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Das Ende der Welt

Summary

Was sagt die Wissenschaft uns darüber, wie das Universum enden wird, und in welcher Beziehung steht dies zu christlichen Auffassungen?

Seit Jahrtausenden fragen Menschen sich, ob die Welt, so wie wir sie kennen, zu Ende gehen wird, und wenn ja, wie sie enden wird. Im Judentum der Antike nahmen Spekulationen über das Ende der Welt die Form der Apokalyptik an, der Auffassung, dass Gott das Ende der Menschheitsgeschichte herbeiführen wird und dann über das Leben jedes Einzelnen Gericht halten und sein ewiges Reich einläuten wird. Diese apokalyptische Sicht wurde in das frühe Christentum übernommen durch seinen Gründer Jesus von Nazareth. Die ersten Christen erwarteten die Wiederkunft Christi zu einem unbekannten Zeitpunkt in der Zukunft, an dem er einen neuen Himmel und eine neue Erde als ewige Wohnstätte einläuten würde. Hier die Beschreibung dieses Ereignisses in der Offenbarung von Johannes, dem letzten Buch im Neuen Testament:

„Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, heraus, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen“ (Offenbarung 20,11 – 21, 4).

Da die christliche Theologie sich zur Apokalyptik bekannte, wurde die Eschatologie eine ihrer wichtigsten Kategorien. Abgeleitet von dem griechischen Wort eschaton, das „letzter“ oder „äußerster“ bedeutet, ist Eschatologie die Lehre von den letzten Dingen, einschließlich der Wiederkunft Christi, des letzten Gerichts und des Himmels und der Hölle. Jahrtausende lang blieb Eschatologie ausschließlich ein Gebiet der Theologie.

Im letzten halben Jahrhundert hat sich das alles geändert. Eschatologie ist nun auch ein Zweig der Physik geworden, und interessanterweise ist „Eschatologie“sogar die bevorzugte Bezeichnung dieses Gebiets. Physikalische Eschatologie ist eine Teildisziplin der Kosmologie, die sich mit dem Studium der Gesamtstruktur und der Entwicklung des Universums befasst. Die Kosmologie gliedert sich in zwei Gebiete: Kosmogonie ist die Teildisziplin, die den Ursprung und die vergangene Geschichte des Universums erforscht. Eschatologie dagegen ist die Teildisziplin, die die Zukunft und das endgültige Schicksal des Universums erforscht. So wie die physikalische Kosmogonie zeitlich zurückblickt, um die Geschichte des Kosmos anhand der Spuren der Vergangenheit und der Naturgesetze nachzuzeichnen, so blickt die physikalische Eschatologie zeitlich voraus, um die Zukunft des Kosmos anhand der gegenwärtigen Bedingungen und der Naturgesetze vorauszusagen. Wer sich für die Schnittstelle zwischen Theologie und Wissenschaft interessiert, steht vor der Herausforderung, zu einer integrierten Sicht über die Zukunft der Welt zu gelangen, die den Ansprüchen sowohl der Theologie als auch der Wissenschaft gerecht wird.

Der Schlüssel in der physikalischen Eschatologie ist der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik. Etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts versuchten mehrere Physiker, ein wissenschaftliches Gesetz zu formulieren, das alle verschiedenen unumkehrbaren Prozesse, die in der Welt zu finden sind, in einer allgemeinen Regel zusammenfasst. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist als der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik bekannt. In der ersten Formulierung von Clausius besagt er, dass Wärme von sich aus nur von einem Punkt hoher Temperatur zu einem Punkt niedriger Temperatur fließt; die umgekehrte Richtung ist ohne entsprechende Energieaufwendungen nie möglich. Hitze ist aber nur ein Beispiel einer noch allgemeineren Tendenz in der Natur, dass unterschiedlich hohe Niveaus sich angleichen, nie aber umgekehrt; dasselbe gilt zum Beispiel für Gase und Elektrizität. Ohne diese allgemeine Tendenz zur Nivellierung wäre jedes Leben völlig unmöglich. Aufgrund einer solchen Nivellierung teilt sich zum Beispiel die Luft im Raum nie auf der einen Seite in Sauerstoff und auf der anderen Seite in Stickstoff. Aus dem gleichen Grund können wir auch, wenn wir in eine Badewanne steigen, sicher sein, dass das Wasser angenehm warm sein wird und nicht auf der einen Seite eiskalt und auf der anderen kochend heiß. Es ist leicht zu erkennen, warum in einer Welt, in welcher der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik nicht gilt, kein Leben möglich wäre.

Der deutsche Physiker Ludwig Boltzmann vertiefte unser Verständnis des Zweiten Hauptsatzes, indem er zeigte, dass die Tendenz zur Nivellierung auf der Tendenz jedes Systems beruht, von einem weniger wahrscheinlichen zu einem wahrscheinlicheren Zustand überzugehen. Nach Boltzmann ist die Wahrscheinlichkeit eines Zustands eine Funktion seiner Ordnung: stärker geordnete Zustände sind weniger wahrscheinlich und weniger geordnete Zustände sind wahrscheinlicher. Der wahrscheinlichste Zustand ist demnach ein völlig ungeordneter Zustand, das heißt ein Zustand, der vollständig undifferenziert ist. Der Zweite Hauptsatz könnte somit lauten: Alle Systeme haben die Tendenz, von einem stärker geordneten zu einem weniger geordneten Zustand überzugehen.

Ein dritter wichtiger Schritt in der Entwicklung des Zweiten Hauptsatzes war die Erkenntnis, dass Unordnung mit Entropie oder der Menge nicht nutzbarer Energie verbunden ist: je größer die Unordnung, desto größer die Entropie. Dies ergibt eine dritte Formulierung des Hauptsatzes: Alle Systeme haben die Tendenz, von einem Zustand niedrigerer Entropie in einen Zustand höherer Entropie zu wechseln. Um die Möglichkeit auszuschließen, dass das System Energie an seine Umgebung abgibt oder von ihr Energie bezieht, muss eine zusätzliche Bedingung erfüllt sein: Das System muss geschlossen sein. Dies führt zu einer vierten Formulierung des Zweiten Hauptsatzes: Spontan ablaufende Prozesse in geschlossenen Systemen gehen immer mit einer Zunahme der Entropie einher. In geschlossenen Systemen ablaufende Prozesse tendieren also zu einem Zustand des Gleichgewichts. In dieser Form ist der Hauptsatz de facto gewiss. Zur Veranschaulichung: Die Wahrscheinlichkeit, dass alle Moleküle eines Gases in einem Behälter mit einem Liter nur 99,99% dieses Volumens und nicht 100% besetzen, beträgt etwa (lies: 10 hoch (10 hoch 20). Somit kann der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik praktisch als gewiss gelten.

Nun richtet sich das Interesse des Kosmologen an dem Hauptsatz auf das, was er voraussagt, wenn er auf das Universum als Ganzes angewendet wird. Denn das Universum ist – zumindest aus naturalistischer Sicht – ein gigantisches geschlossenes System, da es alles ist, was existiert, und es außerhalb davon nichts gibt. Schon im 19. Jahrhundert erkannten Wissenschaftler, dass die Anwendung des Zweiten Hauptsatzes auf das Universum als Ganzes einen düsteren eschatologischen Schluss mit sich bringt: Bei genügender Zeit wird das Universum schließlich einen Zustand des Gleichgewichts erreichen und den „Wärmetod“ erleiden. Sobald das Universum den Wärmetod erreicht, ist keine weitere Veränderung möglich. P. J. Zwart beschreibt einen solchen Zustand:

"...nach dem Zweiten Hauptsatz muss das ganze Universum irgendwann einen Zustand maximaler Entropie erreichen. Dann wird es sich im thermodynamischen Gleichgewicht befinden; überall wird der Zustand genau gleich sein, mit derselben Zusammensetzung, derselben Temperatur, demselben Druck, usw., usf. Es wird keine Objekte mehr geben, sondern das Universum wird aus einem ausgedehnten Gas einheitlicher Zusammensetzung bestehen. Da es sich in einem völligen Gleichgewicht befinden wird, wird absolut nichts mehr geschehen. In einem System, das sich im Gleichgewicht befindet, kann ein Prozess nur durch eine Aktion von außen in Gang gesetzt werden, aber eine Aktion von außen ist natürlich unmöglich, wenn das fragliche System das ganze Universum ist. In diesem Zustand maximaler Entropie würde das Universum sich also in absoluter Ruhe und völliger Dunkelheit befinden und nichts könnte die Totenstille stören. Selbst wenn zufällig eine geringe Abweichung vom Zustand völligen Gleichgewichts aufträte, würde sie von selbst rasch wieder verschwinden. Da fast die gesamte Energie degradiert – das heißt, in die kinetische Energie der existierenden Teilchen (Wärme) umgewandelt – worden wäre, bezeichnet man diesen angenommenen zukünftigen Zustand des Universums, der auch sein letzter Zustand sein wird, als Wärmetod des Universums." [1]

Der Zweite Hauptsatz bedeutet also, dass das Universum unausweichlich seiner Auslöschung entgegengeht.

