt, dann gibt es kein Richtig und Falsch und es macht keinen Unterschied, welchen Lebensstil man wählt – wer Homosexuelle verfolgt, ist moralisch dem gleich, der Homosexualität befürwortet. Doch wenn Gott existiert, können wir nicht länger von unserer eigenen Meinung ausgehen. Wir müssen herausfinden, was Gott dazu meint.

Wie findet man heraus, was Gott denkt? Der Christ sagt, man schaut in die Bibel. Und die Bibel sagt uns, dass Gott homosexuelle Handlungen verbietet. Deshalb sind sie falsch.

Die Argumentation lautet so:

(1) Wir alle sind verpflichtet, Gottes Willen zu tun.

(2) Gottes Wille wird in der Bibel zum Ausdruck gebracht.

(3) Die Bibel verbietet homosexuelles Verhalten.

(4) Deshalb ist homosexuelles Verhalten gegen Gottes Willen und damit falsch.

Will jemand dieser Argumentation widersprechen, muss er entweder leugnen, dass Gottes Wille in der Bibel zum Ausdruck gebracht wird (2) oder er muss leugnen, dass die Bibel homosexuelles Verhalten verbietet (3).

Betrachten wir zuerst Punkt (3): Verbietet die Bibel homosexuelles Verhalten tatsächlich? Achten Sie auf die Formulierung der Frage! Ich frage nicht: Verbietet die Bibel Homosexualität? sondern: Verbietet die Bibel homosexuelles Verhalten. Da ist ein wichtiger Unterschied. Die homosexuelle Disposition mag ein Zustand sein, eine sexuelle Ausrichtung; der Homosexuelle muss diese Orientierung nicht notwendigerweise auch leben. Es kann auch ein Heterosexueller homosexuelle Handlungen vollziehen. Was die Bibel verurteilt, ist das homosexuelle Handeln oder Verhalten, nicht die entsprechende Orientierung. Die Vorstellung einer homosexuellen Orientierung entstammt übrigens der modernen Psychologie; dem Menschen des Altertums war sie wahrscheinlich unbekannt. Bekannt waren ihm homosexuelle Handlungen, und genau das verbietet die Heilige Schrift.

Das heißt nun eine ganze Menge. Zum Einen bedeutet es, die Debatte „nature vs. nurture“, also angeboren oder anerzogen, ist gar nicht entscheidend. Wichtig ist nicht, wie die Orientierung zustande gekommen ist, sondern was man damit tut. Manche Verteidiger der Homosexualität sind darauf erpicht, zu beweisen, dass die Homosexualität genetisch festgelegt ist. Sie meinen, diese Festlegung rechtfertige das entsprechende Handeln, mache es legitim und „normal“. Dieser Schluss überzeugt nicht. Genetische Prädisposition legitimiert ein Verhalten nicht. Ein Beispiel: Einige Forscher vermuten ein Gen, das manche Menschen zum Alkoholismus neigen lässt. Ist es für einen Menschen mit einer solchen Neigung deshalb in Ordnung, wenn er nach Lust und Laune trinkt und alkoholabhängig wird? Natürlich nicht! Wenn überhaupt, sollte diese Veranlagung ihn veranlassen, auf Alkohol zu verzichten, damit es nicht zu dieser Abhängigkeit kommt. Nun ist es Tatsache, dass wir nicht genau wissen, welche Rolle Vererbung und Umgebung bei der Entstehung von Homosexualität spielen. Aber darauf kommt es nicht an. Selbst wenn Homosexualität ausschließlich genetisch bedingt ist, würde dies allein sie nicht von irgendwelchen angeborenen Fehlbildungen wie dem Wolfsrachen oder der Epilepsie unterscheiden. Das bedeutet nicht, dass diese Dinge normal sind und dass wir nicht versuchen sollten, sie zu korrigieren.

