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Denkvoraussetzungen und Anmaßungen des "Jesus-Seminars"

Summary

In diesem ersten Teil eines zweiteiligen Artikels werden die Denkvoraussetzungen und Anmaßungen des "Jesus-Seminars" dargelegt und beurteilt. Es wird festgestellt, dass die entscheidenden Denkvoraussetzungen oder Vorannahmen, nämlich die des (i) wissenschaftlichen Naturalismus, (ii) der Priorität der apokryphischen Evangelien und (iii) der Notwendigkeit eines politisch korrekten Jesus, ungerechtfertigt sind und zu einer verdrehten Darstellung des historischen Jesus führen. Auch wenn das Jesus-Seminar den Anspruch erhebt, im Namen der Wissenschaft über die Suche nach dem historischen Jesus zu sprechen, wird gezeigt, dass es sich in Wirklichkeit um eine kleine Gruppe von Kritikern handelt, die eine kulturelle Agenda verfolgt.

Erstveröffentlichung dieses Artikels: "Rediscovering the Historical Jesus: The Presuppositions and Presumptions of the Jesus Seminar." [Die Wiederentdeckung des historischen Jesus: Die Denkvoraussetzungen und unbegründeten Behauptungen des Jesus-Seminars]. Faith and Mission 15 (1998): 3-15.

1985 gründete ein prominenter neutestamentlicher Gelehrter namens Robert Funk eine Denkfabrik in Südkalifornien, die er das Jesus-Seminar nannte. Das vorgebliche Ziel dieses Seminars bestand darin, mithilfe der besten wissenschaftlichen Methoden der Bibelkritik die historische Person Jesus von Nazareth zu enthüllen. Nach Ansicht von Funk war der historische Jesus durch christliche Legendenbildung, Mythen und Metaphysik überlagert worden und ähnelte darum kaum noch der Gestalt Christi, wie sie in den Evangelien geschildert und in der heutigen Kirche verehrt wurde. Das Ziel des Seminars ist es, diese Schichten abzubauen und den authentischen Jesus, der wirklich lebte und lehrte, wiederzuentdecken.

Funk hofft dadurch, eine Revolution zu entfachen, die beenden wird, was er als ein Zeitalter der Ignoranz betrachtet. Er tadelt das religiöse Establishment scharf dafür, dass sie „es nicht erlaubt haben, die Erkenntnisse hochstehender Forschung über Pastoren und Priester an hungrige Laien weiterzugeben“. [1] Das Jesus-Seminar stellt für ihn ein Mittel dar, Laien über die mythologische Gestalt, die man sie verehren lehrte, aufzuklären und sie mit dem wahren Jesus der Geschichte zu konfrontieren.

Das Ausmaß, in dem die Evangelien angeblich den historischen Jesus verdreht haben, wird durch die vom Jesus-Seminar veröffentlichte Ausgabe der Evangelien deutlich. In ihrer Version, genannt The Five Gospels [Die fünf Evangelien], weil sie das sogenannte Thomasevangelium neben den Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes einschließt, werden nur diejenigen Worte Jesu rot gedruckt, welche die Mitarbeiter des Seminars als authentische, tatsächlich von Jesus gesprochenen Worte bestimmen. Wie sich herausstellt, sind weniger als 20% der traditionell Jesus zugeordneten Aussagen rot gedruckt.

Der wirkliche, historische Jesus entpuppt sich als eine Art reisender Sozialkritiker, das jüdische Äquivalent eines griechischen zynischen Philosophen. Er behauptete nie, der Sohn Gottes zu sein, Sünden zu vergeben oder einen Neuen Bund zwischen Gott und Menschen zu stiften. Seine Kreuzigung war ein Unfall der Geschichte. Sein Leichnam wurde vermutlich in ein provisorisch ausgehobenes flaches Grab geworfen, wo er verrottete oder von wilden Hunden gefressen wurde.

Nun, wenn diese Schlussfolgerungen korrekt sind, dann sind wir heutigen Christen die Opfer einer massiven Täuschung. In Anbetracht dieser Schlussfolgerungen Jesus weiterhin zu verehren, wäre dann entweder Götzendienst, so man die menschliche Gestalt anbetet, die wirklich lebte - oder aber götzenhafte Verehrung einer mythologischen Gestalt, wenn man die Fiktion der kirchlichen Vorstellung verehrt. Nun, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber ich möchte weder ein Götzendiener noch ein Mythenanhänger sein. Deshalb ist es von äußerster Bedeutsamkeit, ein Urteil darüber zu fällen, ob die Behauptungen des Jesus-Seminars wahr sind.

Heute möchte ich mich deshalb mit den Denkvoraussetzungen und Anmaßungen des Jesus-Seminars befassen.