Das Aufkommen der Relativitätstheorie und ihre Anwendung auf die Kosmologie änderte die Gestalt des eschatologischen Szenarios, das durch den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik vorausgesagt wurde, führte aber zu keiner grundsätzlichen Änderung des Ergebnisses. Setzt man voraus, dass es keine positive kosmologische konstante Antriebsenergie für die Expansion des Universums gibt, wird diese Expansion sich mit der Zeit verlangsamen. Somit ergeben sich zwei radikal verschiedene eschatologische Szenarios. Wenn die Dichte des Universums einen bestimmten kritischen Wert übersteigt, wird die innere Sogwirkung der eigenen Schwerkraft des Universums schließlich die Kraft der Expansion übersteigen und das Universum wird in einem dramatischen Ereignis in sich kollabieren. Beatrice Tinsley beschrieb ein solches Szenario:

"Wenn die durchschnittliche Dichte der Materie im Universum groß genug ist, wird die gegenseitige Anziehungskraft zwischen Körpern die Expansion schließlich bis zum Stillstand verlangsamen. Dann wird das Universum sich zusammenziehen und zu einem heißen Feuerball kollabieren. Es gibt keinen bekannten physikalischen Mechanismus, der einen katastrophalen Kollaps umkehren könnte. Offenbar steht dem Universum, wenn es dicht genug wird, ein Hitzetod bevor." [2]

Wenn das Universum wieder kontrahiert, werden die Sterne im Zuge der Kontraktion an Energie zunehmen, sodass sie rascher verbrennen, bis sie schließlich explodieren oder verdampfen. Bei dieser Verdichtung des Universums beginnen die schwarzen Löcher, alles in ihrer Umgebung zu verschlucken, bis sie sich schließlich selbst untereinander zusammenballen. Mit der Zeit werden „alle schwarzen Löcher schließlich zu einem einzigen großen schwarzen Loch verschmelzen, das dann das verbleibende Universum darstellen wird“ und aus dem das Universum nicht wieder hervortreten wird. [3] Es gibt keine bekannte Physik, nach der das Universum wieder zu einer neuen Expansion vor einer endgültigen Singularität zurückfedern oder durch die Singularität hindurch in einen anderen, späteren Zustand übergehen könnte.

Wenn die Dichte des Universums dagegen gleich groß oder kleiner ist als der kritische Wert, wird die Schwerkraft die Kraft der Expansion nicht übersteigen, und das Universum wird auf ewig mit immer langsamerer Geschwindigkeit expandieren. Tinsley beschrieb das Schicksal dieses Universums so:

"Wenn das Universum eine geringe Dichte hat, wird sein Tod kalt sein. Es wird unaufhörlich in immer langsamerer Geschwindigkeit expandieren. Galaxien werden ihr gesamtes Gas in Sterne verwandeln und die Sterne werden verbrennen. Unsere eigene Sonne wird ein kalter, toter Überrest sein, der in einer zunehmend isolierten Milchstraße mitten unter den Überresten anderer Sterne dahintreibt." [4]

In 1030 Jahren wird das Universum zu 90% aus toten Sternen bestehen, zu 9% aus supermassiven schwarzen Löchern, die sich durch den Kollaps von Galaxien bilden, und zu 1% aus atomarer Materie, vor allem aus Wasserstoff. Die Elementarteilchenphysik legt nahe, dass Protonen danach zu Elektronen und Positronen zerfallen werden, sodass der Raum sich mit einem so stark verdünnten Gas füllen wird, dass die Distanz zwischen einem Elektron und einem Positron etwa die Größe der gegenwärtigen Galaxie haben wird. In 10100 Jahren, so glauben einige Wissenschaftler, werden die schwarzen Löcher sich durch einen seltsamen Effekt, den die Quantenmechanik voraussagt, selbst auflösen. Die mit einem schwarzen Loch verbundene Masse und Energie krümmen den Raum so stark, dass sie, wie angenommen wird, einen „Tunnel“ oder ein „Wurmloch“ entstehen lassen, durch welches die Masse und die Energie in eine andere Region des Alls geschleudert werden. Während die Masse eines schwarzen Lochs geringer wird, beschleunigt sich sein Energieverlust, sodass es sich schließlich in Strahlung und Elementarteilchen auflöst. Am Ende werden alle schwarzen Löcher vollständig verdampfen; die gesamte Materie wird dann in dem unaufhörlich expandierenden Universum als ein dünnes Gas aus Elementarteilchen und Strahlung vorliegen. Da das Volumen des Raums ständig wächst, wird das Universum in Wirklichkeit nie ein Gleichgewicht erreichen, da es immer noch mehr Raum für Entropieerzeugung gibt. Nichtsdestoweniger wird das Universum zunehmend kalt, dunkel, verdünnt und tot werden.

Ganz neue Entdeckungen bieten eine starke Evidenz dafür, dass es effektiv eine positive kosmologische Konstante gibt, die dazu führt, dass die kosmische Expansion sich beschleunigt, statt sich zu verlangsamen. Paradoxerweise – da das Volumen des Alls sich exponentiell erhöht, was größeren Raum für weitere Entropieerzeugung erlaubt – entfernt sich das Universum in Wirklichkeit immer weiter von einem Zustand des Gleichgewichts, je weiter die Zeit voranschreitet. Doch die Beschleunigung führt nur zu einer noch schnelleren Desintegration des Kosmos in zunehmend isolierte Materieteilchen, die nicht länger mit ähnlich vereinzelten Überresten des expandierenden Universums kausal verbunden sind. Deshalb bleibt die düstere Zukunft, die auf der Grundlage des Zweiten Hauptsatzes vorausgesagt wird, grundsätzlich unverändert.

Das Nachdenken über diese eschatologische Schlussfolgerung veranlasste einige Philosophen, den Sinn des Lebens selbst in Frage zu stellen. In einem berühmten Abschnitt klagte der britische Philosoph Bertrand Russell:

„Dass der Mensch ein Ergebnis von Ursachen ist, die den Zweck, den sie erzielen würden, nicht vorhersehen konnten; dass sein Ursprung, sein Werden, seine Hoffnungen und Ängste, sein Lieben und sein Glauben nichts anderes sind als das Ergebnis einer zufälligen Anordnung von Atomen; dass keine Leidenschaft und kein Heldentum, keine Intensität des Denkens und Fühlens das individuelle Leben vor dem Grab bewahren kann; dass all die Bemühungen von Äonen, all die Hingabe, all die Inspiration, alle Mittagshelle des menschlichen Genius dem Untergang im Tod des Sonnensystems geweiht sind; und dass der ganze Tempel menschlicher Errungenschaften unvermeidlich in den Ruinen und Trümmern des Universums begraben werden soll - all diese Dinge sind zwar nicht gänzlich unumstritten, doch so annähernd gewiss, dass keine Philosophie, die sie verwirft, auf Bestand hoffen darf. Nur innerhalb des Gerüsts solcher Wahrheiten, nur auf dem festen Fundament unnachgiebiger Verzweiflung kann die Wohnstätte der Seele künftig sicher errichtet werden." [5]

Ein trostloses Bild, in der Tat; doch wie Freeman Dyson uns in Erinnerung rief, unterliegen die Voraussagen der physikalischen Eschatologie dem Vorbehalt, dass intelligente Wesen nicht in den vorausgesehenen natürlichen Prozess eingreifen. [6] Wenn intelligente Wesen fähig sind, natürliche Prozesse signifikant zu manipulieren, dann könnte die tatsächliche Zukunft des Kosmos ganz anders aussehen als der Verlauf, der auf der Grundlage von Gesetzen und gegenwärtigen Bedingungen vorausgesagt wird. Dysons eigener Versuch, ein Szenario zu zeichnen, in dem immanente Wesen die Auslöschung abwenden könnten, ist gewiss ein verzweifeltes und unplausibles Bemühen. [7] Doch warum sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf immanente Wesen beschränken? Theisten glauben an die Existenz eines intelligenten Wesens, das der Schöpfer des Raumzeit-Universums ist und die Gesetze transzendiert, die die physikalische Schöpfung bestimmen. Aus christlicher Sicht wird Gott zu dem Zeitpunkt, den er für richtig hält, das Ende der menschlichen Geschichte und des gegenwärtigen Kosmos herbeiführen (Mk 14,32; Mt 24,43; 1 Thess 5,2; Hebr 1,10-12; 2 Petr 3,10; Offb 3,3). Er wird Ereignisse, die auf der Grundlage gegenwärtiger Trends vorausgesagt werden, wie zum Beispiel die Auslöschung der Menschheit, nicht einmal in der relativ nahen Zukunft zulassen, geschweige denn Ereignisse in der unermesslich fernen Zukunft wie die stellare Extinktion oder den Protonenzerfall. Bevor diese Ereignisse stattfinden können, wird Gott handeln, um die Geschichte der Menschheit zu beenden und einen neuen Himmel und eine neue Erde einzuläuten (1 Kor 15,51-52; 1 Thess 4,15-17; Offb 21,1).