Ob Homosexualität nun auf genetischer Veranlagung oder auf Erziehung beruht oder nicht: Menschen beschließen nicht, homosexuell zu sein. Viele Homosexuelle bezeugen, wie belastend es ist, diese Wünsche zu spüren und gegen sie anzukämpfen, und sie sagen, dass sie sich nie aussuchen würden, so zu sein. Die Bibel verurteilt niemanden aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung. Was sie verurteilt, ist die homosexuelle Handlung. Es ist möglich, homosexuell und ein wiedergeborener, geisterfüllter Christ zu sein.

Genauso, wie ein Alkoholiker, der trocken ist, in einem AA-Treffen aufsteht und sagt: „Ich bin Alkoholiker“, so sollte auch ein Homosexueller, der in rechter Weise lebt und sich selbst rein hält, bei einem Gebetstreffen aufstehen und sagen können: „Ich bin homosexuell. Aber durch Gottes Gnade und die Kraft des Heiligen Geistes führe ich ein keusches Leben für Christus.“ Ich hoffe, wir haben den Mut und die Liebe, diesen Menschen als Bruder oder als Schwester in Christus willkommen zu heißen.

Wie gesagt, lautet die Frage: Verbietet die Bibel homosexuelles Verhalten? Nun, ich habe schon gesagt, dass sie dies tut. Die Bibel ist so realistisch! Man würde vielleicht nicht erwarten, dass sie ein Thema wie homosexuelles Verhalten erwähnt, aber es gibt tatsächlich sechs Abschnitte in der Bibel – drei im Alten Testament und drei im Neuen Testament –, die dieses Thema direkt ansprechen – ganz zu schweigen von den vielen Abschnitten über Ehe und Sexualität, die auch für dieses Thema relevant sind. In jedem dieser sechs Abschnitte werden homosexuelle Handlungen einhellig verurteilt.

In 3. Mose 18,22 steht, dass es abscheulich ist, wenn ein Mann bei einem anderen Mann liegt wie bei einer Frau. In 3. Mose 20,13 wird für einen solchen Geschlechtsverkehr in Israel die Todesstrafe verhängt, wie auch bei Ehebruch, Inzest und Sodomie. Nun spielen Befürworter der Homosexualität solche Verbote manchmal herunter, indem sie sie mit alttestamentlichen Vorschriften vergleichen, die den Kontakt mit unreinen Tieren wie etwa Schweinen verbieten. So wie Christen heute nicht alle Zeremonialgesetze des Alten Testaments befolgen, sagen sie, so brauchen wir auch die Verbote gegen homosexuelle Handlungen nicht zu befolgen. Das Problem bei diesem Argument ist aber, dass das Neue Testament die Gültigkeit der alttestamentlichen Verbote homosexueller Handlungen bestätigt, wie wir nachfolgend sehen werden. Dies zeigt, dass diese Verbote nicht Teil des alttestamentlichen Zeremonialgesetzes waren, das ja nun abgeschafft ist, sondern zum ewigen Moralgesetz Gottes gehören. Homosexuelle Praktiken sind in Gottes Augen eine ernste Sünde. Die dritte Stelle, an der homosexuelle Handlungen im Alten Testament erwähnt werden, ist die entsetzliche Geschichte in 1. Mose 19 über die versuchte Gruppenvergewaltigung der Gäste Lots durch die Männer aus Sodom. Auf sie geht übrigens der Begriff Sodomie zurück! Gott vernichtete die Stadt Sodom wegen ihrer Verdorbenheit.

Falls dies nicht genügen sollte: Das Neue Testament verbietet homosexuelle Handlungen ausdrücklich. In 1. Korinther 6,9-10 schreibt Paulus: „Wisst ihr nicht, dass Menschen, die Unrecht tun, keinen Anteil am Reich Gottes erhalten werden? Täuscht euch nicht. Menschen, die sich auf Unzucht einlassen, Götzendiener, Ehebrecher, Prostituierte, Homosexuelle, Diebe, Habgierige, Trinker, Lästerer, Räuber – keiner von ihnen wird am Reich Gottes teilhaben“ (Neues-Leben Übers.). Die Wörter, die in dieser Aufzählung mit „Prostituierte“ und „Homosexuelle“ übersetzt werden, beziehen sich in der griechischen Literatur auf die passiven und aktiven Partner des homosexuellen Geschlechtsverkehrs. (Wie ich schon sagte, ist die Bibel sehr realistisch!) Der zweite Begriff erscheint auch in 1. Timotheus 1,10 zusammen mit Unzucht, Sklavenhandel, Lüge und Mord in einer Reihe von Dingen, die „der gesunden Lehre widerstreben“. Die längste Stellungnahme zu homosexueller Aktivität steht in Römer 1,24-28. Hier spricht Paulus darüber, wie Menschen sich vom Schöpfer, Gott, abgewandt haben und angefangen haben, stattdessen falsche selbstgemachte Götter anzubeten. Er schreibt:

"Deshalb hat Gott sie ihren schamlosen Begierden und unreinen Leidenschaften überlassen, sodass sie untereinander ihre eigenen Körper schändeten. Sie tauschten die Wahrheit Gottes, die sie kannten, gegen die Lüge ein und verehrten das von Gott Geschaffene statt den Schöpfer selbst, dem Ehre gebührt in alle Ewigkeit. Amen.

Deshalb überließ Gott sie ihren schändlichen Leidenschaften. Die Frauen wandten sich vom natürlichen Geschlechtsverkehr ab und suchten die sexuelle Beziehung zueinander. Und auch die Männer hatten keine sexuellen Beziehungen mehr zu Frauen, wie es der natürlichen Ordnung entspricht. Stattdessen entbrannte in ihnen die sexuelle Lust zueinander. Männer trieben Schändliches mit anderen Männern und erlitten an sich selbst die Strafe, die sie verdienten. (NL)"

Liberale Gelehrte haben akrobatische Versuche unternommen, die klare Bedeutung dieser Verse wegzuerklären. Einige haben gesagt, dass Paulus nur die heidnische Praxis der sexuellen Ausbeutung von Knaben durch Männer verurteilt. Aber eine solche Interpretation ist offensichtlich falsch, da Paulus in den Versen 24 und 27 sagt, dass diese homosexuellen Handlungen von Männern „mit anderen Männern“ geschahen, und in Vers 26 spricht er auch von lesbischen gleichgeschlechtlichen Handlungen. Andere Gelehrte haben gesagt, dass Paulus nur Heterosexuelle verurteilt, die sich auf homosexuelle Aktivitäten einlassen, nicht die Homosexuellen selbst. Aber diese Interpretation ist konstruiert und anachronistisch. Wir haben schon gesagt: Die Vorstellung der homosexuellen oder heterosexuellen Orientierung ist ein Kind unserer Zeit. Was Paulus verurteilt, sind homosexuelle Handlungen, unabhängig von der Orientierung. Ausgehend vom alttestamentlichen Hintergrund dieses Abschnitts und von dem, was Paulus in 1. Korinther 6,9-10 und 1. Timotheus 1,10 sagt, ist klar, dass Paulus hier alle solchen Handlungen verbietet. Er sieht in diesem Verhalten den Beweis eines verdorbenen Sinnes, der sich von Gott abgewandt hat und von Gott seiner moralischen Degeneration überlassen wurde.

Die Bibel ist also sehr direkt und klar, wenn es um homosexuelles Verhalten geht. Es widerspricht Gottes Schöpfungsabsicht und ist Sünde. Selbst wenn es alle diese ausdrücklichen Abschnitte nicht gäbe, die sich auf homosexuelle Handlungen beziehen, würden solche Aktivitäten dennoch durch das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ verboten. Nach Gottes Plan ist die menschliche Sexualität der Ehe vorbehalten: Jede sexuelle Aktivität außerhalb der Sicherheit des Ehebundes – ob vorehelicher Sex oder außerehelicher Sex, ob heterosexuell oder homosexuell – ist verboten. Sex wurde von Gott für die Ehe geschaffen.