Denkvoraussetzungen des Jesus-Seminars

Lassen Sie uns zuerst über die Denkvoraussetzungen sprechen. Was ist eine Denkvoraussetzung? Eine Denkvoraussetzung ist eine Annahme, die Sie treffen, bevor Sie sich Beweise anschauen. Denkvoraussetzungen sind entscheidend, denn sie bestimmen, wie Sie die Beweise interpretieren. Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Haben Sie von dem Mann gehört, der dachte, er sei tot? Dieser Kerl glaubte fest daran, dass er tot sei, obwohl er ein lebendiges, normal funktionierendes menschliches Lebewesen war. Nun, seine Frau überredete ihn, einen Psychiater zu besuchen, der vergeblich versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass er in Wirklichkeit lebte. Schließlich kam dem Psychiater ein Plan. Er zeigte dem Mann medizinische Berichte und wissenschaftliche Beweise dafür, dass tote Menschen nicht bluten können. Nachdem er den Mann gründlich davon überzeugt hatte, dass tote Menschen nicht bluten, nahm der Psychiater eine Nadel und stach dem Mann in den Finger. Als der Mann sah, wie ein Tropfen Blut seinen Finger herablief, riss er seine Augen weit auf und rief: „Ha, tote Menschen bluten also doch!“

Der Glaube des Mannes, dass er tot sei, war eine Denkvoraussetzung oder Vorannahme, die bestimmte, wie er den Befund interpretierte. Er hielt so stark an seiner Denkvoraussetzung fest, dass sie seine Sicht der Fakten verzerrte. Nun, gleicherweise hat das Jesus-Seminar bestimmte Vorannahmen, die bestimmen, wie sie die Befunde werten. Glücklicherweise hat das Jesus-Seminar einige seiner Denkvoraussetzungen überdeutlich klargemacht.

Naturalismus

Denkvoraussetzung Nummer Eins des Seminars ist der Antisupranaturalismus oder einfacher gesagt, der Naturalismus. Naturalismus bezeichnet die Sicht, dass jedes Ereignis in der Welt eine natürliche Ursache hat. Es gibt keine Ereignisse mit übernatürlichen Ursachen. In anderen Worten, Wunder können nicht geschehen.

Nun stellt diese Denkvoraussetzung einen absoluten Einschnitt für das Studium der Evangelien dar. Wenn man vom Naturalismus ausgeht, dann gehen Ereignisse wie die Menschwerdung, die Jungfrauengeburt, Jesu Wunder und seine Auferstehung den Bach runter, bevor man sich überhaupt dranmachen kann, die Beweise zu untersuchen. Als übernatürliche Ereignisse können sie nicht historisch sein. Aber wenn man für den Supranaturalismus zumindest offen ist, dann können diese Ereignisse nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Man muss dafür offen sein, ehrlich die Beweise dafür anzuschauen, dass sie geschehen sind. Ohne die Denkvoraussetzung des Naturalismus sehen die Evangelien als historische Quellen für das Leben Jesu sogar ziemlich gut aus.

R. T. France, ein britischer neutestamentlicher Wissenschaftler schreibt:

„Auf der Ebene ihres literarischen und historischen Charakters haben wir guten Grund, die Evangelien ernsthaft als eine Informationsquelle für Leben und Lehre Jesu zu behandeln …Viele antike Historiker würden sich sogar glücklich schätzen, vier solch zuverlässige Quellen [wie die Evangelien] zu haben, die innerhalb von einer oder zwei Generationen nach den Ereignissen geschrieben wurden und in solch einer Fülle von frühen Manuskriptbeweisen erhalten geblieben sind. Darüber hinaus betrachtet wird die Entscheidung, den Bericht, den sie anbieten, zu akzeptieren, wahrscheinlich viel mehr von der Offenheit gegenüber einer supranaturalistischen Weltanschauung beeinflusst, als von streng historischen Überlegungen.“ [2]

Mit anderen Worten, eine skeptische Haltung gegenüber den Evangelien beruht nicht auf der Geschichte, sondern auf der Denkvoraussetzung des Naturalismus.

Und das Jesus-Seminar ist sogar in Bezug auf seine naturalistische Vorannahme erstaunlich offen. In der Einleitung zu The Five Gospels heißt es:

„Die zeitgenössische religiöse Kontroverse wendet sich der Frage zu, ob die Weltanschauung wie sie sich in der Bibel widerspiegelt, in diesem wissenschaftlichen Zeitalter weiter übernommen und als ein Glaubensartikel bewahrt werden kann …der Christus des Glaubensbekenntnisses und Dogmas …kann nicht länger die Zustimmung jener verlangen, die den Himmel durch das Teleskop des Galileos sahen. [3]

Aber warum, so mögen wir fragen, ist es in einem wissenschaftlichen Zeitalter unmöglich, an einen übernatürlichen Christus zu glauben? Schließlich sind eine gute Anzahl von Wissenschaftlern gläubige Christen, und die zeitgenössische Physik erweist sich gegenüber der Möglichkeit von Realitäten, die außerhalb ihrer Domäne liegen, als recht aufgeschlossen. Welche Rechtfertigung gibt es dann für Antisupranaturalismus?