Die theologische Eschatologie versteht die Ergebnisse der physikalischen Eschatologie deshalb bestenfalls als Projektionen des zukünftigen Verlaufs der Ereignisse und nicht als tatsächliche Beschreibungen. Sie sagen uns mit annähernder Genauigkeit, was geschehen würde, sofern keine intelligenten Wesen eingreifen. Somit sind die Ergebnisse der physikalischen Eschatologie in keiner Weise mit christlicher Eschatologie zu vereinbaren, da diese Ergebnisse implizite ceteris paribus Bedingungen in Bezug auf das Handeln intelligenter Wesen einschließlich Gott voraussetzen.

Natürlich könnten physikalische Eschatologen fragen, ob es irgendeinen Grund gibt, die Hypothese eines transzendenten intelligenten Wesens ernstzunehmen, der die erforderliche Macht über den Lauf der Natur hat, um in die projizierten Verläufe der physikalischen Eschatologie einzugreifen. Überraschenderweise liefert die physikalische Eschatologie selbst Gründe, eine solche Hypothese ernstzunehmen. Wie wir gesehen haben, erkannten Wissenschaftler schon im 19. Jahrhundert, dass die Anwendung des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik auf das Universum als Ganzes bedeutet, dass das Universum irgendwann einen Zustand des Gleichgewichts erreichen und den Wärmetod erleiden wird. Aber diese scheinbar sichere Projektion warf eine noch tiefere Frage auf: Wenn, bei genügender Zeit, das Universum den Wärmetod erleiden wird, warum befindet es sich, wenn es ewig existiert hat, nicht jetzt im Zustand des Wärmetodes? Wenn in einer begrenzten Zeitdauer das Universum unweigerlich zu einem Gleichgewicht kommen wird, von dem aus keine weitere signifikante Veränderung physikalisch möglich ist, dann sollte es schon jetzt im Gleichgewicht sein, falls es seit unendlicher Zeit existiert hat. Wie eine tickende Uhr sollte es inzwischen abgelaufen sein. Da es nicht abgelaufen ist, bedeutet dies, in den Worten von Richard Schlegel, dass „das Universum irgendwie aufgezogen worden sein muss.“ [8]

Ludwig Boltzmann machte einen gewagten Vorschlag, um zu erklären, warum wir das Universum nicht in einem Zustand des Wärmetodes bzw. des thermodynamischen Gleichgewichts (beides ist das gleiche) vorfinden. [9] Boltzmann stellte die Hypothese auf, dass das Universum als Ganzes tatsächlich in einem Gleichgewichtszustand existiert, dass aber im Lauf der Zeit hier und dort im Universum Fluktuationen des Energieniveaus auftreten, sodass es rein zufällig isolierte Regionen geben wird, in denen ein Ungleichgewicht existiert. Boltzmann bezeichnete diese isolierten Regionen als „Welten“. Wir sollten nicht überrascht sein, unsere Welt in einem höchst unwahrscheinlichen Zustand des Ungleichgewichts zu sehen, da es in der Gesamtheit aller Welten bestimmte Welten gibt, die sich rein zufällig in einem Ungleichgewicht befinden, und unsere ist nun gerade eine davon. [10]

Das Problem bei der gewagten Viele-Welten-Hypothese von Boltzmann ist: Wenn unsere Welt nur eine Fluktuation in einem Ozean diffuser Energie wäre, dann wäre es überwältigend wahrscheinlicher, dass wir eine weitaus winzigere Region des Ungleichgewichts sehen sollten, als wir es tun. Damit wir existieren, hätte eine kleinere Fluktuation genügt, die viel wahrscheinlicher wäre als ein Universum, das so groß ist wie das beobachtbare Universum. Außerdem ist selbst eine kolossale Fluktuation, die unsere Welt durch einen enormen Zufall augenblicklich hervorgebracht hat, unvorstellbar wahrscheinlicher als ein progressiver Rückgang der Entropie im Verlauf von Milliarden Jahren, um die Welt entstehen zu lassen, die wir sehen. In Wirklichkeit müssten wir, wenn wir Boltzmanns Hypothese annähmen, davon ausgehen, dass die Vergangenheit nur illusorisch ist, dass alles nur den Anschein des Alters hat und dass die Sterne und Planeten illusorisch sind – sozusagen bloße „Bilder“ –, da diese Art von Welt bei einem Zustand allgemeinen Gleichgewichts weitaus wahrscheinlicher ist als eine Welt mit echten, zeitlich und räumlich entfernten Ereignissen. Deshalb wurde Boltzmanns Viele-Welten-Hypothese von Wissenschaftlern weithin verworfen, und das gegenwärtige Ungleichgewicht wird gewöhnlich einfach als ein Ergebnis des anfänglich niedrigen Entropiezustands verstanden, der auf rätselhafte Weise zum Beginn des Universums führte.

Wie wir gesehen haben, hat die Anwendung der Relativitätstheorie auf die Kosmologie das Aussehen des eschatologischen Szenarios verändert, das auf der Grundlage des Zweiten Hauptsatzes vorausgesagt wurde, aber sie hat das fundamentale Dilemma nicht wesentlich beeinflusst. Die pointierte Frage, die von klassischen Physikern aufgeworfen wurde, bleibt also dieselbe: Warum befindet sich das Universum, wenn es ewig existiert hat, jetzt nicht in einem kalten, dunklen, verdünnten und leblosen Zustand? Im Gegensatz zu ihren Vorgängern des 19. Jahrhunderts haben zeitgenössische Physiker die implizite Annahme, dass das Universum in der Vergangenheit ewig ist, in Frage gestellt. P. C. W. Davies berichtet:

"Wenige Kosmologen zweifeln heute, dass das Universum, zumindest so wie wir es kennen, zu einem bestimmten Zeitpunkt der Vergangenheit einen Anfang hatte. Die Alternative – dass das Universum immer in der einen oder anderen Form existiert hat – führt zu einem grundlegenden Paradox. Die Sonne und die Sterne können nicht ewig brennen: früher oder später wird ihnen der Brennstoff ausgehen und sie werden sterben.

Dasselbe gilt für alle irreversiblen physikalischen Prozesse: Der im Universum verfügbare Vorrat an Energie, der sie antreibt, ist endlich und kann nicht ewig dauern. Dies ist ein Beispiel für den sogenannten Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der, wenn man ihn auf den gesamten Kosmos anwendet, voraussagt, dass das Universum sich auf einer abschüssigen Bahn der Degeneration befindet und immer mehr zu einem Endzustand maximaler Entropie oder Unordnung zerfällt. Da dieser Endzustand noch nicht erreicht wurde, ist zu folgern, dass das Universum nicht seit unendlicher Zeit existiert haben kann." [11]

Davies kommt zu dem Schluss: „Das Universum kann nicht ewig existiert haben. Wir wissen, dass es vor einer begrenzten Zeit einen absoluten Anfang gehabt haben muss.“  [12]

In den 60er und 70er Jahren versuchten einige Kosmologen, dieser Folgerung zu entgehen, indem sie ein oszillierendes Modell des Universums annahmen, nach dem der Kosmos nie anfing zu existieren und auch nie einen Endzustand des Gleichgewichts erreichen wird. [13] Wenn die innere Anziehungskraft der Masse des Universums die Kraft ihrer Expansion übersteigen könnte, dann könnte die Expansion in eine kosmische Kontraktion zurückfedern, die einem Kollaps entgegenstrebt. Wenn das Universum nicht homogen und isotrop wäre, dann würde das kollabierende Universum vielleicht nicht an irgendeinem Punkt verschmelzen, sondern die enthaltene Materie des Universums könnte sich aneinander vorbei bewegen, sodass das Universum vermeintlich von der Kontraktion in eine neue Phase der Expansion überspringen würde. Wenn dieser Prozess unablässig wiederholt würde, könnte das Universum sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft ewig sein (Abb. 1).