Jemand könnte sagen: Wenn Gott Sex für die Ehe beabsichtigt hat, soll man Homosexuelle doch einfach einander heiraten lassen, und so begingen sie keinen Ehebruch! Aber dieser Vorschlag versteht Gottes Absicht für die Ehe völlig falsch. In der Schöpfungsgeschichte in der Genesis wird erzählt, wie Gott die Frau als eine passende Partnerin für den Mann schuf, als seine vollkommene, von Gott gegebene Ergänzung. Dann heißt es: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.“ Das ist Gottes Vorlage für die Ehe, und im Neuen Testament zitiert Paulus genau diesen Vers und sagt dann: „Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde“ (Epheser 5,32). Paulus sagt, dass die Einheit zwischen einem Mann und seiner Frau ein lebendiges Symbol für die Einheit Christi mit seinem Volk, der Gemeinde, ist. Wenn wir darüber nachdenken, können wir erkennen, was für ein schweres Sakrileg die homosexuelle Vereinigung, welche Verhöhnung des Planes Gottes sie darstellt! Sie steht in krassem Widerspruch zu dem, was Gott vom Augenblick der Schöpfung an für die Menschheit beabsichtigt hat.

Das oben Gesagte zeigt auch, wie unsinnig es ist, mit einigen Befürwortern der Homosexualität zu sagen: „Jesus hat homosexuelles Verhalten nie verurteilt, warum sollten wir es dann tun?“ Jesus hat viele Dinge nicht ausdrücklich erwähnt, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, wie Sodomie oder Folter, aber das bedeutet nicht, dass er ihnen zustimmte. Jesus zitierte aber aus der Genesis, um Gottes Vorgabe für die Ehe zur Grundlage dessen zu machen, was er selbst über die Scheidung lehrte. In Markus 10,6-8 sagt er: „Von Anfang der Schöpfung an aber hat er sie als Mann und Frau geschaffen. ‚Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein‘; daher sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.“ Dass zwei Männer durch homosexuellen Geschlechtsverkehr ein Fleisch werden, wäre ein Verstoß gegen Gottes Schöpfungsordnung und Absicht. Er erschuf Mann und Frau zu einer unauflöslichen Einheit in der Ehe, nicht zwei Männer oder zwei Frauen.

Es lässt sich also festhalten: Die Bibel verbietet homosexuelle Handlungen durchgängig. Wenn also Gottes Wille in der Bibel dargelegt wird, folgt daraus, dass homosexuelles Verhalten gegen Gottes Willen ist.

Nehmen wir an, jemand bestreitet Punkt (2), der besagt, dass Gottes Wille in der Bibel zum Ausdruck gebracht wird. Nehmen wir an, es wird gesagt, dass die Verbote gegen homosexuelles Verhalten für die damalige Zeit und die damalige Kultur gültig waren, heute aber nicht mehr gültig sind. Schließlich würden die meisten von uns wahrscheinlich zustimmen, dass bestimmte Gebote in der Bibel kulturell bedingt waren. Die Bibel sagt zum Beispiel, dass christliche Frauen keinen Schmuck und Männer kein langes Haar tragen sollten. Die meisten werden sagen, dass diese Gebote zwar einen zeitlos gültigen Kern haben – etwa die Anweisung, sich dezent zu kleiden –, dass dieses Prinzip aber in verschiedenen Kulturen anders umgesetzt werden kann. Genauso sagen manche Leute, dass die biblischen Verbote gegen homosexuelles Verhalten für unsere heutige Zeit nicht mehr gelten.

Ich halte diesen Einwand für ein gravierendes Missverständnis. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Paulus’ Anordnungen gegen homosexuelle Handlungen kulturbedingt waren. Paulus’ Anordnungen sind weit davon entfernt, Ausdruck der damaligen Kultur zu sein; sie sind vielmehr Ausdruck einer Gegenkultur! Homosexuelle Aktivitäten waren in der griechischen und römischen Gesellschaft des Altertums so weit verbreitet wie heute in den Vereinigten Staaten, und doch trat Paulus der Kultur entgegen und widersprach ihr. Noch wichtiger: Die biblischen Verbote homosexueller Handlungen sind nicht in der Kultur verwurzelt, sondern lassen sich aus Gottes Ehegebot ableiten, das schon seit der Schöpfung gilt. Man kann nicht leugnen, dass homosexuelle Beziehungen Gottes Willen zuwiderlaufen, es sei denn, man leugnet zugleich, dass die Ehe selbst Gottes Willen entspricht.