Hier wird es nun wirklich interessant. Gemäß dem Jesus-Seminar muss der historische Jesus per Definition eine nicht-übernatürliche Gestalt sein. Hier berufen sie sich auf D. F. Strauß, den deutschen Bibelkritiker des 19. Jahrhunderts. Strauß‘ Buch Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet beruhte offen auf einer Philosophie des Naturalismus. Laut Strauß wirkt Gott nicht direkt in der Welt. Er wirkt nur indirekt durch natürliche Ursachen. In Bezug auf die Auferstehung behauptet Strauß, Gottes Auferweckung Jesu von den Toten sei „nicht vereinbar mit aufgeklärten Vorstellungen über die Beziehung Gottes zu der Welt“. [4] Nun betrachten Sie genau, was das Jesus-Seminar über Strauss sagt:

„Strauß unterschied in den Evangelien das, was er das „Mystische“ nannte (nach seiner Definition alles Legendäre oder Übernatürliche) von dem Historischen …Die Wahl, vor die sich Strauß in seiner Beurteilung der Evangelien gestellt sah, bestand zwischen dem übernatürlichen Jesus, also dem Christus des Glaubens, und dem historischen Jesus. [5]

Alles, was übernatürlich ist, ist per Definition nicht historisch. Dafür wird kein Argument genannt. Es wird einfach auf diese Art und Weise definiert. Somit haben wir eine radikale Trennung zwischen dem Christus des Glaubens oder dem übernatürlichen Jesus, und dem wirklichen, historischen Jesus. Nun unterstützt das Jesus-Seminar die Unterscheidung von Strauss enthusiastisch, indem es behauptet, dass die Unterscheidung zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens „die Basis oder erste Säule der akademischen Weisheit“ bilde. [6]

Doch nun wird die ganze Suche nach dem historischen Jesus zu einem Scharadespiel. Wenn man mit der Denkvoraussetzung des Naturalismus beginnt, dann kommt freilich am Ende ein rein natürlicher Jesus zum Vorschein! Dieser rekonstruierte, naturalistische Jesus basiert nicht auf Beweisen, sondern auf einer Definition. Erstaunlich ist, dass das Jesus-Seminar keinerlei Versuch macht, diesen Naturalismus zu verteidigen. Er wird einfach als Prämisse angenommen. Doch diese Denkvoraussetzung ist völlig ungerechtfertigt. Solange die Existenz Gottes auch nur möglich ist, müssen wir für die Möglichkeit offen sein, dass Er auf wunderbare Weise im Universum gehandelt hat. Nur wenn man einen Beweis für den Atheismus hat, ist man auch berechtigt anzunehmen, dass Wunder unmöglich sind.

Dies führt zu der sehr realen Frage, ob die Mitarbeiter des Jesus-Seminars denn überhaupt glauben, dass Gott wirklich existiert. In einer Debatte mit John Dominic Crossan, dem zweiten Vorsitzenden des Jesus-Seminars, stellte ich genau diese Frage. Hören Sie sorgfältig auf seine Antwort:

Craig: Diese Unterscheidung, die Sie zwischen Glaubensaussagen und Tatbeständen treffen, beunruhigt mich. Ich wüsste gerne, was Sie über die Aussage „Gott existiert“ denken? Ist das eine Glaubensaussage oder Tatsache?

Crossan: Es ist eine Glaubensaussage für all diejenigen, die sie treffen.

Craig: Dann ist es also Ihrer Sicht nach, faktisch gesprochen, nicht wahr, dass Gott existiert.

Crossan: Es wäre nicht schön, das so zu sagen. Lassen Sie es mich für Sie folgendermaßen ausdrücken. Was ich hier sage, ist ein Versuch, Glauben ernst zu nehmen. Dr. Craig will damit sagen, dass er Glaube und Tatsache gleichsetzen will. Wie man hört, gibt es Menschen in der Welt, die nicht glauben, dass Gott existiert. Zufällig denke ich, dass sie falsch liegen, aber das macht es nicht weniger zu einem Glaubensakt. Diese Menschen glauben an etwas anderes …

Craig: Aber wenn die Existenz Gottes eine Glaubensaussage und keine Aussage über einen Tatbestand ist – dann bedeutet das, Gottes Existenz ist einfach nur ein interpretatives Konstrukt, das ein bestimmter menschlicher Geist – ein Gläubiger – dem Universum aufsetzt. Aber in und aus sich selbst besteht das Universum ohne solch ein Wesen wie Gott. Das heißt, es ist einfach nur eine Deutung, die ein Gläubiger verleiht. Mir scheint, dass auf einer Ebene der Realität, unabhängig vom menschlichen Bewusstsein, Ihre Weltanschauung eigentlich atheistisch ist und Religion für Sie einfach nur einen Deutungsrahmen darstellt, den individuelle Menschen der Welt verleihen, von dem jedoch nichts faktisch, objektiv wahr ist …

Crossan: Nein, ich würde sagen, was Sie gerade versuchen, ist, sich die Welt ohne uns vorzustellen. Nun kann ich das leider nicht. Wenn Sie mich fragen sollten, (was Sie ja genau gerade getan haben), aus dem Glauben abzuleiten, wie Gott wäre, wenn es keine menschlichen Wesen gäbe, dann ist das gerade so, als wenn Sie mich fragten: ‚Wäre ich verärgert, wenn meine Empfängnis nicht stattgefunden hätte?“ Ich weiß wirklich nicht, wie ich auf diese Frage antworten soll.

Craig: Doch, das wissen Sie!

Crossan: Einen Moment mal! Wir kennen Gott nur so, wie Gott sich uns als Gott offenbart hat. Das ist alles, was wir je in irgendeiner Religion wissen können.

Craig: Während des Jurazeitalters, als es keine menschlichen Wesen gab, gab es Gott da?

Crossan: Bedeutungslose Frage.