Abb. 1: Oszillierendes Modell. Jeder Phase der Expansion geht eine Phase der Kontraktion voraus und schließt sich eine Phase der Kontraktion an, sodass das Universum Ziehharmonika-artig anfanglos und endlos existiert.

Eine solche Theorie war nicht nur höchst spekulativ, sondern die Aussichten eines solchen Modells wurden 1970 deutlich getrübt, als Roger Penrose und Stephen Hawking die nach ihnen benannten Singularitätstheoreme formulierten. [14] Die Theoreme offenbarten, dass unter sehr allgemeinen Bedingungen eine anfängliche kosmologische Singularität (oder ein Anfangspunkt) unvermeidlich ist, selbst bei inhomogenen und nicht-isotropen Universen. Beim Nachdenken über die Auswirkung dieser Entdeckung stellte Hawking fest, dass die Hawking-Penrose-Singularitätstheoreme „zur Einstellung von Versuchen (vor allem seitens der Russen) führten, zu argumentieren, dass es eine vorausgegangene Kontraktionsphase und ein nicht-singuläres Zurückfedern in die Expansion gab. Stattdessen wird nun allgemein angenommen, dass das Universum – und die Zeit selbst – beim Urknall einen Anfang hatte.

“ [15]

Doch ganz abgesehen von diesen Schwierigkeiten zeigte sich, dass die thermodynamischen Eigenschaften dieses Modells gerade das Problem implizierten, dass seine Verfechter zu vermeiden suchten. Denn Entropie wird in einem solchen Modell von Zyklus zu Zyklus konserviert, was den Effekt hat, bei jedem sukzessiven Zyklus größere und längere Oszillationen zu erzeugen (Abb. 2).

Abb. 2: Oszillierendes Modell mit erhöhter Entropie. Durch die Konservierung der Entropie hat jede sukzessive Oszillation einen größeren Radius und eine längere Expansionszeit.

So erklärte ein wissenschaftliches Team: „Die Entropie-Erzeugung hat den Effekt, die kosmische Ausdehnung von Zyklus zu Zyklus zu vergrößern... So gilt im Rückblick, dass jeder Zyklus weniger Entropie, eine kürzere Zykluszeit und einen niedrigeren Zyklusexpansionsfaktor hatte als der folgende Zyklus.“ [16] Wenn man also die Oszillationen zeitlich zurückverfolgt, werden sie progressiv kleiner, bis man eine erste und kleinste Oszillation erreicht. Zeldovich und Novikov ziehen deshalb den Schluss: „Das Multizyklus-Modell hat eine unendliche Zukunft, aber nur eine endliche Vergangenheit.“ [17] Der Astronom Joseph Silk schätzt auf der Grundlage der gegenwärtigen Entropie-Werte, dass das Universum nicht mehr als 100 vorangegangene Oszillationen durchlaufen haben kann. [18]

Selbst wenn man diese Schwierigkeit umgehen könnte, würde ein Universum, das seit einer vergangenen Ewigkeit oszilliert, eine unendlich präzise Abstimmung anfänglicher Konditionen benötigen, um eine unendliche Zahl sukzessiver Rückfederungen durchlaufen zu können. Ein Universum, das aus einer einzelnen unendlich langen Kontraktion zurückfedert, ist – wenn die Entropie während der Kontraktionsphase steigt – thermodynamisch unhaltbar und mit der anfänglich niedrigen Entropie-Kondition unserer Expansionsphase unvereinbar. Das Postulat einer Entropie-Verringerung während der Kontraktionsphase, um dieses Problem zu umgehen, würde verlangen, dass wir unerklärlich spezielle, niedrige Entropie-Konditionen zum Zeitpunkt der Rückfederung im Leben eines unendlich sich entfaltenden Universums postulieren. In beiden Fällen setzt ein solches Universum eine radikale Feinabstimmung ganz besonderer Art voraus, da die Anfangsbedingungen zeitlich gesehen bei minus unendlich liegen. [19]

Will man die Schlussfolgerung umgehen, dass das Universum nicht ewig existiert hat, muss man einen wissenschaftlich plausiblen Weg finden, die Vorhersagen der physikalischen Eschatologie aufzuheben, um zu ermöglichen, dass das Universum irgendwann zu einem so jungen Zustand zurückkehrt, wie wir ihn beobachten. Doch kein realistisches und plausibles Szenario zeichnet sich ab.

So schlug der russische Kosmologe Andrei Linde zum Beispiel einmal vor, dass ein Modell des Universums, das sich ewig in die Zukunft aufbläht, sich auch unendlich in die Vergangenheit ausdehnen könnte, mit dem Ergebnis, dass der Beginn des Universums abgewendet wurde. Inflationsmodelle sind ein Versuch, die erstaunlich große Homogenität und Isotropie des Universums zu erklären. Theoretiker haben vorgeschlagen, dass das Universum zwischen 10-35 und 10-33 Sekunden nach der Urknall-Singularität eine Phase der superschnellen – oder inflationären – Expansion durchlief, die dazu diente, die Inhomogenitäten über unseren Ereignishorizont hinaus zu verdrängen. [20] In den meisten inflationären Modellen schrumpft das Universum – wenn man zeitlich rückwärts extrapoliert, bis vor die inflationäre Ära – fortwährend bis zu einer anfänglichen kosmologischen Singularität. Die Inflationstheorie wird zwar von einigen Kosmologen als unangemessen „metaphysisch“ kritisiert, ist aber unter Kosmologen weithin anerkannt. In Lindes Modell der chaotischen Inflation endet die Inflation nie: Jede inflationär expandierende Blase des Universums lässt, wenn sie ein bestimmtes Volumen erreicht, durch Inflation eine weitere Blase entstehen, und so weiter, ad infinitum (Abb. 3). [21]

Abb. 3: Modell der chaotischen Inflation. Das ausgedehntere Universum bringt durch Inflation separate Blasen hervor, die fortfahren, sich voneinander zu entfernen, je weiter das All expandiert.

Lindes Modell hat also eine unendliche Zukunft. Aber Linde hat Schwierigkeiten mit der Aussicht auf einen absoluten Anfang. Er schreibt: „Der schwierigste Aspekt bei diesem Problem ist nicht die Existenz der Singularität selbst, sondern die Frage, was vor der Singularität war... Dieses Problem liegt irgendwo an der Grenze zwischen Physik und Metaphysik.“ [22] Linde schlug deshalb vor, dass die chaotische Inflation nicht nur endlos ist, sondern auch anfanglos. Jede Blase im Universum ist das Produkt der Inflation in einer anderen Blase, sodass die Singularität vermieden wird und damit auch die Frage, was davor kam (oder, genauer gesagt, was sie verursachte). Vielleicht könnte man die Tatsache, dass das beobachtete Universum jung erscheint, durch das Postulat einer unendlichen Regression vorheriger inflationärer Blasen erklären.

1994 zeigten Arvind Borde und Alexander Vilenkin jedoch, dass ein sich ewig in die Zukunft aufblähendes Universum in der Vergangenheit nicht geodätisch vollständig sein kann, das heißt, es muss irgendwann in der unbestimmten Vergangenheit eine anfängliche Singularität gegeben haben. Sie schreiben:

"Ein Modell, in dem die inflationäre Phase kein Ende hat... führt natürlich zu dieser Frage: Kann dieses Modell auch auf die unendliche Vergangenheit bezogen werden, um auf diese Weise die anfängliche Singularität zu vermeiden?

... dies ist in der Tat bei zukünftig-ewigen inflationären Raumzeiten nicht möglich, solange sie einigen begründeten physikalischen Konditionen folgen: Solche Modelle müssen notwendigerweise anfängliche Singularitäten besitzen.