Nehmen wir an, jemand geht noch weiter und sagt: „Ich glaube an Gott, aber nicht an den Gott der Bibel. Also glaube ich nicht, dass die Bibel Gottes Willen ausdrückt.“ Was antwortet man so jemandem?

Da gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens könnte man zeigen, dass Gott sich selbst in der Bibel offenbart hat. Das ist die Aufgabe christlicher Apologeten. Man könnte Belege für die Auferstehung Jesu anführen oder über erfüllte Prophetie sprechen. Die Bibel beauftragt uns Gläubige sogar, jedermann gegenüber die Gründe für unseren Glauben anführen zu können (1. Petrus 3,15)!

Zweitens könnte man das Falsche an homosexuellem Verhalten zeigen, indem man auf allgemein anerkannte moralische Werte Bezug nimmt, die auch von Personen akzeptiert werden, die nicht an die Bibel glauben. Dieser Ansatz ist zwar schwieriger zu erklären; nichtsdestoweniger ist die Kenntnis dieses Ansatzes entscheidend, wollen wir Christen Einfluss auf unsere zeitgenössische Kultur nehmen. Wir leben in einer Gesellschaft, die immer stärker säkularisiert wird und zunehmend post-christlich wird. Wir können uns nicht einfach auf die Bibel berufen, wenn wir Gesetzgeber oder öffentliche Schulen oder andere Institutionen beeinflussen wollen, denn die meisten Menschen glauben nicht mehr an die Bibel. Wir müssen Gründe nennen, die breiteren Anklang finden.

Die meisten Menschen werden zustimmen, wenn man sagt, es sei falsch, etwas Selbstzerstörerisches zu tun. Selbstzerstörerische Verhaltensweisen vernichten einen Menschen, der in sich wertvoll ist. So würden sicher viele Menschen zustimmen, dass es falsch ist, Alkoholiker oder Kettenraucher zu werden. Es wäre besser, sich gesund zu ernähren und fit zu bleiben. Fast jeder wird auch zustimmen, wenn Sie sagen, dass auch Verhaltensweisen, die einer anderen Person schaden, falsch sind. Wir beschränken das Rauchen in öffentlichen Räumen auf bestimmte Bereiche oder verbieten es ganz, um andere Menschen vor dem Passivrauchen zu schützen, und wir verabschieden Gesetze gegen Alkohol am Steuer, damit niemand unschuldig verletzt wird. Fast jeder stimmt zu, dass man kein Recht zu Verhaltensweisen hat, die für einen anderen Menschen zerstörerisch sind.

Es ist auch gar nicht so schwer zu zeigen, dass auch homosexuelles Verhalten ein besonders selbstzerstörerisches und schädliches Verhalten ist. Diese Tatsache wird meist nicht veröffentlicht. Hollywood und die Medien sind unablässig darauf bedacht, der Homosexualität ein fröhliches Gesicht zu geben, obwohl es in Wirklichkeit ein düsterer, verdrehter und gefährlicher Lebensstil ist, der so abhängig machend und destruktiv ist wie Alkoholismus oder Rauchen. Die ernüchternden statistischen Angaben, die ich gleich anführen werde, finden sich in Dr. Thomas Schmidts bemerkenswerten Buch „Straight and Narrow?“ vollständig dokumentiert. [4]

Zunächst geht homosexuelles Verhalten fast zwanghaft mit Promiskuität einher. 75 Prozent der homosexuellen Männer haben mehr als 100 Sexualpartner in ihrem Leben. Mehr als die Hälfte dieser Partner sind Fremde. Nur 8 Prozent der homosexuellen Männer und 7 Prozent der homosexuellen Frauen haben Beziehungen, die länger als drei Jahre dauern. Niemand kennt den Grund für diese seltsame, obsessive Promiskuität. Es könnte sein, dass Homosexuelle ein tiefes seelisches Bedürfnis mit sexuellen Begegnungen stillen wollen. Aber die Sehnsucht bleibt. Bei homosexuellen Männern liegt der Durchschnitt bei 20 Partnern im Jahr. Dr. Schmidt schreibt:

„Die Zahl der homosexuellen Männer, die einander ein Leben lang die Treue halten, ist statistisch gesehen nahezu bedeutungslos. Promiskuität unter homosexuellen Männern ist weder ein Klischee, noch betrifft es die Mehrheit – sie ist buchstäblich die alleinige Erfahrung. Lebenslange Treue kommt in der homosexuellen Erfahrung so gut wie nicht vor.