Craig: Das ist ganz sicher keine bedeutungslose Frage. Es ist eine Frage, bei der es um Tatsachen geht. Gab es ein Wesen als Schöpfer und Erhalter des Universums in einer Zeitperiode, als es noch keine Menschen gab? Mir scheint, dass Sie gemäß Ihrer Anschauung mit „Nein“ antworten müssten.

Crossan: Nun, ich würde es vermutlich vorziehen, “Nein” zu sagen, denn was Sie gerade tun, ist ein Versuch, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen und zu fragen: „Wie ist Gott abseits der Offenbarung? Wie ist Gott abseits des Glaubens?“ Ich weiß nicht, ob man das tun kann. Sie können es, nehme ich an, aber ich weiß nicht, ob das wirklich einen Sinn ergibt. [7]

Es scheint ziemlich offensichtlich, dass Dr. Crossan nicht einmal bestätigen würde, dass es wirklich einen Gott gibt, der außerhalb der menschlichen Vorstellung existiert. Nun, wenn Gott nur eine Projektion menschlichen Bewusstseins ist, wenn es in Wirklichkeit niemanden da draußen gibt, dann ist es natürlich unmöglich, dass Gott übernatürlich in der Welt gehandelt hat, wie die Evangelien behaupten. Somit ist die erste Denkvoraussetzung des Jesus-Seminars – eine Vorannahme, die sie noch nicht einmal versuchen zu rechtfertigen – der Naturalismus und vielleicht sogar Atheismus. Verwirf diese Vorannahme, und die ganze Konstruktion bricht in sich zusammen.

Die Priorität der apokryphischen Evangelien

Wenn nun der historische Jesus nicht der übernatürliche Jesus der Evangelien ist, wie finden dann skeptische Gelehrte heraus, wer der historische Jesus wirklich war? Das führt zur zweiten Denkvoraussetzung, die ich diskutieren wollte, nämlich, dass skeptische Kritiker von der Prämisse ausgehen, dass unsere allerersten Quellen über das Leben Jesu nicht die Evangelien sind, sondern Schriften außerhalb des Neuen Testamentes, speziell die sogenannten apokryphischen Evangelien.

Professor Luke Johnson, ein bedeutender neutestamentlicher Gelehrter an der Emory Universität, weist darauf hin, dass die gesamte neuere Flut von Büchern, die behaupten, den wirklichen Jesus aufzudecken, demselben vorhersagbarem Muster folgen:

1. Das Buch beginnt mit einem lauten Loblied auf die akademischen Verdienste des Autors und seine außergewöhnliche Forschung.

2. Der Autor behauptet, eine neue, vielleicht sogar bisher unterdrückte Interpretation zu bieten, wer Jesus wirklich war.

3. Die Wahrheit über Jesus soll mittels Quellen außerhalb der Bibel entdeckt worden sein, die es uns ermöglichen, die Evangelien auf eine neue Art und Weise zu lesen, die im Widerspruch zu ihrer offensichtlichen Bedeutung steht.

4. Diese neue Interpretation ist provokativ und sogar prickelnd, wie zum Beispiel, dass Jesus Maria Magdalena geheiratet hat oder dass er der Führer einer halluzinogenen Sekte oder ein ländlicher zynischer Philosoph war.

5. Es wird impliziert, dass traditionelle christliche Glaubensvorstellungen dadurch untergraben werden und deshalb revidiert werden müssen. [8]

Wenn Sie von Büchern hören, die diesem vertrauten Schema folgen, sollten Ihre kritischen Antennen automatisch ausfahren. Man ist gerade dabei, Sie hinters Licht zu führen. Denn Tatsache ist, dass es außerhalb der Bibel keine Quelle gibt, die das Bild von Jesus, wie es die Evangelien zeichnen, infrage stellt.

Lassen Sie mich nur einige Beispiele für bevorzugte Quellen des Jesus-Seminars anführen. Zunächst das sogenannte Thomasevangelium. Das Jesus-Seminar hält dies für eine solch bedeutende Quelle, dass sie es neben Matthäus, Markus, Lukas und Johannes in ihre Ausgabe The Five Gospels mit einschließt.

Nun, was ist das Thomasevangelium? Es ist eine Schrift, die in Ägypten gleich nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde. Es war Teil einer Sammlung gnostischer Dokumente. Der Gnostizismus war eine antike nahöstliche Philosophie, welche die Ansicht vertrat, dass die materielle Welt böse und der Bereich des Geistes gut sei. Rettung kommt durch Geheimwissen aus dem geistlichen Bereich, welches die Seele aus ihrer Gefangenschaft in der materiellen Welt befreit. Das sogenannte Thomasevangelium ist mit gnostischer Philosophie durchsetzt. Es war zweifellos Teil der Literatur eines gnostischen christlichen Kultes, den New Age Kulten unserer Tage sehr ähnlich. Griechische Fragmente des Thomasevangeliums wurden entdeckt, die bis zu 200 Jahre nach Chr. alt sind. Die meisten Gelehrten würden die Abfassung des Originals auf die spätere Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus legen. Ein Beweis dafür ist, dass das Thomasevangelium Vokabular verwendet, welches aus Übersetzungen und Harmonien der vier Evangelien des zweiten Jahrhunderts stammt.

Somit betrachtet die große Mehrheit der Gelehrten heute das Thomasevangelium als eine abgeleitete Quelle aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, die die Sicht des christlichen Gnostizismus widerspiegelt.