...die Tatsache, dass inflationäre Raumzeiten in der Vergangenheit unvollständig sind, zwingt uns, die Frage beantworten, was – wenn überhaupt irgendetwas – vorausging. [23]

In seiner Antwort stimmte Linde der Schlussfolgerung von Borde und Vilenkin zu: Es muss irgendwann in der Vergangenheit eine Urknall-Singularität gegeben haben. [24]

2001 konnten Borde und Vilenkin in Kooperation mit Alan Guth ihr Theorem stärken, indem sie ein neues Theorem entwarfen, das von der Annahme der sogenannten „schwachen Energiebedingung“ unabhängig ist, das die Verfechter einer vergangen-ewigen Inflation eher verleugnet hätten, um ihre Theorie zu retten. [25]Das neue Theorem scheint, in Vilenkins eigenen Worten „diese Tür völlig zuzuschlagen.“ [26] Somit können zukünftig-ewige inflationäre Raumzeiten nicht vergangen-ewig sein: Sie müssen anfängliche Grenzen und damit einen absoluten Anfang des Universums einschließen. Vilenkin insistiert:

"Man sagt, Argumente sind das, was vernünftige Menschen überzeugt, während Beweise nötig sind, um selbst einen unvernünftigen Menschen zu überzeugen. Da der Beweis nun erbracht ist, können Kosmologen sich nicht länger hinter der Möglichkeit eines vergangen-ewigen Universums verstecken. Es gibt keinen Ausweg; sie müssen sich dem Problem eines kosmischen Anfangs stellen. [27]

Alternativ haben einige Theoretiker spekuliert, dass das Universum in der Zukunft einen Quantentunneleffekt durchlaufen und so in einen radikal neuen Zustand übergehen könnte. Wenn das Universum zum Beispiel gegenwärtig in einem „falschen“ Vakuumzustand wäre, würde es irgendwann in einen energetisch niedrigeren Vakuumzustand durchtunneln (Abb. 4).

Abb. 4. Wenn das Universum gegenwärtig in einem „falschen“ Vakuumzustand gefangen ist, wird es irgendwann zu dem Zustand niedrigerer Energie des richtigen Vakuums durchtunneln, was zu einer Metamorphose der Natur führt.

Beim Durchlaufen eines solchen Phasenübergangs würden sich alle Werte der physikalischen Konstanten ändern, und ein völlig neues Universum würde erscheinen. Man könnte vielleicht die Hypothese aufstellen, dass ein solcher Übergang zu irgendeinem Zeitpunkt der endlichen Vergangenheit nach Ablauf einer unendlichen Zeitspanne geschah und auf diese Weise dazu führt, dass das Universum jung erscheint.

Doch selbst wenn ein solcher Übergang geschehen sollte, wäre die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering, dass die Werte aller Konstanten in die unvorstellbar enge Bandbreite fallen, die Leben ermöglicht (ein Hauptpunkt bei Diskussionen über kosmische Feinabstimmung [28]). Es ist daher höchst unwahrscheinlich, dass unsere gegenwärtige, Leben erlaubende Konstellation physikalischer Konstanten das Zufallsergebnis eines solchen Phasenübergangs von einem höherstufigen Vakuumzustand vor etwa 13 Milliarden Jahren ist. Schlimmer noch: Wenn es überhaupt eine Wahrscheinlichkeit ungleich Null gibt, dass ein solcher meta-stabiler Zustand zu einem richtigen Vakuumzustand durchtunneln würde, dann hätte dies bei einer unendlichen Vergangenheit schon vor unendlich langer Zeit geschehen müssen und nicht erst vor rund 13 Milliarden Jahren. Doch dann wird wieder unerklärlich, warum das Universum nicht schon tot ist.

Auch Spekulationen, dass unser Universum zukünftige „Baby-Universen“ erzeugen könnte, wurden in eschatologischen Diskussionen in Umlauf gebracht. Es wurde vermutet, dass schwarze Löcher Portale von Wurmlöchern sein könnten, durch welche Blasen mit falscher Vakuumenergie durchtunneln können, sodass neue expandierende Baby-Universen erzeugt werden, deren Nabelschnüre zu unserem Universum irgendwann abreißen können, wenn die Wurmlöcher sich schließen, sodass das Baby-Universum eine unabhängig existierende Raumzeit erhält (Abb. 5).

Abb. 5. Ein aus dem Mutter-Universum erzeugtes Baby-Universum wird schließlich zu einer losgelösten und kausal isolierten Raumzeit.

Vielleicht könnten wir uns vorstellen, dass unser beobachtbares Universum nur einer der neugeborenen Abkömmlinge eines unendlich alten, präexistenten Universums ist.

Die Mutmaßung, dass unser Universum durch einen solchen Mechanismus zukünftige Abkömmlinge erzeugt, war Gegenstand einer Wette zwischen Stephen Hawking und James Preskill, die Hawking, wie er 2004 bei einem vielfach veröffentlichten Ereignis schließlich zugab, verloren hatte. [29] Diese Mutmaßung würde bedeuten, dass Information, die in einem schwarzen Loch eingeschlossen ist, beim Übergang zu einem anderen Universum für immer vollständig verlorengehen könnte. Als einer der letzten Dissidenten stimmte Hawking schließlich zu, dass die Quantentheorie voraussetzt, dass Information bei der Bildung und Auflösung eines schwarzen Lochs erhalten bleibt. Welche Implikationen dies hat? „Es gibt kein sich abzweigendes Baby-Universum, wie ich einmal dachte. Die Information bleibt fest in unserem Universum. Es tut mir leid, einige Sciencefiction-Fans zu enttäuschen, aber wenn Information erhalten bleibt, gibt es keine Möglichkeit, schwarze Löcher zu benutzen, um zu anderen Universen zu reisen.“ [30] Selbst wenn Hawking darin Unrecht haben sollte, bleibt die Frage bestehen, ob ein solches eschatologisches Szenario jedenfalls erfolgreich in die Vergangenheit extrapoliert werden könnte, sodass unser Universum eines der Baby-Universen ist, die durch das Mutteruniversum oder durch eine unendliche Reihe von Vorfahren erzeugt wurden. Offenbar nicht, denn während solche Baby-Universen für Beobachter im Mutteruniversum als schwarze Löcher erscheinen, sieht ein Beobachter im Baby-Universum den Urknall als weißes Loch, das Energie ausstößt. Doch dies steht in scharfem Kontrast zu unserer Beobachtung des Urknalls als eines Ereignisses niedriger Entropie mit stark eingeschränkter geometrischer Struktur. Und wie schon gesagt: Was die unendliche Sequenz kosmischer Abkömmlinge vor den Konsequenzen des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik rettet, ist unklar.

Da solche spekulativen Mutmaßungen das Problem nicht umgehen können, bleibt uns offenbar nur der Schluss, dass das Universum in der Vergangenheit nicht ewig ist. Der Urknall stellt den absoluten Beginn des Universums dar, genau wie er im Standardmodell des Urknalls den Anfang bildet; und der Zustand niedriger Entropie war einfach ein anfänglicher Zustand.

Tatsächlich könnte die Thermodynamik gute Gründe liefern, die Realität des singulären Ursprungs der Raumzeit zu bekräftigen, die im Standardmodell postuliert wurde. Roger Penrose stellt fest: „Ich bin allmählich doch zu der Auffassung gelangt, dass es eigentlich irreführend ist zu sagen, dass die Raumzeit-Singularitäten der klassischen Relativität verschwinden sollten, wenn Standardtechniken der Quanten(feld)theorie auf sie angewendet werden.“ [31] Denn wenn die anfängliche kosmologische Singularität beseitigt wird, „haben wir wohl verloren, was mir die beste Aussicht zu sein scheint, die wir haben, das Geheimnis des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik zu erklären.“ [32] Was Penrose hier im Blick hat, ist die bemerkenswerte Tatsache, dass die Entropie des Universums stetig sinkt, wenn man in der Zeit zurückgeht. Wie ungewöhnlich dies tatsächlich sein kann, lässt sich anhand der Bekenstein-Hawking-Formel für die Entropie eines stationären schwarzen Lochs demonstrieren. Die gesamte beobachtete Entropie des Universums ist 1088. Da es rund 1080 Baryonen im Universum gibt, muss die beobachtete Entropie pro Baryon als extrem gering betrachtet werden. Im Gegensatz dazu würde die Entropie in einem kollabierenden Universum zum Ende hin bei 10123 liegen. Ein Vergleich dieser beiden Zahlen offenbart, wie absurd niedrig 1088 im Gegensatz zu dem ist, was es hätte sein können. Die Struktur des Urknalls muss also starken Beschränkungen unterlegen haben, damit die Thermodynamik, wie wir sie kennen, entstehen konnte. Wie lässt sich nun diese besondere Anfangsbedingung erklären? Nach Penrose brauchen wir die anfängliche kosmologische Singularität, um die Beschränkungen der anfänglichen Geometrie zu liefern, die den Effekt haben, einen Zustand sehr niedriger Entropie zu erzeugen. Im Gegensatz dazu sollten wir bei einer singularitätsfreien, zeitsymmetrischen Theorie weiße Löcher haben, die Material ausstoßen, was zum Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik sowie zur Beobachtung im Widerspruch steht. [33] Penrose liefert die folgende Abbildung, um den Unterschied zu illustrieren:

Abb. 6. Kontrast zwischen dem Universum, wie wir es kennen (der Einfachheit halber als geschlossen vorausgesetzt), und einem wahrscheinlicheren Universum. In beiden Fällen ist der Endzustand eine komplizierte, unbeschränkte Singularität mit hoher Entropie (~10123). In der linken Darstellung ist der Urknall eine stark beschränkte anfängliche Singularität mit niedriger Entropie (<1088), während es sich in der rechten Darstellung um einen unbeschränkten, viel wahrscheinlicheren Urknall handelt. Die „Stalaktiten“ stellen Singularitäten von schwarzen Löchern dar, die „Stalagmiten“ dagegen die Singularitäten von weißen Löchern.

Wenn wir die anfängliche kosmologische Singularität entfernen, „sollten wir bei unseren Versuchen, den Ursprung des Zweiten Hauptsatzes zu verstehen, wieder da angekommen sein, wo waren.“ [34]

Könnte die besondere anfängliche Geometrie in Abwesenheit einer kosmischen Singularität rein zufällig entstanden sein? Penrose gibt eine entscheidende Antwort: Er errechnet, dass – wenn man auf einen Phasenraum zielt, dessen Regionen die Wahrscheinlichkeit verschiedener möglicher Konfigurationen des Universums darstellen – „die Genauigkeit der Absicht des Schöpfers“ eins zu hätte gewesen sein müssen, damit unser Universum existieren kann. [35] Er kommentiert: „Ich kann mich nicht erinnern, in der Physik irgendetwas anderes gesehen zu haben, dessen Genauigkeit bekanntermaßen auch nur annähernd an eine Zahl wie eins zu heranreicht.“ [36] Somit kann die anfängliche kosmologische Singularität eine virtuelle thermodynamische Notwendigkeit sein.

Das alles bedeutet, in den Worten von Davies, dass wir, auch wenn es uns vielleicht nicht gefällt, auf der Basis der thermodynamischen Eigenschaften des Universums sagen müssen, dass der Zustand niedriger Entropie des Universums einfach irgendwie als ein anfänglicher Zustand in die Schöpfung „hineingelegt“ wurde. [37] Vor der Schöpfung, sagt Davies, existierte das Universum einfach nicht.

Diese Schlussfolgerung hat tiefgreifende metaphysische Implikationen. Denn der Beginn des Universums ist der Punkt, an dem das Universum buchstäblich in Existenz kam. Das Universum geht nicht vom Nichts in Etwas über; sondern es kommt absolut in Existenz. Doch wenn irgendetwas metaphysisch unmöglich scheint, dann dass etwas ohne eine Ursache absolut in Existenz kommen kann. Das Seiende kommt nur aus dem Seienden. Deshalb muss es kausal vor (wenn nicht zeitlich vor) dem Urknall eine außerweltliche Ursache des Universums gegeben haben.

Eine solche Ursache muss den physikalischen Raum und die physikalische Zeit transzendieren und deshalb immateriell sein, nicht physisch. Da die einzigen immateriellen Größen, die wir kennen, entweder Geist oder abstraktes Objekt (wie Zahlen) sind und da letztere nicht in kausalen Beziehungen stehen, ist es plausibel, dass die Ursache des Universums ein nicht-körperlicher Geist oder eine nicht-körperliche Person ist, die das Universum erschuf. So liefert die physikalische Eschatologie selbst eine Grundlage für den Glauben an die Existenz gerade eines solches Wesens, das fähig ist, die Projektionen der physikalischen Eschatologie zu ändern.

Der Naturalist mag darauf beharren, dass wir keinen guten Grund haben zu meinen, dass der personhafte Schöpfer in die natürliche Welt eingreifen würde, um die Konsequenzen abzuwenden, zu denen das Universum neigt. Doch die christliche Eschatologie ist unauflöslich mit der Person des Jesus von Nazareth verbunden: Seine leibliche Auferstehung ist der Vorbote nicht nur unserer eigenen eschatologischen Auferstehung, sondern auch einer Art kosmischer Auferstehung (Röm 8,19-23). Die christliche eschatologische Hoffnung beruht also auf der historischen Realität der Auferstehung Jesu.

Außerhalb des Fachgebiets neutestamentlicher Forschung wird vielleicht nicht gewürdigt, wie beeindruckend die historischen Belege für dieses bemerkenswerte Ereignis sind. [38]Heute ist die Mehrheit der neutestamentlichen Historiker, die über dieses Thema geschrieben haben, sich einig, 1) dass Jesus von Nazareth unter römischer Herrschaft durch Kreuzigung hingerichtet wurde; 2) dass der Leichnam Jesu dann durch Joseph von Arimathäa, einem Mitglied des jüdischen Sanhedrin, in ein Grab gelegt wurde; 3) dass eine Gruppe seiner weiblichen Nachfolger das Grab Jesu am Sonntagmorgen nach der Kreuzigung leer vorfand; 4) dass danach verschiedene Einzelpersonen und Gruppen unter vielfältigen Umständen Erscheinungen des lebendigen Jesus erlebten; und 5) dass die ersten Jünger trotz einer Ausgangssituation, die viel eher nahelegte, das Gegenteil zu glauben, plötzlich und aufrichtig zu dem Glauben kamen, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hatte. Diese Punkte sind zwar keineswegs unumstritten, aber sie entsprechend nichtsdestoweniger der Mehrheitsauffassung.

Nun bleibt die Frage, wie diese Tatsachen am besten zu erklären sind. Wir haben Gründe gesehen zu denken, dass ein transzendenter, personhafter Schöpfer des Universums existiert. In diesem Licht lässt sich plausibel argumentieren, dass die Auferstehungshypothese (nämlich: „Der Gott Israels erweckte Jesus von den Toten auf“), wenn man sie nach solchen Standardkriterien wie Aussagekraft, Reichweite, Plausibilität der Erklärung usw. beurteilt, sich als die beste Erklärung herausstellt. [39] Wenn das der Fall ist, dann lässt sich die Perspektive einer eschatologischen Rückkehr Christi, um das Reich Gottes völlig – mit einem neuen Himmel und einer neuen Erde – einzuläuten, nicht als bloßer Mythos abtun.

Ein letzter Punkt verdient in dieser Hinsicht Erwähnung. Eine der Hauptschwierigkeiten, die sich aus der christlichen Eschatologie ergeben, besteht zweifellos darin, dass es unglaublich erscheint, dass nächstes Jahr oder sagen wir nächsten Dienstag das Universum durch die Rückkehr Christi und den Tag des Gerichts ausgelöscht wird. Schon die neutestamentlichen Christen wurden mit solchen Bekundungen ungläubiger Fassungslosigkeit konfrontiert. Im zweiten Petrusbrief lesen wir, dass Spötter sagten: „Jesus hat doch versprochen wiederzukommen? Wo bleibt er denn? So weit ein Mensch nur zurückdenken kann, ist doch alles genauso geblieben, wie es immer schon war, seit die Welt erschaffen wurde“ (2. Petr 3,4). Was diese Spötter nicht erkannten und natürlich nicht erkennen konnten, ist, dass die physikalische Eschatologie selbst ihr eigenes apokalyptisches Szenario einer bevorstehenden weltweiten Vernichtung enthält. Ich erwähnte zuvor, dass das Universum, wenn es sich gegenwärtig in einem meta-stabilen falschen Vakuumzustand befindet, zu irgendeinem Zeitpunkt der Zukunft unweigerlich zu einem Zustand niedriger Energie durchtunneln wird, was mit einer vollständigen Metamorphose der Natur einhergeht. Weil dieses Durchtunneln ein unbestimmter Quantenphasenübergang ist, ist er nicht vorhersagbar und könnte – in den Worten von Adams und Laughlin – „buchstäblich jederzeit geschehen, sogar schon morgen.“ [40] Bei einem solchen Übergang werden sich überall im Universum Regionen eines richtigen Vakuums zu bilden beginnen, ähnlich wie Eis sich auf der Oberfläche eines Teichs bildet, nur dass in diesem Fall die Regionen eines richtigen Vakuums mit einer fantastischen Geschwindigkeit, die an die Lichtgeschwindigkeit heranreicht, durch das Universum geschleudert werden. Adams und Laughlin beschreiben eine solche kosmische Apokalypse mit folgenden Worten:

"Still und ohne jede Warnung kam sie. Jede kosmische Struktur, über die sie hinwegfegte, blieb körperlos und entstellt zurück. Die Zerstörung war beängstigend, sowohl in ihrer erschreckenden Schnelligkeit als auch in ihrer verheerenden Vollständigkeit.