Begleitet wird diese zwanghafte Promiskuität von einem weit verbreiteten Drogenkonsum, durch den homosexuelle Männer ihre sexuelle Erlebnisfähigkeit steigern wollen. Die Wahrscheinlichkeit, zum Problemtrinker zu werden, liegt bei Homosexuellen dreimal so hoch wie bei der Bevölkerung im Allgemeinen. Studien zeigen, dass 47 Prozent der männlichen Homosexuellen Erfahrung mit Alkoholmissbrauch und 51 Prozent mit Drogenmissbrauch haben. Es gibt eine direkte Korrelation zwischen der Zahl der Partner und der Menge des Drogenkonsums.“

Außerdem gibt es nach Dr. Schmidt „überwältigende Belege dafür, dass bestimmte psychische Störungen bei Homosexuellen viel häufiger auftreten.“ Zum Beispiel hatten 40 Prozent der homosexuellen Männer schon einmal eine schwere Depression. Bei Männern liegt der Schnitt sonst bei 3 Prozent. Ähnlich ist es bei weiblichen Homosexuellen: 37 Prozent hatten eine schwere Depression. Dies führt zu einer höheren Selbstmordrate. Die Wahrscheinlichkeit, an Selbstmord zu denken, liegt bei Homosexuellen dreimal höher als bei der Bevölkerung im Allgemeinen. Tatsächlich ist die Zahl der Selbstmordversuche bei homosexuellen Männern sechsmal so hoch wie bei heterosexuellen Männern, und homosexuelle Frauen haben zweimal so oft einen Selbstmordversuch hinter sich wie heterosexuelle Frauen. Depression und Selbstmord sind nicht die einzigen Probleme. Studien zeigen, dass Pädophilie bei Homosexuellen wahrscheinlicher ist als bei heterosexuellen Männern. Was immer die Ursachen dieser Störungen sein mögen – Menschen, die einen homosexuellen Lebensstil in Erwägung ziehen, sollten sich jedenfalls keine Illusionen machen im Hinblick auf das, worauf sie sich einlassen.

Ein weiteres gut gehütetes Geheimnis sind die körperlichen Risiken durch homosexuelles Verhalten. Ich werde nicht im Einzelnen beschreiben, welche sexuellen Aktivitäten Homosexuelle praktizieren, aber lassen Sie mich sagen, dass unsere männlichen und weiblichen Körper zu einer Art des Geschlechtsverkehrs geschaffen sind, zu der zwei männliche Körper nicht geschaffen sind. Infolgedessen sind 80 Prozent der homosexuellen Praktiken von Männern sehr zerstörerisch und führen schließlich zu Problemen wie Prostata-Schäden, Geschwüren und Brüchen sowie zu chronischer Inkontinenz und Diarrhöe.

Neben diesen körperlichen Problemen sind sexuell übertragene Krankheiten in der homosexuellen Bevölkerung weit verbreitet. 75 Prozent der homosexuellen Männer tragen eine oder mehrere sexuell übertragene Krankheiten in sich, völlig unabhängig von AIDS. Dazu gehören alle Arten nicht-viraler Infektionen wie Gonorrhöe, Syphilis, bakterielle Infektionen und Parasiten. Ebenfalls häufig unter Homosexuellen sind Virusinfektionen wie Herpes und Hepatitis B (bei 65 Prozent der homosexuellen Männer), die beide unheilbar sind, sowie Hepatitis A und Analwarzen, wovon 40 Prozent der homosexuellen Männer betroffen sind. Von AIDS habe ich noch gar nicht gesprochen. Die Statistik ist schockierend und beängstigend: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines homosexuellen Mannes liegt bei etwa 45 Jahren, die AIDS-Toten nicht mitgezählt. Die allgemeine Lebenserwartung der Männer liegt im Vergleich dazu bei rund 70 Jahren. Nimmt man diejenigen hinzu, die an AIDS sterben (woran inzwischen 30 Prozent der homosexuellen Männer leiden [5] ), sinkt die Lebenserwartung auf 39 Jahre.