Unglaublicherweise jedoch halten Mitarbeiter des Jesus-Seminars das Thomasevangelium für eine frühe primäre Quelle über Jesus und verwenden es, um das Bild von Jesus, wie man es in den Evangelien findet, zu revidieren. Nun, welchen Grund haben sie, das Thomasevangelium so früh zu datieren? Erstaunlicherweise ist ihre ganze Herangehensweise an diese Frage ein Zirkelschluss. Er verläuft folgendermaßen:

1. Das Thomasevangelium ist eine frühe, primäre Quelle.

“Woher weiß man das”?

2. Weil es keine apokalyptischen Aussagen im Thomasevangelium gibt.

„Warum ist dies Beweis für eine frühe Datierung?“

3. Das ist Beweis für eine frühe Datierung, weil Jesus kein Interesse an der Apokalypse hatte.

„Woher weiß man, dass er das nicht hatte?“

4. Weil das Thomasevangelium beweist, dass er das nicht hatte.

„Warum soll man glauben, was das Thomasevangelium sagt?“

1. Das Thomasevangelium ist eine frühe primäre Quelle.

So preist Howard Clark Kee von der Universität in Boston diese Prozedur als “einen Triumph des Zirkelschlusses!” [9] Der britische neutestamentliche Wissenschaftler Thomas Wright sagt, es ist so wie bei Winnie the Pooh, der im Schnee seine eigenen Spuren um einige Baumgruppen herum verfolgt und jedes Mal, wenn er mehr Spuren sieht, dies als Beweis dafür nimmt, dass seine Jagdbeute sogar zahlreicher und realer ist als er vorher dachte! [10] Kein Wunder, dass die Mitarbeiter des Jesus-Seminars es nicht geschafft haben, viele ihrer Kollegen mittels Argumenten wie diesem zu überzeugen!

Ein zweites Beispiel ist das sogenannte Evangelium des Petrus. Obwohl diese Schrift von den frühen Kirchenvätern als unecht verdammt wurde, war der eigentliche Text uns unbekannt, bis 1886 eine Kopie in einem ägyptischen Grab entdeckt wurde. Wie das Thomasevangelium trägt es die Kennzeichen gnostischen Einflusses und verwendet ausschließlich Vokabular aus dem zweiten Jahrhundert, sodass Gelehrte es einstimmig als Schrift aus dem zweiten Jahrhundert einstufen.

Dennoch gründet John Dominic Crossan, der zweite Vorsitzende des Jesus-Seminars, seine gesamte Rekonstruktion von Jesu Tod und Begräbnis auf seine Behauptung, dass das Petrusevangelium tatsächlich die älteste Primärquelle über Jesus enthält, auf der alle vier Evangelien beruhten. Deshalb, so sagt er, hätten die Evangelien keinerlei historischen Wert, weil sie keine andere Informationsquelle über Jesu Tod hätten als den Bericht im Petrusevangelium. Auch wenn das Petrusevangelium Jesu Auferstehung beschreibt, so hindert sein Naturalismus Crossan daran, an dieses Ereignis zu glauben. Aber nachdem er die biblischen Evangelien beiseitelässt, kann Crossan behaupten, dass das Petrusevangelium nur legendär sei und es kein bestätigendes Zeugnis für die Auferstehung Jesu gibt.

Einer der seltsamsten Aspekte von Crossans Argumentation ist, dass er anscheinend völlig den Apostel Paulus vergessen hat. Selbst wenn Crossan damit recht hätte, dass das Petrusevangelium primär ist, würde dessen Zeugnis immer noch unabhängig durch die Schriften des Paulus bestätigt, der sich auf Jesu Begräbnis bezieht und sogar die Augenzeugen der Auferstehungserscheinungen Jesu aufführt. Somit gibt es, selbst wenn der Bericht über die Auferstehung im Petrusevangelium grundlegend für die vier Evangelien wäre, keine historische Begründung, die Auferstehung zu leugnen.

Doch Crossans Theorie über die Priorität des Berichtes im Petrusevangelium wird nahezu allgemein von neutestamentlichen Wissenschaftlern verworfen. Der prominente kanadische Wissenschaftler Ben Meyer hat Crossans Argumente als „exzentrisch und nicht plausibel“ bezeichnet. [11] Selbst Helmut Koester von der Harvard Universität lehnt Crossans Argumentation als “stark fehlerhaft“ ab. [12] Es gibt keinerlei Anzeichen einer literarischen Abhängigkeit der vier Evangelien von dem Bericht im Petrusevangelium. Die offensichtliche Schlussfolgerung lautet, dass das Petrusevangelium auf den vier Evangelien basiert und nicht umgekehrt. Thomas Wrights Resümee dazu lautet, dass Crossans Hypothese „bisher noch von keinem anderen ernsthaften Wissenschaftler akzeptiert wurde“ und dass die von Crossan vorgeschlagene Datierung und Entstehung „rein imaginär“ seien. [13]

Was ich über das Thomasevangelium und das Petrusevangelium gesagt habe, ließe sich auch in Bezug auf alle anderen apokryphen Evangelien sagen. Laut John Meier, einem prominenten amerikanischen neutestamentlichen Kritiker, ist die Vorstellung, dass die apokryphen Evangelien uns neue Informationen über Jesus liefern, „weitgehend Fantasie“. [14] Tatsache ist, dass sie spätere, abgeleitete Schriften sind, die durch die Theologie des zweiten Jahrhunderts und danach geprägt wurden. Dies bedeutet in den Worten von Professor Johnson: „Die Schriften des Neuen Testamentes bleiben unsere besten historischen Zeugnisse“ über das Leben Jesu – trotz all des Tamtams. [15]