Die Schockwelle begann zu einem bestimmten, aber ganz gewöhnlichen Punkt der Raumzeit und raste mit einer überwältigenden Geschwindigkeit nach außen, die sich rasch der Lichtgeschwindigkeit näherte. Die expandierende Blase umhüllte dann einen noch größeren Teil des Universums. Durch ihr phänomenales Tempo brach sie ohne jede Vorwarnung über die Regionen des Raums herein. Keine Lichtsignale, keine Radiowellen und keine kausale Kommunikation irgendeiner Art konnte der vorwärts drängenden Front vorauseilen und vor dem nahenden Verhängnis warnen. Eine Vorbereitung war ebenso unmöglich wie vergebens.

Innerhalb der Blase waren die Gesetze der Physik und damit der eigene Charakter des Universums völlig verändert. Die Werte der physikalischen Konstanten, die Stärke der fundamentalen Kräfte und die Massen der Elementarteilchen waren alle verschieden. Neue physikalische Gesetze herrschten in dieser Alice-im-Wunderland-Umgebung. Das alte Universums mit seinen alten Versionen der Gesetze der Physik hörte einfach auf zu existieren.

Man könnte diesen Tod und diese Zerstörung des alten Universums als Anlass zur Sorge betrachten. Alternativ könnte dieser natürliche Verlauf der Ereignisse als Grund zur Freude verstanden werden. Innerhalb der Blase mit ihren neuen physikalischen Gesetzen und den damit verbundenen neuen Möglichkeiten der Komplexität und der Struktur hat das Universum einen neuen Anfang zustande gebracht." [41]

Als ich diesen Abschnitt las, den diese beiden Physikwissenschaftler über die drohende Apokalypse der physikalischen Eschatologie geschrieben haben, konnte ich nicht anders, als mich an die Mahnung zu erinnern, die der Verfasser des zweiten Petrusbriefs an die Spötter seiner Zeit richtete:

"Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb; an ihm werden die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber werden im Brand aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr im Gericht erfunden werden.

Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit, indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt (2 Petr 3,8-13)."

Die Parallelen zwischen der theologischen und der physikalischen eschatologischen Apokalypse sind überraschend und unmissverständlich: eine vollständige und weltweite Metamorphose der Natur, plötzlich, ohne Vorwarnung, wie ein Dieb in der Nacht, unausweichlich und zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde, einem erneuerten Universum führend. Anders als Adams und Laughlin schlägt der Verfasser des zweiten Petrusbriefs jedoch vor, dass wir etwas tun, um uns auf die kosmische Transformation vorzubereiten, welche die alte Ordnung wegfegen wird: Da diejenigen, die zum Herrn gehören, Teil der kommenden Welt sein werden, sollte diese Zukunftsperspektive sich auf die Art und Weise auswirken, wie wir in der Gegenwart leben.

Nun verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich will damit in keiner Weise sagen, dass das, was wir im zweiten Petrusbrief lesen, eine poetische Beschreibung eines nahenden Quantenphasenübergangs des Universums wäre. Mein Punkt ist viel bescheidener: Wenn die physikalische Eschatologie apokalyptische Untergangsprognosen einschließt, die morgen Wirklichkeit werden könnten, dann sollten wir nicht über ähnliche Vorhersagen einer nahenden eschatologischen Vernichtung in der Theologie unwillig werden, nur weil sie so unerwartet und anders sind, dass sie unsere Vorstellungen sprengen.

Die Plausibilität der christlichen Eschatologie ist gegenüber den Projektionen der physikalischen Eschatologie von Natur aus mit ihrer eigenen Ontologie verbunden. Wenn es, wie die physikalische Eschatologie selbst andeutet, ein personhaftes, transzendentes Wesen gibt, das das Universum mit allen seinen Naturgesetzen und Grenzbedingungen schuf, und wenn dieses Wesen Jesus von Nazareth von den Toten auferweckt hat, der seine eschatologische Rückkehr versprochen hat, dann ist es eminent rational, die „selige Hoffnung“ der christlichen Eschatologie zu nähren und dabei die Ergebnisse der physikalischen Eschatologie als mehr oder weniger genaue Projektionen auf der Grundlage der gegenwärtigen Bedingungen zu akzeptieren.

William Lane Craig

(Übers.: M. Wilczek / L.: M. Widenmeyer)

Link zum Originalartikel in Englischer Sprache: http://www.reasonablefaith.org/the-end-of-the-world

  • [1]

    P. J. Zwart, About Time (Amsterdam: North-Holland, 1976), S. 136.

  • [2]

    Beatrice Tinsley, „From Big Bang to Eternity?“ Natural History Magazine, Oktober 1975, S. 103.

  • [3]

    Duane Dicus, et al.,The Future of the Universe“, Scientific American (März 1983), S. 99.

  • [4]

    Tinsley, „Big Bang“, S. 105.

  • [5]

    Bertrand Russell, “Was der freie Mensch verehrt", in: Christoph Fehige, Georg Meggle und Ulla Wessels (Hrsg.): Der Sinn des Lebens, München 2000: Deutscher Taschenbuchverlag, S. 341-347. Original: "A free man's worship" (Erstveröffentlichung im Jahre 1903)

  • [6]

    Freeman J. Dyson, „Time without End: Physics and Biology in an Open Universe“, Reviews of Modern Physics 51 (1979), S. 447.

  • [7]

    See Lawrence M. Krauss und Glenn D. Starkman, „Life, the Universe, and Nothing: Life and Death in an Ever-Expanding Universe“, Astrophysical Journal 531 (2000), S. 220-30.

  • [8]

    Richard Schlegel, „Time and Thermodynamics“, in The Voices of Time, hrsg. von J. T. Fraser (London 1968), S. 511.

  • [9]

    Ludwig Boltzmann, Lectures on Gas Theory, übersetzt von Stephen G. Brush (Berkeley 1964), S. 446-48.

  • [10]

    Zu einer faszinierenden zeitgenössischen Wiederaufnahme der Hypothese von Boltzmann und einer Erörterung ihrer zentralen Schwachstelle siehe Lin Dyson, Matthew Kleban und Leonard Susskind, „Disturbing Implications of a Cosmological Constant“, http://archiv.org/abs/hep-th/0208013v3 (14. November 2002). Ihr Ausgangspunkt ist Henri Poincares Argument, dass in einem geschlossenen Raum mit sich zufällig bewegenden Teilchen jede Konfiguration der Teilchen – und sei sie noch so unwahrscheinlich – bei ausreichender Zeit irgendwann wiederkehren wird; bei unendlicher Zeit wird jede Konfiguration unendlich oft wiederkehren. Unter Verzicht auf eine globale Perspektive zugunsten einer Beschränkung auf unseren kausal verbundenen Bereich des Universums argumentieren sie für die Unausweichlichkeit kosmologischer Poincare-Wiederholungen, die einen Neubeginn des Prozesses der Kosmogonie erlauben. „Die Frage ist also, ob das Universum eine natürlich auftretende Fluktuation sein kann oder ob es auf ein externes Agens zurückzuführen ist, welches das System in einem spezifisch niedrigen Entropie-Zustand in Gang setzte“ (a.a.O., S. 4). Sie räumen ein, dass die Hauptschwäche der Fluktuationshypothese darin besteht, dass es „weitaus mehr wahrscheinliche Wege gibt, belebbare (‚anthropologisch akzeptable‘) Umgebungen zu schaffen“ als solche, die in einem niedrigen Entropie-Zustand beginnen. Siehe auch Anmerkung 37 unten.

  • [11]

    Paul Davies, „The Big Bang – and Before“, The Thomas Aquinas College Lecture Series, Thomas Aquinas College, Santa Paula, Calif., März 2002.

