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#609 Die Debatte mit Antony Flew

April 27, 2019
F

Sehr geehrter Prof. Craig,

Die beiden am besten besuchten von allen meinen Debatten waren die in den Jahren 1976 und 1998. Zu der 1976er Debatte mit Thomas Warren in Denton (Texas) kamen an den verschiedenen Tagen zwischen 5.000 und 7.000 Menschen, zu der mit William Lane Craig in Madison (Wisconsin) 1998 etwa 4.000. Dies waren die beiden einzigen Male in meinem Leben, wo ich einer der beiden Protagonisten in einer offiziellen und öffentlichen Debatte war.“ (Antony Flew, There Is a God)

Ich lese gerade dieses Buch, in welchem Antony Flew Sie erwähnt, und würde Sie gerne fragen: Was für eine Erinnerung haben Sie an diese Debatte, und haben Sie, nachdem Flew seine Position geändert hatte, mit ihm korrespondiert?

Donald

United Kingdom

Prof. Craigs Antwort


A

Ja, die Debatte mit Flew! Ich kann mich noch gut an sie erinnern. Nein, ich habe nach der Debatte keine Korrespondenz mehr mit Prof. Flew gehabt, aber ich kann Ihnen ein Stückchen Hintergrundgeschichte zu unserer Debatte liefern, die Sie vielleicht interessieren wird.

Die Organisatoren der Debatte an der University of Wisconsin in Madison hatten es so eingerichtet, dass Flew und ich vor der Debatte zusammen mit ihnen zum Abendessen zusammenkamen. Flew saß mir an dem Tisch direkt gegenüber. Er war sichtlich nervös und gab seinen Bedenken über die Teilnahme an der Debatte Ausdruck. „Meine Frau hat gesagt: ‚Wie konntest du dich nur auf so was einlassen?‘“, murmelte er.

Als wir den Veranstaltungsort erreichten, sahen wir, dass die Debatte auf einer Seite einer großen Basketballarena stattfinden sollte. Auf der steilen Tribüne saßen in endlosen Reihen die Zuhörer, über ihnen die grellen Scheinwerfer. Wir saßen auf einer erhöhten Plattform mit zwei Rednerpodesten, der Tribüne gegenüber. Nachdem man mich vorgestellt hatte, erhob ich mich und hielt ohne Zwischenfälle und wie geplant meine Eingangsrede.

Aber als dann Flew an sein Rednerpult trat und seine Rede begann, funktionierte sein Mikrofon nicht, sodass keiner in der Menge ein Wort verstand! Die Leute begannen zu rufen: „Lauter, bitte!“, „Das Mikrofon geht nicht!“, „Wir verstehen nichts!“ usw. Ich weiß nicht, ob Flew die Zurufe als Missfallenskundgebungen missverstand, verlor er die Fassung und fing an, hektisch hin und her zu laufen. „Wenn das Ding nicht funktioniert, können wir die Sache gleich ganz abblasen!“, rief er. Ich hatte Angst, dass er gleich von dem Podium stürmen würde, was das Ende der Veranstaltung gewesen wäre.

Doch da kam zum Glück der Techniker auf die Bühne und reichte Flew das Mikrofon von meinem Rednerpult, sodass er weitermachen konnte. Aber der Mann war fix und fertig. Ich glaube, dieses Problem am Anfang seiner Rede hat ihn ganz aus dem Konzept gebracht und war einer der Gründe für das schlechte Bild, das er in der Debatte abgab. In dem Video über die Debatte hat man diese Schwierigkeiten mit dem Mikrofon komplett weggelassen.

William Lane Craig

(Übers.: Dr. F. Lux)

- William Lane Craig