Politisch korrekte Religion

Die dritte Denkvoraussetzung des Jesus-Seminars lautet, dass Religion im Allgemeinen und Jesus im Besonderen politisch korrekt zu sein haben. In unseren Tagen des religiösen Relativismus und Pluralismus ist es politisch unkorrekt, zu behaupten, dass eine Religion absolut wahr sei. Alle Religionen müssen als gleichermaßen gültige Wege zu Gott gelten. Aber wenn man darauf besteht, politisch korrekt zu sein, dann muss man Jesus irgendwie aus dem Weg schaffen. Denn seine radikalen Behauptungen, der einzigartige Sohn Gottes zu sein, die vollkommene Offenbarung des Vaters, der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen, sind offen gesagt peinlich und anstößig für die politisch korrekte Denkweise. Der Jesus der Evangelien ist nicht politisch korrekt!

Der Wunsch nach einer politisch korrekten Religion und insbesondere nach einem politisch korrekten Jesus verzerrt das historische Urteil des Jesus-Seminars. Sie verwerfen jeden Aspekt von Jesus, den sie als politisch unkorrekt empfinden, als unhistorisch. Historische Urteile werden somit nicht auf der Grundlage von Beweisen, sondern auf der Grundlage politischer Korrektheit getroffen.

Nirgendwo ist diese Vorgehensweise offenbarer als im Werk von Marcus Borg, einem der meistgefeierten Mitarbeiter des Seminars. Als Teenager verlor Borg seinen Glauben an Gott, Christus und die Bibel. Aber einige Jahre nachdem er das theologische Seminar absolviert hatte, machte er eine Reihe mystischer Erfahrungen, die ihm eine neue Vorstellung von Gott vermittelten. Er sagt: „Ich erkannte, dass Gott sich nicht auf ein übernatürliches Wesen ‚da draußen‘ bezieht. Gott bezieht sich vielmehr auf das Heilige im Zentrum der Existenz, das heiligen Mysterium, das überall um uns und in uns ist.“ [16] Nun, wenn man diese Worte auf die rechte Art und Weise intoniert, mögen sie sehr bedeutungsvoll und tiefsinnig klingen. Doch in Wirklichkeit ist das eine recht dünne Suppe von Gottesverständnis. Was meint Borg, wenn er sagt: „Gott ist mehr als alles und doch ist alles in Gott“? [17]

Jedenfalls interpretiert Borg dann Jesus im Lichte seiner eigenen mystischen Erlebnisse neu. Jesus wird zu einem transkulturellen religiösen Mystiker. Wenn wir uns Jesus so vorstellen, sagt Borg, so „unterhöhlt das eine weitverbreitete christliche Glaubensüberzeugung, dass Jesus einzigartig ist, was gemeinhin mit der Vorstellung verbunden wird, das Christentum ist ausschließlich wahr und „Jesus der einzige Weg“. [18] Hier scheint es sehr offensichtlich, dass Borgs Wunsch nach einer politisch korrekten Religion seine Rekonstruktion des historischen Jesus bestimmt. Wie Douglas Geivett feststellt, so hat Borgs Verwerfung des traditionellen Jesusbildes „weniger mit historischer Forschung über Jesus und mehr mit Borgs eigenen Glaubensvorstellungen über Gott“ zu tun. [19]

Das Ergebnis davon, dass man der politischen Korrektheit zu diktieren erlaubt, was historisch ist und was nicht, ist, dass man dabei landet, einen Anachronismus zu kreieren: einen politisch korrekten Jesus des ausgehenden 20., anfangenden 21. Jahrhunderts, der lediglich eine Widerspiegelung von einem selbst darstellt. So entpuppt sich Borgs Jesus als ein Sozialliberaler, getrieben von einer „Politik des Mitgefühls“, um für die Rechte der Frauen und Armen gegen ein unterdrückerisches gesellschaftliches Establishment zu kämpfen. Jesus´ Ethos des Mitgefühls, so meint Borg, impliziere nun auch die Verteidigung der Rechte Homosexueller und die Bereitstellung der allgemeinen Gesundheitsfürsorge! Nur schwerlich lässt sich da Howard Kees' Urteil widersprechen: Die Mitarbeiter des Jesus-Seminars sind der Versuchung erlegen, Jesus nach ihrem eigenen Bilde zu erschaffen. [20] Sie haben in den tiefen Brunnen der Geschichte hinab geschaut und auf dem Grunde das Spiegelbild ihrer eigenen Angesichter erblickt. [21]

Zusammenfassend lässt sich sagen, die Schlussfolgerungen des Jesus-Seminars beruhen weniger auf Beweisen als vielmehr auf den Denkvoraussetzungen des Naturalismus, der Priorität der apokryphen Evangelien und politisch korrekter Religion. Für keine dieser Denkvoraussetzungen gibt es irgendeine Rechtfertigung. Wenn man diese Denkvoraussetzungen verwirft, wird ihr ganzer rekonstruierter Jesus zunichte.