  • [12]

    Paul Davies, „The Big Questions: In the Beginning“, ABC Science Online, Interview mit Phillip Adams, http://www.abc.net.au/science/bigquestions/s460625.htm.

  • [13]

    Siehe z.B.: E. M. Lifschitz und I. M. Khalatnikov, „Investigations in Relativist Cosmology“, Advances in Physics 12 (1963), S. 207.

  • [14]

    R. Penrose, „Gravitational Collapse and Space-Time Singularities“, Physical Review Letters 14 (1965), S. 57-59; S. W. Hawking und G. F. R. Ellis The Large-Scale Structure of Space-Time, Cambridge 1973, S. 266.

  • [15]

    Stephen Hawking und Roger Penrose, The Nature of Space and Time, The Isaac Newton Institute Series of Lectures (Princeton 1996), S. 20.

  • [16]

    Duane Dicus, et al., „Effects of Proton Decay on the Cosmological Future“, Astrophysical Journal 252 (1982), S. 1, 8.

  • [17]

    I. D. Novikov und Ya. B. Zeldovich, „Physical Processes near Cosmological Singularities“, Annual Review of Astronomy and Astrophysics 11 (1973), S. 401-2.

  • [18]

    Joseph Silk, The Big Bang, 2. Auflage, San Franzisko 1989), S. 311-12.

  • [19]

    George Ellis stellt fest:

    „Die Probleme sind ähnlich: Erstens müssen zu Beginn der Phase des Kollapses die Anfangsbedingungen in äußerst spezieller Weise gegeben sein, damit es sich um ein kollabierendes Robertson-Walker-Universum handelt; und diese Bedingungen müssen in einer nicht-kausalen Weise (in der unendlichen Vergangenheit) eingerichtet worden sein. Es ist möglich, aber es erfordert ein hohes Maß an unerklärlicher Feinabstimmung: Woher weiß die Materie an weit getrennten, kausal unverbundenen Stellen zu Beginn des Kollapses des Universums, wie ihre Bewegungen (und Dichten) zu korrelieren sind, damit sie in räumlich homogener Weise in der Zukunft richtig zusammenkommen? Zweitens: Selbst wenn dies gelingt, ist die Kollapsphase instabil, mit rasch zunehmenden Störungen, sodass nur eine sehr feinabgestimmte Kollapsphase nahe bei den von Robertson-Walker angegebenen Bedingungen bleibt, selbst wenn sie so begonnen hat, und als Ganzes umkehren kann (im Allgemeinen bilden sich viele schwarze Löcher lokal und kollabieren zu einer Singularität).“ G. F. R. Ellis an James Sinclair, 25. Januar 2006).

    Daraufhin fragt Ellis gezielt: „Wer hat den Kollaps so genau ausgerichtet, dass er in der richtigen Weise vor sich geht?“

  • [20]

    A. Guth, „Inflationary Universe: A Possible Solution to the Horizon and Flatness Problems“, Physical Review D 23 (1981), S. 247-56.

  • [21]

    Siehe z. B. A. D. Linde, „The Inflationary Universe“, Reports on Progress in Physics 47 (1984), S. 925-86; idem, „Chaotic Inflation“, Physics Letters 1298 (1983), S. 177-81. Zu einem kritischen Überblick über inflationäre Szenarios, einschließlich des Szenarios von Linde, siehe John Earman und Jesus Mosterin, „A Critical Look at Inflationary Cosmology“, Philosophy of Science 66 (1999), S. 1-49.

  • [22]

    Linde, „Inflationary Universe“, S. 976.

  • [23]

    A. Borde und A. Vilenkin, „Eternal Inflation and the Initial Singularity“, Physical Review Letters 72 (1994), S. 3305, 3307.

  • [24]

    Andrei Linde, Dmitri Linde und Arthur Mezhlumian, „From the Big Bang Theory to the Theory of a Stationary Universe“, Physical Review D 49 (1994), S. 1783-1826.

  • [25]

    Arvind Borde, Alan Guth und Alexander Vilenkin, „Inflation Is Not Past-Eternal“, http://arXiv:gr-qc/0110012v1 (1 Oct 2001), S. 4. Der Artikel wurde im Januar 2003 aktualisiert.

  • [26]

    Alexander Vilenkin, „Quantum Cosmology and Eternal Inflation“, http://arXiv:gr-qc/0204061v1 (18. April 2002):10.

  • [27]

    Alex Vilenkin, Many Words in One: The Search for Other Universes (New York 2006), S. 176.

  • [28]

    Siehe meinen Beitrag „Design and the Anthropic Fine-Tuning of the Universe“, in God and Design: The Teleological Argument and Modern Science, hrsg. von Neil Manson (London 2003), S. 178-99.

  • [29]

    Zu einer Darstellung aus erster Hand siehe James Preskills Webseite www.theory.caltech.edu/~preskill/jp-24jul04.html.

  • [30]

    S. W. Hawking, „Information Loss in Black Holes“, http://arXiv:hep-th/0507171v2 (15 September 2005), S. 4.

  • [31]

    Roger Penrose, „Some Remarks on Gravity and Quantum Mechanics“, in Quantum Structure of Space and Time, hrsg. von M. J. Duff und C. J. Isham (Cambridge 1982), S. 4.

  • [32]

    A.a.O., S. 5.

  • [33]

    Hawking und Penrose, Nature of Space and Time, S. 130.

  • [34]

    Penrose, „Remarks on Gravity“, S. 5.

  • [35]

    Roger Penrose, „Time-Asymmetry and Quantum Gravity“, in Quantum Gravity 2, hrsg. von C. J. Isham, R. Penrose und D. W. Sciama (Oxford 1981), S. 249; vgl. Hawking und Penrose, Nature of Space and Time, S. 34-5.

  • [36]

    Penrose, „Time-Asymmetry“, S. 249.

  • [37]

    P. C. W. Davies, The Physics of Time Asymmetry (London 1974), S. 104. Dyson, Kleban und Susskind (siehe Anmerkung 10 oben) antworten auf einen solchen Vorschlag wie folgt: „Eine andere Möglichkeit ist, dass ein unbekanntes Agens in die Evolution eingriff und aus eigenen Gründen das Universum im Zustand der für Inflation charakteristischen niedrigen Entropie in Gang gesetzt hat. Doch auch das hebt die Theorie der lästigen Wiederholungen nicht auf. Nur das erste Auftreten würde sich so entwickeln, wie es den üblichen Erwartungen entspricht“ (Dyson, Kleban und Susskind, „Disturbing Implications of a Cosmological Constant“, S. 20-1). Doch indem sie das sagen, haben sie die Hypothese falsch gestellt. Die Hypothese betraf nicht ein externes Agens, das das Universum „neu in Gang setzte“, sondern ein externes Agens, „welches das System in einem spezifisch niedrigen Entropie-Zustand in Gang setzte“ (a.a.O., S. 4). Eine solche Hypothese besagt: „Irgendein unbekanntes Agens setzte die Inflation am Anfang auf einem hohen Niveau ihres Potentials in Gang, und der Rest ist Geschichte“ (a.a.O., S. 2). Nach dieser Hypothese stellen sich die Probleme der Wiederholung erst gar nicht. Im Gegensatz dazu sehen sich Dyson, Kleban und Susskind schließlich veranlasst zu sagen: „Die einzige vernünftige Schlussfolgerung ist vielleicht, dass wir nicht in einer Welt mit einer echten kosmologischen Konstante leben“ (a.a.O., S. 21), eine verzweifelte Hypothese, die sich über die Evidenz einfach hinwegsetzt.

  • [38]

    Siehe William Lane Craig, Assessing the New Testament Evidence for the Historicity of the Resurrection of Jesus (Lewiston 1989); N. T. Wright, the Resurrection of the Son of God (London 2003).

  • [39]

    Zu einer anschaulichen Anwendung dieser Kriterien auf konkurrierende Hypothesen siehe William Lane Craig und Gerd Lüdemann, Jesus' Resurrection: Fact or Figment?, hrsg. von Paul Copan und Ronald Tacelli (Downer's Grove 2000).

  • [40]

    Fred C. Adams und Gregory Laughlin, „A Dying Universe: the Long-Term Fate and Evolution of Astrophysical Objects“, Reviews of Modern Physics 69:2 (1997), S. 364.

  • [41]

    Fred Adams und Greg Laughlin, The Five Ages of the Universe (New York 1999), S. 154.