Ich denke also, dass man auf der Basis allgemein anerkannter moralischer Grundsätze sehr gut argumentieren kann, dass homosexuelles Verhalten falsch ist. Es ist schrecklich selbstzerstörerisch und auch für andere schädlich. Ganz unabhängig von den biblischen Verboten gibt es also solide und vernünftige Gründe, homosexuelle Aktivitäten als falsch zu betrachten.

Nun ergeben sich daraus sehr wichtige Schlüsse für öffentliche Regelungen über homosexuelles Verhalten, denn das öffentliche Recht und die öffentliche Ordnung beruhen auf allgemein anerkannten moralischen Grundsätzen. Deshalb haben wir zum Beispiel Gesetze, die den Verkauf von Alkohol auf verschiedene Weise regulieren, oder Gesetze, die Glücksspiele untersagen, oder Regeln, die das Rauchen einschränken. Solche Beschränkungen der individuellen Freiheit werden zum Wohl der Allgemeinheit auferlegt. In derselben Weise haben einige Bundesstaaten, wie etwa unser Heimatbundesstaat Georgia, Gesetze gegen Sodomie; der Oberste Gerichtshof hat entschieden, dass solche Gesetze verfassungsgemäß sind. Obwohl sich die Einhaltung eines solchen Gesetzes natürlich nicht erzwingen lässt, ist es angesichts der Risiken eines solchen Verhaltens berechtigt.

Gesetze betreffend Homosexualität wären denkbar; Christen müssten sich solche Schritte im Einzelnen sehr gut überlegen. Als Christ hat mal wohl kaum Gründe, Homosexuellen beim Kauf oder Anmieten einer Wohnung Chancengleichheit zu verweigern. Denkbar wäre aber, dass Christen sich gegen die Durchsetzung der Jobchancengleichheit wehren, da es Berufe gibt, für die sich Homosexuelle aus prinzipiellen Gründen nicht eignen. Was halten Sie davon, dass die Turnlehrerin ihrer Tochter lesbisch ist? Wären Sie angetan von der Vorstellung, der Trainer Ihres Sohnes ist homosexuell und darf auch in die Umkleidekabinen? Ich jedenfalls wehre mich gegen die Vorstellung eines Gesetzes, das öffentliche Schulen verpflichtet, auch Homosexuelle einzustellen!

Soll im Biologieunterricht an öffentlichen Schulen Homosexualität als allgemein anerkannter Lebensstil gelehrt werden oder sollten Schüler Bücher wie „Herta hat zwei Muttis“ zu lesen bekommen? Sollen homosexuelle Beziehungen mit heterosexuellen Ehen rechtlich gleichgestellt werden? Sollen Homosexuelle das Recht haben, Kinder zu adoptieren? In allen diesen Fällen könnte man auf der Grundlage des Allgemeinwohls und der Gesundheit für Beschränkungen homosexueller Freiheiten argumentieren. Dabei geht es nicht darum, anderen Menschen die eigenen Werte aufzuzwingen, denn die Grundlage sind dieselben allgemeinen moralischen Grundsätze, die zum Beispiel Anwendung finden, wenn der Drogenkonsum verboten oder wenn Waffengesetze verabschiedet werden. Freiheit ist kein Freibrief, etwas zu tun, was anderen Menschen schadet.