Anmaßungen des Jesus-Seminars

Nun mögen Sie sich an diesem Punkt fragen, wie in alles in der Welt neutestamentliche Wissenschaft auf einem solch wackligem Gerüst wie diesem stehen kann. Nun, in der Tat tut sie es nicht. Das führt mich zu meinem zweiten Hauptpunkt: den anmaßenden Behauptungen des Jesus-Seminars.

Das Jesus-Seminar stellt sich selbst den Medien als die repräsentative Stimme der heutigen neutestamentlichen Wissenschaft dar, welche über den Köpfen der Geistlichkeit hinweg den ahnungslosen von der Kirche hinters Licht geführten Laien erzählt, wie Jesus wirklich war. Sie behaupten, etwa 200 Teilnehmer im Seminar zu haben, die angeblich die Verkörperung einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise des Neuen Testamentes repräsentieren. Nur ein Hinweis auf diese Anmaßung ist, dass sie ihrer Übersetzung der Evangelien die Bezeichnung „Die Version der Gelehrten“ gaben, so als ob die Teams von Linguisten und Experten, die solche Übersetzungen wie die RSV, NEB oder NIV hervorbrachten, keine Gelehrten waren! Sie sind sehr darauf bedacht, sich selbst als unparteiische Historiker und nicht als Theologen darzustellen. So stellt sich das Bild des Jesus-Seminars in den Medien dar: eine große Körperschaft objektiver Historiker, repräsentativer Gelehrter, welche unvoreingenommen die Wahrheit sagen. So lautet der Anspruch. Wie sieht die Realität aus?

Nun, die Realität sieht völlig anders aus. Ihre Behauptung, 200 Akademiker im Seminar zu haben, ist grob aufgebläht: diese Zahl umfasst jeden, der in irgend einer Art an den Aktivitäten des Seminars beteiligt war, beispielsweise auf einer Versandliste steht. Die wirkliche Anzahl regelmäßiger Teilnehmer liegt nur ungefähr bei 40. Und wie sieht es mit den akademischen Referenzen der Mitglieder aus? Von den 74 in ihrer Veröffentlichung The Five Gospels aufgeführten Personen sind nur 14 führende Persönlichkeiten auf dem Gebiet neutestamentlicher Forschung. Mehr als die Hälfte sind praktisch Unbekannte, die ein oder zwei Artikel veröffentlicht haben. 18 der Mitarbeiter haben überhaupt nichts auf dem Gebiet neutestamentlicher Studien veröffentlicht! Die meisten haben relativ wenig renommierte akademische Stellungen inne, sie unterrichten beispielsweise an einem Berufs-College. Laut Johnson, „legen allein die Zahlen nahe, dass jeglicher Anspruch, „wissenschaftliche Kenntnisse“ oder die „akademische Welt“ zu repräsentieren, lächerlich ist.“ [22]

Es ist in der Tat der Anspruch des Seminars, den Konsens wissenschaftlicher Erkenntnis zu repräsentieren, der neutestamentliche Gelehrte wirklich wütend gemacht hat. Und ich möchte betonen, dass ich dabei nicht über die Reaktionen von Konservativen oder Evangelikalen spreche: Ich spreche über das breite Spektrum neutestamentlicher Wissenschaftler. Beispielsweise prangert Howard Kee das Jesus-Seminar als „eine akademische Schande“ an und sagt, dass dessen Schlussfolgerungen „von Vorurteilen geprägt“ und „peripher“ sind, keine „substanzielle Entwicklung in verantwortlicher wissenschaftlicher Forschung über den historischen Jesus“. [23]

Laut Johnson ist die wirkliche Agenda des Jesus-Seminars nicht akademisch, sondern gesellschaftlich. Er stellt fest:

„Die Agenda des Seminars ist nicht unparteiische wissenschaftliche Arbeit, sondern eine soziale Mission gegen die Art, wie die Kirche durch evangelikale Theologie dominiert wird, einer Theologie, in deren Mittelpunkt die wörtliche Wahrheit der Evangelien steht. Es ist wichtig, von Anfang an zu beachten, dass Robert Funk die Arbeit des Seminars nicht als einen Beitrag zur wissenschaftlichen Arbeit versteht, sondern als Durchführung einer kulturellen Revolution. Die erklärten Feinde des Seminars sind nicht einfach Fundamentalisten oder die südlichen Baptisten, sondern alle diejenigen, die sich einem traditionellen Verständnis von Jesus als dem auferstandenen Herrn und Sohn Gottes anschließen.“ [24]

Es ist diese soziokulturelle Agenda, die im Voraus die Schlussfolgerungen des Jesus Seminars festlegt. Weit davon entfernt, den Konsens neutestamentlicher wissenschaftlicher Arbeit zu repräsentieren, repräsentiert das Seminar in Wirklichkeit die Ansichten einer radikalen Minderheit des linken Randflügels der Bibelwissenschaft. Kein Wunder, dass Jacob Neusner, einer der prominentesten jüdischen Theologen unserer Tage, gesagt hat, das Jesus Seminar sei entweder der größte akademische Scherz seit dem Piltdown-Menschen oder repräsentiere den Bankrott der neutestamentlichen Forschung! [25]

Schlussfolgerung

Glücklicherweise hat sich der Hauptstrom neutestamentlicher wissenschaftlicher Arbeit in eine völlig andere Richtung fortbewegt als der linke Randflügel, repräsentiert durch das Jesus Seminar. Vorbei sind die Tage, in denen Jesus wie eine Gestalt in der griechischen oder römischen Mythologie behandelt wurde. Vorbei sind die Tage, in denen seine Wunder als Märchen abgetan wurden, die auf Geschichten mythologischer Heldengestalten basieren. Vorbei sind die Tage, in denen sein leeres Grab und Auferstehungserscheinungen als Legenden oder Halluzinationen abgeschrieben wurden. Heute stimmt man weitgehend darin überein, dass die Evangelien wertvolle historische Quellen für das Leben Jesu darstellen und dass der richtige Kontext zu ihrem Verständnis nicht die Mythologie, sondern das palästinensische Judentum ist. Man stimmt weitgehend darin überein, dass der historische Jesus an Stelle Gottes Selbst auftrat und sprach, die Ankunft des Reiches Gottes verkündete und einen Dienst der Wundertätigkeit und des Exorzismus als Zeichen dieses Reiches ausübte. Ich finde es sehr befriedigend zu sehen, dass die Bewegung neutestamentlicher wissenschaftlicher Arbeit insgesamt in die Richtung geht, das traditionelle Verständnis von Jesus, wie er in den Evangelien geschildert wird, zu bestätigen. Insbesondere hat mich meine eigene Forschungsarbeit über die Auferstehung Jesu mehr denn je überzeugt, dass es sich dabei um ein historisches Ereignis handelte, das durch Beweise verifizierbar ist. Ein Christ kann zuversichtlich sein, dass die historischen Grundlagen seines Glaubens sicher stehen. Darauf können Sie Ihr Leben setzen.

(Übers.: B. Currlin)

Link to the original article in English: http://www.reasonablefaith.org/presuppositions-and-pretensions-of-the-jesus-seminar

  • [1]

    Robert Funk, "The Issue of Jesus," Forum 1 (1985): 8.

  • [2]

    R. T. France, "The Gospels as Historical Sources for Jesus, the Founder of Christianity," Truth 1 (1985): 86.

  • [3]

    R. W. Funk, R. W. Hoover, and the Jesus Seminar, "Introduction" to The Five Gospels (New York: Macmillan, 1993), S. 2.

  • [4]

    David Friedrich Strauß, The Life of Jesus, Critically Examined, trans. George Eliot, ed. with an Introduction by Peter C. Hodgson, Lives of Jesus Series (London: SCM Press, 1973), S. 736. Deutsche Originalausgabe:

    David Friedrich Strauß: Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet. 2 Bde. Osiander, Tübingen 1835/1836. (Zitat aus d. Engl. übers., Anm. d. Übers.)

  • [5]

    Funk, et. al., "Introduction," S. 3.

  • [6]

    Ibid., S. 23.

  • [7]

    William Lane Craig and John Dominic Crossan, Will the Real Jesus Please Stand Up?, ed. Paul Copan, with Responses by Ben Witherington III, Craig Blomberg, Marcus Borg, and Robert Miller (Grand Rapids, MI: Baker Bookhouse, 1999).

  • [8]

    Luke Timothy Johnson, The Real Jesus (San Francisco: Harper San Francisco, 1996), S. 31.

  • [9]

    Howard Clark Kee, "A Century of Quests of the Culturally Compatible Jesus," Theology Today 52 (1995): 22.

  • [10]

    N. T. Wright, "Taking the Text with Her Pleasure," Theology 96 (1993): 307.

  • [11]

    Ben Meyer, critical notice of The Historical Jesus, by John Dominic Crossan, Catholic Biblical Quarterly 55 (1993): 575.

  • [12]

    Helmut Koester, Ancient Christian Gospels (London: SCM, 1990), S. 220.

  • [13]

    N. T. Wright, Jesus and the Victory of God (Minneapolis: Fortress Press, 1996), S. 49.

  • [14]

    John P. Meier, A Marginal Jew, vol. 2: Mentor, Message and Miracles, Anchor Bible Reference Library (New York: Doubleday, 1994), S. 5.

  • [15]

    Johnson, Real Jesus, S. 89.

  • [16]

    Marcus Borg, Meeting Jesus Again for the First Time (San Francisco: Harper San Francisco, 1994), S. 14.

  • [17]

    Ibid.

  • [18]

    Ibid., S. 37.

  • [19]

    R. Douglas Geivett, "Is Jesus the Only Way?" in Jesus under Fire, ed. J. P. Moreland and M. J. Wilkins (Grand Rapids, Mich.: Zondervan, 1995), S. 187.

  • [20]

    Kee, "Century of Quests," S. 26.

  • [21]

    A memorable characterization of the Old Questers by George Tyrell, Christianity at the Crossroads (London: Longman, Green, & Co., 1909), S. 44.

  • [22]

    Johnson, Real Jesus, S. 45.

  • [23]

    Howard Clark Kee, Editorial: "Controversial Jesus Seminar," Los Angeles Times, 12 March 1991, p. B6; idem, "Century of Quests," S. 28.

  • [24]

    Johnson, Real Jesus, S. 6.

  • [25]

    Jacob Neusner, cited by Richard N. Ostling, "Jesus Christ, Plain and Simple,"Time (January 10, 1994), S. 39.