Wir haben gesehen: Es gibt ein Richtig und Falsch, weil sie in Gott gegründet sind. Wenn wir also herausfinden wollen, was richtig oder falsch ist, müssen wir sehen, was Gott dazu sagt. Dann haben wir gesehen, dass die Bibel homosexuelle Handlungen klar verbietet, so wie sie auch alle sexuellen Handlungen außerhalb der Ehe verbietet. Drittens haben wir gesehen, dass sich das biblische Verbot solcher sexuellen Handlungen nicht als Ausdruck der Zeit und Kultur, in der es gegeben worden war, wegerklären lässt; vielmehr ist dieses Verbot in Gottes Schöpfungsplan für die Ehe zwischen Mann und Frau begründet. Außerdem gibt es – von der Bibel einmal abgesehen – akzeptierte moralische Grundsätze, aus denen folgt, dass homosexuelles Verhalten falsch ist.

Welche praktischen Anwendungen ergeben sich daraus für uns als Einzelne?

Erstens: Wenn Sie homosexuell sind oder diese Neigung empfinden, halten Sie sich rein. Wenn Sie unverheiratet sind, üben Sie sich in Enthaltsamkeit. Ich weiß, dass das alles andere als leicht ist, aber das, wozu Gott Sie hier aufruft, ist im Wesentlichen dasselbe, was er von allen unverheirateten Menschen fordert. Dies bedeutet, dass Sie nicht nur Ihren Körper rein halten sollen, sondern auch Ihr Denken. Wie heterosexuelle Männer Pornografie und sexuelle Fantasien meiden sollen, so müssen auch Sie Ihre Gedankenwelt rein halten. Widerstehen Sie der Versuchung, Sünde zu rechtfertigen, indem Sie sagen: „Gott hat mich so geschaffen.“ Gott hat ganz klar gemacht, dass er nicht will, dass Sie solchen Wünschen nachgeben, sondern dass Sie ihn ehren sollen, indem Sie Ihre Gedanken und Ihren Körper rein halten. Zuletzt: Nehmen Sie professionelle christliche Seelsorge in Anspruch. Mit etwas Zeit und Mühe ist Ihnen eine normale, ehelich-heterosexuelle Beziehung möglich. Es gibt Hoffnung.

Wir Heteros müssen uns erinnern: Homosexualität als Disposition ist noch keine Sünde. Die meisten Homosexuellen haben sich ihre „Orientierung“ nicht ausgewählt und würde sie gern ändern. Wir sollen Brüder und Schwestern, die mit diesem Problem zu kämpfen haben, annehmen und liebevoll unterstützen. Wir müssen homosexuellen Menschen mit der Liebe Gottes begegnen. Vulgäre Ausdrücke oder Witze über Homosexuelle sollten Christen nie über die Lippen kommen. Wenn Sie merken, dass es Sie freut, wenn eine homosexuelle Person in Schwierigkeiten gerät, oder wenn in Ihrem Herzen Hassgefühle gegen homosexuelle Menschen aufsteigen, dann müssen Sie lange und sorgfältig über die Worte Jesu nachdenken, die im Matthäusevangelium stehen: „Dem Sodomer Land wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir“ (Matthäus 10,15; 11,24).

William Lane Craig

(Übers.: M. Wilczek)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/a-christian-perspective-on-homosexuality

  • [1]

    Richard Taylor, Ethics, Faith, and Reason (Englewood Cliffs 1985), S. 83-4.

  • [2]

    Ibid.

  • [3]

    Ibid., S. 2-3.

  • [4]

    Thomas Schmidt: Straight and Narrow? (Downer’s Gove 1995).

  • [5]

    Im Jahr 2011 ist dieser Anteil auf 18% gesunken, die Zahl bezieht sich allerdings auf "Homosexuelle und Bisexuelle". Vgl. http://www.cdc.gov/hiv/group/msm/.
    Dieser Artikel über Homosexualität wurde ursprünglich als Teil des Buches "Hard Questions, Real Answers" von William Lane Craig (Crossway Books, 2003) abgedruckt. Die übrigen in diesem Abschnitt genannten Zahlen dürften sich daher seit Abfassung des Artikels (2003) ebenfalls leicht geändert haben, dies ändert jedoch nichts an der Kernaussage des Abschnitts über die tendenzielle Gefährlichkeit eines homosexuellen Lebensstil. (Anm. d. Übers.)